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Französischunterricht
Der Französischunterricht dient der Entwicklung des Hörverstehens-, Hör-Seh-Verstehens-, Sprech-, Lese-, Schreib- und Sprachmittlungskompetenz in der …
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Aufgaben und Ziele des Französischunterrichts
Französischunterricht entwickelt mehrere Sprachkompetenzen: Hörverstehen, Hör-Seh-Verstehen, Sprechen, Lesen, Schreiben und Sprachmittlung. Auf höherem Niveau steht traditionell auch das Verstehen französischsprachiger literarischer Texte im Mittelpunkt. Als Fremdsprachenunterricht umfasst das Fach außerdem landeskundliche und interkulturelle Inhalte. Die Lernenden beschäftigen sich daher nicht nur mit der französischen Sprache, sondern auch mit französischsprachiger Literatur, Gesellschaft und Kultur.
Entwicklung der Methoden
Die Unterrichtsmethode hängt eng mit den jeweiligen Bildungszielen zusammen. Die Grammatik-Übersetzungsmethode dominierte am Ende des 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Sie war vom Neuhumanismus und dem klassischen Bildungsideal geprägt. Französisch sollte vor allem den Zugang zu kulturellen Leistungen Frankreichs ermöglichen.
Typisch waren narrative Texte über bedeutende Persönlichkeiten aus Kunst, Literatur und Politik, eine schriftsprachliche Ausdrucksweise mit passé simple und hypotaktischem Stil sowie Übersetzungs- und Einsetzübungen zu schwierigen grammatischen Erscheinungen. Der Unterricht war stark kognitiv ausgerichtet: Der Stoff sollte geistig durchdrungen werden. Die Sprechfertigkeit wurde jedoch kaum geübt.
In den 1960er-Jahren führte die Rezeption des Behaviorismus zu einer ersten methodischen Wende. Im Mittelpunkt standen nun nicht mehr Grammatik und Übersetzung, sondern Nachahmung und Wiederholung. Im Sprachlabor sollten die Lernenden „sets of habits“ und Sprachautomatismen erwerben, damit sie in Alltagssituationen im Zielland reflexartig reagieren konnten. Die Programme enthielten Dialoge aus Alltagssituationen und Pattern-Drills. Vorteil war die Automatisierung von Sprachstrukturen; als Nachteil galt, dass die Inhalte die Lernenden unterfordern konnten.
Die kommunikative Wende wurde in Deutschland durch Hans-Eberhard Piepho (1974) eingeleitet. Sie betonte die Authentizität des Diskurses und die kommunikative Kompetenz nach dem Modell von Jürgen Habermas. Die Lernenden wurden als aktive Subjekte verstanden, die eigene Wünsche und Sprechintentionen ausdrücken. Lehrwerke stellten Konflikte dar, die zu persönlichen Stellungnahmen anregen sollten. Sprachproduktion hatte Vorrang vor vollständiger Sprachkorrektheit, und Fehler wurden akzeptiert. Dadurch verbesserten sich die Sprechfertigkeit und der Abbau von Sprechangst. Gleichzeitig konnte die sprachliche Qualität vernachlässigt werden, und die kommunikative Kompetenz erreichte schnell ihre Grenzen.
Konstruktivismus, Lernerautonomie und Motivation
Die konstruktivistische Didaktik radikalisiert die Lernerorientierung. Nach dieser Auffassung kann Wissen nicht direkt von außen übertragen werden. Die Lernenden konstruieren ihr Wissen selbst auf der Grundlage des vorgefundenen Materials. Lehrkräfte und Lehrwerke sollen sie beim Aufbau dieses Wissens unterstützen.
Eine wichtige Variante ist Lernen durch Lehren (LdL), das besonders mit Jean-Pol Martin verbunden wird. Die Lernenden vermitteln sich die im Lehrwerk verdichteten Inhalte arbeitsteilig gegenseitig. Dabei verbinden sich mehrere Ansätze:
- Die Inhalte werden kognitiv bearbeitet.
- Sprachstrukturen werden durch Übung automatisiert.
- Die Lernenden sprechen authentisch miteinander.
- Sie bringen einzelne Wissensbausteine ein und konstruieren ihr Wissen gemeinsam.
Der gesamte Unterricht wird als gemeinsames Projekt verstanden, in dem alle Beteiligten Wissen aufbauen. Erkenntnisse der Gehirnforschung sollen genutzt werden, indem die Klasse zu einem „neuronalen Netz“ umgeformt wird. Der Schwerpunkt liegt damit zunehmend auf Lernerautonomie, also der eigenständigen und aktiven Mitwirkung der Lernenden am Lernprozess.
Für die Motivation reicht nach Ansicht einiger Fachdidaktiker besonders in höheren Klassen die Vermittlung von Sprachstrukturen und Sachwissen allein nicht aus. Menschen brauchen für ihr Handeln einen Sinn, der über sie selbst hinausweist. Der Französischunterricht kann deshalb Sinnfragen, europäische Themen und Projekte aufgreifen. Als mögliche Inhalte werden die Probleme und Chancen der Globalisierung sowie Hilfsprojekte, beispielsweise in frankophonen afrikanischen Ländern, genannt. Dadurch könnte das Fach neue Modernität und Attraktivität gewinnen.
Französisch in Deutschland: Verbreitung und politische Bedeutung
In Deutschland lernen etwa 15 Prozent der Schülerinnen und Schüler Französisch; Englisch lernen etwa 95 Prozent. Französisch wird vor allem an Gymnasien unterrichtet. Dort steht es traditionell in Konkurrenz zu Latein und zunehmend auch zu modernen Fremdsprachen wie Spanisch oder Russisch.
Französisch wird in Deutschland seit dem Mittelalter unterrichtet. Zunächst vermittelten vor allem Hauslehrer an Höfen die Sprache, etwa zur Vorbereitung junger Adliger auf ihre Rittertouren. Im 17. Jahrhundert unter Ludwig XIV. sowie im 18. Jahrhundert während Aufklärung und Französischer Revolution nahm seine Bedeutung wegen der kulturellen Dominanz Frankreichs in Europa zu. Erst gegen die Mitte des 19. Jahrhunderts wurde Französisch an Universitäten und Gymnasien etabliert. Ausschlaggebend waren die wirtschaftliche Entwicklung und der Bedarf an französischkundigen Vertretern deutscher Ideen und Produkte.
An den Universitäten unterrichteten zuerst Lektoren, später auch philologisch ausgebildete Professoren. Dadurch verwissenschaftlichte sich das Fach und entfernte sich teilweise von der praktischen Anwendung. Romanische Sprachen wurden überwiegend auf Deutsch und abstrakt, vor allem anhand von Grammatik und historischer Philologie, behandelt. In Privatschulen blieb dagegen die praktische Anwendung durch Sprechen wichtig; dort wurde die direkte Methode verwendet. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts boten Realgymnasien Französisch verstärkt an, meist weiterhin mit der Grammatik-Übersetzungsmethode. Während der Zeit des Nationalsozialismus wurde Englisch gegenüber Französisch bevorzugt.
Seit dem Schuljahr 2003/2004 wird in Baden-Württemberg ab der 1. Grundschulklasse, also ab einem Alter von etwa 6 Jahren, eine Fremdsprache mit zwei Wochenstunden verpflichtend unterrichtet. Am Oberrhein bis etwa 15 Kilometer von der französischen Grenze ist dies Französisch; im übrigen Baden-Württemberg ist Englisch die erste Pflichtfremdsprache. Die Gebiete wurden durch Kabinettsbeschluss vom 20. November 2001 festgelegt.
2007 sollte Französisch in Gymnasien in weniger als 30 Kilometern Entfernung zur französischen Grenze anstelle von Englisch erste Pflichtfremdsprache werden. Kultusminister Helmut Rau (CDU) begründete dies mit besseren Wegen zur Mehrsprachigkeit und Vorteilen auf dem Arbeitsmarkt. Der Verwaltungsgerichtshof Mannheim hob die Rechtsverordnung jedoch auf, nachdem ein Karlsruher Schüler und seine Mutter einen Eilantrag gestellt hatten. Nach Auffassung des Gerichts wäre dafür ein Gesetz des Landtags erforderlich gewesen; die Regierung verfolgte das Vorhaben nicht weiter.
Französisch wird in Deutschland vor allem im Saarland als erste Fremdsprache angeboten, meist jedoch als zweite, dritte oder vierte. Deshalb sprechen es faktisch nur wenige Menschen, und der kulturelle Austausch mit Frankreich bleibt begrenzt. Zugleich wächst der angloamerikanische kulturelle Einfluss. 2024 lernten nach Eurostat im EU-Durchschnitt 30 Prozent der Schülerinnen und Schüler Französisch, während es in Deutschland etwa 15 Prozent sind. Spanisch gewinnt hinzu, Französisch und Deutsch verlieren. Seit 1963 organisiert das Deutsch-Französische Jugendwerk (DFJW/OFAJ) verschiedene Austauschprogramme.
Französisch in Österreich, außerhalb der Schule und durch Diplome
Im österreichischen Schulwesen war Französisch als zweite lebende Fremdsprache besonders in neusprachlichen Gymnasien, Realgymnasien und Handelsakademien verankert. Es wurde ab der 9. Schulstufe, also ab der 5. Klasse des Gymnasiums oder der 1. Klasse der Handelsakademie, mit mindestens 10, meist 12 bis 14 Wochenstunden unterrichtet. Durch die Schulautonomie wurde Französisch teilweise zugunsten von Spanisch oder Italienisch zurückgedrängt, teilweise aber auch ausgeweitet. In manchen Gymnasien begann der Französischunterricht bereits ab der 7. Schulstufe und verdrängte dort den traditionellen Lateinunterricht. Da Latein im Gymnasium verpflichtend ist, begann es dann ab der 9. Schulstufe.
Mit der Einführung der Neuen Mittelschule wurde Französisch auch im Pflichtschulbereich als zweite lebende Fremdsprache angeboten. An Pädagogischen Hochschulen wurde es dafür als viertes Hauptfach und Schularbeitsfach aufgenommen. Während der Umstellung wurde Französisch teilweise als Freifach und teilweise von noch nicht vollständig ausgebildeten Lehrkräften unterrichtet.
Historisch wurden in den Gymnasien der Monarchie zunächst Latein und Griechisch, aber keine lebende Fremdsprache gelehrt. Die 1805 gegründeten Realschulen führten eine Handelssprache ein, meist Italienisch, Ungarisch oder Tschechisch. Später kamen lebende Fremdsprachen auch an Gymnasien und Realgymnasien hinzu. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden verstärkt Französisch und gelegentlich Englisch unterrichtet, während Latein seine Vorrangstellung behielt. In der nationalsozialistischen Zeit ersetzte Englisch als Pflichtfach alle anderen lebenden Fremdsprachen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden Englisch und teilweise die Sprache der Besatzungsmacht gelehrt. Von 1955 bis 1962 war Englisch ab der 5. Schulstufe der Hauptschule (A-Zug), der Realgymnasien und der Gymnasien Pflichtfach; zweite Sprache war Latein. Das Schulorganisationsgesetz von 1962 führte eine verpflichtende zweite Fremdsprache ein. Fast ausnahmslos fiel die Wahl auf Französisch.
Zur Vereinheitlichung der Standards und als Motivation wurden internationale Diplome eingeführt, die von der Commission nationale verliehen werden. Das DELF (Diplôme d'études en langue française) entspricht ungefähr vier Jahren Schulfranzösisch. In Deutschland werden Realschüler und Gymnasialschüler mit vier Jahren Französisch als Wahlfach auf DELF B1–B2 vorbereitet. Das DALF (Diplôme approfondi de langue française) entspricht einem Niveau, das ein Studium in Frankreich ermöglicht.
Französische Muttersprachler im nichtfranzösischen Ausland, darunter Migrantenkinder ohne Zugang zu einer französischsprachigen Schule, können Lesen und Schreiben im Fernunterricht lernen. Ein Anbieter ist das staatliche Centre National d'Enseignement à Distance (CNED). Im Bildungsfernsehen wurden unter anderem die Französischsendungen „Bon Courage“, „C’est ça, la vie“, „Les Gammas! Les Gammas!“, „Le petit gnome“, „Les années lycée“, „Viens jouer avec nous“ und „Planète Némo“ ausgestrahlt.