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Wissenschaftssprache
Neben dem besonderen Fachwortschatz zeichnet sich die Wissenschaftssprache auch durch Eigenheiten der Syntax aus. ... Französisch), da im 19. Jahrhundert und …
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Begriff und Funktion
Wissenschaftssprache ist eine Fachsprache, die der fachlichen Kommunikation in wissenschaftlichen Diskursen dient. Sie ist stark formalisiert und normiert; diese Formalisierung und Normierung ist jedoch je nach wissenschaftlicher Disziplin unterschiedlich stark ausgeprägt. Ziel ist eine möglichst eindeutige und nachvollziehbare Darstellung wissenschaftlicher Inhalte.
Eine wichtige Grundlage bilden Fachtermini, also fachsprachliche Ausdrücke. Ihre Zuordnung zu den bezeichneten Gegenständen oder Sachverhalten, den Designaten, wird häufig durch Festsetzungsdefinitionen hergestellt. Dabei wird ausdrücklich festgelegt, welche Bedeutung ein Terminus haben soll. Auch die Interpretation von Kalkülen, also formal aufgebauten Zeichensystemen oder Rechenverfahren, setzt klar formulierte Bezeichnungsregeln voraus. In der wissenschaftlichen Praxis werden solche Festlegungen unter anderem durch Terminologien und Fachwörterbücher getroffen.
Typische syntaktische Merkmale
Neben dem besonderen Fachwortschatz weist die Wissenschaftssprache typische syntaktische Eigenheiten auf. Der Sprachwissenschaftler Harald Weinrich beschrieb 1989 pointiert drei unbewusste „Verbote“, die mit dem wissenschaftlichen Anspruch auf Objektivität zusammenhängen:
- Ein Wissenschaftler sagt nicht „Ich“.
- Ein Wissenschaftler erzählt nicht.
- Ein Wissenschaftler benutzt keine Metaphern.
Nach Weinrich versuchen Wissenschaftler aufgrund des Objektivitätsgebots, von den eigenen Standpunkten und Meinungen zu abstrahieren. Das erste Verbot wurde empirisch bestätigt, indem die Verwendung der ersten Person in Wissenschaftstexten ausgezählt wurde. Statt „Ich“ sind Passivkonstruktionen oder Zuschreibungen in der dritten Person üblich, etwa „der Verfasser“.
Auch das Verbot des Erzählens soll die Objektivität hervorheben. Im Mittelpunkt steht die Beschreibung, also die Deskription. Wenn erzählende Passagen notwendig sind, werden sie nicht im Präteritum formuliert, das eher mit Romanen und literarischen Erzählungen verbunden wird, sondern im Perfekt.
Weinrichs drittes Verbot ist vielfach kritisiert worden. In manchen Wissenschaften werden besonders viele metaphorische Wendungen geprägt und verwendet. Als Beispiel nennt der Artikel die Teilchenphysik. Das Verbot kann daher nicht uneingeschränkt für alle wissenschaftlichen Disziplinen gelten.
Wandel der führenden Wissenschaftssprachen
In der Geschichte wurde wiederholt eine einheitliche Wissenschaftssprache gefordert, verstanden als Festlegung auf eine bestimmte Einzelsprache, beispielsweise Englisch. Die vorherrschende Wissenschaftssprache hat sich jedoch mehrfach verändert.
Im antiken Abendland kann aufgrund der kulturellen Leistungen Griechenlands das Griechische als erste Wissenschaftssprache gelten. In der römischen Zeit blieb es im gesamten Imperium Romanum gleichberechtigt neben dem Latein anerkannt. Im Mittelalter setzte sich zunehmend Latein als alleinige Wissenschaftssprache durch. Nicht auf Latein veröffentlichte Werke galten vielfach nicht als wissenschaftlich; es galt als kleines „Verbrechen“, nicht in Latein zu publizieren.
Im arabisch-indischen Raum war auch Arabisch eine Wissenschaftssprache. Antikes Wissen wurde bald aus dem Griechischen und Aramäischen ins Arabische übersetzt, unter anderem im Baghdader Haus der Weisheit. Islamische Universalgelehrte wie Avicenna, Alhazen und Averroes bewahrten dieses Wissen und entwickelten es weiter. Europäer übersetzten arabische Werke häufig wieder ins Lateinische, beispielsweise an der Übersetzerschule von Toledo.
Im Humanismus wurde Latein allmählich als alleinige Wissenschaftssprache abgelöst. Mitte des 15. Jahrhunderts waren noch rund drei Viertel der gedruckten Texte lateinisch, im 16. Jahrhundert nur noch etwa ein Viertel.
Später war Deutsch beinahe ein Jahrhundert lang eine der drei weltweit führenden Wissenschaftssprachen, neben Englisch und vor Französisch. Dafür waren zahlreiche Erfindungen und neue wissenschaftliche Erkenntnisse im deutschsprachigen Raum im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert maßgeblich. Nach den beiden Weltkriegen setzte sich Englisch in den meisten Bereichen des internationalen wissenschaftlichen Austauschs durch. Der Artikel führt dies unter anderem auf die Herrschaft des Britischen Imperiums, die Weltmachtstellung der USA und die Folgen der beiden Weltkriege zurück. Zusätzlich spielte der Exodus der deutsch-jüdischen Intelligenz während der nationalsozialistischen Diktatur sowie der deutschen Intelligenz in den Jahren nach 1945 eine wichtige Rolle, da viele Wissenschaftler in die USA emigrierten.
Nach Ansicht des Deutschen Kulturrates hat Deutsch in den Naturwissenschaften heute so gut wie keine Bedeutung mehr; nur 1 % der entsprechenden Beiträge erscheine in deutscher Sprache.