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Öömrang
Interrogativpronomen. Bearbeiten. Die Interrogativpronomen sind hoker?, wer, wem, wen?, und hög?, wessen? Relativpronomen. Bearbeiten. Es gibt nur ein …
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Einordnung und Verbreitung
Öömrang, auf Deutsch auch Amrumer Friesisch oder Amring, ist ein Dialekt der nordfriesischen Sprache. Er wird auf der Insel Amrum im Kreis Nordfriesland gesprochen. Zusammen mit Fering, dem Dialekt der benachbarten Insel Föhr, bildet er einen der zehn Hauptdialekte des Nordfriesischen und gehört zum inselfriesischen Zweig.
Etwa 600 Menschen sprechen Öömrang. Alle Sprecherinnen und Sprecher beherrschen mindestens noch Hochdeutsch, sind also mindestens zweisprachig. Die Bezeichnung Öömrang leitet sich von Oomram ab, dem friesischen Namen für Amrum.
Schreibweise und Aussprache
Heute wird meist eine friesische Einheitsorthografie verwendet, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg fast im gesamten nordfriesischen Sprachraum durchsetzte. Sie folgt anderen Regeln als die deutsche oder niederländische Rechtschreibung: Kurze Vokale werden mit einem einfachen Buchstaben geschrieben, etwa lun „Land“ und das Schluss-e von Infinitiven. Lange Vokale werden verdoppelt, zum Beispiel skuul „Schule“.
In betonten Silben gibt es kurze Vokale a, e, i, o, ö, u und ü; lange Vokale aa, ää, ee, ii, oo, öö, uu und üü; die Diphthonge ia, ua, ai, ei, eu, ui und au sowie den Triphthong uai. Ein Diphthong besteht aus zwei Vokallauten in einer Silbe, ein Triphthong aus drei. In unbetonten Silben kommen e, i und ö vor. Das e ist a- oder o-haltig; in unbetonten kleinen Wörtern wird es auch a geschrieben. Die Endung -ew wird wie der Diphthong ao gesprochen, beispielsweise in hualew „halb“. Ö erscheint nur im Präfix för- beziehungsweise ver-.
Zu den Konsonanten gehören b, ch, d, dj, f, g, h, j, k, l, m, n, ng, nj, p, r, s, sj, t, tj und w. dj, nj, sj und tj sind palatalisiert, also j-ähnlich erweicht. nj wird wie französisches oder italienisches gn gesprochen. sj klingt im modernen Öömrang wie deutsches sch, tj wie das ch in englisch church; dj ist die weiche Form von tj. Das frühere lj wurde durch l ersetzt. Das r ist ein gerolltes Vorderzungen-R, ähnlich wie im Bairischen oder Italienischen.
Ein anlautendes s ist scharf; im Wortinneren und am Wortende kann es teilweise stimmhaft sein. Anders als im Deutschen werden b und p, d und t sowie g und k auch am Wortende deutlich unterschieden. Schluss-w wird in betonten Silben zu kurzem u, etwa leew „lieb“. Außerdem kann w Diphthonge zu gesprochenen Triphthongen erweitern, wie liaw „glauben“.
Nominalgruppen und Pronomen
Öömrang hat einen unbestimmten Artikel: en, zum Beispiel en sark „eine Kirche“. Bei den bestimmten Artikeln gibt es dentallose Artikel und Dentalartikel. Die dentallosen Formen sind a und vor sächlichen Substantiven im Singular at: a prääster „der Pastor“, at hood „der Kopf“. Nach Präpositionen kann der bestimmte Artikel fehlen, zum Beispiel bi strun „am Strand“; dies ist ein altertümlicher Zug des Inselnordfriesischen.
Die Dentalartikel heißen di und det, etwa di ual maan „der (jener) alte Mann“ und det ual dör „die (jene) alte Tür“. Sie werden verwendet, wenn das Substantiv bereits erwähnt worden ist.
Bei Personalpronomen gibt es im Unterschied zum Deutschen jeweils nur eine Form für das Subjekt und eine für das Objekt: ik, mi bedeutet „ich, mir/mich“; dü, di „du, dir/dich“; hi, ham „er, ihm/ihn“. Formen können verkürzt werden, etwa ik zu ’k und dü zu ’t. Die Objektform der dritten Person kann auch reflexiv gebraucht werden: hi dreit ham am bedeutet „er dreht sich um“.
Possessivpronomen besitzen eine a-Form vor männlichen Substantiven im Singular und sonst eine i-Form: man maan heißt „mein Mann“, min wüf „meine Frau“. Im Plural unterscheiden zwei Formen, ob eine Familie oder eine größere Gemeinschaft gemeint ist: üüs jongen bedeutet „unsere Kinder“, üsens skuulmääster „unser Lehrer“.
Demonstrativpronomen werden ähnlich wie im Dänischen gebildet: dihir, jühir und dethir bedeuten im Singular „dieser, diese, dieses“, dönhir im Plural „diese“. Diese Formen sind teilweise ungebräuchlich. Interrogativpronomen sind hoker? „wer, wem, wen?“ und hög? „wessen?“. Das gebräuchliche Relativpronomen lautet wat für „der, die, das“; diar ist veraltet. Steht im Deutschen eine Präposition vor dem Relativpronomen, verwendet Öömrang huar, eigentlich „wo“: det hüs, huar’er uun wenet, „das Haus, in dem er wohnt“.
Zu den Indefinitpronomen gehören ham „man“, hoker „jemand“, hög „einige“ und wat „etwas“. Für „jede(r)“ wird unterschieden: uun arke hüs heißt „in jedem Haus“, uun eder hun „in jeder Hand“. eder wird verwendet, wenn es zwei Exemplare gibt, etwa zwei Hände; es entspricht englischem either in either hand.
Substantive haben jeweils nur eine Form im Singular und Plural. Männliche Plurale enden meist auf -er, etwa aapel, aapler „Apfel, Äpfel“, vereinzelt auf -en wie büür, büüren „Bauer, Bauern“ oder selten auf -s wie mooler, moolers „Maler, Maler“. Weibliche Substantive bilden den Plural stets mit -en, etwa hun, hunen „Hand, Hände“. Dies gilt auch für die meisten sächlichen Substantive; eine Ausnahme ist hüs, hüsang „Haus, Häuser“.
Meist bleibt ein Adjektiv in seiner Grundform. Nur zwischen unbestimmtem Artikel und männlichem Substantiv erhält es -en: en aarem wüf „eine arme Frau“ und di aarem maan „der (jener) arme Mann“, aber en aarmen maan „ein armer Mann“.
Verben und Zeitformen
Öömrang besitzt zwei Infinitivformen. Der Infinitiv I steht nach Hilfsverben und endet meistens auf unbetontes -e oder ist endungslos. Der Infinitiv II steht nach tu „zu“ und entsteht durch -n oder -en: swaare „antworten“, am tu swaarin „um zu antworten“. Die Quelle kennzeichnet die Angaben zu den Infinitiven als nicht hinreichend belegt.
Im Präsens entspricht die Form grundsätzlich dem Infinitiv I. Die zweite und dritte Person Singular enden meist auf -est beziehungsweise -et: ik swaare, dü swaarest, hi swaaret, wi swaare. Auch der Imperativ Singular entspricht dem Infinitiv I: Swaare! „Antworte!“ Der Imperativ Plural erhält -m oder -em, zum Beispiel Swaare’m! „Antwortet!“
Im Präteritum sind alle Formen außer der zweiten Person Singular gleich. Bei schwachen Verben auf -e stimmt auch das Partizip mit den Präteritumsformen überein: ik swaaret, dü swaarest, hi swaaret sowie ik haa swaaret „ich habe geantwortet“. Bei schwachen Verben mit endungsloser Grundform sind ebenfalls Präteritum und Partizip gleich. Die Beugung kann regelmäßig sein, ohne Wechsel des Stammvokals, etwa rik, rikt, rikt „rauchen“, oder unregelmäßig mit Vokalwechsel, etwa sai, sait, saad „sagen“ und bring, brangt, broocht „bringen“.
Bei starken Verben unterscheiden sich Präteritum und Partizip. Es gibt sieben Klassen; die Klassen vier bis sechs sind im Öömrang verschmolzen. Die Klassen richten sich nach dem Ablaut, also dem Wechsel des Stammvokals in verschiedenen Zeiten. Beispiele sind bitj, bat, bääd, beden „beißen“ für Klasse 1, flä, flocht, floog, flaanj „fliegen“ für Klasse 2, finj, fanjt, foonj, fünjen „finden“ für Klasse 3, kem, komt, kaam, kimen „kommen“ für die Klassen 4 bis 6 und luup, lääpt, lep, lepen „laufen“ für Klasse 7. Einige starke Verben gehören keiner Klasse an, etwa sä, sjocht, siig, sen „sehen“. Modale Hilfsverben folgen einem eigenen Muster; bei mei „mögen“ lautet es mei, mai, meest, mai, maad, maaden.
Wortschatz, Zahlen und Förderung
Gesprochenes Öömrang ist für Menschen ohne Öömrang-Kenntnisse kaum zu verstehen. Der Wortschatz erinnert teilweise an Niederdeutsch, Englisch, jütisches Dänisch oder Niederländisch oder geht auf germanische Vorläufersprachen zurück. Beispiele sind englisch verwandtes Wäärnsdai „Mittwoch“, efter „nach“, tus „Zahn“ und kai „Schlüssel“. Niederdeutsche Beispiele sind boowen „oben“, snaake „sprechen“ und dörnsk „Wohnstube“. Niederländisch wirken eilun „Insel“, kop „Tasse“ und klöör „Farbe“. Als Wörter ohne Entsprechungen in anderen Sprachen nennt die Quelle gratem „laut“, stirme „riechen“ und aran „zu Hause“.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden für moderne Begriffe Neubildungen versucht: romelwaanj, etwa „Rumpelwagen“, für „Auto“ und widjluker, etwa „Fernseher“, für „Fernsehgerät“. Sie setzten sich nicht durch; für diese und andere moderne Begriffe werden heute deutschsprachige Fremdwörter verwendet.
Auffällige Kardinalzahlen sind ään für „eins“ bei männlichen Wörtern, sonst ian; tau „zwei“, trii „drei“, sjauer „vier“, fiiw „fünf“, sääks „sechs“, sööwen „sieben“, aacht „acht“, njügen „neun“, tjiin „zehn“, twuntag „zwanzig“, dörtag „dreißig“, föftag „fünfzig“, tachentag „achtzig“, hunert „hundert“ und düüsen „tausend“.
Als Sprachbeispiel dient eine Strophe aus dem Heimatlied Min öömrang lun. Die Zeile „Dü min tüs min öömrang lun“ bedeutet „Du mein Zuhause, mein Amrumer Land“. Das Lied wurde von Lorenz Conrad Peters auf Öömrang geschrieben und entwickelte sich trotz seines Föhrer Autors zur Regionalhymne Amrums. Seine vier Strophen sind in vier Granitsteine gemeißelt und auf der Insel verteilt aufgestellt.
Zur Förderung gibt es Veröffentlichungen wie eine Sammlung von Theaterstücken und Übersetzungen. In den 1970er Jahren erschien Fering-öömrang Breipot mit Beiträgen in Fering und Öömrang. Gelegentlich veröffentlicht die Tageszeitung Der Insel-Bote Beiträge auf Öömrang. Der Öömrang Ferian i.f. dient dem Schutz und der Förderung der Amrumer Sprache. Im 2025 gedrehten deutschen Spielfilm Amrum wird viel Öömrang gesprochen; die Schauspieler wurden dafür in der Sprache geschult.