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Bargeldloser Zahlungsverkehr

Überweisung (eine Unterart der Überweisung ist z. · Scheck (Barscheck, Verrechnungsscheck und Orderscheck, der garantierte EC-Scheck wurde abgeschafft) · Wechsel …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Grundprinzip
  2. 2. Ablauf und Zahlungsnetze
  3. 3. Zahlungsarten und Auftragserteilung
  4. 4. Entwicklung und Automatisierung
  5. 5. Vor- und Nachteile sowie Zahlen

Begriff und Grundprinzip

Bargeldloser oder unbarer Zahlungsverkehr (englisch electronic funds transfer, EFT) ist die Übertragung von Zahlungsmitteln als Buchgeld, also als Guthaben auf Bankkonten. Dabei wird kein Bargeld benötigt. Er ist ein Teilbereich des gesamten Zahlungsverkehrs.

Dieser umfasst drei Formen: Bei Barzahlungen wird Bargeld direkt zwischen Zahlungspflichtigem und Zahlungsempfänger ausgetauscht. Bei halbbaren Zahlungen besitzt eine Seite Bargeld; dieses wird durch Bareinzahlung in Buchgeld oder durch Barauszahlung von Buchgeld in Bargeld umgewandelt. Beim bargeldlosen Zahlungsverkehr müssen alle Beteiligten eine Bankverbindung haben. Beteiligte Wirtschaftssubjekte können Privathaushalte, Unternehmen, sonstige Personenvereinigungen sowie der Staat und seine öffentliche Verwaltung sein.

Ablauf und Zahlungsnetze

Üblicherweise führen Kreditinstitute bargeldlose Zahlungen aus. Zwischen Kontokorrentkonten, auch Girokonten genannt, wird Buchgeld übertragen: Das Konto des Auftraggebers wird um den Zahlungsbetrag belastet, während das Konto des Empfängers eine gleich hohe Gutschrift erhält. Für diese Transferdienstleistung erhalten Kreditinstitute meist Gebühren, gegebenenfalls über Kontoführungspauschalen.

Bei Zahlungen zwischen verschiedenen Banken erfolgt die Verrechnung über Gironetze oder Girokreise. In Deutschland bestanden fünf klassische, untereinander vernetzte Netze: die Deutsche Bundesbank mit Landeszentralbanken und Geschäftsbanken für Verrechnungsverkehr und Fernüberweisungen, die Postbank mit Postgiroämtern, das Sparkassennetz über Girozentralen, das genossenschaftliche Netz von Raiffeisenbanken und Volksbanken, heute zentralisiert über die DZ Bank, sowie die Filialnetze von Deutsche Bank und Commerzbank. Diese Netze wickeln auch Auslandszahlungen ab.

Seit Januar 2008 bestand das Verfahren zur Schaffung des Europäischen Zahlungsraums (SEPA). Seit Februar 2014 gibt es damit einen europaweit einheitlichen Zahlungsraum für bargeldlose Euro-Zahlungen; die teilnehmenden Gebiete reichen über die Euro-Staaten hinaus. SEPA standardisiert auch Inlandsüberweisungen und lässt für Bankkunden die Grenze zwischen nationalen und europäischen Euro-Transaktionen verschwinden. Für Zahlungen und Auslandszahlungen innerhalb der EU ab 12.500 Euro werden zusätzliche Angaben zum Grundgeschäft für die nationale Zahlungsbilanzstatistik verlangt; Aufträge werden meist über SWIFT oder TARGET abgewickelt.

Zahlungsarten und Auftragserteilung

Zu den klassischen Auftragsarten gehören Überweisung, Scheck, Wechsel und Lastschrift. Ein Dauerauftrag ist eine Überweisung für regelmäßig wiederkehrende Zahlungen, die die Bank automatisch ausführt. Lastschriften werden aufgrund einer Vertragsbeziehung vom Zahlungsempfänger erstellt und über sein Kreditinstitut an das Kreditinstitut des Zahlungspflichtigen geleitet; dessen Konto wird belastet. Aufträge werden in Deutschland persönlich in einer Bankfiliale oder über elektronisches Bankgeschäft erteilt.

Bei der Überweisung kann der Auftrag über einen unterschriebenen Vordruck, Onlinebanking, Telefonbanking oder ein Überweisungsterminal erfolgen. Schecks sind im Privatkundengeschäft nach dem Wegfall des EC die Ausnahme, werden mit Unternehmen aber weiterhin genutzt. Der garantierte EC-Scheck wurde abgeschafft. Kartenzahlungen und Mobile-Payment beruhen letztlich meist auf einem Grundzahlungsverfahren, häufig auf garantierten, nicht rückgebbaren Lastschriften. Karten dienen außerdem der Bargeldbeschaffung; Kreditkarten ermöglichen zusätzlich eine kurzfristige Kreditinanspruchnahme.

Wichtige elektronische Zahlungsarten sind Electronic Cash mit Girocard und PIN, Kreditkarte, aufgeladene GeldKarte, Debitkarte mit PIN oder NFC sowie Mobile-Payment per App und Authentifizierung. Electronic Cash, Debitkarten und Mobile-Payment sind online und prüfen die Bonität. Bei Electronic Cash beträgt die Gebühr für den Unternehmer 0,3 % des Umsatzes, mindestens 0,08 €. Die GeldKarte funktioniert offline, bietet wegen vorherigen Aufladens eine Garantie und kostet 0,3 % des Umsatzes, mindestens 0,01 €. Die Gebühren für Kredit-, Debitkarte und Mobile-Payment richten sich nach der Vereinbarung mit dem Acquirer. Bei den genannten Kosten können zusätzlich Buchungspostengebühren für die Konten von Zahlungspflichtigem und Zahlungsempfänger anfallen.

Entwicklung und Automatisierung

Bargeldlose Zahlungen gab es bereits in der Antike: Nach den Perserkriegen von 490 bis 449 v. Chr. nahmen griechische Trapeziten Depositen an und schrieben Beträge von einem Konto auf ein anderes um. Im römischen Recht vermittelten Argentarii Zahlungen durch Umschreibungen in Geschäftsbüchern; der Anweisungsakt, lateinisch delegatio, war ein Ausgangspunkt für Zahlungen. Das auf Vertrauen beruhende Hawala-Finanzsystem war in islamischen Ländern bereits 1327 dokumentiert.

In Europa wurden Wechselbriefe wahrscheinlich im Rechtskreis von Genua im 12. oder 13. Jahrhundert erfunden. Bedeutende frühe Zahlungsbanken waren die 1407 gegründete Casa di San Georgio in Genua, die Banco di Rialto in Venedig von 1587, die Banco Ambrosiano in Mailand von 1592 und die Banco Giro in Venedig von 1619. Die Frankfurter Reformation von 1578 hielt fest, dass eine Anweisung allein noch keine Zahlung ist: Zahlung tritt erst mit der tatsächlichen Leistung des Angewiesenen ein; dies findet sich in § 788 BGB wieder.

In Deutschland wurde der bargeldlose Zahlungsverkehr nach der Wirtschaftskrise von 1907 ausgebaut. Ab 1908 errichteten Sparkassen, Raiffeisenbanken und Volksbanken, Großbanken und private Banken eigene Gironetze. Der Giroverband Sächsischer Gemeinden wurde am 5. Oktober 1908 mit 151 Mitgliedern gegründet. Am 2. Januar 1909 begann die erste deutsche Girozentrale in Dresden ihren Giroverkehr für 143 Girokassen. Seit Oktober 2009 vereinheitlichte das Zahlungsdiensterecht Zahlungstransaktionen, Ausführungszeiten und Widerrufsrechte in den EU-Mitgliedstaaten; seit Januar 2018 berücksichtigt die überarbeitete Zahlungsdiensterichtlinie PSD2 Online- und Mobilfunkzahlungen.

Die Automatisierung begann mit Bankleitzahlen, einem einheitlichen Überweisungsformular und einem OCR-fähigen Beschriftungsbereich. Belege und Schecks wurden dadurch maschinenlesbar, sortierbar und automatisiert verfilmbar, mussten aber zunächst noch körperlich transportiert werden. Das Datenträgeraustausch-Verfahren (DTA) ersetzte Papierbelege durch Magnetbänder oder Disketten. Ab Mitte der 1990er Jahre wurden Angaben aus Betreffzeilen maschinell eingelesen oder erfasst; der Belegtransport entfiel, weil Daten über Standleitungen innerhalb von Institutssektoren oder zur Bundesbank übertragen wurden.

Vor- und Nachteile sowie Zahlen

Für Kontoinhaber sind bargeldlose Zahlungen schnell und bequem. Außerdem kann eine geringere Bargeldhaltung die Sicherheit erhöhen. Nachteile sind mögliche Transaktionsgebühren, mögliche Entgelte an Geldein- und -ausgabeautomaten, ein nicht sofortiger Zahlungseingang sowie die Protokollierbarkeit und Nachverfolgbarkeit des Geldverkehrs, auch zum Zweck der Überwachung.

Nach Angaben der Deutschen Bundesbank und des Zentralen Kreditausschusses wurden 2010 in Deutschland 64,5 Billionen Euro bargeldlos übertragen. Gemessen am Umsatz entfielen 2010 81,0 % auf Überweisungen, 18,3 % auf Lastschriften, 0,4 % auf Schecks, 0,2 % auf Debitkarten und 0,1 % auf Kreditkarten. 2016 lagen die Anteile bei 91,6 % für Überweisungen, 7,2 % für Lastschriften, 0,3 % für Schecks, 0,3 % für Debitkarten und 0,2 % für Kreditkarten.

Gemessen an der Zahl der Transaktionen entfielen 2016 50,6 % auf Lastschriften, 29,6 % auf Überweisungen, 14 % auf Debitkarten, 5 % auf Kreditkarten und 0,1 % auf Schecks. Angaben für 2010 sind hierzu nicht vorhanden. Während der Versorgungskrise und Hyperinflation in Venezuela ab 2018 war die Gesamtwirtschaft größtenteils bargeldlos, weil Bargeld der Landeswährung Bolivar aus dem Alltagsleben nahezu verschwunden war.

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