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Zwei-Lager-Theorie
Formuliert wurde sie zunächst durch US-Präsident Harry S. Truman in seiner Truman-Doktrin vom 12. März 1947. Am 22. September 1947 folgte eine Rede von Andrei …
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Grundidee und Entstehung
Die Zwei-Lager-Theorie beschreibt die Weltordnung zu Beginn des Kalten Krieges als Gegensatz zweier politischer und gesellschaftlicher Machtblöcke: eines von den USA geführten kapitalistischen beziehungsweise imperialistischen Lagers und eines von der UdSSR geführten sozialistischen beziehungsweise antiimperialistischen Lagers. Sie entstand aus der zunehmenden Feindschaft zwischen den USA und der UdSSR, die im Zweiten Weltkrieg noch als Anti-Hitler-Koalition zusammengearbeitet hatten.
Beide Großmächte strebten nach militärischer und politischer Vorherrschaft. Sie warfen der jeweils anderen Seite ein falsches Demokratieverständnis vor und beschuldigten sie des Kommunismus beziehungsweise Imperialismus. Die Theorie wurde zunächst durch US-Präsident Harry S. Truman in der Truman-Doktrin vom 12. März 1947 formuliert. Am 22. September 1947 stellte Andrei Alexandrowitsch Schdanow auf der Gründungsversammlung des Kominform die Weltspaltung aus sowjetischer Sicht dar.
Die Truman-Doktrin
Nachdem Großbritannien im Frühjahr 1947 aus finanziellen Gründen seine Intervention im griechischen Bürgerkrieg aufgegeben hatte, unterstützten die USA die monarchistische Partei. In seiner Rede vom 12. März 1947 vor beiden Häusern des US-Kongresses begründete Truman die amerikanische Auslandshilfe für Griechenland und die Türkei mit einem globalen Führungsanspruch der USA.
Nach Truman sollten die USA die „freien Völker der Welt“ gegenüber „totalitären Regimen“ schützen. Er warf der UdSSR vor, ihre Herrschaft beruhe auf dem „Willen einer Minderheit“, die sich der Mehrheit gewaltsam aufzwinge, sowie auf Terror, Unterdrückung, Zensur, manipulierten Wahlen und dem Entzug persönlicher Freiheiten.
Daraus leitete Truman den Grundsatz ab, „freien Völkern beizustehen, die sich der angestrebten Unterwerfung durch bewaffnete Minderheiten oder durch äußeren Druck widersetzen“. Ziel war es, die Expansion der Sowjetunion aufzuhalten und Regierungen zu unterstützen, die sich dem Kommunismus widersetzten. Die Rede signalisierte zugleich, dass die USA die Zusammenarbeit mit der Sowjetunion aufgaben und sich auf eine länger andauernde Systemkonfrontation einstellten.
Die Schdanow-Doktrin
Die sowjetische Antwort auf die Truman-Doktrin formulierte Andrei Schdanow am 22. September 1947 als Mitglied des Politbüros der KPdSU auf der Gründungsversammlung des Kominform. Er bezog sich auf das durch den Zweiten Weltkrieg veränderte Kräfteverhältnis zwischen der „Welt des Kapitalismus“ und der „Welt des Sozialismus“. Die Sicherung eines gerechten demokratischen Friedens habe alle Kräfte des antiimperialistischen und antifaschistischen Lagers vereint.
Schdanow beschuldigte reaktionäre Kräfte in England und den USA, bereits während des Zweiten Weltkriegs das gemeinsame Vorgehen der Alliierten behindert, den Krieg verlängert, die UdSSR geschwächt und die vollständige Niederlage der faschistischen Aggressoren verhindert zu haben. Als konkrete Gefahren nannte er:
- den wachsenden Einfluss des US-amerikanischen Imperialismus in den Dominions des britischen Empire und in Südamerika;
- den expansionistischen Kurs der USA durch militärische, wirtschaftliche und politische Maßnahmen, darunter den Marshallplan als angeblich getarnte Expansionspolitik;
- Winston Churchills Pläne für einen Präventivkrieg gegen die UdSSR unter Ausnutzung des US-amerikanischen Atomwaffenmonopols, verbunden mit Operation Unthinkable und der Gründung der United Nations Atomic Energy Commission am 24. Januar 1946;
- die Knechtung und Spaltung Europas sowie die Sabotage der Beschlüsse des Potsdamer Abkommens zur Demokratisierung und Entmilitarisierung Deutschlands.
Schdanow teilte die Welt in ein imperialistisches und antidemokratisches Lager, zu dem unter anderem die USA, England und Frankreich gehörten, und ein antiimperialistisches und demokratisches Lager mit unter anderem der UdSSR, Rumänien, Ungarn und Finnland. Parallel dazu hatte Schdanow seit 1945 die sowjetische Kulturpolitik und die Festigung der Beziehungen zu den kommunistisch kontrollierten osteuropäischen Staaten geleitet. Ab 1946 bekämpfte die nach ihm benannte repressive Schdanowschtschina Schriftsteller, Regisseure und Komponisten. Eine Kampagne gegen den Kosmopolitismus richtete sich gegen eine gedankenlose Nachahmung ausländischer Vorbilder und hob einheimische russische Errungenschaften hervor.
Politische Folgen und allmähliche Aufgabe
Die realpolitische Umsetzung der Zwei-Lager-Theorie prägte den Kalten Krieg. Zu den Folgen gehörten:
- der Marshall-Plan (ERP) der USA ab 1947;
- die amerikanische Containment-Politik zur Eindämmung von Kommunismus und Stalinismus ab 1947;
- die McCarthy-Ära mit der Verfolgung echter oder vermeintlicher Kommunisten und ihrer Sympathisanten in den USA von 1947 bis 1956;
- die Gründung des Kominform als überstaatliches Bündnis kommunistischer Parteien von 1947 bis 1956;
- die Gründung des Rats für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) auf Initiative der UdSSR am 18. Januar 1949;
- die Gründung der NATO als US-geführtes Verteidigungsbündnis am 4. April 1949;
- der Koreakrieg als Stellvertreterkrieg der Großmächte von 1950 bis 1953;
- die amerikanische Rollback-Politik zur Ausweitung des westlichen Einflusses bis zum Sputnikschock im Oktober 1957;
- die Gründung des Warschauer Pakts als UdSSR-geführtes Verteidigungsbündnis am 14. Mai 1955.
Die Theorie stand am Anfang des Kalten Krieges, wurde jedoch ab der Mitte der 1950er Jahre langsam aufgegeben. Durch die Dekolonialisierung entstanden immer mehr dritte und neutrale Akteure, die sogenannten Blockfreien Staaten, die nicht in das Zwei-Lager-Schema passten. Auf sowjetischer Seite ging Chruschtschow nicht mehr von einem unvermeidlichen Krieg zwischen Kapitalismus und Kommunismus aus. Stattdessen erwartete er Kriege zwischen kapitalistischen Staaten, an denen der Kapitalismus zerbrechen sollte.
Am 24. Februar 1956 billigte der XX. Parteitag der KPdSU eine neue außenpolitische Generallinie. Sie setzte im Sinne des Lenin’schen Prinzips der friedlichen Koexistenz auf bessere Beziehungen, mehr Vertrauen und Zusammenarbeit mit allen Ländern. Die USA bekräftigten mit der Eisenhower-Doktrin vom Januar 1957 während der Sueskrise, prowestliche Regierungen weltweit mit allen verfügbaren Mitteln, auch Atomwaffen, gegen kommunistische Unterwanderung oder eine Bedrohung durch die Sowjetunion zu schützen. Nach Chruschtschows Besuch in den USA im September 1959 schwenkte Präsident Dwight D. Eisenhower jedoch auf die Politik der friedlichen Koexistenz der beiden Machtblöcke ein und gab die Eisenhower-Doktrin formell auf.
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