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Hochzeit zu Kana
Die Hochzeit zu Kana ist eine Wundererzählung aus der Bibel, die davon berichtet, wie Jesus von Nazaret als Gast einer Hochzeitsfeier Wasser in Wein …
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Bedeutung der Erzählung
Die Hochzeit zu Kana ist eine biblische Wundererzählung in Joh 2,1–12 EU. Jesus von Nazaret verwandelt als Gast einer Hochzeitsfeier Wasser in Wein. Im Johannesevangelium gilt dies als das erste von Jesu „Zeichen“ (altgriechisch σημεῖα, semeia). Zeichen sollen Jesus als Sohn Gottes und Messias erkennbar machen und zum Glauben führen (Joh 20,30–31 EU). Der griechische Text spricht dabei bevorzugt von einem Zeichen, nicht von thauma, also einem Wunder: Entscheidend ist die Bedeutung der Handlung über das bloß Außergewöhnliche hinaus.
Ablauf bei der Hochzeit
Bei einer Hochzeit eines nicht genannten Paares in Kana sind Jesus, seine Jünger und seine Mutter Maria anwesend. Als der Wein ausgeht, weist Maria Jesus darauf hin. Seine Antwort in Vers 4a wird unterschiedlich übersetzt: „Was habe ich mit dir zu schaffen, Frau?“ (Lutherbibel 2017), „Was willst du von mir, Frau?“ (Einheitsübersetzung 2016) oder „Was hat das mit dir und mir zu tun, Frau?“ (Zürcher Bibel 2007).
Maria sagt den Dienern, sie sollten tun, was Jesus ihnen aufträgt. Jesus lässt sechs steinerne, für die rituelle Reinigung bestimmte Wasserkrüge füllen. Jeder Krug fasst zwei oder drei Metretes; dieses Flüssigkeitsmaß erscheint im Neuen Testament nur an dieser Stelle und entspricht zusammen ungefähr 100 Litern. Der architríklinos, der Verantwortliche für die Ordnung beim Mahl, kostet davon und wundert sich: Der Bräutigam habe den guten Wein bis zuletzt aufbewahrt, obwohl die Gäste bereits so viel getrunken hätten, dass sie dessen Qualität gewöhnlich nicht mehr bemerkten.
Stellung im Johannesevangelium
Eine Perikope ist ein in sich abgegrenzter Textabschnitt der Bibel. Die Erzählung folgt auf die Berufung Nathanaels in Kapitel 1. Jesus hatte ihm angekündigt, er werde „noch Größeres sehen“; das Zeichen von Kana kann als erste Erfüllung dieser Ankündigung verstanden werden.
Es eröffnet eine Reihe von Zeichen im Johannesevangelium. Ihr letztes und bedeutendstes ist die Auferweckung des Lazarus in Kapitel 11. Die Anwesenheit von Jesu Mutter verbindet die Szene mit der Kreuzigung in Kapitel 19: Dort ist sie ebenfalls dabei, und Jesus redet sie beide Male mit „Frau!“ an, was distanziert wirkt.
Während die synoptischen Evangelien Jesu öffentliches Wirken mit einer Predigt beginnen – bei Markus und Matthäus mit einem ernsten Ruf zur Umkehr, bei Lukas mit der Ansage der erfüllten Zeit –, stellt das Johannesevangelium einen anderen Beginn dar. Nach Johannes Beutler setzt Jesus mit einer Zeichenhandlung ein, die „endzeitliche, hochzeitliche Freude durch das Geschenk von Wein im Überfluss an ein Brautpaar“ sichtbar macht.
Symbolik von Wein und Zeichen
Das Weinwunder wird als ungewöhnliches „Luxuswunder“ bezeichnet. Die Auslegung schlägt zwei Deutungswege vor. Erstens gibt es biblische Parallelen zu Brotvermehrungen: In beiden Fällen wird ein Mangel an einem antiken Grundnahrungsmittel behoben. Anders als bei den Brotvermehrungen wird hier aber nicht Vorhandenes vermehrt, sondern etwas Neues geschenkt. Hochzeit und endzeitliches Festmahl sind im Alten Testament vertraute Bilder; Wein gehört zu einem solchen Freudenmahl (Jes 25,6 EU).
Zweitens wurde ein Einfluss des Dionysoskults diskutiert. Rudolf Bultmann vermutete, Elemente dieses Kultes hätten auf die Erzählung eingewirkt. Als Hinweis auf seine räumliche Nähe wird ein Dionysos-Mosaik in einem großen römischen Wohnhaus in Sepphoris genannt, 8 km von Kana entfernt.
Das Zeichen zeigt den kurz zuvor berufenen Jüngern Jesu Vollmacht und weist darauf hin, dass mit Jesus die eschatologische, also endzeitliche, Freudenzeit begonnen habe. Trauern, Fasten und Verzicht seien dann nicht angemessen (Mt 9,15 EU). Die große Weinmenge kann für das Leben in Fülle stehen, das Gott den Menschen zugedacht hat (Joh 10,10b EU). Manche Exegeten nehmen eine ursprünglich selbständige Semeia-Quelle an, aus der der Evangelist Zeichen übernommen habe. Nach dem Johannesevangelium sollen Zeichen jedoch nicht selbst Glauben erzeugen: Glaube ohne Sehen und ohne Zeichen gilt als erstrebenswert (Joh 6,30 EU; Joh 6,36 EU; Joh 20,29 EU). Im Volksmund wird die Erzählung teils als Hinweis angeführt, dass die Bibel keine Alkoholabstinenz fordere.
Ort, Kunst und kirchliche Feier
Die Lage des biblischen Kana ist nicht eindeutig geklärt. Meist wird es in Galiläa gesucht, etwa bei Kana (Galiläa) oder Chirbet Qana; gelegentlich wird auch das südlibanesische Dorf Kana damit gleichgesetzt. Außerhalb des Johannesevangeliums ist Kana biblisch nicht bezeugt. Archäologische Funde aus dem 1. Jahrhundert in Israel belegen steinerne Gefäße wie die genannten; sie gelten eindeutig als jüdisch. Weil die Krüge als groß beschrieben werden, wird auf eine Hochzeit der Oberschicht geschlossen.
In der Kunst behandelten unter anderem Paolo Veronese mit dem Gemälde „Die Hochzeit zu Kana“ sowie ein berühmter Wandteppich in der Peterskirche von Villeneuve-d’Ascq in Frankreich das Motiv. Kirchlich gehört die Erzählung zum Hochfest der Erscheinung des Herrn, Epiphanias, am 6. Januar: Neben der Anbetung der Sterndeuter und der Taufe Jesu wird dabei Jesu Göttlichkeit gefeiert. Im Lesejahr C wird die Perikope am Zweiten Sonntag im Jahreskreis gelesen, nach dem Fest Taufe des Herrn.