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World Vision Deutschland

World Vision Deutschland e. V. (WVD) ist eine christliche Organisation mit Schwerpunkten in drei Hauptbereichen: Entwicklungszusammenarbeit, …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Auftrag und Selbstverständnis
  2. 2. Entwicklung der Organisation
  3. 3. Entwicklungs- und Katastrophenhilfe
  4. 4. Anwaltschaft, Bildung und Forschung
  5. 5. Finanzierung und Patenschaften
  6. 6. Organisation, Öffentlichkeit und Vernetzung

Auftrag und Selbstverständnis

World Vision Deutschland e. V. (WVD) ist eine christliche Kinderhilfsorganisation mit Sitz in Friedrichsdorf. Sie wurde 1979 gegründet und ist als gemeinnütziger eingetragener Verein organisiert. Ihre drei Hauptarbeitsgebiete sind Entwicklungszusammenarbeit, humanitäre Not- und Katastrophenhilfe sowie entwicklungspolitische Anwaltschaftsarbeit. Letztere bedeutet, die Interessen benachteiligter Menschen gegenüber Politik und Öffentlichkeit zu vertreten. WVD arbeitet weltweit und gehört als selbstständiger Partner zu World Vision International (WVI), ist aber nicht in die Strukturen einzelner Kirchen eingebunden. In Deutschland betreibt die Organisation außerdem Bildungsarbeit, Kinderforschung und Projekte gegen Armut.

Die Arbeit beruht auf dem für alle WVI-Partner verbindlichen christlichen Selbstverständnis und den „Core Values“. Der internationale Dachverband wird als evangelikal beziehungsweise evangelisch geprägt eingeordnet. Fachleute weisen jedoch darauf hin, dass seine theologischen Positionen vielfältig sind. Für World Vision Deutschland seien zwar evangelikale Wurzeln erkennbar; eine Einordnung als fundamentalistisch gilt nach Friedrich Schäfer jedoch als „eindeutig unzutreffend“.

Für 2023 nennt der Artikel einen Umsatz von 193.978.929 Euro, 193 Beschäftigte und 37 Mitglieder. Vorsitzender ist Christoph Hilligen.

Entwicklung der Organisation

1979 gründete Manfred Kohl in Oberursel ein Büro von World Vision International, aus dem World Vision Deutschland hervorging. 1981 unterstützte es 15.000 Patenkinder, 1985 bereits rund 30.000. Nach dem Sturz des rumänischen Diktators Nicolae Ceaușescu half die Organisation 1990 vernachlässigten Waisenkindern, von denen viele durch unsterile Injektionsnadeln an AIDS erkrankt waren.

1994 wurde Günther Bitzer Direktor. Nach einer Umstrukturierung entstand ein rechtlich selbstständiger Verein mit Sitz in Friedrichsdorf, der als eigenständiger Partner im Netzwerk von WVI arbeitete. Im Jahr 2000 beteiligte sich WVD mit dem CVJM und der Evangelischen Allianz am „Pavillon der Hoffnung“ auf der Expo 2000.

Nach dem Tsunami von 2004 leistete WVD 2005 in Indonesien, Sri Lanka und Indien seine bis dahin umfangreichste Katastrophen- und Wiederaufbauhilfe. 2006 eröffnete die Organisation ein Berliner Büro für Anwaltschaftsarbeit; damals wurden weltweit rund 150.000 Jungen und Mädchen gefördert. 2007 erschien die erste World Vision Kinderstudie, 2008 wurde Christoph Waffenschmidt Vorstandsvorsitzender. 2009 unterstützte WVD mit rund 150.000 Paten 253 Projekte in 49 Ländern. 2018 waren es 284 Projekte in 48 Ländern, 2021 insgesamt 271 Projekte der Katastrophenhilfe und Entwicklungszusammenarbeit in 48 Ländern, darunter 80 regionale Entwicklungsprojekte.

Entwicklungs- und Katastrophenhilfe

Im Mittelpunkt stehen langfristige Regional-Entwicklungsprojekte. Sie sollen nicht nur einzelnen Kindern helfen, sondern auch deren Familien und gesamtes Umfeld stärken. Zu den Arbeitsfeldern gehören Ernährungssicherung, medizinische Versorgung, Bildung, Trinkwasser, AIDS-Bekämpfung, Gewerbeförderung und der Aufbau von Infrastruktur. Brunnen, Schulen und Krankenstationen sind typische Maßnahmen. Wichtigster Erfolgsmaßstab ist das Wohlergehen der Kinder. Dieses wird mit Wirkungsindikatoren, den „Child Well-Being-Outcome Indicators“, beobachtet und ausgewertet. Das Starthelfer-Programm unterstützt schwangere Frauen und junge Mütter in Afrika.

Weitere Mittel sind Mikrokredite, die WVD seit 1993 vergibt, Friedensförderung, Gewaltprävention und Katastrophenwarnsysteme. Mikrokredite sollen mittellosen Menschen mit unternehmerischem Talent den Aufbau einer selbstständigen Existenz ermöglichen; Frauen werden besonders berücksichtigt, um Benachteiligungen durch traditionelle Rollenverteilungen auszugleichen.

2020 entfielen 34,4 % der Projektausgaben auf landwirtschaftliche Entwicklung und Ernährungssicherung, 15,7 % auf sonstige Förderung von Kindern, 13,7 % auf Nothilfe und Katastrophenschutz, 9,4 % auf Wasser und sanitäre Anlagen, 8,7 % auf Projektmanagement, 5,9 % auf Bildung, 5,6 % auf Gesundheit, 3,4 % auf Qualifizierung, Aufbau und Zivilgesellschaft sowie 3,2 % auf einkommenssichernde Maßnahmen.

Ebenfalls 2020 wurden 67,78 Millionen Euro beziehungsweise 61,9 % der Projektmittel in Afrika eingesetzt, 19,69 Millionen Euro beziehungsweise 18,0 % in Asien, 12,30 Millionen Euro beziehungsweise 11,2 % in Osteuropa und dem Nahen Osten sowie 9,69 Millionen Euro beziehungsweise 8,9 % in Lateinamerika. Zu den Kooperationspartnern gehören das Auswärtige Amt, die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, die Europäische Union, das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen und Aktion Deutschland Hilft.

In der Katastrophenhilfe versorgt WVD Betroffene und Flüchtlinge mit Lebensmitteln, Medikamenten, Decken, Hygieneartikeln und anderen Hilfsgütern. Genannte Einsätze betreffen unter anderem den Tsunami vom 26. Dezember 2004, Erdbeben in Sumatra und Haiti, die Überschwemmungen in Pakistan 2010 sowie das Erdbeben und den Tsunami in Japan vom 11. März 2011. Über das UNHCR-Projekt „Sphere“ wirkt World Vision an Mindeststandards für Katastrophenhilfe mit.

Anwaltschaft, Bildung und Forschung

Anwaltschaftsarbeit versucht, die Interessen der Menschen des globalen Südens in politischen Entscheidungsprozessen in Deutschland und der EU geltend zu machen. Dazu dienen Gespräche mit Politikern, öffentliche Kampagnen und Informationsarbeit. Schwerpunkte sind Menschen- und Kinderrechte, Friedensförderung, HIV/Aids, Gesundheit und internationale Entwicklungsziele. 2018 verlangte eine Petition mehr staatliche Mittel für die Bildung geflüchteter syrischer Kinder. 2019 übergab WVD Bundesentwicklungsminister Gerd Müller eine Petition mit 18.750 Unterschriften für Hilfen zur Wiedereingliederung ehemaliger Kindersoldaten.

Seit 2002 wurde die entwicklungsbezogene Bildungsarbeit ausgebaut. Sie informiert über Not und ungerechte Strukturen in armen Ländern und soll Menschen in Deutschland zur Prüfung des eigenen Verhaltens anregen. Beispiele sind die „TROTZ AIDS“-Kampagne über rund 15 Millionen durch HIV und AIDS verwaiste Kinder, vor allem in Afrika, sowie das Online-Spiel „Ein Dorf entsteht“ für die Klassenstufen 8–13. WVD informiert außerdem über Mikrofinanzdienstleistungen.

Das World Vision Institut für Forschung und Entwicklung untersucht Armut, Ernährung, Energie, Bevölkerung, Klima sowie gesellschaftliche Benachteiligung und soziale Ungerechtigkeit von Kindern. Seit 2007 erstellt es anhand repräsentativer Befragungen von Sechs- bis Elfjährigen die World Vision Kinderstudie. Weitere Ausgaben erschienen 2010, 2013 und 2018. Die Studien zeigen Lebenssituationen, Wünsche, Bedürfnisse und Interessen von Kindern in Deutschland und orientieren sich methodisch an den Shell-Jugendstudien.

Bei der Prävention weiblicher Genitalverstümmelung setzt WVD auf Dialog, Aufklärung und alternative Rituale. Kritiker fordern dagegen regelmäßige Gesundheitskontrollen und Garantien gegen Beschneidungen als Bedingung für Hilfe. WVD warnt, der Entzug von Unterstützung könne ganze Dörfer gefährden. Welcher Ansatz wirksamer ist, bleibt laut Artikel unklar, weil vergleichende medizinische Untersuchungen fehlen.

Finanzierung und Patenschaften

Die Arbeit wird vor allem durch Kinderpatenschaften, öffentliche Mittel und weitere Spenden finanziert. 2020 nahm WVD insgesamt 134,3 Millionen Euro ein. Davon stammten 39,2 % aus öffentlichen Mitteln, 38 % aus Patenschaftsbeiträgen, 12 % aus Spenden für sonstige Entwicklungsprojekte und anderen Spenden sowie 9,8 % von Kooperationspartnern. Patinnen und Paten können ab 30 Euro monatlich selbst festlegen, mit welchem Betrag sie ein Kind unterstützen.

Beim Modell des integrierten Regionalprojekts erhält ein Spender beispielhaft Kontakt zu einem Kind, kann Post von ihm bekommen und es besuchen. Das Geld ist jedoch nicht ausschließlich für dieses Kind bestimmt, sondern finanziert auch Hilfen für Familien und Dorfgemeinschaften in einer festgelegten Region. Dazu können Gesundheits-, Hygiene- und Ernährungsberatung, Bildungsangebote, Kleinkredite, Wohnungsbau- und Rechtsberatung sowie Wasser-, Umwelt-, Straßen- und Marktprojekte gehören. Ein solches Projekt kann bis zu zehntausend Einwohner erreichen. Da Patenkinder häufig länger als zehn Jahre unterstützt werden, ermöglichen Patenschaften eine langfristige Planung. Ziel ist, die Region langfristig von fremder Hilfe unabhängig zu machen.

Früher wurde kritisiert, dass eine ausschließliche Förderung einzelner Patenkinder Neid erzeugen könne. Heute werden die Mittel laut Artikel breiter auf Schulklassen und Dörfer verteilt. Kritik betraf auch den Aufwand für Kontakte, Briefwechsel und Besuche. Finanztest bezeichnete 2004 bei vergleichbaren Patenschaftsorganisationen Verwaltungskosten von bis zu einem Drittel als relativ hoch. Für WVD nennt der Artikel dagegen 7,3 % im Jahr 2004 und 10 % im Jahr 2005.

Seit 2003 trägt der Verein das DZI-Spendensiegel. 2009 erreichte er beim Transparenzpreis den zweiten Platz; im Dezember 2014 wurde er gemeinsam mit der Welthungerhilfe als transparenteste Organisation Deutschlands ausgezeichnet. WVD ist außerdem Unterzeichner der Initiative Transparente Zivilgesellschaft.

Katalogartige Werbung, bei der der Eindruck entstand, Spender könnten sich ein „Wunschkind“ aussuchen, wurde wegen paternalistischer und Kinder quantifizierender Züge kritisiert. WVD beendete diese Werbeform 2004 und erläuterte später ausführlicher, wie Fotos und Informationen entstehen und wie Eltern einbezogen werden.

Organisation, Öffentlichkeit und Vernetzung

WVD besitzt neben der Mitgliederversammlung besondere Vertreter als Organe; seit Januar 2010 berät ein Kuratorium das Präsidium. Die Organisation stimmt ihre internationale Arbeit innerhalb der partnerschaftlich verstandenen Struktur von World Vision International ab. Sie arbeitet unter anderem im Koordinierungsausschuss Humanitäre Hilfe des Auswärtigen Amtes, bei VENRO, im Deutschen Spendenrat und bei Aktion Deutschland Hilft mit. Weitere Netzwerke betreffen HIV/Aids, Kindersoldaten, Bildung, zivile Konfliktbearbeitung und den Kampf gegen weibliche Genitalverstümmelung.

Für die Öffentlichkeitsarbeit nutzt WVD Fernsehen, Hörfunk, Presse, Veranstaltungen und „World Vision-Botschafter“. Die Werbung wurde sowohl ausgezeichnet als auch kritisiert. Umstritten war insbesondere der Vorwurf bezahlter Schleichwerbung für Kinderpatenschaften in der ARD-Serie „Marienhof“ in den Jahren 2003 und 2004. WVD bestritt, die Platzierungen beauftragt oder bezahlt zu haben; die ARD-Clearingstelle hielt 2005 an ihrer gegenteiligen Darstellung fest. Elf von WVD 2004 kostenlos an n-tv gelieferte Auslandsreportagen wurden ebenfalls untersucht. Der Deutsche Rat für Public Relations sah darin kein unzulässiges Verhalten, weil die Unterstützung durch World Vision im Abspann als gesponsert gekennzeichnet worden sei.

Zu den regelmäßigen Veröffentlichungen gehören der jährliche Jahresbericht, das Spendermagazin „Hilfe Direkt“ seit 1983, die Reihe „Theorie und Praxis“ sowie seit 2019 das Jahresmagazin „World Vision Philanthropie“. Hinzu kommen die vier World Vision Kinderstudien von 2007, 2010, 2013 und 2018 sowie weitere Veröffentlichungen über Patenschaftsprojekte, Kindergesundheit und soziale Innovationen.

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