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Wundersame Brotvermehrung
Als Wundersame Brotvermehrung werden zwei Wunder Jesu bezeichnet, bei denen es am See Genezareth gelang, mit einer äußerst geringen Menge an Nahrungsmitteln …
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Kern und biblischer Rahmen
Als wundersame Brotvermehrung werden zwei Wunder Jesu bezeichnet: Mit einer äußerst geringen Menge an Nahrungsmitteln werden am See Genezareth mehrere Tausend Menschen gespeist und satt. Die Speisung der 5000 wird in allen vier Evangelien berichtet. Die Speisung der 4000 findet sich nur im Matthäus- und Markusevangelium.
Die Speisung der 5000
Jesus und seine Jünger fahren mit einem Boot über den See Genezareth in eine einsame Gegend. Eine Menschenmenge folgt ihnen zu Fuß und erreicht das Ufer noch vor ihnen. Jesus hat Mitleid mit den Menschen, die „wie Schafe, die keinen Hirten haben“ sind, lehrt sie lange, spricht nach Lukas über das Reich Gottes und heilt Kranke.
Als es Abend wird, wollen die Jünger die Menschen fortschicken, damit sie in den umliegenden Dörfern Unterkunft und Nahrung finden. Jesus fordert sie jedoch auf: „Gebt ihr ihnen zu essen!“ Die Jünger wenden ein, dass vermutlich nicht einmal 200 Silbergroschen ausreichen würden, um jedem etwas zu kaufen. Bei der Suche nach vorhandenen Lebensmitteln finden sie fünf Brote und zwei Fische. Nach Johannes stammen die fünf Gerstenbrote und die zwei Fische von einem Jungen, den Andreas ausfindig macht.
Jesus lässt die Menschen sich auf dem Gras setzen. Es sind etwa fünftausend Männer. Er nimmt die Brote, spricht das Dankgebet und teilt sie ebenso wie die Fische aus, sodass alle so viel bekommen, wie sie wollen. Nachdem die Menge satt geworden ist, lässt Jesus die übrig gebliebenen Brocken sammeln, damit nichts verdirbt. Die Jünger füllen zwölf Körbe mit den Resten der fünf Gerstenbrote. Die Menschen erkennen in diesem Zeichen den angekündigten Propheten.
Als Ort werden ein Berg in der Nähe von Betsaida genannt. Nach dem Johannesevangelium geschieht die Speisung kurz vor dem Passafest.
Die Speisung der 4000
Matthäus 15,32–39 und Markus 8,1–10 erzählen zusätzlich von einer Speisung der Viertausend. Diese Erzählung weist deutliche Parallelen zur Speisung der 5000 auf, wird aber als eigenständiges, späteres Wunder überliefert.
Theologische Deutung
Die Brotvermehrungen werden heute meist den Geschenkwundern Jesu zugeordnet. Geschenkwunder sind Wunder, bei denen Jesus „materielle Güter in wunderbarer Weise zur Verfügung stellt“. Die eigentliche Wunderhandlung – hier die Vermehrung von Broten und Fischen – geschieht dabei unauffällig. Teilweise werden die Brotvermehrungen auch als Rettungswunder verstanden, weil Menschen aus einer akuten äußeren Notlage gerettet werden und sich das Wunder an Nahrungsmitteln vollzieht.
Die Speisung der 5000 nimmt eine besondere Stellung ein, weil sie das einzige Wunder ist, das von allen vier Evangelisten berichtet wird. Brot ist ein wichtiges Nahrungsmittel, kann aber „in dieser Welt [...] nicht dauerhaft sättigen“. Nach 5. Mose 8,3 lebt der Mensch außerdem nicht vom materiellen Brot allein, sondern braucht die geistliche Nahrung Gottes. Jesus sagt: „Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben.“ Die Speisung verweist damit auf Jesus als geistliche Nahrung sowie auf die zukünftige Gemeinschaft mit Gott. Jesu Speisungen und Mähler gelten als Hinweiszeichen auf die künftige Vollendung und als Vorwegnahme künftigen Heils.
Die beiden Wunder haben unterschiedliche geografische und theologische Akzente. Die Speisung der 5000 spielt sich in der Umgebung von Jesu Heimatort und damit in jüdischem Gebiet ab. Die Speisung der 4000 findet dagegen in der Dekapolis, dem Gebiet der „Zehn Städte“, statt, das überwiegend von Nichtjuden bewohnt war. Da gemeinsame Mahlzeiten zwischen Juden und Nichtjuden wegen jüdischer Speisevorschriften vermieden wurden, zeigt die Erzählung, dass Jesu Wirken und Botschaft nicht nur den Juden, sondern allen Völkern gilt. Markus deutet darin die schon zu Lebzeiten über die jüdische Exklusivität hinausgehende Gottesherrschaft und die an alle Menschen gerichtete Botschaft vom Friedensreich.
Im Alten Testament speist der Prophet Elisa mit zwanzig Gerstenbroten 100 Menschen. Die Speisungen Jesu mit mehreren Tausend Menschen erscheinen als ungeheure Steigerung dieses Wunders. Damit erfüllt sich die Erwartung, ein neuer Prophet werde Elisas Speisungswunder überbieten. Diese Deutung wird als Überbietungschristologie bezeichnet und weist Jesus als den angekündigten Messias aus.
Das Verhalten Jesu kann außerdem als Vorbild für die Kirche verstanden werden. Geevarghese Mar Osthathios sieht in der Speisung der 5000 ein Beispiel für die Kirche, die zu hungernden Menschen in der „Wüste dieser Welt“ gesandt ist. Im Mittelpunkt steht für ihn der Auftrag Jesu: „Gebt ihr ihnen zu essen!“
Christliche Initiativen
Seit 2014 gibt es die Aktion „5000 Brote – Konfis backen Brot für die Welt“. Zwischen dem Ersten Advent und dem Erntedankfest backen und verkaufen Konfirmanden deutschlandweit Brote. Die Einnahmen unterstützen Kinder- und Jugendbildungsprojekte in ärmeren Teilen der Welt. Im Konfirmandenunterricht werden dazu Lebensgeschichten von Jugendlichen aus den jeweiligen Ländern behandelt; häufig endet die Aktion mit einem eigens gestalteten Gottesdienst.
Seit Beginn wurden über 150.000 Brote gebacken und eine halbe Million Euro für Jugendbildungsprojekte gesammelt. Veranstalter sind Brot für die Welt, die Evangelische Kirche in Deutschland und der Zentralverband des Deutschen Bäckerhandwerks. Schirmherr ist der EKD-Ratsvorsitzende Heinrich Bedford-Strohm. 2017 erhielt die Aktion den Hanns-Lilje-Initiativpreis.
Das Jesuswort „Sammelt die übrigen Brocken, auf dass nichts umkomme“ ist außerdem der Leitspruch der Brockensammlung der von Bodelschwinghschen Stiftung Bethel. Dort wird der Ausdruck auf gebrauchte, aber gute und tragbare Kleidung übertragen, die für bedürftige Menschen gesammelt wird.
Baukunst und Bildende Kunst
1982 wurde in Tabgha am See Genezareth die römisch-katholische Brotvermehrungskirche erbaut. Sie wird von Benediktinern betreut.
In der christlichen Ikonographie wurde die Brotvermehrung vielfach dargestellt. Sowohl das Wunder selbst als auch Brot und Fisch gelten dabei als Symbole der Eucharistie.