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Ziehenschule

Die Ziehenschule im Stadtteil Eschersheim von Frankfurt am Main ist mit rund 1340 Schülern eines der größten Gymnasien dieser Stadt. Sie wird vor allem von …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Profil und heutiges Bildungsangebot
  2. 2. Sprachen, Theater und Unterstützung
  3. 3. Wettbewerbe und besondere Förderung
  4. 4. Gründung und Entwicklung bis 1933
  5. 5. Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg
  6. 6. Nachkriegszeit, Reformen und heutige Entwicklung

Profil und heutiges Bildungsangebot

Die Ziehenschule ist ein Gymnasium im Frankfurter Stadtteil Eschersheim, Josephskirchstraße 9. Sie wurde 1913 gegründet und wird von der Stadt Frankfurt am Main getragen. Mit rund 1300 bis 1340 Schülern gehört sie zu den größten Gymnasien Frankfurts. Die Schule ist in der Regel fünfzügig und umfasst die Klassenstufen 5 bis 13. Schulleiterin ist seit dem 1. August 2017 Christiane Rogler.

Seit 2001 ist die Ziehenschule Europaschule. Im September 2001 wurde sie außerdem Mitglied im MINT-EC, einem Verein zur Förderung mathematischer, informativer, naturwissenschaftlicher und technischer Bildung. Die Angaben zur Zahl der Beschäftigten unterscheiden sich im Artikel: Genannt werden etwa 80 Lehrkräfte mit Voll- oder Teilzeitstellen und etwa 15 Referendare, während die Infobox insgesamt 110 Lehrkräfte ausweist. Knapp 15 % der Schüler besitzen eine ausländische Nationalität.

Ein Schwerpunkt liegt auf Sprachen, Musik und naturwissenschaftlicher Bildung. Es gibt zwei Klassik-Orchester, eine Big Band, eine Brassband und mehrere Chöre. Die große Schülerzahl ermöglicht ein breites Fächerangebot: Als zweite Fremdsprache für Englischklassen kann Spanisch gewählt werden, als dritte Fremdsprache unter anderem Latein. Auch in der Oberstufe können viele Fächer tatsächlich eingerichtet werden, weil genügend Schüler teilnehmen. 2011 wurde im Neubau eine Mensa eröffnet; ein warmes Mittagessen wird für 3,00 € angeboten. Die Klassenräume des Neubaus verfügen über Smartboards, die des Altbaus über Beamer; außerdem gibt es zwei Computerräume.

Sprachen, Theater und Unterstützung

Der bilinguale Zweig besteht seit 1974 und beginnt ab Klasse 7. Voraussetzung ist, dass die Schüler ab Klasse 5 Französisch als erste Fremdsprache lernen. In der Regel werden drei bis vier Klassen gebildet; ungefähr jeder zweite Schüler dieser Klassen entscheidet sich für den bilingualen Bildungsgang. Ab Klasse 7 werden zusätzlich wechselnd Politik und Wirtschaft, Erdkunde oder Geschichte auf Französisch unterrichtet. Für die übrigen Schüler findet dieser Sachfachunterricht auf Deutsch statt. Die Wahl ist bis Klasse 10 bindend. Da in Hessen entweder die erste oder die zweite Fremdsprache Englisch sein muss, ist Englisch für Schüler mit Französisch als erster Fremdsprache ab Klasse 6 verpflichtend.

Gegen Ende der Klasse 10 sowie in den Klassen 12 und 13 bestehen erneut Wahlmöglichkeiten zwischen bilingualem und nicht-bilingualem Unterricht. Wer den bilingualen Zweig bis zum Ende besucht, kann zusätzlich zum deutschen Abitur das französische Abitur, das Baccalauréat, ablegen. Dafür kommt eine französische Regierungskommission aus Paris an die Schule. Pro Abschlussjahrgang erwerben dies etwa 15 bis 20 Schüler. Der Abschluss kann unter anderem ein Studium in Frankreich erleichtern. Wer keine Baccalauréat-Prüfung ablegt, erhält bei erfolgreichem Abschluss des bilingualen Zweigs einen schriftlichen Nachweis, der die normalerweise erforderliche französische Sprach-Eingangsprüfung ersetzen kann. Im zweiten Halbjahr der Klasse 8 findet ein fünftägiger Austausch mit einer französischen Schule statt.

Von Klasse 9 bis 13 kann Darstellendes Spiel gewählt werden. Der Kurs entwickelt ein Theaterstück, das mehrfach aufgeführt wird; seit 2005 fanden Aufführungen auch als Open-Air-Veranstaltung im Schulpark statt. Die seit 1998 bestehende Theater-AG heißt seit 2003 English Drama Group, arbeitet auf Englisch und führt ihr Stück jährlich öffentlich in der Aula sowie bei den Frankfurter Schultheatertagen im Künstlerhaus Mousonturm auf.

Für den Übergang von der Grundschule in Klasse 5 gibt es seit 1982 zwei Mentoren aus den Klassen 10 oder 11 pro fünfter Klasse. Sie begleiten die neuen Schüler in der ersten Schulwoche, bei Ausflügen und später bei Klassenfahrten und helfen bis zum Ende der Klasse 6 auch bei schulischen Konflikten. Die Schülerbücherei wird seit Dezember 1986 ehrenamtlich von Eltern betrieben. Sie öffnet an allen Schultagen ab 8:00 Uhr, bietet etwa 15 ehrenamtlich Mitarbeitenden zufolge einen Arbeitsplatz für Hausaufgaben und verfügt über acht internetfähige Computer. Die Ziehen-Hausaufgabenhilfe e. V. betreibt seit 2000 eine Lernwerkstatt für etwa 50 Schüler der Klassen 5 bis 7.

Wettbewerbe und besondere Förderung

Die Schule nimmt an zahlreichen Wettbewerben in Mathematik, Biologie, Chemie, Physik und Informatik teil. Dazu gehören unter anderem der Känguru-Wettbewerb, die Mathematik-Olympiade, der Bundeswettbewerb Mathematik, Jugend forscht, die Biologie- und Chemie-Olympiade, der Physik-Wettbewerb, die MINT-Messe und der Informatik-Biber. Beim Heureka-Wettbewerb „Weltenkunde“ waren 2023 vier Schüler besonders erfolgreich: Joaquim Rodríguez Arranhado erreichte mit 180 von 180 Punkten den 1. Platz in Deutschland; Jens Jakob kam in Hessen in Klasse 7 mit 155 von 180 Punkten auf den 2. Platz; Yusuf Skran erreichte in Hessen in Klasse 8 mit 159 von 180 Punkten den 3. Platz; Luis Loff kam in Hessen in Klasse 7 mit 152 von 180 Punkten ebenfalls auf den 3. Platz.

Die erste Runde des Mathematikwettbewerbs des Landes Hessen ist an allen hessischen weiterführenden Schulen verpflichtend. Ihr Ergebnis zählt als Klassenarbeit und geht in den schriftlichen Teil der Mathematiknote ein.

Seit 2005 gibt es ein „pull-out“-Projekt zur Hochbegabtenförderung. Aus jeder Klasse 6, 7 und 8 können bis zu fünf Schüler vorgeschlagen werden. Die freiwillig Teilnehmenden beschäftigen sich an drei über das Schuljahr verteilten Vormittagen mit Themen außerhalb des Lehrplans, beispielsweise mit Golfspielen oder Experimenten in Museen und Universitäten. Weitere naturwissenschaftliche Angebote sind ein Chemiekurs in Räumen des Fachbereichs Chemie der Frankfurter Universität, eine Astronomie-AG und eine Gartenbau-AG.

Der Verein der Freunde und Förderer wurde 1923 während der Hyperinflation gegründet, um den Mangel an Unterrichtsmaterial auszugleichen. Später finanzierte er unter anderem Mobiliar, Schulbücher, naturwissenschaftliche Sammlungen, Musikinstrumente, Notensätze und Computer. Außerdem unterstützt er Schüler finanziell, wenn sie sonst nicht an Klassenfahrten teilnehmen könnten. Seit 1994 wird an verdiente Mitglieder der Schulgemeinde die Ziehen-Plakette verliehen.

Gründung und Entwicklung bis 1933

Die Schule wurde am 3. April 1913 als Eschersheimer Realschule eröffnet. Da zunächst kein eigenes Gebäude vorhanden war, begann der Unterricht mit einer Sexta, also Klasse 5, von 26 Jungen und drei Lehrern in Räumen der Heddernheimer Volksschule. Das spätere Schulgebäude wurde auf dem Gelände einer Tongrube errichtet und am 15. Oktober 1914 bezogen. 1913 betrug das jährliche Schulgeld 100 Mark für Einheimische und 200 Mark für Auswärtige.

Der Erste Weltkrieg prägte den Schulbetrieb stark. Der erste Schulleiter Max Nierhaus fiel 1914 in Flandern, sein Nachfolger Theodor Mensinger starb 1917 an der Westfront. Wegen Papier- und Heizmittelmangels mussten sich Schüler mit schlechterem Heftmaterial begnügen; Anfang 1917 fiel der Unterricht drei Wochen aus. Schüler wurden zum Sammeln von Eicheln, Bucheckern und Steinobstkernen sowie zur Erntehilfe eingesetzt. Trotz Kriegsfolgen, Einquartierungen und Spanischer Grippe legten die ersten Sextaner vor Ostern 1919 die Mittlere Reife ab.

Am 23. April 1919 wurde die Schule zur Oberrealschule aufgewertet. Dadurch konnte eine Oberstufe eingerichtet werden; im März 1922 fand die erste Reifeprüfung statt. Im Unterschied zu humanistischen Gymnasien lagen die Schwerpunkte auf modernen Sprachen und den naturwissenschaftlichen Fächern. 1924 wurden erstmals Mädchen aufgenommen: Unter 97 Sextanern waren 38 Mädchen. 1926 erhielt die Schule den Namen Ziehen-Oberrealschule zu Ehren des Pädagogen Julius Ziehen. 1928 wurde ein Reformrealgymnasium mit Latein als Pflichtfremdsprache ab Klasse 10 eingerichtet.

1927 besuchten 613 Schüler, darunter 67 Mädchen, die Schule. Die Weltwirtschaftskrise führte ab 1929 zu sinkenden Schülerzahlen, weniger Unterrichtsstunden und einem kleineren Kollegium. 1932 sollten von 775 Wochenstunden 121 entfallen; außerdem wurden 4,5 Lehrerstellen gestrichen. Zum Schuljahr 1933/34 wurden nur noch 47 Jungen und 10 Mädchen in Klasse 5 aufgenommen, nachdem es drei Jahre zuvor insgesamt 141 Schüler gewesen waren. Die Koedukation war bereits zuvor umstritten; 1935 wurde der gemeinsame Unterricht unter dem Einfluss der nationalsozialistischen Regierung beendet.

Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg

Die Anpassung an die nationalsozialistische Schulpolitik erfolgte laut den erhaltenen Akten weitgehend reibungslos. Direktor Gustav Schad, der von 1931 bis 1945 amtierte und schon vor 1933 der NSDAP angehört hatte, leitete die Schule. Ein als Kommunist geltender Lehrer, Studienrat Feder, wurde 1933 zunächst beurlaubt und anschließend aus dem Schuldienst entlassen. Nach mündlichen Berichten besuchten bereits nach 1934 fast keine jüdischen Kinder mehr die Schule. Seit 1934 mussten Lehrer und Schüler den deutschen Gruß ausführen; Unterrichtsinhalte wurden an die nationalsozialistische Ideologie angepasst. Dazu gehörten „Vorgeschichte“, „Rassenkunde“, Erbbiologie und „Erbgesundheitslehre“. 1938 wurde eine entsprechende Frage sogar als Abiturthema gestellt.

1937 wurde die Schule in eine Oberschule für Jungen und eine Oberschule für Mädchen i. E. umgewandelt. Gleichzeitig wurde der Unterricht zunehmend militarisiert. Bereits 1932 war eine Schießsportabteilung eingerichtet worden; ab 1933 sollte der Sportunterricht auf militärischer Grundlage erfolgen. Im Unterricht wurden Luftschutz, Gasschutz und Wehrsport behandelt, Marschlieder eingeübt und ab 1936 Schüler für die Offizierslaufbahn geworben. 1937 fand eine Luftschutzalarm-Übung statt, 1938 wurden Volksgasmasken angeschafft.

Während des Zweiten Weltkriegs wurden bis zum 31. Januar 1941 mindestens zwölf Lehrer zum Wehrdienst eingezogen. In einem Rundbrief von 1943 wurden 33 gefallene, elf vermisste und zwei in Kriegsgefangenschaft befindliche Schüler genannt. Ab dem 18. Februar 1944 wurden Klassen nach Büdingen evakuiert und dort bis zur Übergabe der Stadt an die US-Armee am 30. März 1945 unterrichtet. Im März 1945 wurden ältere evakuierte Schüler außerdem in ein Wehrertüchtigungslager nach Meerholz eingezogen. Am 29. März 1945 beschlagnahmten US-Truppen das Schulgebäude. 1945 wurden Bücher und Lehrmittelsammlungen abtransportiert und verbrannt; Schulchroniken und Konferenzprotokolle blieben erhalten.

Nachkriegszeit, Reformen und heutige Entwicklung

Am 28. Dezember 1945 genehmigte die US-Militärverwaltung die Wiederaufnahme des Schulbetriebs als „Realgymnasium für Jungen und Mädchen“. Weil das Gebäude zunächst noch militärisch genutzt wurde, fand der Unterricht an mehreren Ersatzorten statt, teilweise in Vor- und Nachmittagsschichten. Es fehlten Heizmaterial und Schulbücher; viele Texte mussten von Lehrern oder Schülern beschafft und diktiert werden. 1946 wurden zwei zusätzliche Reifeprüfungslehrgänge für ehemalige Kriegsteilnehmer angeboten. Ab Ostern 1947 stand das Schulgebäude wieder zur Verfügung, ab Ostern 1949 war die Schule wieder koedukativ.

1952 wurde die Oberstufe in einen mathematisch-naturwissenschaftlichen und einen sprachlichen Zweig geteilt. 1958 wurde Französisch als erste Fremdsprache eingeführt, ab 1959 konnten Realschüler nach der 10. Klasse in die Oberstufe wechseln. 1966 legten 75 Schüler das Abitur ab, darunter 19 ehemalige Realschüler. Die gesellschaftlichen Konflikte der späten 1960er-Jahre führten zur Selbstauflösung der Schülervertretung und zum Bruch mit älteren Schultraditionen. 1969 entstand ein Erweiterungsbau mit Pausen- und Turnhalle; weitere Behelfsbauten blieben teilweise bis ins neue Jahrtausend bestehen.

Ab 1970/71 gab es wieder eine Schülervertretung, außerdem wurde Russisch als zweite Fremdsprache eingeführt. Das Kurssystem wurde schrittweise vorbereitet und ab 1976/77 allgemein eingeführt. Der Samstagsunterricht wurde bis Ende der 1970er-Jahre vollständig abgeschafft. 1974 begann der bilinguale Unterricht Deutsch/Französisch. Seit 1989 nimmt die Schule an einem deutsch-französischen Schulversuch zum gleichzeitigen Erwerb beider Hochschulreifeprüfungen teil; am 12. Juni 1992 wurde erstmals an 17 Abiturienten auch das Baccalauréat verliehen.

Im November 2011 wurde ein moderner Erweiterungsbau mit zehn Unterrichtsräumen und Mensa eröffnet. Ende 2012 entschied sich eine deutliche Lehrermehrheit für die Rückkehr zu G9, also zum Abitur nach 13 Jahren. In der Nacht vom 22. auf den 23. März 2021 kam es zu Einbruch, Brandstiftung und Vandalismus. Das Erdgeschoss des Anbaus war etwa ein Jahr unzugänglich; Unterricht wurde teilweise in ein Gemeindehaus und eine Außenstelle verlegt. Anfang Februar 2022 waren die Sanierungsarbeiten abgeschlossen. Die Schülerzahl stieg von 26 im Schuljahr 1913/14 über 1619 im Schuljahr 1981/82 auf etwa 1300 im Schuljahr 2025/26; seit 1993/94 liegt sie meist zwischen 1300 und 1400.

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