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Óscar Romero
Er gilt als einer der prominentesten Verfechter der Befreiungstheologie. Erzbischof Óscar Arnulfo Romero besucht Rom (Juni 1978) …
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Bedeutung und kirchliches Wirken
Óscar Arnulfo Romero y Galdámez (15. August 1917 in Ciudad Barrios, El Salvador – 24. März 1980 in San Salvador) war Erzbischof von San Salvador. Er setzte sich für soziale Gerechtigkeit, Menschenrechte und politische Reformen ein und geriet dadurch in Opposition zur Militärdiktatur El Salvadors. Romero wird zu den bedeutendsten Vertretern der Befreiungstheologie gezählt. Darunter versteht der Artikel eine kirchliche Orientierung, nach der sich die Kirche an den Leiden und Hoffnungen der Unterdrückten ausrichten und gegen eine von Ungerechtigkeit, Ausbeutung und Unterdrückung geprägte Sozialordnung wenden soll.
Romero wuchs in bescheidenen Verhältnissen auf. Mit 13 Jahren trat er in das Kleine Seminar von San Miguel ein. 1937 begann er sein Theologiestudium in San Salvador und setzte es auf Anweisung seines Bischofs an der Päpstlichen Universität Gregoriana in Rom fort. Dort erwarb er 1941 das Lizenziat der Theologie cum laude und empfing am 4. April 1942 die Priesterweihe. Ein Doktoratsstudium über christliche Vollkommenheit brach er 1943 ab und kehrte nach El Salvador zurück.
In San Miguel arbeitete Romero als Pfarrer und Redakteur kirchlicher Zeitschriften. Er wurde ein weithin gefragter Prediger. 1967 wurde er Monsignore und Generalsekretär der Nationalen Bischofskonferenz. 1970 ernannte ihn Papst Paul VI. zum Titularbischof von Tambeae und Weihbischof in San Salvador; am 21. Juni 1970 empfing er die Bischofsweihe. 1974 wurde er Bischof von Santiago de María, am 3. Februar 1977 Erzbischof von San Salvador.
Politisierung und Konflikt mit der Militärherrschaft
Bei seiner Ernennung zum Erzbischof galt Romero zunächst als Wunschkandidat konservativer Kreise und der Oligarchen. Die Ernennung erfolgte vor dem Hintergrund eines Konflikts über eine Agrarreform und einer umstrittenen Wahl am 20. Februar 1977. Repressionen gegen Demonstranten und Geistliche verschärften die politische Lage.
Am 28. Februar 1977 schossen Sicherheitskräfte und das Militär auf der Plaza de la Libertad auf eine Demonstration mit bis zu 50.000 Menschen. Nach offiziellen Angaben starben sechs beziehungsweise acht Menschen; andere Schätzungen nennen bis zu 300 Tote. Ein Schlüsselerlebnis für Romero war die Ermordung seines Freundes, des Jesuiten Rutilio Grande. Danach mied er offizielle Veranstaltungen, verlas stattdessen seinen zweiten Hirtenbrief und gewann dadurch zunehmend Unterstützung im Klerus.
Romero prangerte staatliche Gewalt, Straflosigkeit und die Untätigkeit des Obersten Gerichtshofs an. Nach Angaben des Erzbistums gab es Ende 1978 etwa 1063 politische Häftlinge, 147 Morde durch Sicherheitskräfte und 23 „Desaparecidos“; die OAS bestätigte diese Zahlen. Für seinen Einsatz für Menschenrechte und gegen Straflosigkeit wurde Romero Ende 1977 für den Friedensnobelpreis vorgeschlagen. Anfang 1978 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Georgetown University.
In einem dritten Hirtenbrief mit Bischof Rivera y Damas erklärte Romero, die Kirche habe einen religiösen Auftrag, müsse daraus aber auch Licht und Kraft für das gesellschaftliche Zusammenleben gewinnen. Sie solle keine politische Organisation bevorzugen, jedoch Gemeinden stärken und Befreiungsbewegungen im Sinn einer ganzheitlichen, auch geistlichen Befreiung begleiten. Der Brief lehnte Gewalt als „unchristlich“, „unevangelisch“, unwirksam und mit der Würde des Volkes unvereinbar ab.
Nach seiner Rückkehr von der Bischofskonferenz in Puebla 1979 solidarisierte sich Romero mit Forderungen des Bloque Popular Revolucionario. Bei der gewaltsamen Auflösung einer Kathedralenbesetzung wurden 20 Menschen erschossen. In seinen Predigten nannte Romero regelmäßig die Namen der Opfer sowie, soweit bekannt, Tatort, Tatdatum und Täter.
Staatsstreich und letzte Tage
Am 15. Oktober 1979 übernahm eine Junta junger Offiziere die Regierungsgewalt. Romero begleitete den Machtwechsel zunächst kritisch, aber mit Aufrufen zu Besonnenheit und Geduld, weil einige zivile Regierungsmitglieder sein Vertrauen besaßen. Als die Junta die Gewalt der Sicherheitskräfte nicht kontrollieren konnte und rechte Offiziere ihren Einfluss zurückgewannen, verlor sie an Glaubwürdigkeit. Zivile Mitglieder traten nach erfolglosen politischen und vermittelnden Bemühungen zurück.
Am 11. Januar 1980 vereinigten sich die drei größten linken Bewegungen FAPU, BPR und LP-28. Ein Massenaufstand in der Hauptstadt am 22. Januar wurde von Scharfschützen niedergeschossen. Romero reiste anschließend nach Rom und Belgien; am 2. Februar nahm er die Ehrendoktorwürde der Katholieke Universiteit Leuven an.
Nach seiner Rückkehr setzte er sich gegen die von den USA geplante erneute Militärhilfe für El Salvador ein und schrieb dazu im Einvernehmen mit seiner Gemeinde an Präsident Jimmy Carter. Am 14. März 1980 übergab ihm US-Botschafter Robert E. White eine positive Antwort des Außenministers Cyrus Vance. Romeros landesweit ausgestrahlte Predigten wurden nach der Zerstörung der kirchlichen Rundfunkstation auch von anderen lateinamerikanischen Sendern verbreitet. Trotz ernstzunehmender Todesdrohungen lehnte Romero ein Asylangebot Nicaraguas ab, weil er sein Volk nicht alleinlassen wollte.
Ermordung und Folgen
Am 24. März 1980 wurde Romero nach einer Predigt in der Krankenhauskapelle Divina Providencia in San Salvador vor dem Altar von einem Scharfschützen erschossen. Die Comisión de la Verdad para El Salvador stellte später fest, dass der ehemalige Major Roberto D’Aubuisson Arrieta den Mord befohlen und Mitglieder seines Sicherheitsstabs mit der Organisation und Überwachung beauftragt hatte. Die Hauptleute Álvaro Saravia und Eduardo Avila sowie Fernando Sagrera und Mario Molina waren an Planung und Durchführung beteiligt. Amado Antonio Garay fuhr den Schützen zur Kapelle; dieser gab aus einem roten viertürigen Volkswagen eine einzige Hochgeschwindigkeitskugel des Kalibers .22 ab. Walter Antonio „Musa“ Alvarez war an der Bezahlung beteiligt.
Der Mord stand im Zusammenhang mit der Strategie der Todesschwadronen, durch die Ausschaltung führender Persönlichkeiten des Widerstands eine Revolution zu verhindern. Romero wandte sich in seiner letzten Predigt am 23. März 1980 an die Soldaten: „Kein Soldat ist gezwungen, einem Befehl zu folgen, der gegen das Gesetz Gottes verstößt.“ Er forderte im Namen Gottes und des leidenden Volkes: „Hört auf mit der Repression!“
Der Mord leitete den Bürgerkrieg in El Salvador ein beziehungsweise entzündete ihn. Der zwölf Jahre dauernde Krieg forderte mehr als 75.000 Menschenleben, darunter 70.000 Zivilisten. Bei Romeros Begräbnis, an dem etwa eine Million Menschen teilnahmen, wurden 40 Trauernde bei einem Massaker getötet. Augenzeugen wurden eingeschüchtert, verschwanden oder flohen ins Ausland.
Aufarbeitung und kirchliche Anerkennung
Anfang der 1990er Jahre untersuchten die Comisión de la Verdad para El Salvador und die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte die Ermordung unabhängig voneinander und kamen zu ähnlichen Ergebnissen. Am 20. März 1993 verabschiedete das Parlament fünf Tage nach Veröffentlichung des Untersuchungsberichts eine international stark umstrittene Generalamnestie für Bürgerkriegsverbrechen vor 1992. Am 23. September 2004 wurde Álvaro Saravia in einem Zivilprozess in Kalifornien in Abwesenheit schuldig gesprochen. Dies war international die erste Verurteilung im Fall Romero. 2018 wurde gegen den flüchtigen Saravia ein Haftbefehl erlassen, nachdem das Amnestiegesetz aufgehoben und ein Wiederaufnahmeverfahren angeordnet worden war.
Der Seligsprechungsprozess begann am 24. März 1994. Die diözesane Phase endete 1996. Weil im Vatikan zunächst zweifelhaft war, ob Romeros Ermordung vor allem aus politisch-sozialen Gründen oder aus „Hass gegen den Glauben“ (odium fidei) erfolgte, verzögerte sich das Verfahren. 2014 erklärte Papst Franziskus eine „Deblockierung“. Der Theologenrat erkannte am 9. Januar 2015 das Martyrium an; Papst Franziskus bestätigte dies am 3. Februar 2015. Die Seligsprechung fand am 23. Mai 2015 in San Salvador statt, die Heiligsprechung am 14. Oktober 2018 in Rom durch Papst Franziskus.
Gedenken und Nachwirkung
Romero wird in mehreren christlichen Kirchen als Märtyrer und Heiliger am 24. März gedacht. Eine Statue von ihm steht an der Westfassade der Westminster Abbey unter den „Märtyrern des 20. Jahrhunderts“; sein Messbuch befindet sich in der Basilika San Bartolomeo all’Isola in Rom. Zu seinen Ehrungen zählen der Friedenspreis des Ökumenischen Aktionsbündnisses der Schweiz (1980), die Benennung des internationalen Flughafens von San Salvador (2014) und eines Asteroiden als (13703) Romero (2015). Ehrendoktorwürden erhielt er unter anderem 1978 von der Georgetown University sowie 1980 von der Katholieke Universiteit Leuven und der Universidad de El Salvador.
Seit 1980 benennen sich weltweit Einrichtungen nach Romero. In Deutschland und der Schweiz gibt es unter anderem Oscar-Romero-Häuser als Wohnheime, Bildungsstätten, Gemeindezentren und Einrichtungen für Wohnungslose. Die 1981 gegründete Christliche Initiative Romero unterstützt etwa 90 Basisbewegungen und Organisationen vor allem in Nicaragua, El Salvador, Guatemala und Honduras. Ihre Themen sind Menschenrechte, Zivilgesellschaft, Frauenrechte, die Rechte indigener Bevölkerungen, menschenwürdige Arbeit und nachhaltige Landwirtschaft. Der Romero-Preis der Katholischen Männerbewegung Österreichs wird seit 1980 verliehen; in Deutschland gibt es seit 2003 einen weiteren Oscar-Romero-Preis.
Romeros Leben und Ermordung wurden in Dokumentarfilmen, Spielfilmen und dem Theaterstück „Oscar Romero“ dargestellt. Außerdem erschienen deutschsprachige Textsammlungen, Biografien und ein Hörbuch. Der Artikel verweist zudem auf Bildsammlungen, kirchliche Informationsseiten, Literaturkataloge und historische Rundfunk- und Videobeiträge.