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Quartsextakkord

Wird ein Dreiklang zweimal umgekehrt, ergibt sich dadurch ein Quartsextakkord. Nicht in jeder Situation ist es aber sinnvoll, einen Quartsextakkord als 2.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff und Notation
  2. 2. Dissonanz in der Musiktheorie
  3. 3. Akustische Betrachtung
  4. 4. Wahrnehmung zwischen Konsonanz und Dissonanz
  5. 5. Wichtige Verwendungsarten
  6. 6. Schwebeklang und Schlussakkord

Grundbegriff und Notation

Ein Quartsextakkord ist ein Klang, der über einem Basston mindestens eine Quarte und mindestens eine Sexte enthält. Beide Intervalle können in beliebiger Oktavlage erscheinen; zusätzlich können Oktavverdopplungen des Basstons hinzukommen.

Die Bezeichnung stammt aus der Generalbassschrift. Während ein gewöhnlicher Terz-Quint-Klang über dem Basston aus Terz und Quinte gebildet wird, stehen beim Quart-Sext-Klang Quarte und Sexte über dem Bass. In der Generalbassbezifferung wird das durch die übereinandergestellten Ziffern 6 und 4 beim Basston angezeigt.

Wenn ein Dreiklang zweimal umgekehrt wird, entsteht ebenfalls ein Quartsextakkord. Trotzdem ist es nicht in jeder musikalischen Situation sinnvoll, ihn einfach als zweite Umkehrung eines Dreiklangs zu verstehen. Entscheidend ist oft, welche Rolle der Klang im Satz und in der Kadenz hat.

Dissonanz in der Musiktheorie

In der Musiktheorie wird der Quartsextakkord häufig als dissonant behandelt, obwohl sein Klang akustisch nicht unbedingt dissonant ist. Diese Einordnung hängt mit älteren Kontrapunktregeln zusammen: Terz und Sexte über einem Basston galten als konsonant, die primäre Quarte, also die Quarte über dem Basston, dagegen als dissonant.

Eine solche Dissonanz wird als Auffassungsdissonanz verstanden. Das bedeutet: Die Spannung liegt nicht in der reinen akustischen Struktur des Akkords, sondern in seiner Stellung innerhalb eines musikalischen Zusammenhangs. Besonders in Kadenzen kann der Quartsextakkord als auflösungsbedürftig empfunden werden. In Instrumentalkonzerten der Klassik wurde dieses Spannungsmoment zum Beispiel genutzt, um Aufmerksamkeit für die improvisatorische Kadenz des Solisten zu erzeugen.

In der Klausellehre hat der Bass dabei die Position der Paenultima der Bassklausel. Die beiden anderen Akkordtöne stehen für Stationen, die noch nicht die endgültige Schlussposition erreicht haben. Dadurch entsteht der Eindruck, dass der Klang weitergeführt oder aufgelöst werden muss. Dieses Empfinden beruht auf musikalischer Syntax, Hörerfahrung und der Geschichte abendländischer Mehrstimmigkeit.

Akustische Betrachtung

Akustisch lässt sich der dissonante Charakter eines dreitönigen Quartsextakkords in enger Lage nicht eindeutig nachweisen. Er enthält nur konsonante Intervalle: Quarte, große Sexte und große Terz. Ein möglicher Grund für Dissonanz könnte höchstens in Reibungen der mitschwingenden Obertöne oder Differenztöne liegen.

Die Obertonanalyse zeigt beim C-Dur-Quartsextakkord g-c′-e′ eine Reibung einer kleinen Sekunde zwischen dem dreigestrichenen c, dem dritten Oberton von c′, und dem zweigestrichenen h, das als zweiter Oberton von e′ und vierter Oberton von g erscheint. Beim Sextakkord tritt eine solche Reibung jedoch schon in einem tieferen Bereich der Obertonreihen auf, nämlich zwischen h′ und c″. Zusätzlich kommt dort ein weiterer Konflikt zwischen gis″ und g″ hinzu.

Die Differenztonanalyse ergibt ebenfalls kein dissonantes Bild. Beim Sextakkord e-g-c′ entstehen als Differenztöne C₁, C und G. Beim Quartsextakkord g-c′-e′ entstehen C, nochmals C und c. In beiden Fällen bilden Differenztöne und Akkord zusammen ein konsonantes Klangbild. Der Sextakkord wirkt dabei etwas dunkler und farbiger, der Quartsextakkord etwas heller und reiner.

Wahrnehmung zwischen Konsonanz und Dissonanz

Die Wahrnehmung des Quartsextakkords hängt stark vom musikalischen Zusammenhang ab. In traditionellen satztechnischen Situationen kann man ihn als Dissonanz im Sinne des Tonsatzes wahrnehmen, obwohl man akustisch eher eine Konsonanz hört. In neuerer Musik verliert die klassische Satzsyntax teilweise an Bedeutung, sodass der physikalische Eindruck des Klangs stärker hervortreten kann.

Trotzdem bleibt die historische Behandlung des Quartsextakkords als Dissonanz oft spürbar. Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts konnten deshalb mit beiden Polen arbeiten: dem konsonanten Klangcharakter und der überlieferten Erwartung einer Auflösung. Ob ein Quartsextakkord als konsonant oder dissonant empfunden wird, hängt letztlich auch vom musikalischen Erfahrungsschatz des Hörers ab.

Wichtige Verwendungsarten

Beim Vorhaltsquartsextakkord werden Terz und Quinte eines Klanges vorgehalten, indem sie durch Quarte und Sexte ersetzt werden. Funktions- und Stufentheorie gehen hier nicht von einer Dreiklangsumkehrung aus, sondern vom Grundton beziehungsweise Basston der Harmonie, die mit einem Quartsextvorhalt versehen ist. In Kadenzen erscheint er häufig als Dominant-Vorhalt und heißt dann auch kadenzierender Quartsextakkord. Er tritt immer auf betonter Zählzeit auf.

Ein Wechselquartsextakkord entsteht aus der Kombination zweier Wechselnoten. Ein Durchgangsquartsextakkord erscheint als Durchgangsakkord, zum Beispiel wenn sich sein Basston wie eine Durchgangsnote verhält.

Ein Umkehrungsquartsextakkord liegt vor, wenn die Bassstimme bei gleichbleibender Funktion auf unbetonter Zählzeit in die Quinte der Harmonie springt. Er kommt häufig in Märschen, volkstümlicher Musik und einfacher Tanzmusik vor, besonders beim Wechselbass, bei dem der Bass zwischen Grundton und Quinte des Akkords wechselt. Da dieser Quartsextakkord auf einer anderen strukturellen Ebene steht als etwa ein Durchgangsquartsextakkord, wird er meist eher konsonant empfunden.

Schwebeklang und Schlussakkord

Ohne deutliches Auflösungsbestreben kann der Quartsextakkord als sogenannter Schwebeklang eingesetzt werden. Er erscheint dann oft in wiederholter Form, zum Beispiel in Liedbegleitungen, und erzeugt den Eindruck einer schwebenden Leichtigkeit. Meist zeigt jedoch ein nahe gelegener Basston, dass dieser Klang nicht als strukturell wichtiger Quartsextakkord im Tonsatz gemeint ist, sondern als ästhetisches Gestaltungsmittel an der musikalischen Oberfläche. Genannte Beispiele sind Schuberts An die Musik op. 88 Nr. 4 und Schumanns Die Lotosblume aus Myrthen op. 25.

In neuerer Musik begegnet der Quartsextakkord gelegentlich auch als Schlussakkord. Als Beispiele nennt der Artikel Beethovens 7. Symphonie, 2. Satz, Mussorgskis Bilder einer Ausstellung: Die Tuilerien, Strawinskis Histoire du soldat im Großen Choral und Hindemiths Ludus tonalis: Fuga nona in B. Bei Beethoven wird darauf hingewiesen, dass der Quartsextakkord nur als Rest an der Oberfläche übrig bleibt, nachdem der strukturell wichtige Grundton im Bass zuvor bereits erklungen ist.

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