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Yoruba (Sprache)

Es hat neun orale und sechs oder sieben nasale Vokale sowie ein umfassendes System der Vokalharmonie bewahrt. Außerhalb Afrikas spielt Yoruba, von Kuba …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Geschichte und Standardisierung
  3. 3. Varietäten und Dialekte
  4. 4. Schrift und Aussprache
  5. 5. Töne und Lautprozesse
  6. 6. Grammatik und Wortschatz

Überblick

Yoruba, in der Eigenbezeichnung èdè Yorùbá, ist ein Dialektkontinuum und zugleich der Name der geschriebenen Standardsprache. Die Sprache gehört zu den Niger-Kongo-Sprachen, genauer zu den yoruboiden Sprachen innerhalb der Benue-Kongo-Sprachen. Sie wird vor allem in Südwest-Nigeria sowie teilweise in Benin und Togo gesprochen; außerdem gibt es Sprecher in Brasilien und Kuba, wo Yoruba Nago genannt wird. Für 2023 werden 48 Millionen Sprecher genannt; im Einleitungstext ist außerdem von mehr als 30 Millionen Sprechern die Rede.

Yoruba ist die Sprache der Yoruba und hat in Nigeria und Benin den Status einer Nationalsprache beziehungsweise anerkannten Minderheiten- oder Regionalsprache. Sprachcodes sind ISO 639-1 yo, ISO 639-2 yor und ISO 639-3 yor. Typologisch ist Yoruba eine isolierende Tonsprache: Grammatische Bedeutungen werden vor allem durch Wortstellung und Partikeln ausgedrückt, nicht durch viele Endungen. Die normale Satzstellung ist Subjekt-Prädikat-Objekt.

Das angestammte Sprachgebiet wird Yorubaland genannt. Es umfasst heute die nigerianischen Bundesstaaten Oyo, Ogun, Ondo, Kwara und Lagos sowie den westlichen Teil von Kogi. Geografisch liegt Yorubaland auf einem Plateau von 366 m Höhe, das im Norden und Osten vom Niger begrenzt wird. Ein großer Teil ist dicht bewaldet; der Norden einschließlich Oyo gehört zum Savannengebiet.

Geschichte und Standardisierung

Nach mündlicher Überlieferung gilt Oduduwa, der Sohn des obersten Yoruba-Gottes Olúdùmarè, als Stammvater der Yoruba-Sprecher. Ein gemeinsamer Name für die Kinder Oduduwas entstand erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Vor der Abschaffung des Sklavenhandels waren Yoruba unter befreiten Sklaven in Freetown bei Europäern als Akú bekannt, abgeleitet vom ersten Wort in Begrüßungen wie Ẹ kú àárọ̀ („guten Morgen“) und Ẹ kú alẹ́ („guten Abend“). Später setzte sich Yariba oder Yoruba durch; diese Bezeichnung war zunächst auf das Ọyọ-Königreich beschränkt und wurde bei den Hausa verwendet, ihre Herkunft ist unklar.

Wichtig für die Ausbreitung der Bezeichnung Yoruba und für die geschriebene Sprache war Samuel Ajayi Crowther, der erste Bischof von Westafrika und der erste dortige Bischof der Church of England. Er übersetzte ab 1850 erste Teile der Bibel ins Yoruba und stellte 1865 das Neue Testament fertig. Bereits 1819 erschien der erste Druck in einem Yoruba-Dialekt, ein schmales Vokabular von Bowdich. Für eine weitverbreitete Sprache war das vergleichsweise spät; als Grund nennt der Artikel, dass es vor dem 19. Jahrhundert an der Yoruba-Küste praktisch keinen europäischen Handel gab.

Standard-Yoruba ist die geschriebene und in der Schule gelernte Varietät, die auch von Nachrichtensprechern im Radio verwendet wird. Sie entstand in den 1850er Jahren im Zusammenhang mit Crowthers Grammatik und Bibelübersetzung. Sie basiert zu großen Teilen auf den Ọyọ- und Ibadan-Dialekten, enthält aber Merkmale weiterer Dialekte, einige keinem Dialekt eigene Vereinfachungen wie ein vereinfachtes System der Vokalharmonie sowie fremdsprachliche Strukturen, etwa Lehnübersetzungen aus dem Englischen aus frühen religiösen Übersetzungen. Da Standard-Yoruba nicht Ergebnis einer bewussten Sprachpolitik war, ist umstritten, was „authentisches Yoruba“ ausmacht. Trotzdem wirkte die Standardsprache stark stabilisierend auf eine gemeinsame Yoruba-Identität.

Varietäten und Dialekte

Das Yoruba-Dialektkontinuum umfasst mehr als fünfzehn Varietäten. Sie werden drei Hauptgruppen zugeordnet: Nordwest-Yoruba, Zentral-Yoruba und Südost-Yoruba. Klare Grenzen gibt es nicht; Randgebiete ähneln oft benachbarten Dialekten. Nordwest-Yoruba wird unter anderem in Abeokuta, Ibadan, Oyo, Osun und Lagos gesprochen. Zentral-Yoruba umfasst Gebiete wie Igbomina, Ile-Ife, Ekiti, Akure, Efon und Ijesa. Südost-Yoruba umfasst Okitipupa, Ondo, Owo, Sagamu und Teile von Ijebu.

Die Dialekte unterscheiden sich unter anderem in Lautsystem und Formenbildung. Im Nordwest-Yoruba sind die Proto-Yoruba-Laute /gh/ und /gw/ zu /w/ zusammengefallen; außerdem wurden bestimmte Vokale gehoben, wodurch ein System mit sieben oralen und drei nasalen Vokalen entstand. Im Südost-Yoruba blieb der ursprüngliche Gegensatz zwischen /gh/ und /gw/ erhalten. Dort werden die Formen der zweiten und dritten Person Plural nicht mehr unterschieden: àn án wá kann „ihr kamt“ oder „sie kamen“ bedeuten. Im Nordwest-Yoruba lauten diese Formen dagegen ẹ wá und wọ́n wá. Zentral-Yoruba bildet einen Übergang: Der Wortschatz ähnelt dem Nordwesten, viele ethnologische Merkmale verbinden es mit dem Südosten. Sein Vokalsystem ist besonders konservativ und hat neun orale und sechs oder sieben nasale Vokale sowie ein umfassendes System der Vokalharmonie bewahrt.

In Lagos entstand unter englischem und portugiesischem Einfluss sowie unter Einfluss des Patois von Sierra Leone ein besonderer Dialekt, der sich deutlich von ländlichen Dialekten unterscheidet. Außerhalb Afrikas spielt Yoruba, ausgehend von Kuba, als liturgische Sprache der Santería eine Rolle; in dieser Variante sind die Töne verloren gegangen.

Schrift und Aussprache

Das Yoruba-Schriftsystem geht auf Missionare der Church Missionary Society zurück, besonders auf Kilham und Raban, die bei den damals Akú genannten Yoruba in Freetown arbeiteten. Crowther verwendete in frühen grammatischen Arbeiten und Bibelübersetzungen zunächst das lateinische Alphabet meist ohne Tonzeichen; ein Punkt unter bestimmten Vokalen markierte offene Vokale wie ẹ und ọ. 1875 organisierte die Church Missionary Society eine Konferenz zur Yoruba-Orthografie. Die heutige Rechtschreibung beruht auf dem Bericht des Yoruba Orthography Committee von 1966 und auf Ayọ Bamgboṣes Yoruba Orthography von 1965.

Die Orthografie nutzt das lateinische Alphabet, aber nicht die Buchstaben c, q, v, x und z. Zusätzlich gibt es den Digrafen gb und Diakritika. Eine vertikale Linie oder häufig ein Punkt unter E/e, O/o und S/s kennzeichnet besondere Laute: ẹ und ọ stehen für offenere Vokale, ṣ für den Laut [ʃ] wie deutsches „sch“. <y> entspricht [j] wie deutsches „j“, während <j> einen stimmhaften palatalen Plosiv bezeichnet. <p> steht nicht für deutsches p, sondern für den labial-velaren Plosiv /k͡p/; <gb> steht für /g͡b/. Diese Laute werden gleichzeitig mit Lippen und Zungenrücken gebildet.

Standard-Yoruba hat sieben orale und fünf nasale Vokalphoneme. Diphthonge gibt es nicht; aufeinanderfolgende Vokale werden als eigene Silben gesprochen. Der Status des Nasalvokals [ã] ist umstritten, weil er oft in freier Variation mit [ɔ̃] vorkommt. Nasalvokale werden meist durch ein folgendes n geschrieben, etwa in in, un, ẹn und ọn. Standard-Yoruba hat 17 Konsonantenphoneme. Die stimmlosen Plosive /t/ und /k/ sind leicht aspiriert, der /r/-Laut wird meist als Flap [ɾ] realisiert, im Yoruba von Lagos manchmal als postalveolarer Approximant [ɹ]. Ein eigenes Phonem /n/ fehlt; <n> kann ein Allophon von /l/ vor Nasalvokalen bezeichnen.

Töne und Lautprozesse

Yoruba ist eine Tonsprache mit drei Leveltönen: hoch, mittel und tief. Jede Silbe trägt mindestens einen Ton; bei langen Vokalen kann eine Silbe auch zwei Töne haben. Konturtöne, also steigende oder fallende Töne, werden als Folge von zwei Leveltönen erklärt und gelten deshalb nicht als eigene Phoneme. In der Schrift steht ein Akut für hohen Ton, etwa á oder ń, ein Gravis für tiefen Ton, etwa à oder ǹ. Der mittlere Ton bleibt normalerweise unmarkiert, außer bei silbischen Nasalen, wo er mit einem Längestrich markiert wird.

Die drei möglichen Silbenstrukturen sind Konsonant plus Vokal, nur Vokal und ein silbischer Nasal. Der Satz n̄ ò lọ („ich bin nicht gegangen“) zeigt alle drei Typen: n̄ als silbischer Nasal für „ich“, ò als Vokalsilbe für die Negation und lọ als Konsonant-Vokal-Silbe für „gehen“. Beispiele für die Bedeutung der Töne sind ó bẹ́ („er sprang“), ó bẹ („er ist vorlaut“) und ó bẹ̀ („er bittet um Entschuldigung“).

Häufige phonologische Prozesse sind Assimilation und Elision. Wenn ein Wort auf Vokal endet und das folgende Wort mit einem Vokal beginnt, wird oft einer der Vokale angeglichen oder ausgelassen. Da Yoruba-Wörter normalerweise vokalisch beginnen und enden, ist das sehr verbreitet und fehlt praktisch nur in sehr langsamer oder unnatürlicher Sprache. Die Schreibung folgt oft der gesprochenen Form: ra ẹja („Fisch kaufen“) wird zu rẹja. Manchmal wird ein Apostroph gesetzt, um den ausgelassenen Vokal sichtbar zu machen, etwa ní ilé zu n’ílé („im Haus“). Lange Vokale im Wortinnern können anzeigen, dass ein Konsonant ausgefallen ist; der Ton des ausgefallenen Vokals bleibt erhalten, zum Beispiel àdìrò zu ààrò („Herz“).

Grammatik und Wortschatz

Yoruba ist eine isolierende Sprache. Das bedeutet, dass Wörter kaum gebeugt werden und grammatische Beziehungen vor allem durch feste Wortstellung und Partikeln entstehen. Die unmarkierte Wortstellung im Aussagesatz ist Subjekt-Prädikat-Objekt, zum Beispiel ó na Adé („er schlug Adé“). Der bloße Verbstamm bezeichnet eine abgeschlossene Handlung, oft Perfekt genannt. Tempus und Aspekt werden mit Partikeln vor dem Verb markiert, zum Beispiel ń für Imperfekt oder Präsens Progressiv und ti für Präteritum. Negation wird durch die präverbale Partikel kò ausgedrückt. Wie in vielen westafrikanischen Sprachen sind serielle Verbkonstruktionen üblich, also Folgen mehrerer Verben in einem Satz.

Yoruba unterscheidet die Nominalklassen menschlich und nicht-menschlich, wahrscheinlich als Rest eines älteren Klassensystems des Proto-Niger-Kongo. Sichtbar wird dies vor allem bei Fragepartikeln: tani bedeutet „wer“, kini bedeutet „was“. Besitz, Genitiv und ähnliche Beziehungen werden durch benachbarte Nomen in der Reihenfolge Bestimmungswort-Grundwort ausgedrückt, etwa inú àpótí („das Innere der Kiste“), fìlà Àkàndé („Akandes Mütze“) oder àpótí aṣọ („Kleiderkiste“). Mehr als zwei Nomen können aneinandergereiht werden; wenn dadurch mehrere Lesarten möglich sind, entscheidet der Kontext.

Es gibt zwei Präpositionen: ni für „auf, an, in“ bei Orten und sí für „auf, zu, nach“ bei Bewegungsrichtungen. Räumliche Beziehungen werden außerdem mit Nomen ausgedrückt, darunter orí („Spitze“), apá („Seite“), inú („Inneres“), etí („Rand“), abẹ́ („unter“) und ilẹ̀ („unten“). Viele dieser Wörter stammen von Bezeichnungen für Körperteile ab.

Im Wortschatz zeigt sich besonders der Kontakt mit Hausa im Norden des Yoruba-Gebiets. Es gibt direkte Lehnwörter aus dem Hausa, zum Beispiel gèjíyà („Müdigkeit“) von Hausa gàjíyàà, und Wörter arabischer Herkunft, die über Hausa ins Yoruba gelangten, etwa àlùbáríkà („Segen“), àlàáfíà („Wohlergehen“) und àlùbọ́sà („Zwiebel“). Häufige Sätze aus dem Artikel sind Báwo ni („Hallo“), Bẹ́ẹ̀ni („Ja“), Rárá („Nein“), Ẹ sé („Danke“), Ẹ kú irọ̀lẹ́ („Guten Abend“) und Kò yé mi („Ich verstehe nicht“).

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