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Technische Universität Berlin

Als eine der aktivsten Gründeruniversitäten in Deutschland bringt sie jährlich eine hohe Anzahl an Jungfirmen im Bereich der Spitzentechnologie hervor.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Bedeutung
  2. 2. Geschichtliche Entwicklung
  3. 3. Fakultäten und Studium
  4. 4. Standorte und Gebäude
  5. 5. Forschung, Kooperationen und Infrastruktur
  6. 6. Gründung, Auszeichnungen und Alumni

Überblick und Bedeutung

Die Technische Universität Berlin, kurz TU Berlin, ist eine staatliche Universität in Berlin-Charlottenburg. Sie steht in der Tradition der 1879 gegründeten Königlich Technischen Hochschule zu Berlin und wurde 1946 nach dem Zweiten Weltkrieg neu gegründet. Ihr Motto lautet: „Wir haben die Ideen für die Zukunft. Zum Nutzen der Gesellschaft.“

Mit 33.990 Studierenden im Wintersemester 2025/26, über 100 Studiengängen und 7.179 Beschäftigten gehört sie zu den 20 größten Hochschulen in Deutschland. Zu den Beschäftigten zählen 347 Professorinnen und Professoren, darunter 25 Juniorprofessorinnen und Juniorprofessoren. Der Jahresetat betrug 2021 563,2 Millionen Euro, davon 204,4 Millionen Euro Drittmittel. Drittmittel sind Gelder, die zusätzlich zum regulären Haushalt etwa für Forschungsprojekte eingeworben werden.

Die TU Berlin gehört zu den führenden deutschen Technischen Hochschulen und ist Mitglied in Netzwerken wie TU9, CESAER, ENHANCE, DFH, TIME und der Berlin University Alliance. Ihre zentralen Forschungsbereiche liegen in den Ingenieurwissenschaften und Naturwissenschaften. Besonders in Mathematik und Informatik zählt sie zu den forschungsstarken Einrichtungen in Europa. Außerdem gilt sie als aktive Gründeruniversität, weil aus ihr viele junge Unternehmen im Bereich Spitzentechnologie hervorgehen.

2019 wurde die TU Berlin gemeinsam mit der Humboldt-Universität zu Berlin, der Freien Universität Berlin und der Charité im Verbund der Berlin University Alliance in die Reihe der Exzellenzuniversitäten aufgenommen. Eine DAAD-Studie nennt sie als einen der bevorzugten Studienorte internationaler Studierender in Deutschland.

Geschichtliche Entwicklung

Die heutige TU Berlin geht auf mehrere Vorgängereinrichtungen zurück. Am 1. April 1879 entstand in der damals selbstständigen Stadt Charlottenburg die Königlich Technische Hochschule zu Berlin durch die Zusammenlegung der 1799 gegründeten Berliner Bauakademie und der Königlichen Gewerbeakademie. Am 2. November 1884 wurden die Neubauten an der heutigen Straße des 17. Juni eingeweiht.

Ein wichtiger Schritt war das Promotionsrecht: Am 19. Oktober 1899 erhielt die Hochschule auf Betreiben von Adolf Slaby das Recht, den Doktor-Ingenieur, also Dr.-Ing., zu verleihen. Zugleich wurde der akademische Grad Diplom-Ingenieur als Abschluss für Studierende der Ingenieurwissenschaften eingeführt. 1916 wurde die Bergakademie Berlin als Abteilung für Bergbau angegliedert. Nach der Bildung Groß-Berlins erhielt die Hochschule 1920 den Namen Technische Hochschule zu Berlin.

In der Zeit des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 wurden zahlreiche Wissenschaftler aus ihren Instituten vertrieben, darunter Georg Schlesinger, Hans Jacob Reissner, Herbert Max Finlay Freundlich, Bruno Taut, Gustav Hertz, Dennis Gábor und Eugene Paul Wigner. Eine geplante große Wehrtechnische Fakultät wurde nur ansatzweise verwirklicht.

Während der Schlacht um Berlin wurde die Technische Hochschule am 20. April 1945 geschlossen. Am 9. April 1946 wurde sie im britischen Sektor des geteilten Berlins als Technische Universität Berlin mit humanistischer Neuausrichtung neu gegründet. 1950 entstand die Humanistische Fakultät. In den Nachkriegsjahrzehnten kamen viele Studierende aus der DDR und Ost-Berlin; der Bau der Berliner Mauer 1961 beendete diesen regelmäßigen Zugang bis 1990 weitgehend.

Ab 1969 veränderte das Berliner Universitätsgesetz die Struktur: Die frühere Ordinarienuniversität wurde durch eine Gruppenuniversität ersetzt, in der verschiedene Hochschulgruppen beteiligt waren. 1970 wurden neun Fakultäten durch 21 Fachbereiche ersetzt. 2001 wurden die Fachbereiche wieder zugunsten von Fakultäten abgeschafft. Die TU war auch ein wichtiger Ort der Studentenbewegung, etwa 1968 bei Protesten gegen die Notstandsgesetze und 1976/77 im Berufsverbotestreik.

Seit 2004 verstärkte die TU Berlin Kooperationen mit Unternehmen wie der Deutschen Telekom AG und der Siemens AG. In der Exzellenzinitiative wurden 2006 die Berlin Mathematical School und 2007 das Exzellenzcluster „Unifying Concepts in Catalysis“ bewilligt. Von 2012 bis 2022 betrieb die TU einen Auslandscampus im ägyptischen El Gouna.

Fakultäten und Studium

Seit dem 1. April 2001 ist die TU Berlin in sieben Fakultäten gegliedert. Eine Fakultät ist eine größere Organisationseinheit einer Universität, in der verwandte Fächer zusammengefasst sind. Die Fakultäten sind weiter in Institute unterteilt.

Die sieben Fakultäten sind: I Geistes- und Bildungswissenschaften, II Mathematik und Naturwissenschaften, III Prozesswissenschaften, IV Elektrotechnik und Informatik, V Verkehrs- und Maschinensysteme, VI Planen Bauen Umwelt sowie VII Wirtschaft und Management. Damit deckt die Universität neben technischen und naturwissenschaftlichen Fächern auch geistes-, bildungs-, sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Bereiche ab.

Zum Studienangebot gehörten 2020 über 100 Studienangebote. Genannt werden unter anderem Architektur, Bauingenieurwesen, Biotechnologie, Chemie, Elektrotechnik, Informatik, Maschinenbau, Mathematik, Physik, Stadt- und Regionalplanung, Technischer Umweltschutz, Verkehrswesen, Wirtschaftsinformatik und Wirtschaftsingenieurwesen. Einige ältere Diplom-, Magister- oder andere Studiengänge sind als auslaufend bezeichnet.

Für besonders leistungsstarke und hochbegabte Schülerinnen und Schüler bietet die TU Berlin ein Juniorstudium an. Dabei können sie parallel zur Schule oder Berufsausbildung reguläre Lehrveranstaltungen besuchen und als privilegierte Gasthörer Leistungsnachweise erwerben. Diese Leistungen können später in einem Studium anerkannt werden. Das Schülerstudium betrifft vor allem natur- und ingenieurwissenschaftliche Fächer der Studieneingangsphase, ausgewählte geistes-, sozial- und wirtschaftswissenschaftliche Veranstaltungen sind ebenfalls möglich.

Zum Studentenleben gehören Fachschaftsinitiativen, hochschulpolitische Initiativen, studentische Cafés sowie Vereine und Gruppen wie Akaflieg, AG Wiing, bonding und FaSTUBe. Die Zentraleinrichtung Hochschulsport bietet Sportkurse im Semester und in der vorlesungsfreien Zeit an. Gemeinsam mit der Freien Universität Berlin ermöglicht die TU über das Collegium Musicum Berlin die Teilnahme an fünf musikalischen Ensembles: zwei Orchestern, zwei Chören und einer Bigband.

Standorte und Gebäude

Der wichtigste Standort ist der Campus Charlottenburg an der Straße des 17. Juni. Weitere Standorte liegen unter anderem am Campus Wedding in früheren AEG-Fabrikgebäuden in Gesundbrunnen, im Institut für Gärungsgewerbe und Biotechnologie in der Seestraße 13, in Dahlem und auf dem EUREF-Gelände in Schöneberg. Außerdem besitzt die TU Liegenschaften auf dem Severingelände am Salzufer 17–19; 1991 wurde dafür ein Erbrechtsvertrag über ein 19.000 Quadratmeter großes Gelände geschlossen.

Der Hauptcampus erstreckt sich über Charlottenburg und Tiergarten. Er wird durch Marchstraße, Einstein-Ufer, Fasanenstraße und Hardenbergstraße begrenzt, wobei einzelne Gebäude außerhalb dieser Grenzen ebenfalls zum Hauptcampus zählen. Die Straße des 17. Juni teilt den Campus in einen größeren Südteil und einen kleineren Nordteil. Dort befinden sich das Hauptgebäude mit der Universitätsverwaltung und große Hörsäle. Im Großen Hörsaal des Physikalischen Instituts fanden während der deutschen Teilung 1955, 1956 und 1958 insgesamt sieben Sitzungen des 2. und 3. Deutschen Bundestags statt.

Das Hauptgebäude entstand von 1878 bis 1884 als Monumentalbau im Stil der Neorenaissance nach einem Entwurf von Richard Lucae, nach dessen Tod weitergeplant von Friedrich Hitzig und Julius Carl Raschdorff. Nach schweren Schäden am Ende des Zweiten Weltkriegs wurden Teile wiederaufgebaut; die frühere Frontfassade wurde Anfang der 1950er-Jahre abgerissen. 1965 wurde ein Neubau nach Entwürfen von Kurt Dübbers vor den Altbau gesetzt, mit einem zehngeschossigen aluminiumverkleideten Hochhaus und dem fensterlosen Auditorium maximum davor.

Die Architektur des Campus umfasst außerdem Gebäude am Ernst-Reuter-Platz und zahlreiche Institutsbauten, besonders aus der Ausbauphase nach 1960. Der Artikel nennt zugleich erhebliche bauliche Probleme: Viele Bauten dieser Phase hätten eine geringe Aufenthaltsqualität und marode Infrastruktur. Das TEL-Hochhaus wurde im April 2024 nach einem Wasserschaden auf unabsehbare Zeit geschlossen. Im Mai 2026 wurde auch das Hauptgebäude wegen erheblicher baulicher Mängel bis auf Weiteres geschlossen; etwa 350 wöchentliche Lehrveranstaltungen mussten verlegt werden.

Forschung, Kooperationen und Infrastruktur

Die TU Berlin arbeitet mit zahlreichen angegliederten Instituten und Partnern zusammen. Dazu zählen unter anderem das Ferdinand-Braun-Institut, das Konrad-Zuse-Zentrum für Informationstechnik Berlin, Matheon, das Max-Born-Institut, die T-Labs, Fraunhofer-Institute sowie der TU-Standort EUREF.

Eine wichtige Rolle spielen Forschungsverbünde. Sonderforschungsbereiche, kurz SFB, sind große Forschungsverbünde der Deutschen Forschungsgemeinschaft, also DFG. Im Jahr 2021 förderte die DFG an der TU Berlin vier Exzellenzcluster, dreizehn Sonderforschungsbereiche, sechs Transregios, sechs Graduiertenkollegs und zwei Projekte der Nationalen Forschungsdateninfrastruktur. Zusätzlich wurden kleinere Projekte etwa im Emmy-Noether-Programm und im Heisenberg-Programm unterstützt.

2017 wurde auf Initiative der TU Berlin das Einstein Center Digital Future in Berlin-Mitte eingeweiht. Es ist eine interuniversitäre Einrichtung zur Erforschung der digitalen Transformation und ein öffentlich-privates Partnerschaftsprojekt. Ziel ist es, innovative und interdisziplinäre Forschung zu fördern und Nachwuchswissenschaftler auszubilden.

Im Bereich Patente ist die TU Berlin innerhalb Berlin-Brandenburgs besonders aktiv: Von 2012 bis 2017 meldete sie insgesamt 104 Patente an. Zu den Exzellenzclustern zählt MATH+, das aus Vorarbeiten des 2002 gegründeten Matheon hervorging und seit 2019 durch die Exzellenzstrategie gefördert wird. In MATH+ arbeiten mehr als 100 interdisziplinäre Forschungsgruppen an mathematischen Modellen für Bereiche wie Lebens- und Materialwissenschaften, Netzwerke, Kommunikation, Energie, Verkehr und soziale Prozesse. Ein weiteres Cluster ist UniSysCat, das gekoppelte katalytische Reaktionen verstehen und die Katalyseforschung mit Blick auf Nachhaltigkeit voranbringen soll.

Zur Infrastruktur gehören die Universitätsbibliothek mit Zentralbibliothek und Bereichsbibliotheken, das Rechenzentrum beziehungsweise seine Nachfolgeeinrichtungen sowie die Zentraleinrichtung Wissenschaftliche Weiterbildung und Kooperation. Die gemeinsame Zentralbibliothek von TU und UdK Berlin befindet sich im 2004 eröffneten VOLKSWAGEN-Haus in der Fasanenstraße; Volkswagen unterstützte das Gebäudeprojekt mit 5 Millionen Euro. Das Architekturmuseum der TU wird als Sonderabteilung der Universitätsbibliothek geführt. 2020 wurde am Standort Charlottenburg außerdem ein 5G-Testfeld eingerichtet, das Unternehmen und Behörden Tests in einem urbanen Umfeld ermöglicht und unabhängig von kommerziellen 5G-Netzanbietern arbeitet.

Gründung, Auszeichnungen und Alumni

Die TU Berlin hat eine starke Gründungstradition. 1983 eröffnete sie das Berliner Innovations- und Gründerzentrum, kurz BIG, und 1985 den Technologie- und Innovationspark Berlin, kurz TIP. Das BIG gilt als erstes universitäres Gründerzentrum seiner Art in der Bundesrepublik Deutschland. Es startete in Räumen der früheren AEG-Apparatefabrik mit 13 innovativen Firmen, die meist von jungen Absolventen ingenieurwissenschaftlicher Fächer gegründet worden waren.

Junge Unternehmen in der Wachstumsphase erhalten im TIP räumliche und strukturelle Unterstützung und können die Nähe zu Instituten und Forschungseinrichtungen der TU nutzen. Die Universität wurde vom Bundesministerium für Wirtschaft und Energie als „EXIST – Die Gründerhochschule“ ausgezeichnet. Zentrale Anlaufstelle für Gründungsinteressierte im Hochtechnologiebereich ist das Centre for Entrepreneurship. Im „StarTUp Inkubator“ werden jährlich bis zu 30 Gründungsteams unterstützt.

Mit der TU Berlin und ihren Vorgängerinstitutionen sind zahlreiche bekannte Lehrkräfte, Absolventen und Nobelpreisträger verbunden. Der Artikel nennt unter anderem Karl Friedrich Schinkel, August Borsig, Hugo Junkers, Gustav Hertz, Ludwig Wittgenstein, Carl Bosch, Wernher von Braun, Konrad Zuse, Dennis Gábor, Ernst Ruska und Eugene Paul Wigner. Mehrere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der TU erhielten den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis, darunter Giuseppe Caire, Bénédicte Savoy, Anja Feldmann, Holger Boche, Günter Ziegler, Martin Grötschel, Klaus Petermann, Helmut Schwarz, Ingo Müller und Klaus-Robert Müller.

Auch Sport wird erwähnt: 1886 gründeten zehn Studenten der Königlich Technischen Hochschule zu Charlottenburg den Akademischen Segler-Verein, der heute zu den ältesten bestehenden Segelvereinen Deutschlands zählt. Sportlerinnen und Sportler mit Bundeskader-Status und Trainingsstandort Berlin werden bei Bewerbungen um Studienplätze an der TU besonders gefördert; 2010 wurden 37 Spitzenathleten unterstützt.

Über ein weltweites Alumni-Programm hält die TU Berlin Kontakt zu früheren Studierenden, Beschäftigten und anderen ehemaligen Angehörigen. Das Alumni-Netzwerk hat mehr als 30.000 Mitglieder in über 130 Ländern und veranstaltet jährlich eine Karrierewoche als Informationsplattform zur beruflichen Entwicklung.

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