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Italienfeldzug (Zweiter Weltkrieg)
Er begann mit der Invasion Siziliens im Juli 1943 und dauerte bis zum Kriegsende in Europa 1945 mit der Kapitulation der Wehrmachtsverbände in Italien. Geleitet …
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Überblick und strategischer Hintergrund
Der Italienfeldzug war die alliierte Invasion Italiens gegen die Verteidigung durch die Achsenmächte im Zweiten Weltkrieg. Er dauerte vom 10. Juli 1943 bis zum 2. Mai 1945, endete mit einem Sieg der Alliierten und der Kapitulation der Wehrmachtsverbände in Italien. Das Allied Force Headquarters leitete die Operationen im Mittelmeerraum.
Nach dem Ende des Afrikafeldzugs und der Kapitulation der deutsch-italienischen Heeresgruppe Afrika am 13. Mai 1943 wollten die Westalliierten Italien mit möglichst geringem Einsatz aus dem Krieg drängen. Ein Ausscheiden Italiens sollte die alliierte Vorherrschaft im Mittelmeer sichern, die Verbindungen nach Indien und in den Fernen Osten entlasten und Deutschland zwingen, Truppen von der Ostfront abzuziehen. Auf der Casablanca-Konferenz im Januar 1943 setzte sich die britische Linie durch: Die Invasion Westeuropas wurde auf 1944 verschoben, während die Invasion Siziliens, Operation Husky, für 1943 beschlossen wurde.
Die Deutschen konnten das nächste alliierte Ziel zunächst schwer einschätzen. Britische Täuschungen, besonders Operation Mincemeat und Operation Barclay, ließen auch Landungen in Spanien, Griechenland oder Sardinien möglich erscheinen und begünstigten dadurch die Landung auf Sizilien. In Italien selbst wuchs nach der Niederlage in Tunesien die Opposition gegen den Krieg; im März 1943 kam es in Norditalien zu Massendemonstrationen. Alliierte Luftangriffe belasteten zusätzlich die Bevölkerung.
Sizilien und Italiens Seitenwechsel
Vor der Invasion Siziliens nahmen die Alliierten vom 11. bis 14. Juni 1943 Pantelleria, Lampedusa, Lampione und Linosa ein. Pantelleria wurde zuvor zwei Wochen lang aus der Luft bombardiert und sollte als Stützpunkt nahe Sizilien dienen.
Am 10. Juli 1943 begann Operation Husky mit amphibischen Landungen und Luftlandungen: die 7. US-Armee unter George S. Patton landete im Golf von Gela, die britische 8. Armee unter Bernard Montgomery südlich von Syrakus. Zur Invasionsstreitmacht gehörten mindestens 2590 Schiffe und Boote, 3462 Kampfflugzeuge, 1800 Geschütze, 600 Panzer, 14.000 Militärfahrzeuge und 181.000 Soldaten. Sizilien verteidigten zunächst etwa 175.000 italienische und 28.000 deutsche Soldaten sowie Versorgungstruppen. Die US-Armee nahm bis 23. Juli Westsizilien ein und erreichte Messina am 17. August vor den Briten. Die Achsenmächte konnten die Insel nicht halten, evakuierten aber bis dahin in Unternehmen Lehrgang fast 40.000 Wehrmachtsangehörige und 62.000 Italiener auf das Festland.
Am 24. Juli verlor Benito Mussolini im Großen Faschistischen Rat eine Abstimmung und wurde am 25. Juli vom König entlassen und verhaftet; Pietro Badoglio wurde Regierungschef. Badoglio erklärte öffentlich zunächst die Fortsetzung des Krieges mit Deutschland, schloss aber am 3. September heimlich den Waffenstillstand von Cassibile mit den Westalliierten.
Landungen auf dem Festland und deutsche Besetzung
Am 3. September 1943 landete die britische 8. Armee bei Reggio Calabria in Operation Baytown. Am 9. September folgten die Landung der 5. US-Armee im Golf von Salerno, Operation Avalanche, und die britische Landung bei Tarent, Operation Slapstick. Deutsche Verbände zogen sich in Süditalien zunächst geordnet nach Norden zurück, griffen den Brückenkopf von Salerno jedoch vom 13. bis 18. September heftig an. Schwere alliierte Luftangriffe trugen dazu bei, dass die deutsche 10. Armee die Kämpfe abbrach und sich auf neue Verteidigungsstellungen zurückzog.
Eisenhower verkündete den Waffenstillstand am 8. September per Radio. Daraufhin begann Fall Achse: Deutsche Truppen besetzten bis Mitte September Nord- und Mittelitalien sowie frühere italienische Besatzungsgebiete auf dem Balkan und entwaffneten insgesamt 1.700.000 Angehörige von Heer, Marine und Luftwaffe Italiens. Mehr als 600.000 italienische Soldaten wurden als „Militärinternierte“ in deutschen Lagern festgehalten und als Zwangsarbeiter eingesetzt. Die italienische Flotte lief am 9. September aus; die deutsche Luftwaffe versenkte mit der ferngelenkten Fritz X unter anderem das Schlachtschiff Roma.
Deutsche Fallschirmjäger und SS-Soldaten befreiten Mussolini am 12. September in Unternehmen Eiche. Am 23. September rief er den Stato repubblicano d’Italia aus, der im November Italienische Sozialrepublik oder Republik von Salò hieß und auf deutscher Seite weiterkämpfte. Das Comitato di Liberazione Nazionale (CLN) organisierte ab 9. September den Widerstand. Am 13. Oktober erklärte die Regierung Badoglio dem Deutschen Reich den Krieg.
Kämpfe um Rom und die Gotenstellung
Die deutsche Führung entschied, Italien möglichst weit im Süden zu verteidigen. In dem von Apenninen und Flüssen geprägten Gelände errichteten die Deutschen mehrere Linien: Volturno-Linie, Barbara-Linie, Bernhardt-Linie und Gustav-Linie. Die Gustav-Linie hielt den Vormarsch lange auf. Die britische 8. Armee durchbrach sie Ende 1943 bei Ortona, konnte wegen Schneestürmen aber nicht weiter vorrücken.
Mit Operation Shingle landete am 22. Januar 1944 ein Korps der 5. US-Armee bei Anzio hinter der deutschen Front. Der Brückenkopf band deutsche Kräfte, führte wegen des ausbleibenden schnellen Vorstoßes jedoch zunächst nicht zum Durchbruch. Von Januar bis Mai folgten vier alliierte Offensiven an der Gustav-Linie, die als Schlacht um Monte Cassino zusammengefasst werden. In Operation Diadem gelang Ende Mai der Durchbruch zwischen dem am 15. Februar schwer zerstörten Kloster Montecassino und dem Meer. Die 10. Armee konnte aber entkommen. US-Truppen übernahmen am 4. Juni die Kontrolle über Rom.
Nach der Landung in der Normandie wurden sieben Divisionen aus Italien zur Vorbereitung von Operation Dragoon abgezogen. Die Deutschen bezogen bis August die Gotenstellung, auch Grün-Linie genannt, zwischen Montignoso-Cinquale und Pesaro. Operation Olive brachte ab Ende August 1944 kleinere Durchbrüche und die Einnahme Riminis am 21. September, doch Bologna blieb in deutscher Hand. Im Winter 1944/45 verhinderten schlechtes Wetter, Truppenabzüge und hohe Verluste eine größere Fortsetzung; die Alliierten bereiteten die Endoffensive vor. Zugleich nahm die Partisanentätigkeit in Norditalien stark zu und der Konflikt gegen die Organe der Sozialrepublik nahm teilweise die Form eines Bürgerkriegs an.
Endoffensive und Kapitulation
Die alliierte Schlussoffensive Operation Grapeshot begann am 9. April 1945 um 19:00 Uhr mit massivem Artilleriebeschuss und Luftangriffen. Bis 18. April brach die britische 8. Armee bei Argenta durch. Am 21. April erreichten die polnische 3. Karpatendivision, die italienische Kampfgruppe Friuli und die 34. US-Infanteriedivision Bologna. Die 10. US-Gebirgsdivision erreichte am 22. April den Po, die 8. indische Division am folgenden Tag.
Am 25. April, dem Tag der Befreiung Italiens, riefen die Partisanen zum allgemeinen Aufstand auf. Die britische 8. Armee überschritt den Po und rückte auf Venedig und Triest vor; Teile der 5. US-Armee marschierten auf Mailand und die österreichische Grenze. Die Heeresgruppe C verlor fast ihre gesamte Kampfkraft. General von Vietinghoff unterzeichnete am 29. April die Kapitulation der deutschen Armeen in Italien; die Kampfhandlungen endeten am 2. Mai 1945.
Kriegsverbrechen und Verluste
Der Feldzug war einer der verlustreichsten Kriegsschauplätze Westeuropas. Schätzungen zufolge starben von September 1943 bis Mai 1945 über 60.000 alliierte und 50.000 deutsche Soldaten in Italien. Insgesamt werden etwa 320.000 alliierte und über 330.000 deutsche Gesamtverluste einschließlich Verwundeter und Vermisster genannt. Für die deutschen Verluste bis 31. März 1945 nennt der Artikel 38.805 Gefallene, 168.571 Verwundete und 208.239 Vermisste.
In Sizilien verloren die britische 8. Armee 2721 Gefallene und 7939 Verwundete, die 7. US-Armee 2811 Gefallene und 13.500 Verwundete. Die Achsenverluste umfassten bei Italien 4325 Gefallene, 32.500 Verwundete und 40.655 Vermisste, beim Deutschen Reich 4678 Gefallene, 13.500 Verwundete und 4583 Vermisste. Außerdem gerieten 116.681 Italiener und 5532 Deutsche in Gefangenschaft.
Kriegsverbrechen und Terror trafen besonders die Zivilbevölkerung. Etwa 30.000 Italiener wurden als Partisanen und Geiseln von Wehrmacht, Waffen-SS und Sicherheitskräften der Sozialrepublik getötet. Durch Partisanengruppen starben mindestens 3.000 deutsche Militärangehörige und etwa 30.000 italienische Soldaten und Zivilisten; auch 1946 forderten Racheaktionen und politische Auseinandersetzungen noch tausende italienische Opfer. Von etwa 600.000 nach dem Waffenstillstand in deutsches Gewahrsam geratenen italienischen Militärinternierten starben etwa 45.000. Nach Monte Cassino kam es durch Truppen des Corps expéditionnaire français en Italie, darunter marokkanische Truppen, zu massenhaften Vergewaltigungen, die in Italien marocchinate genannt werden.
Etwa 64.000 italienische Zivilisten starben durch westalliierte Luftangriffe; beim Luftangriff auf Rom am 19. Juli 1943 wurden 700 Menschen getötet und 1600 verletzt. Weitere 10.000 Zivilisten starben durch deutsche Luftangriffe oder Bodenbeschuss. Die Gesamtzahl der italienischen zivilen Kriegstoten wird mit etwa 152.940 angegeben.