Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Wechselkursrisiko
Hierdurch besteht ein schwer kalkulierbares Kursrisiko, das durch Sicherungsgeschäfte (englisch Hedging) ausgeschaltet werden kann. Das Wechselkursrisiko …
Inhalt5 Abschnitte
Begriff und Bedeutung
Wechselkursrisiko ist ein Finanzrisiko, das aus der Unsicherheit über die zukünftige Entwicklung eines Wechselkurses entsteht. Es betrifft Marktteilnehmer, die Zahlungen, Forderungen, Verbindlichkeiten oder Anlagen in Fremdwährungen haben. Wechselkursunsicherheit erhöht ihre Transaktionskosten und kann dadurch den internationalen Güter- und Kapitalverkehr behindern.
Ein Maß für die Unsicherheit ist die Wechselkursvolatilität, also das Ausmaß, in dem sich Wechselkurse im Zeitablauf verändern. Je weiter eine geplante Fremdwährungstransaktion in der Zukunft liegt, desto größer ist im Allgemeinen die Unsicherheit. Ein Risiko entsteht für Exporteure, Importeure, Gläubiger, Schuldner, Spekulanten und Arbitrageure nur, wenn der Wechselkurs volatil ist. Das Wechselkursrisiko ist wie das Kursrisiko eine Unterart des Preisrisikos und kann durch Sicherungsgeschäfte, auch Hedging genannt, ausgeschaltet werden.
Bestandteile des Währungsrisikos
Das Währungsrisiko umfasst Kursänderungsrisiko, Swapsatzrisiko und Erfüllungsrisiko.
Beim Kursänderungsrisiko kann der Wechselkurs einer Fremdwährung sinken, obwohl offene Devisenpositionen in Fremdwährungsaktiva bestehen. Umgekehrt entsteht ein Risiko bei Fremdwährungsschulden, wenn der Wechselkurs der Fremdwährung bei offenen Devisenpositionen steigt.
Das Swapsatzrisiko betrifft geschlossene Devisenpositionen: Die Fälligkeiten der Liefer- und Abnahmeverpflichtungen decken sich nicht, und der Swapsatz verändert sich unerwartet.
Das Erfüllungsrisiko besteht bei Termingeschäften. Es liegt vor, wenn ein Kontrahent seine Verpflichtungen nicht erfüllt. Dadurch kann eine offene Devisenposition entstehen; ihre erneute Absicherung verursacht Wiederbeschaffungskosten.
Risikoarten bei Unternehmen und Investoren
Unternehmen unterscheiden vier Währungsrisiken:
-
Das Translationsrisiko entsteht durch die Umrechnung buchhalterischer Positionen zu einem späteren Stichtag, etwa am Bilanzstichtag. Betroffen sein können Vermögensgegenstände, Verbindlichkeiten, Umsatzerlöse oder Gewinne einer ausländischen Tochtergesellschaft bei der Ermittlung des Konzernergebnisses. Es ist nicht zahlungswirksam und deshalb weniger gewichtig. Auch Ertragsgrößen wie die EBITDA-Marge werden nicht beeinflusst, weil Umsatz und Ergebnis gleichermaßen betroffen sind.
-
Das Transaktionsrisiko betrifft bereits buchhalterisch erfasste Forderungen oder Verbindlichkeiten in Fremdwährung. Sie werden erst später zu einem noch unbekannten Wechselkurs zahlungswirksam. Kursschwankungen wirken vollständig auf Ergebnis und Marge.
-
Das operative Risiko bezieht sich auf erwartete künftige, aber in ihrer Höhe noch nicht exakt feststehende und noch nicht gebuchte Fremdwährungszahlungen aus der Geschäftstätigkeit. Dazu gehören künftige Umsatzeingänge oder Kosten. Die Wirkung auf Ergebnis und Marge ist vollständig, soweit sich Fremdwährungsein- und -ausgänge nicht nach Höhe und zeitlichem Verlauf ausgleichen. Ein solcher Ausgleich heißt Natural Hedging.
-
Das Wettbewerbsrisiko ist das langfristige strategische Risiko, dass ein Produkt wegen Währungsschwankungen oder einer dauerhaft ungünstigen Währungsentwicklung nicht mehr wettbewerbsfähig ist.
Bei Anlagen in Fremdwährungen tragen Investoren neben dem Wertänderungsrisiko ihres Basisinvestments auch das Risiko einer Wertänderung der Anlagewährung gegenüber der eigenen Währung. Es ähnelt dem Translationsrisiko, wird aber regelmäßig zahlungswirksam, weil Investoren Positionen meist in deutlich kürzeren Zeiträumen schließen und glattstellen. Unternehmen halten Kapitalbeteiligungen dagegen oft Jahre oder Jahrzehnte; Translationsrisiken werden dort typischerweise erst bei Mitteltransfers wie Dividenden oder Kapitalerhöhungen zahlungswirksam. Hans E. Büschgen unterscheidet außerdem Preisrisiko, also die unsichere Höhe des Wechselkurses, und Mengenrisiko, also die unsichere Höhe des Zahlungsstroms.
Folgen von Wechselkursunsicherheit
Wechselkursunsicherheit eröffnet Gewinnchancen, kann aber auch Verluste verursachen. Marktteilnehmer können Zusatzgewinne erzielen, wenn sich ein Wechselkurs günstig entwickelt; ihre Rendite ist gefährdet, wenn die Entwicklung ungünstig ist. Robert Mundell bewertete Wechselkursunsicherheit grundsätzlich als gefährlich: Ein instabiler Wechselkurs bedeute instabile Finanzmärkte, ein stabiler Wechselkurs stabilere Finanzmärkte.
Unabhängig davon, ob eine Person Risiken eher annimmt oder meidet, wirken Wechselkursunsicherheiten für Außenhändler und Anleger als Transaktionskosten und damit als Handelshemmnis. Ein Beispiel zeigt die unterschiedliche Wirkung je nach Anlegerwährung: Von Januar 2007 bis März 2008 verlor der DAX in Euro leicht, während er aus Sicht eines amerikanischen Investors mehr als 11 % gewann.
Absicherung und Verringerung des Risikos
Wer offene Positionen nicht bewusst zur Spekulation eingehen will, kann sie absichern. Über den Terminmarkt lassen sich zukünftige Devisenzahlungseingänge und -ausgänge mit Devisentermingeschäften sichern. Weitere Instrumente sind Devisenoptionsgeschäfte und Währungsswaps.
Eine betriebliche Verringerung des Risikos besteht darin, Forderungen und Verbindlichkeiten in denselben Währungsrelationen entstehen zu lassen. Auszahlungen sollen dann im gleichen Währungsverhältnis wie Einzahlungen anfallen. Möglich ist dies etwa durch Finanzierung auf Kapitalmärkten des jeweiligen Währungsraums, die Anpassung von Lieferbedingungen insbesondere bei großen Rohstoffpositionen oder die Verlagerung von Produktionsstätten. Damit können bei Personal- oder Energiekosten Währungsparitäten entstehen; dies ist Natural Hedging.
Auch eine Fakturierung in inländischer Währung kann schützen, sofern genügend Verhandlungsmacht vorhanden ist. Sie beseitigt die Unsicherheit aber nur für einen Vertragspartner und wälzt das Währungsrisiko auf den anderen ab. Eine Währungsunion vermeidet Wechselkursunsicherheit unmittelbar: Die Europäische Währungsunion eliminierte sie zwischen den Ländern der Eurozone.
Die meisten ökonomischen Schulen bevorzugen stabile Wechselkurse, weil sie Währungsrisiko sowie Transaktions- und Absicherungskosten verringern und Fehlallokationen von Mitteln durch Kursschwankungen vermeiden. Fixe Wechselkurse zwischen Papierwährungen konnten sich historisch jedoch nicht durchsetzen; am besten ließen sich stabile Wechselkurse durch die Bindung von Währungen an Edelmetalle aufrechterhalten. Staatliche Wechselkursversicherungen sollten im 20. Jahrhundert den Außenhandel durch kostengünstige oder kostenlose Absicherung fördern. Sie galten jedoch als kritisch, weil sie besonders riskante Geschäfte fördern könnten, und setzten sich wegen Zweifeln an ihrer Versicherbarkeit nicht durch.