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Zahlungsverfahren

Originäre Zahlungsverfahren umfassen die physische Übertragung von Geldeinheiten (Bargeld oder elektronisches Geld), die Überweisung und die Lastschrift.

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Einteilung
  2. 2. Verlässlichkeit von Zahlungssystemen
  3. 3. Zahlungsszenarien und Auswahl
  4. 4. Anforderungen beider Seiten
  5. 5. Grundprobleme und Zahlungsinstrumente

Begriff und Einteilung

Zahlungsverfahren sind im Zahlungsverkehr alle Formen und Prozesse, durch die Eigentumsrechte an Zahlungsmitteln vom Zahlungspflichtigen auf den Zahlungsempfänger übertragen werden. Die Zahlungsmittel wechseln dabei den Besitzer. Auch die Bezeichnungen Bezahlverfahren und Zahlungssysteme werden verwendet, sind aber nicht einheitlich festgelegt. Das Spektrum reicht von der Barzahlung an einer Kasse bis zu elektronischen Verfahren wie Mobile Payment.

Eine verbreitete Einteilung unterscheidet klassische und elektronische Zahlungsverfahren. Zu den klassischen Verfahren zählen Nachnahme, Papier-Scheck und Überweisung, und zwar als Vorauskasse vor der Lieferung oder als Zahlung per Rechnung nach der Lieferung. Elektronische Zahlungsverfahren erlauben die unmittelbare Freigabe über elektronische Medien, etwa bei Kreditkarten- und Lastschriftzahlungen.

Die Einordnung der Überweisung per Onlinebanking ist dabei unklar: Zwar erfolgt die Freigabe elektronisch, der Zahlungspflichtige muss sich jedoch zunächst einloggen und die Daten manuell eingeben. Beim Onlinebanking-Verfahren giropay entfallen einige Zwischenschritte, weshalb es eindeutig zu den elektronischen Zahlungsverfahren zählt. Auch die Einteilung nach dem Zahlungszeitpunkt ist nicht immer eindeutig: „Pay before“ bezeichnet die Zahlung vor der Lieferung, „pay now“ die Zahlung zum Lieferzeitpunkt und „pay later“ die Zahlung danach. Eine über das Mobiltelefon ausgelöste Zahlung kann beispielsweise über die monatliche Telefonrechnung („pay later“) oder über eine Prepaidkarte („pay before“) abgerechnet werden.

Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik verwendet deshalb die Unterscheidung zwischen originären und abgeleiteten Zahlungsverfahren. Originäre Verfahren übertragen unmittelbar Geldeinheiten, Bargeld oder elektronisches Geld, oder beruhen auf Überweisung oder Lastschrift. Abgeleitete Verfahren greifen bei der Zahlungsabwicklung letztlich auf ein originäres Verfahren zurück.

Zu den abgeleiteten Verfahren gehören:

  • Scheckbasierte Verfahren weisen das Kreditinstitut des Zahlungspflichtigen an, eine bestimmte Geldsumme vom Konto zu zahlen.
  • Kreditkarten- und debitkartenbasierte Verfahren ermöglichen Bargeldabhebung und bargeldlose Zahlungen bei Vertragsunternehmen.
  • Wertkartenbasierte Verfahren verwenden vorausbezahlte Guthabenkarten, die in der Regel nicht wieder aufgeladen werden können, etwa T-Pay MicroMoney, paysafecard oder ukashcard.
  • E-Mail-basierte Verfahren übertragen Buchungsinformationen per E-Mail und verknüpfen eine E-Mail-Adresse mit einem Referenzkonto, etwa PayPal oder moneybookers.
  • Mobiltelefonbasierte Verfahren übertragen Buchungsinformationen über das Mobiltelefon, das zugleich der Authentifizierung dient, etwa mpass, ein Gemeinschaftsprojekt von Vodafone und O2.
  • Inkasso- und Billingverfahren ziehen fällige Beträge über Dritte ein. Beispiele sind die Nachnahme, bei der ein Zustelldienst als Inkassostelle handelt, sowie ClickandBuy, iclear, T-Pay (bis 2011) und die Abrechnung über telefonische Mehrwertdienste oder Dialer.

Verlässlichkeit von Zahlungssystemen

Die Verlässlichkeit von Zahlungssystemen in einer Volkswirtschaft hängt von vier Faktoren ab: Liquidität, Finalität, Transaktionsrisiko und systemischem Risiko.

Liquidität beschreibt, ob und wie leicht ein abgeleitetes Zahlungsverfahren in gesetzliche Zahlungsmittel (englisch: legal tender) oder Buchgeld umgewandelt werden kann. Dabei spielen die Transaktionskosten und die Zahl der Händler, die das Verfahren akzeptieren, eine Rolle. Außerdem müssen die Zahlungsmittel im Verhältnis 1:1 gegen Zentralbankgeld umtauschbar sein.

Eine Zahlung ist final, also endgültig, wenn sie nicht mehr widerrufen werden kann. Nach § 675p Abs. 1 BGB ist dies der Fall, sobald der Zahlungsauftrag beim Zahlungsdienstleister eingegangen ist und der Zahlungspflichtige keine rechtliche Möglichkeit zum Widerruf mehr besitzt.

Das Transaktionsrisiko betrifft jede abzuwickelnde Zahlung. Für den Zahlungsempfänger kann es sich um Kreditrisiko, Erfüllungsrisiko oder Fälschungsrisiko von Bargeld handeln. Erbringt der Zahlungsempfänger seine Leistung zuerst, trägt er bei ausstehender Zahlung das Kreditrisiko des Zahlungspflichtigen. Für Händler sind insbesondere Zahlungsausfälle und ein möglicher Reputationsverlust problematisch, wenn Kunden nach einer Bonitätsprüfung abgelehnt werden. Finanzinstitute verringern Ausfallrisiken häufig durch Prüfungen. Die Gesetzgebung schließt jedoch nicht alle Transaktionsrisiken aus. Anbieter übernehmen deshalb teilweise oder vollständig das Ausfallrisiko und geben Händlern dadurch mehr Planungssicherheit.

Das systemische Risiko entsteht, wenn ein Zahlungssystem durch Fehlverhalten oder Insolvenz Beteiligter gestört wird oder zusammenbricht. Zentralbanken und Bankenaufsicht können dieses Risiko durch Überwachung des Zahlungsverkehrs verringern.

Zahlungsszenarien und Auswahl

Die Auswahl eines Zahlungsverfahrens muss zur jeweiligen Zahlungssituation sowie zu den Anforderungen des Zahlungspflichtigen und des Zahlungsempfängers passen. Dies ist besonders im E-Commerce wichtig: Käufe werden häufig abgebrochen, wenn ein gewünschtes Zahlungsverfahren nicht angeboten wird. Auch im stationären Handel haben bargeldlose Zahlungen an Bedeutung gewonnen.

Zahlungsszenarien werden nach mehreren Kriterien unterschieden:

  • Einsatzszenario: Bei der Bezahlung am Verkaufsort (Point of Sale) treffen Verkäufer und Käufer physisch zusammen, etwa an einer Kasse, einem Verkaufsautomaten, in einem Taxi oder bei einem Lieferdienst. Beim Fernabsatz werden Kauf- oder Dienstverträge über Telefon, Internet, Brief oder andere Fernkommunikationsmittel geschlossen. Dazu gehören Versandhandel und E-Commerce.
  • Betragshöhe: Macropayment beginnt bei etwa 5 Euro. Micropayment umfasst etwa 5 Cent bis 5 Euro. Millipayment, Minipayment, Picopayment und Nanopayment bezeichnen Zahlungen bis etwa 5 Cent.
  • Herkunft der Kunden: Unterschieden werden Inlands- und Auslandszahlungsverkehr. Bei ausländischen Kunden muss das Verfahren auch im Ausland verfügbar sein. Für Lastschriften wurde dies im Europäischen Zahlungsraum durch SEPA eingeführt.
  • Häufigkeit: Bei einer einmaligen Zahlung treffen Kunde und Händler nur einmal zusammen. Bei wiederkehrenden Zahlungen kommt es zu mehreren Zahlungen. Kunden akzeptieren bei regelmäßig genutzten Leistungen vermutlich eher einen größeren einmaligen Registrierungsaufwand. Für Händler sinkt das Risiko, wenn bereits positive Erfahrungen mit dem Zahlungsverhalten vorliegen. Für regelmäßig wiederkehrende Forderungen eignet sich insbesondere das Lastschriftverfahren.

Anforderungen beider Seiten

Zahlungspflichtige wünschen vor allem eine sichere Zahlungsabwicklung. Weitere Kriterien sind geringer Installations- und Registrierungsaufwand, niedrige Kosten und eine große Zahl von Akzeptanzstellen.

Sicherheit umfasst organisatorische und rechtliche Maßnahmen zum Schutz vor Schäden. Dazu gehören die Transaktionskontrolle, die Authentifizierung, eine Sperrmöglichkeit und ein geringer Haftungsbetrag. Die Transaktionskontrolle soll sicherstellen, dass eine gewünschte Zahlung erfolgreich ausgelöst wurde und keine unberechtigte Zahlung stattfindet. Die Authentifizierung bestimmt, wie leicht Dritte unberechtigt Zahlungen veranlassen können. Eine Sperre verhindert zukünftige Verfügungen auch dann, wenn ein Dritter den Authentifizierungsmechanismus überwunden hat. Der Haftungsbetrag gibt an, für welchen maximalen Betrag der Kunde vor einer Sperre bei unberechtigten Verfügungen haften muss.

Der Installations- und Registrierungsaufwand umfasst die Anmeldung beim Anbieter sowie erforderliche Hard- und Softwareinstallationen. Die Nutzung ist für Zahlungspflichtige meist kostenlos. Im E-Commerce verlangen manche Händler jedoch je nach Verfahren unterschiedliche Preise. Zusätzlich können einmalige Anschaffungskosten, etwa für ein Kartenlesegerät, und regelmäßige Kosten, etwa eine Jahresgebühr für eine Kreditkarte, anfallen. Viele Akzeptanzstellen erhöhen die Bereitschaft der Kunden, den Registrierungsaufwand auf sich zu nehmen.

Für Zahlungsempfänger ist besonders wichtig, dass ein Verfahren unmittelbar nutzbar und bei Kunden verbreitet ist. Neue Verfahren wie PayPal, ClickandBuy, Moneybookers oder T-Pay verlangen häufig eine Registrierung. Überweisung, Lastschrift und Kreditkarten haben deshalb durch ihre bereits bestehende Verbreitung einen Vorteil. Entscheidend ist die Verbreitung in der jeweiligen Zielgruppe, beispielsweise bei jüngeren oder ausländischen Kunden.

Weitere Händleranforderungen sind Schutz vor Zahlungsausfällen, geringe Kosten und durchgängige Prozesse. Der Schutz reicht von geringem oder keinem Schutz, etwa bei Lastschrift oder Rechnung im Fernabsatz, bis zu vollständigem Schutz, etwa bei der GeldKarte der deutschen Kreditwirtschaft oder bei Vorauskasse. Händlerkosten entstehen durch Software und Hardware wie Terminals, durch regelmäßige Grund- oder Lizenzgebühren und durch die einzelne Zahlungsabwicklung. Bei Kreditkartenzahlungen können beispielsweise Autorisierungskosten und ein umsatzabhängiges Entgelt anfallen. Außerdem sollte das Verfahren Zahlungseingänge möglichst automatisch offenen Posten zuordnen. Bei Vorauskasse oder Rechnung verursacht die manuelle Zuordnung häufig hohen Aufwand.

Grundprobleme und Zahlungsinstrumente

Zwei grundlegende Probleme ergeben sich aus den Anforderungen beider Seiten. Das Henne-Ei-Problem, auch Netzwerk- oder Pinguin-Effekt genannt, erschwert die Einführung neuer Zahlungsverfahren. Kunden übernehmen Registrierungs- oder andere Anfangsaufwände nur, wenn viele Händler das Verfahren akzeptieren. Händler integrieren es wiederum nur, wenn es von genügend Kunden genutzt wird. Beide Seiten warten daher aufeinander, solange keine kritische Masse an Nutzern erreicht ist.

Im Fernabsatz ist wegen der Transportzeit keine Zug-um-Zug-Erfüllung wie im Präsenzhandel möglich. Entweder zahlt der Käufer vorab oder der Verkäufer liefert auf Rechnung. Bei Vorauskasse besteht für den Käufer das Risiko, dass die Ware nicht geliefert und der gezahlte Betrag nicht erstattet wird. Bei Rechnung trägt der Verkäufer das Risiko, dass trotz ordnungsgemäßer Lieferung nicht gezahlt wird. Auch Lastschrift- oder Kartenzahlungen können zurückgegeben werden. Deshalb werden solche Verfahren häufig durch Adressprüfungen, Negativlistenprüfungen oder Bonitäts-Scorings ergänzt. Vorauskasse steht im elektronischen Handel bei der Beliebtheit auf Platz 1, beim Umsatz auf Platz 3.

Zahlungsinstrumente sind technische Instrumente des Zahlungsverkehrs, die einem Zahlungspflichtigen zur Übertragung von Zahlungsmitteln zur Verfügung stehen. Nach dem verwendeten Zahlungsmittel werden drei Formen unterschieden: Barzahlungen mit Bargeld, beispielsweise bei Hawala, halbbare Zahlungen wie Barscheck oder Bareinzahlung auf ein Konto sowie bargeldlose Zahlungen. Zu den bargeldlosen Zahlungen zählen Überweisungen, Echtzeitüberweisungen, Lastschriften und Kartenzahlungen.

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