Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit

Die Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR im Berliner Ortsteil Lichtenberg diente von 1950 bis 1989 als Sitz des Ministeriums für …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Aufbau der Zentrale
  2. 2. Entstehung, Ausbau und Ende
  3. 3. Organisation und zentrale Einrichtungen
  4. 4. Hausnummern und heutige Nutzung
  5. 5. Teilobjekt nördlich der Normannenstraße
  6. 6. Sperrzone und Umgebung

Bedeutung und Aufbau der Zentrale

Die Zentrale des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) lag im Berliner Ortsteil Lichtenberg. Sie war von 1950 bis 1989 der Sitz des MfS, also der Staatssicherheit der DDR, und 1989–1990 Sitz des Amtes für Nationale Sicherheit. Von hier aus arbeiteten die Leitung und zahlreiche Hauptabteilungen des Geheimdienstes. Die Anlage war deshalb ein wichtiges organisatorisches Zentrum für Überwachung, Spionage, Spionageabwehr, politische Kontrolle und die Versorgung des Ministeriums.

Zur Zentrale gehörten der Dienstkomplex Normannenstraße, das etwa 500 m nördlich gelegene Teilobjekt Gotlindestraße sowie weitere Gebäudekomplexe in Schöneweide und das Zentralobjekt Wuhlheide in der Köpenicker Straße 325b. In Wuhlheide befanden sich die Hauptabteilung III mit dem Rechenzentrum der Abteilung 13, die Hauptabteilung VIII und das Institut für wissenschaftlichen Gerätebau. Dort liegt heute der Innovationspark Wuhlheide.

Nach der deutschen Wiedervereinigung entstanden im Dienstkomplex Normannenstraße Museen, Archive und Forschungseinrichtungen zur Geschichte des MfS. Mehrere Gebäude stehen als Baudenkmale unter Denkmalschutz. Große Teile des Komplexes sind jedoch ungenutzt oder stehen leer.

Entstehung, Ausbau und Ende

Das am 8. Februar 1950 nach sowjetischem Vorbild gegründete MfS bezog zunächst das 1930–1932 errichtete Finanzamt an der Ecke Normannenstraße und Magdalenenstraße. Dieses Gebäude wurde später als Haus 2 bezeichnet. Südlich davon entstand 1952 ein Behelfsbau. Es folgten Haus 7 im Jahr 1956, das Speise- und Konferenzgebäude Haus 22 sowie Teile der Poliklinik 1960.

1961–1962 ersetzte Haus 1 den Behelfsbau. Dort lagen die Büros des Ministers und der obersten Führung. Haus 21 wurde 1964 als Stützpunkt des Wachregiments „Feliks Dzierzynski“ fertiggestellt, Haus 20 im Jahr 1966; bis zum Ende der 1960er Jahre kamen die Häuser 13 und 14 hinzu. Ab 1974 entstand Haus 4. Danach konzentrierten sich die Bauarbeiten auf Frankfurter Allee und Ruschestraße. 1978 wurden das vierteilige, 13-geschossige Haus 15 für die Hauptverwaltung A, Haus 16 und gegen Ende der 1970er Jahre Haus 17 mit dem neuen Haupttor fertiggestellt.

Das größte Einzelgebäude war Haus 18, das 1979–1982 an der Ecke Ruschestraße und Normannenstraße als Dienstleistungs- und Versorgungsgebäude entstand. 1982 übernahm das MfS außerdem einen Altbau an der Ecke Magdalenenstraße und Frankfurter Allee. Den Abschluss der großen Bauphase bildeten 1984 die Karteien- und Archivgebäude Haus 8 und Haus 9.

1989 umfasste der Dienstkomplex den gesamten Häuserblock zwischen Frankfurter Allee, Magdalenenstraße, Normannenstraße und Ruschestraße. Die knapp 80 Hektar große, als „Stasi-Stadt“ bezeichnete Anlage bestand zuletzt aus 29 Häusern und elf Höfen; dort arbeiteten bis zu 7000 hauptamtliche MfS-Mitarbeiter. Weitere Ausbaupläne reichten bis weit in die 1990er Jahre. Unter anderem sollte Haus 12 durch einen Plattenbau vom Typ WBS 70 ersetzt werden, um an der Frankfurter Allee eine einheitliche Front aus Bürohochhäusern zu schaffen.

Während der politischen Wende stürmten Demonstranten den Komplex am 15. Januar 1990. Bereits anwesende Bürgerrechtler übernahmen ihn anschließend in einer Sicherheitspartnerschaft. Seit 1990 befindet sich in Haus 1 die Forschungs- und Gedenkstätte Normannenstraße. Haus 8 und Haus 9 beherbergen heute das Stasi-Unterlagen-Archiv des Bundesarchivs. Haus 2 wird wieder als Finanzamt genutzt. Für die weitere Entwicklung wurde eine Nutzung als „Campus für Demokratie“ vorgeschlagen.

Organisation und zentrale Einrichtungen

Die Hauptzufahrt, Tor 13, führte durch Haus 17 an der Ruschestraße. Im Hauptgebäude Haus 1 arbeiteten der Minister für Staatssicherheit, seine vier Stellvertreter und ihre Arbeitsgruppen. Haus 8 war das 1984 eröffnete zentrale Karteien- und Archivgebäude. Haus 15, ein Ensemble aus vier 13-geschossigen Plattenbauten, war der Sitz der Hauptverwaltung A, die für Auslandsspionage zuständig war.

Der Komplex besaß eine eigene Infrastruktur. Haus 22 enthielt einen Speisesaal mit 200 Sitzplätzen für Abteilungsleiter und einen Konferenzsaal. Um Hof 10 lag die MfS-interne Poliklinik mit eigener Zahnstation. Haus 18 bot auf 6500 m² unter anderem eine Kaufhalle, eine Ladenzeile, medizinische Einrichtungen und ein Konferenzzentrum. Werkstätten, Garagen und Lager der Verwaltung Rückwärtige Dienste waren über das Gelände verteilt. Diese Verwaltung kümmerte sich um Reparaturen sowie um Energie-, Wasser- und Wärmeversorgung. Soldaten des Wachregiments „Feliks Dzierzynski“ bewachten den Komplex.

Weitere Gebäude verdeutlichen die Vielfalt der Aufgaben: In Haus 2 saßen unter anderem die Hauptabteilung II für Spionageabwehr und die Abteilung X für internationale Verbindungen. Haus 7 beherbergte die Hauptabteilung XX, die Staatsapparat, Kultur, Kirche, Untergrund und Sport überwachte. In Haus 12 arbeitete die Zentrale Koordinierungsgruppe, die sich mit der Verhinderung von Fluchten aus der DDR und mit Ausreiseanträgen befasste. Die Häuser 13, 14 und 16 wurden unter anderem von der Hauptabteilung XVIII genutzt, die Bereiche der Volkswirtschaft überwachte. Die Abteilung XII in Haus 9 war für Nachweise, Auskünfte über erfasste Personen und registrierte Akten zuständig.

Hausnummern und heutige Nutzung

Die Bezeichnung der Gebäudeteile als „Häuser“ war vor allem organisatorisch und entsprach nicht immer der baulichen Gliederung. Haus 1 war ein einzelnes Gebäude, konnte aber durch Verbindungstüren auch aus Haus 2 und Haus 7 betreten werden. Haus 7 bestand aus zwei rechtwinklig angeordneten Flügeln. Haus 8 und Haus 15 umfassten jeweils vier Gebäudeteile, Haus 19 zwei Gebäudeteile mit weiteren Anbauten.

Heute zeigt der Komplex sehr unterschiedliche Nutzungen. Haus 1 enthält die Forschungs- und Gedenkstätte mit dem „Stasi-Museum“ sowie Opfer- und Aufarbeitungsgruppen. Haus 7 wird für die Ausstellung „Einblick ins Geheime“ über das Stasi-Unterlagen-Archiv genutzt. Haus 8 ist Standort des Stasi-Unterlagen-Archivs des Bundesarchivs, Haus 9 enthält dessen Büros. In den Häusern 17, 19, 20 und 21 befinden sich unter anderem medizinische Einrichtungen, eine Apotheke, eine Sparkassenfiliale und Einrichtungen des Campus für Demokratie. Haus 22 dient als Besucherzentrum und Informationsstelle.

Mehrere ehemalige Dienstgebäude wurden wieder zu Wohnungen umgebaut, darunter die Häuser 3, 5 sowie 27–29. Haus 4 wurde ebenfalls zum Wohngebäude mit einem kleinen Laden im Erdgeschoss umgestaltet. Haus 6 wurde nach längerem Leerstand 2019–2020 abgerissen; an seiner Stelle befindet sich ein Parkplatz. Andere Bauten, darunter Teile der Häuser 12 bis 18, stehen überwiegend leer. Die Häuser 1, 2, 7, 15, 16, 17, 18, 19, 20 und 22 sind laut Artikel ganz oder teilweise als Baudenkmale geschützt.

2023 fand auf dem Hofgelände an der Ruschestraße 103 erstmals vier Wochen lang das „Campus-Kino“ statt. Gezeigt wurden nach 1990 entstandene Filme über die DDR-Vergangenheit; Gespräche zwischen Publikum und Filmschaffenden waren ausdrücklich erwünscht. Im August 2024 wurde eine weitere Veranstaltung mit denselben Zielen organisiert.

Teilobjekt nördlich der Normannenstraße

Das Teilobjekt Gotlindestraße lag etwa 500 m nördlich des Dienstkomplexes Normannenstraße auf der anderen Seite des Hans-Zoschke-Stadions. Seine Gebäude entstanden überwiegend zwischen 1975 und 1985. Die Häuser 40 bis 42 wurden 1975–1979 in Leichtbauweise errichtet. Dort arbeiteten die Hauptabteilung VII zur Sicherung des Ministeriums des Innern und der Volkspolizei, die Abteilung Finanzen sowie die Abteilung N, die das Nachrichtenwesen des MfS sicherstellte.

Haus 43 war ein Nachrichtenfunktionsgebäude, Haus 44 ein weiterer Stützpunkt des Wachregiments „Feliks Dzierzynski“. Haus 45 wurde bis 1985 in Plattenbauweise für die Verwaltung Rückwärtige Dienste errichtet. Die Häuser 46 und 47 beherbergten die Abteilung M, die die Postkontrolle in der DDR leitete. In den Häusern 48 und 49 saßen unter anderem die Hauptabteilung XIX zur Überwachung von Interflug, Reichsbahn, Binnen- und Seeschifffahrt sowie Post- und Fernmeldewesen, die Hauptabteilung Kader und Schulung, die Funkaufklärung und die Abteilung 26 für Telefonüberwachung und Abhörmaßnahmen. Später nutzte die Agentur für Arbeit die Häuser 48 und 49.

Sperrzone und Umgebung

Bis 1989 lag die Zentrale in einer streng bewachten und fortlaufend erweiterten Sperrzone. Ein besonderes Sicherheitsreglement untersagte die Ein- und Durchfahrt auf den Zufahrtsstraßen zum zentralen Häuserblock weitgehend. Dadurch blieb die Anlage den Blicken Außenstehender größtenteils entzogen.

Die Umgebung zwischen den Bahnhöfen Lichtenberg und Frankfurter Allee war ursprünglich eher vorstädtisch geprägt, mit Wohnstraßen, Kleingärten und größeren Grünflächen. Seit den 1960er Jahren wurden rund um die Zentrale immer mehr Wohnungen gezielt an MfS-Mitarbeiter vergeben. Südlich des Komplexes entstand in Frankfurter Allee Süd eine „MfS-Siedlung“ aus Plattenbauten. Beschäftigte aus weiter entfernten Wohngebieten erreichten die Zentrale über den seit 1930 bestehenden U-Bahnhof Magdalenenstraße.

Unmittelbar östlich lag eine um 1890 errichtete Gefängnisanlage. Sie war von 1945 bis 1955 vom sowjetischen Geheimdienst und von 1955 bis 1989 als Untersuchungshaftanstalt II des MfS für politische Gefangene genutzt worden; fünf Jahre lang nutzten sowjetischer Geheimdienst und MfS sie gemeinsam. Dort fanden auch Besuchs-, Anwalts- und bestimmte Diplomatentermine für Gefangene der Untersuchungshaftanstalt I in Berlin-Hohenschönhausen statt. In einem Seitenflügel arbeitete die für Militärstrafsachen zuständige Abteilung IX/6 der Hauptabteilung IX. Sie führte politisch bedeutsame Ermittlungen und nahm direkten Einfluss auf Gerichtsverfahren und Urteile, beispielsweise 1980–1981 im Verfahren gegen Werner Teske.

Nördlich des Komplexes liegt das Hans-Zoschke-Stadion. Das MfS plante in den 1970er Jahren dessen Abriss, setzte diesen aber nicht um. Tatsächlich abgerissen wurden 1979 eine neuapostolische Kirche und drei 1928 fertiggestellte Wohnhäuser von Bruno Taut, damit an ihrer Stelle Haus 18 errichtet werden konnte.

Weiterlesen

Ministerium für Staatssicherheit Das Ministerium für Staatssicherheit (MfS), Kurzwort „Stasi“, wurde am 8. Februar 1950 nach sowjetischem Vorbild (MGB/KGB) gegründet. Deutsche Demokratische Republik Tauschgeschäfte mit Parallelen zum klassischen Kolonialhandel, so von Waffen und Lkw aus der DDR gegen Rohkaffee und Energierohstoffe aus ausgewählten … Deutsche Wiedervereinigung Die deutsche Wiedervereinigung oder deutsche Vereinigung (in der Gesetzessprache Herstellung der Einheit Deutschlands) war der durch die friedliche … Stasi-Unterlagen Unter den Stasi-Unterlagen versteht man all das, was in Schrift, Ton und Bild vom Ministerium für Staatssicherheit der DDR gesammelt wurde. Hektar Umrechnungen ; 1 Hektar, = 100 Ar = 10.000 Quadratmeter = 0,01 Quadratkilometer ; 100 Hektar, = 1 Quadratkilometer ; Für angloamerikanische Maße gibt es Näherungen … Wende und friedliche Revolution in der DDR Als Wende oder friedliche Revolution in der DDR (auch Wendezeit oder Zusammenbruch der DDR) wird der Prozess gesellschaftspolitischen Wandels bezeichnet, … Sturm auf die Stasi-Zentrale in der Normannenstraße 1990 Zum „Sturm“ auf die Zentrale der Staatssicherheit der DDR in der Normannenstraße in Ost-Berlin kam es am 15. Januar 1990. Bürger strömten in die Zentrale … Bundesarchiv (Deutschland) Das Bundesarchiv (BArch) ist eine 1952 gegründete deutsche Bundesoberbehörde im Geschäftsbereich des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien … Denkmalschutz Der Denkmalschutz dient dem Schutz von Kulturdenkmälern und kulturhistorisch relevanten Gesamtanlagen (Ensembleschutz). Ziel ist es, dafür zu sorgen, … Bundesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen Die Errichtung der Behörde wurde von Mitgliedern der Bürgerkomitees und Freiwilligen der Bürgerrechtsbewegung im Zuge der friedlichen Revolution von 1989 … Flucht aus der Sowjetischen Besatzungszone und der DDR Die Flüchtlingspolitik der Bundesrepublik Deutschland bis zum Bau der Berliner Mauer (= Beiträge zur Geschichte des Parlamentarismus und der politischen … Syrien Wirtschaftlich sind für Syrien die Landwirtschaft, die Förderung und der Export von Erdöl sowie die Erzeugung von Textilien und Nahrungsmitteln bedeutend. Durch …