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Zbigniew Brzeziński

Brzeziński wird zur realistischen Schule der Internationalen Politik gerechnet und steht geopolitisch in der Tradition Halford Mackinders und Nicholas J.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Grundpositionen
  2. 2. Ausbildung und politischer Aufstieg
  3. 3. Sicherheitsberater unter Carter
  4. 4. Einfluss nach dem Kalten Krieg
  5. 5. Zentrale politikwissenschaftliche Werke

Bedeutung und Grundpositionen

Zbigniew Kazimierz Brzeziński (28. März 1928–26. Mai 2017) war ein polnisch-US-amerikanischer Politikwissenschaftler, außenpolitischer Stratege und Politikberater. Von 1966 bis 1968 beriet er Lyndon B. Johnson, von 1977 bis 1981 war er Nationaler Sicherheitsberater von US-Präsident Jimmy Carter. Außerdem lehrte er US-Außenpolitik an der Johns Hopkins University und arbeitete am Center for Strategic and International Studies.

Brzeziński gehörte zur realistischen Schule der Internationalen Politik. Diese betrachtet internationale Beziehungen vor allem als Wettbewerb von Staaten um Macht, Sicherheit und Einfluss. Seine Geopolitik stand in der Tradition Halford Mackinders und Nicholas J. Spykmans und konzentrierte sich besonders auf Eurasien. Er hielt die Sowjetunion wegen ihrer kommunistischen Ordnung, wirtschaftlichen Schwächen und inneren nationalen Spannungen langfristig für instabil.

Politisch stand er überwiegend den Demokraten nahe, unterstützte 1988 aber den Republikaner George H. W. Bush. Häufig wurde er mit Henry Kissinger verglichen. Kissinger wollte während des Kalten Krieges vor allem das bestehende Machtgleichgewicht erhalten. Brzeziński wollte dagegen die Schwächen des sowjetischen Systems nutzen, Menschenrechte und Dissidenten unterstützen und den sowjetischen Einfluss in Osteuropa schrittweise zurückdrängen.

Ausbildung und politischer Aufstieg

Brzeziński wurde 1928 in Warschau als Sohn des polnischen Diplomaten Tadeusz Brzeziński und Leonia Roman geboren. Seine Kindheit verbrachte er teilweise in Frankreich, Deutschland, der Ukrainischen SSR und Kanada. Die Gewalt des Zweiten Weltkriegs gegen Polen prägte nach eigener Aussage sein Verständnis der Weltpolitik als grundlegenden Machtkampf.

An der McGill University erwarb er 1949 den Bachelor- und 1950 den Masterabschluss in Politikwissenschaft. Seine Masterarbeit behandelte die Ethnien und Nationalitäten der Sowjetunion. 1953 promovierte er an der Harvard University über die Sowjetunion und die Zusammenhänge zwischen Oktoberrevolution, Lenins Staatsmodell und Josef Stalins Politik. 1958 wurde er US-amerikanischer Staatsbürger. Später lehrte er an der Columbia University und wurde unter anderem Mentor von Madeleine Albright.

Schon früh kritisierte Brzeziński die Rollback-Politik der USA, weil eine offen feindselige Haltung die osteuropäischen Staaten seiner Meinung nach enger an Moskau binden würde. Stattdessen entwickelte er das Konzept des „peaceful engagement“: einen friedlichen Wettbewerb um Einfluss in Osteuropa. Während des Präsidentschaftswahlkampfs 1960 beriet er John F. Kennedy. Er sagte einen möglichen Zerfall der Sowjetunion entlang ethnischer Konfliktlinien voraus.

Unter Lyndon B. Johnson arbeitete Brzeziński von 1966 bis 1968 im Planungsstab des Außenministeriums. Er befürwortete den Vietnamkrieg, setzte sich später aber für eine Deeskalation des US-Militäreinsatzes ein. Er unterstützte engere Beziehungen zu osteuropäischen Regierungen und eine gesamteuropäische Konferenz; diese Idee wurde 1973 mit der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa verwirklicht.

Nach einem Japanaufenthalt schlug Brzeziński David Rockefeller eine Organisation für den Dialog zwischen Eliten aus Nordamerika, Europa und Japan vor. Daraus entstand im Juli 1973 die Trilaterale Kommission, deren erster Direktor Brzeziński wurde. Dort lernte er Jimmy Carter kennen.

Sicherheitsberater unter Carter

Nach Carters Wahlsieg 1976 wurde Brzeziński Nationaler Sicherheitsberater. Er kritisierte die Entspannungspolitik Richard Nixons und Henry Kissingers als zu nachgiebig gegenüber der Sowjetunion. Stattdessen wollte er Abrüstungsverhandlungen, Menschenrechte und friedlichen Druck auf Osteuropa miteinander verbinden. Darin geriet er zunehmend in Konflikt mit Außenminister Cyrus Vance, der Abrüstung und stabile Beziehungen zur Sowjetunion stärker gewichtete.

Brzeziński ließ die Tätigkeit von Radio Free Europe ausweiten und unterstützte Dissidenten in kommunistischen Staaten. Bei einem Besuch Carters in Warschau erkannten beide die römisch-katholische Kirche als legitime Opposition gegen die kommunistische Herrschaft Polens an. Gegenüber der Sowjetunion vertrat Brzeziński eine harte Linie, weil er ihre Politik in Angola, im Nahen Osten und später in Afghanistan als Beleg dafür ansah, dass die bisherige Entspannungspolitik Moskau ermutigt habe.

1978 reiste er nach Peking und bereitete die Normalisierung der Beziehungen zwischen den USA und der Volksrepublik China vor. Dies lockerte zugleich die amerikanische Bindung an die Republik China auf Taiwan. Nach der Islamischen Revolution im Iran und der sowjetischen Invasion Afghanistans 1979 unterstützte er eine neue Aufrüstung und den Aufbau schneller Eingreiftruppen. In der Polenkrise warnte er vor einer möglichen sowjetischen Intervention und unterstützte die unabhängige Gewerkschaft Solidarność. 1981 verlieh Carter ihm die Presidential Medal of Freedom für seine Beiträge zur Annäherung an China, zu den Menschenrechten und zur nationalen Sicherheit.

Besonders umstritten ist seine Beteiligung an der Operation Cyclone, mit der die USA islamistische und antikommunistische Mudschahedin gegen die von der Sowjetunion unterstützte afghanische Regierung stärkten. Carter genehmigte die Unterstützung bereits am 3. Juli 1979, etwa ein halbes Jahr vor der sowjetischen Intervention. In einem 1998 veröffentlichten Interview entstand der Eindruck, Brzeziński habe die Sowjetunion absichtlich in eine „afghanische Falle“ locken wollen. Brzeziński bestritt die entscheidende Aussage und erklärte, das Interview sei verzerrt und nie von ihm autorisiert worden. Der Journalist Vincent Jauvert verteidigte die Wiedergabe, bestätigte aber, dass das Zitat im Titel von der Redaktion stammte. Bisher gefundenes Archivmaterial belegt nicht, dass Brzeziński eine sowjetische Intervention gezielt provozieren wollte.

Einfluss nach dem Kalten Krieg

Unter Ronald Reagan arbeitete Brzeziński in mehreren sicherheits- und geheimdienstpolitischen Beratungsgremien. 1988 veröffentlichte er The Grand Failure. Darin beschrieb er mehrere mögliche Entwicklungen der Sowjetunion: erfolgreiche Pluralisierung, eine anhaltende Krise, neue Stagnation, einen Putsch durch KGB oder Militär sowie den Zusammenbruch des kommunistischen Regimes. Er hielt zunächst eine lange Krise für wahrscheinlicher als den Zusammenbruch. 1991 zerfiel die Sowjetunion weniger gewaltsam, als er und andere Beobachter erwartet hatten.

Während der Präsidentschaft Bill Clintons verlangte Brzeziński ein entschlosseneres Eingreifen gegen die serbische Armee im Bosnischen Krieg. Er unterstützte 1999 die Bombardierung Serbiens im Kosovokrieg, wandte sich gegen Russlands ersten Tschetschenienkrieg und wurde zu einem starken Befürworter der NATO-Erweiterung. Den Aufstieg Wladimir Putins betrachtete er mit Misstrauen.

Nach den Anschlägen vom 11. September 2001 wurde seine frühere Förderung afghanischer Mudschahedin kritisiert, weil sie als eine Ursache für die Entwicklung des islamistischen Terrorismus angesehen wurde. Brzeziński selbst lehnte George W. Bushs „Krieg gegen den Terror“ und die Invasion des Irak von 2003 deutlich ab. Ab 2006 kritisierte er auch die amerikanische Politik gegenüber dem iranischen Atomprogramm und warnte Anfang 2007 vor einem möglichen Vorwand für einen Krieg gegen Iran.

Im Präsidentschaftswahlkampf 2007 unterstützte er Barack Obama, besonders dessen Bereitschaft zu Gesprächen mit Iran und Syrien. Während Obamas erster Amtszeit befürwortete Brzeziński internationale Kooperation, Rüstungskontrolle mit Russland und engere Beziehungen zu China. Zugleich kritisierte er Obamas Politik gegenüber Israel als zu nachgiebig und bemängelte eine fehlende außenpolitische Strategie. 2011 unterstützte er die Militärintervention in Libyen.

2013 kritisierte er Obamas Syrienpolitik und den Einsatz der CIA scharf. In der Ukraine-Krise erklärte er, Russland könne ohne die Ukraine keine Supermacht werden. Im März 2014 verurteilte er Russlands Vorgehen auf der Krim als „kaum getarnte Invasion“. Er forderte eine erhöhte Bereitschaft der NATO und Verteidigungswaffen für die Ukraine, empfahl aber zugleich Entgegenkommen gegenüber Russland: Dezentralisierung der Ukraine, keine offene Tür für einen NATO-Beitritt und eine entfernte europäische Perspektive nach dem Vorbild einer Finnlandisierung.

Zentrale politikwissenschaftliche Werke

In Totalitarian Dictatorship and Autocracy entwickelte Brzeziński 1956 gemeinsam mit Carl Joachim Friedrich ein einflussreiches Totalitarismusmodell. Totalitäre Regime streben danach die vollständige Kontrolle der Gesellschaft an. Kennzeichen sind eine alle wichtigen Lebensbereiche erfassende Ideologie, eine einzige hierarchische Partei unter einem Diktator, ein Terrorsystem mit Geheimpolizei, das Monopol auf Massenkommunikation und eine bürokratisch gelenkte Wirtschaft.

Between Two Ages: America’s Role in the Technetronic Era von 1970 beschrieb früh die gesellschaftlichen Folgen von Kommunikations- und Computertechnik. Brzeziński erwartete, dass die postindustriellen USA die in der Industrialisierung zurückgebliebene Sowjetunion technologisch überholen würden. Zugleich warnte er vor einer überwachten, von Eliten gesteuerten Gesellschaft, in der Medien und Technik Gedanken, Gefühle und Entscheidungen beeinflussen. Auch die Verbindung staatlicher, militärischer, wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Macht könne die Freiheit des Individuums gefährden.

The Grand Failure von 1989 untersuchte verschiedene Formen des Kommunismus und konzentrierte sich auf die Ära Michail Gorbatschows. Brzeziński erwartete, dass wirtschaftliche Dezentralisierung die gesellschaftliche Kontrolle lockern, politischen Pluralismus fördern und den Leninismus schwächen würde. Eine Zersplitterung der Sowjetunion entlang nationalistischer Linien gehörte zu seinen möglichen Szenarien.

In The Grand Chessboard beziehungsweise Die einzige Weltmacht von 1997 bezeichnete Brzeziński die USA nach dem Zerfall der Sowjetunion als erste, einzige und vermutlich letzte wirkliche Supermacht. Entscheidend sei die Kontrolle der Machtverhältnisse in Eurasien, weil von dort mögliche Herausforderer zwischen Lissabon und Wladiwostok kommen könnten. Die USA sollten konkurrierende Vormächte verhindern, die europäische Einigung fördern, Russland zu demokratischer und westlicher Orientierung ermutigen und mit China einen Ausgleich finden, ohne Japan zu schwächen. Amerikanische Vorherrschaft war für ihn kein Selbstzweck, sondern sollte Stabilität sichern, bis ein weltweites Regelwerk aufgebaut wäre.

Second Chance von 2007 verglich die Außenpolitik von George H. W. Bush, Bill Clinton und George W. Bush. Brzeziński untersuchte besonders die Atlantische Allianz, die Nichtverbreitung von Atomwaffen und den israelisch-palästinensischen Konflikt. George W. Bush bewertete er am strengsten. Für die Zeit nach 2008 forderte er eine stärkere Atlantische Allianz, eine Reform des Lobbyismus, Führung im Nahen Osten, einen umweltpolitischen Konsens und eine Strategie gegenüber China.

Strategic Vision von 2012 behandelte die Machtverlagerung vom Westen nach Osten, den Attraktivitäts- und Machtverlust der USA und mögliche Folgen eines weiteren amerikanischen Niedergangs bis 2025. Brzeziński fragte außerdem, ob China die globale Führungsrolle übernehmen könne. Als langfristiges Ziel empfahl er einen erweiterten Westen unter Einbeziehung der Türkei und Russlands sowie eine ausgewogene Zusammenarbeit mit China, die weder chinazentriert sein noch die USA in asiatische Konflikte hineinziehen sollte.

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