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Weltbild

Geozentrisches Weltbild im Mittelalter aus der Schedelschen Weltchronik Heliozentrisches Weltbild. Die Frage, wie die Welt als Ganzes aufgebaut ist …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundbegriff
  2. 2. Begriff und Ursprung
  3. 3. Kosmologische Weltbilder
  4. 4. Vom geozentrischen zum heliozentrischen Modell
  5. 5. Modernes kosmologisches Weltbild
  6. 6. Religiöse und ideologische Weltbilder

Grundbegriff

Ein Weltbild, lateinisch Imago mundi, ist die Vorstellung der erfahrbaren Wirklichkeit als Ganzes. Es meint also ein Gesamtbild davon, wie die Welt aufgebaut ist und verstanden werden kann. Im engeren Sinn ist es ein Modell der wahrnehmbaren Welt. Der Begriff kann eher objektiv und theoretisch gemeint sein; dann unterscheidet er sich von einer stärker subjektiven und praktisch verstandenen „Weltanschauung“.

Ein Weltbild ist wichtig, weil es erklärt, wie Menschen ihre Stellung in der Welt, den Aufbau des Kosmos und oft auch religiöse oder gesellschaftliche Ordnungen deuten. Weltbilder verändern sich, wenn neue Beobachtungen, wissenschaftliche Theorien oder religiöse und politische Vorstellungen an Bedeutung gewinnen.

Begriff und Ursprung

Der deutsche Ausdruck „Weltbild“ ist zuerst in Notkers Übersetzung von Martianus Capellas De nuptiis Philologiae et Mercurii belegt. Dort wird die lateinische Formulierung forma ideaque mundi mit uuerlt-pilde übersetzt.

Gemeint war in diesem frühen Gebrauch ein platonisch geprägtes Bild: ein geformtes oder geschnitztes Bild, das für Ideen steht. Die endliche Welt erscheint dabei als Abbild oder Ausfaltung solcher Ideen.

Kosmologische Weltbilder

Kosmologische Weltbilder beschreiben, wie die Welt oder der Kosmos als Ganzes aufgebaut ist. Schon in prähistorischer Zeit beschäftigte Menschen diese Frage. Als älteste Darstellung des Himmels gilt die Himmelsscheibe von Nebra aus der Bronzezeit.

In der Antike war das babylonische Weltbild einflussreich. Danach ist die Oberseite der Erde eine flache Scheibe unter einem luftgefüllten Himmelsgewölbe, dem Firmament. Die Sterne gelten als „Lichter“, die fest am Firmament befestigt sind. Die sieben Planeten bewegen sich auf Wegen im Himmelsgewölbe und unter der Erde um diese herum. Die Landmassen sind von einem Salzwassermeer umgeben, das noch zur Erde gehört. Himmel und Erde liegen außerdem in einem kosmischen Süßwasserozean.

Dieses Bild wurde schon in der Antike widerlegt, als die Kugelgestalt der Erde erkannt wurde. Aristoteles begründete in Über den Himmel, warum die Erde eine Kugel sein müsse. Eratosthenes berechnete als Erster den Erdumfang aus astronomischen Beobachtungen. Trotzdem blieb in der griechischen Antike und bis zum Ende des Mittelalters die Vorstellung verbreitet, dass die Erde im Zentrum der Welt stehe.

Vom geozentrischen zum heliozentrischen Modell

Das geozentrische Weltbild setzt die Erde ins Zentrum. Claudius Ptolemäus begründete ein solches Modell, in dem Sonne, Mond und Sterne auf Epizyklen beschrieben wurden. Epizyklen sind zusätzliche Kreisbahnen, mit denen man die beobachteten Himmelsbewegungen erklären wollte. Das Modell passte gut zu Beobachtungen, war aber sehr kompliziert.

Nikolaus Kopernikus erkannte, dass sich die Bahnberechnungen stark vereinfachen, wenn die Sonne und nicht die Erde im Zentrum steht. Dieses heliozentrische Weltbild widersprach jedoch der damaligen Lehre der katholischen Kirche und wurde deshalb von ihr abgelehnt. Tycho Brahe entwickelte ein Zwischenmodell: Die Erde stand im Zentrum, die Planeten kreisten aber um die Sonne, und die Sonne bewegte sich um die Erde.

Johannes Kepler nutzte Brahes Beobachtungsdaten und belegte, dass das heliozentrische Weltbild richtig war. Er erkannte außerdem, dass die Planetenbahnen keine Kreise sind, wie Kopernikus angenommen hatte, sondern Ellipsen. Galileo Galilei stützte durch Beobachtungen die Keplerschen Gesetze und vertrat das heliozentrische Weltbild offen. Dadurch geriet er in Konflikt mit der Kirche. Er erklärte die Spannung zwischen kirchlicher Meinung und Naturwissenschaft mit dem Satz, es sei „die Absicht des heiligen Geistes, uns zu lehren, wie man in den Himmel kommt, nicht wie sich der Himmel bewegt“.

Modernes kosmologisches Weltbild

Isaac Newton gab mit seiner Gravitationstheorie eine physikalische Erklärung für die Form der Planetenbahnen. Die Sterne galten damals noch als unveränderlich; daher stammt die Bezeichnung Fixsterne. Bis ins 20. Jahrhundert hielt sich die Vorstellung eines immer gleich bleibenden, unendlichen Universums.

Albert Einstein fügte in seine Allgemeine Relativitätstheorie eine kosmologische Konstante ein, um dieses statische Weltbild zu erhalten. Später nannte er diesen Kunstgriff seine „größte Eselei“. Beobachtungen von Edwin Hubble und theoretische Überlegungen von Alexander Friedmann zeigten, dass der Kosmos nicht statisch ist, sondern sich ausdehnt. Daraus folgte die Vorstellung, dass die Welt nicht seit unendlicher Zeit existiert, sondern vor ca. 13,7 Mrd. Jahren aus einer Singularität entstand: dem Urknall.

Heute gilt die Erde nicht mehr als Zentrum der Welt, sondern als kleiner Planet eines gewöhnlichen Sterns in einer durchschnittlichen Spiralgalaxie. Dass auf der Erde passende Bedingungen für Leben herrschen, wird mit dem anthropischen Prinzip erklärt: Nur weil die Bedingungen günstig für intelligentes Leben waren, können Menschen über ihre Entstehung nachdenken; sonst wären sie nicht hier.

Giordano Bruno (1548–1600) vertrat die Vorstellung, dass es kein Zentrum der Welt gebe und alle Sterne weit entfernte Sonnen seien. Diese Idee stellte auch die mittelalterliche gesellschaftliche Ordnung infrage. Pierre Teilhard de Chardin (1881–1955) hielt biologische Evolution für mit religiösen Vorstellungen vereinbar und vertrat 1953 in Die Vielheit der bewohnten Welten die Ansicht, es müsse Millionen über den Himmel verstreute Menschheiten geben. Ob ein solcher Zentrismus gültig ist, wird von verschiedener Seite bezweifelt. Im Seti-Projekt wird nach außerirdischem intelligentem Leben gesucht.

Religiöse und ideologische Weltbilder

Religiöse Weltbilder verbinden Vorstellungen vom Aufbau der Welt mit religiösen Deutungen. Das älteste in dieser Weise überlieferte, wenn auch nur spekulativ deutbare Weltbild ist das der Religion im Paläolithikum. Hinweise darauf sind Höhlen- und Felsbilder, Bestattungen und Idole.

Im Neolithikum veränderten sich Weltbilder stark durch neue agrarische und hirtennomadische Wirtschaftsformen. Später entwickelten die Stadtstaaten des Vorderen Orients solche Vorstellungen weiter, bis zur Bronzezeit und zu den ersten Flächenstaaten. Dabei orientierten sie sich zunehmend an astronomischen Erkenntnissen und anderen entstehenden Naturwissenschaften. Zugleich wurden sie Teil stärker systematisierter Religionen, eines Priestertums und politischer Machtstrukturen. Parallel entstanden philosophische Systeme, etwa im alten Griechenland.

Von der Antike über das Mittelalter bis in die Neuzeit waren Weltbilder oft religiös und machtpolitisch geprägt. In neuerer Zeit liegen auch Ideologien eigene Weltbilder zugrunde, zum Beispiel Marxismus, Kapitalismus oder Materialismus. Diese enthalten häufig philosophische Elemente. Religionsvertreter verloren nach dem Mittelalter schrittweise ihre Deutungshoheit, besonders durch moderne Wissenschaft und Technik. Als Gegenentwicklung nennt der Artikel rückwärtsgewandte Weltbilder moderner Sekten, der Esoterik sowie des orthodoxen Islam und Judentums.

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