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Zahlungsrisiko

Zahlungsrisiko ist in der Wirtschaft das Risiko, dass ein Auftraggeber/Importeur/Käufer (Schuldner) seinen Zahlungsverpflichtungen nicht, nicht vollständig …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Entstehung
  2. 2. Zahlungspflicht und Fälligkeit
  3. 3. Besonderheiten im Außenhandel
  4. 4. Erkennung, Bewertung und Überwachung
  5. 5. Maßnahmen gegen das Zahlungsrisiko
  6. 6. Bedeutung im Finanzwesen

Begriff und Entstehung

Das Zahlungsrisiko ist in der Wirtschaft die Gefahr, dass ein Auftraggeber, Importeur oder Käufer als Schuldner seine Zahlungsverpflichtungen nicht, nicht vollständig oder verspätet erfüllen kann. Betroffen ist der Auftragnehmer, Exporteur oder Verkäufer als Gläubiger.

Das Risiko entsteht insbesondere, wenn Güter oder Dienstleistungen nicht Zug um Zug, also gleichzeitig mit ihrer Übergabe oder Erbringung, bezahlt werden. Muss der Schuldner laut Zahlungsbedingungen erst nach der Lieferung zahlen, erhält er ein Zahlungsziel. Dieses Zahlungsziel stellt einen Lieferantenkredit dar. Je weiter der Zahlungstermin hinausgeschoben wird, desto höher ist grundsätzlich das Zahlungsrisiko. Sein Kern ist die Gefahr von Zahlungsstörungen beim Schuldner.

Zahlungspflicht und Fälligkeit

Beim Kaufvertrag ist der Käufer nach § 433 Abs. 2 BGB verpflichtet, dem Verkäufer den vereinbarten Kaufpreis zu zahlen und die gekaufte Sache abzunehmen. Beim Werkvertrag folgt die Zahlungspflicht aus § 631 Abs. 1 BGB.

Wann die Zahlung fällig wird, bestimmen die vereinbarten Zahlungsbedingungen. Sie können einen Zeitraum oder einen festen Termin nennen, beispielsweise „10 Arbeitstage nach Lieferung“ oder „Zahlungsfälligkeit: 15. Dezember 2018“.

Besonderheiten im Außenhandel

Ein Lieferantenkredit wird zum Exportkredit, wenn ein Lieferant mit einem Importeur eine Zahlungsfrist vereinbart. Ein Akkreditiv oder ein Dokumenteninkasso ist dagegen kein Lieferantenkredit.

Bei Geschäften außerhalb der EU-Mitgliedstaaten kann zum Bonitätsrisiko des Importeurs ein Länderrisiko hinzukommen. Das Bonitätsrisiko bezeichnet die Gefahr, dass der Schuldner aufgrund seiner finanziellen Lage nicht ordnungsgemäß zahlt. Zum Länderrisiko gehören:

  • das Wechselkursrisiko,
  • das Transferstopprisiko, also die Gefahr, dass ein Geldtransfer verhindert wird,
  • das Moratoriumsrisiko, also das Risiko eines Zahlungsverbots.

Der Exporteur muss deshalb neben der Zahlungsfähigkeit des Importeurs auch die politische und wirtschaftliche Situation des Importeur-Landes berücksichtigen. Darüber hinaus kann höhere Gewalt zur Entstehung eines Zahlungsrisikos beitragen.

Erkennung, Bewertung und Überwachung

Forderungen aus Lieferungen und Leistungen enthalten für den Gläubiger ein Kreditrisiko. Dadurch können sie an Wert verlieren; im schlimmsten Fall entsteht ein Forderungsverlust. Wichtige Hinweise auf eine mögliche Wertminderung sind:

  • Zahlungsverzug: Der Schuldner erfüllt seine Zahlungspflicht nicht rechtzeitig.
  • Finanzielle Schwierigkeiten: Der Lieferant kann sich über Auskunftssysteme wie Bankauskunft oder Schufa informieren, ob der Schuldner frühere Forderungen nicht oder nicht vollständig erfüllt hat.
  • Eröffnung eines Insolvenzverfahrens: Der Kunde kann seine Zahlungsverpflichtung gegenüber dem Lieferanten nicht mehr erfüllen. In Österreich wird hierfür auch die Bezeichnung Konkurs verwendet.

Gibt es Anzeichen dafür, dass eine Forderung nicht vollständig eingezogen werden kann, ist sie nicht mehr in voller Höhe werthaltig. Sie muss durch eine Wertberichtigung um den voraussichtlich ausfallenden Betrag reduziert werden. Bei zweifelhaften Forderungen ist der Grad der Einbringlichkeit, also die Wahrscheinlichkeit und Höhe der noch möglichen Zahlung, genauer zu untersuchen. Der Debitorenstatus zeigt, ob und in welchem Umfang ein Forderungsausfall zu erwarten ist.

Latente, also allgemein vorhandene, aber noch nicht konkret zugeordnete Forderungsrisiken werden durch Pauschalwertberichtigungen berücksichtigt. Für ein bestimmtes, bereits erkennbares Risiko bei einer einzelnen Forderung wird eine Einzelwertberichtigung vorgenommen.

Das Forderungsmanagement ist ein Teil des Risikomanagements und überwacht Forderungen dauerhaft. Dazu dienen unter anderem Kreditwürdigkeitsprüfungen und externe Prüfungen durch Ratingagenturen. Besonders wenn Forderungen einen hohen Anteil an der Bilanzsumme des Gläubigers haben, kann sich ein Debitorenrating lohnen. Dabei werden die Debitoren, also die Schuldner eines Unternehmens, nach dem Grad der Einbringlichkeit ihrer Forderungen bewertet. Eine Prüfung der Kreditwürdigkeit bereits vor Vertragsabschluss kann das Risiko eines späteren Zahlungsausfalls vermindern.

Maßnahmen gegen das Zahlungsrisiko

Das Zahlungsrisiko kann durch verschiedene Sicherungs- und Übertragungsmaßnahmen ausgeschaltet oder vermindert werden:

  • Delkredereversicherung: Sie sichert Ausfälle von Forderungen aus Warenlieferungen sowie Dienst- und Werkleistungen ab, wenn der Schuldner zahlungsunfähig wird. Der Schutz kann eine einzelne oder alle Forderungen des Gläubigers umfassen. Kreditversicherungen bewerten das jeweilige Risiko und richten danach die Versicherungsprämie aus. Bei hohem Risiko kann die Prämie entsprechend hoch sein. Eine solche Versicherung lohnt sich daher häufig nur, wenn bereits der Ausfall einer einzelnen Forderung den Betrieb in seiner Existenz bedrohen könnte.
  • Exportkreditversicherung: Kann ein Importeur keine Zahlungssicherheit stellen, ist eine Exportkreditversicherung mit dem Schwerpunkt Delkredereversicherung möglich.
  • Zahlungsgarantie, Akkreditiv oder Dokumenteninkasso: Die Zahlungsbedingungen können den Schuldner verpflichten, eine Zahlungsgarantie eines Kreditinstituts oder Versicherers vorzulegen. Durch ein Akkreditiv oder Dokumenteninkasso wird das Zahlungsrisiko ausgeschaltet.
  • Vorkasse: Bei diesem besonders häufig verwendeten vertraglichen Sicherungsmittel wird die Lieferung oder Dienstleistung erst ausgeführt, nachdem der Geschäftspartner eine Anzahlung oder Vorauszahlung geleistet hat.
  • Eigentumsvorbehalt: Der Verkäufer bleibt auch nach der Übergabe Eigentümer der Ware, bis diese endgültig bezahlt ist. Das schützt ihn besonders im Fall einer Insolvenz des Käufers.
  • Sicherungsübereignung: Gegenstände des Sicherungsgebers werden zur Absicherung an den Verkäufer übereignet. Sie können in der Regel beim Kunden verbleiben, wenn dieser wirtschaftlich auf sie angewiesen ist.
  • Clearing oder Netting: Hat der Gläubiger zugleich eigene Verbindlichkeiten gegenüber seinen Schuldnern, können die gegenseitigen Ansprüche verrechnet werden. Das Zahlungsrisiko verschwindet dadurch in Höhe der eigenen Verbindlichkeiten.
  • Verkauf der Forderung: Beim Factoring oder bei der Forfaitierung verkauft ein Unternehmen seine Forderungen an ein anderes Unternehmen, den Factor. Die Forderung gehört anschließend dem Factor, der sie bei Fälligkeit gegenüber dem Endkunden geltend macht. Damit verschwindet das in der verkauften Forderung enthaltene Finanzrisiko beim Verkäufer.

Bedeutung im Finanzwesen

Im Finanzwesen hat der Ausdruck Zahlungs- oder Abwicklungsrisiko noch eine besondere Bedeutung. Das englisch settlement risk genannte Risiko bezeichnet die Gefahr, dass die Abwicklung mit Kontrahenten in einem Zahlungssystem oder Wertaustauschsystem nicht wie erwartet erfolgt. Kontrahenten sind dabei die beteiligten Vertrags- oder Handelspartner.

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