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Wirtschaftsstruktur

Verändert sich die Wirtschaftsstruktur innerhalb von zwei Vergleichszeitpunkten, liegt ein Strukturwandel vor. Strukturwandel ist die „nachhaltige …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Einteilung
  2. 2. Drei-Sektoren-Modell
  3. 3. Sektorale und räumliche Perspektive
  4. 4. Strukturwandel
  5. 5. Wirtschaftliche Folgen und Abgrenzung

Begriff und Einteilung

Wirtschaftsstruktur bezeichnet das Verhältnis der einzelnen Wirtschaftssektoren zueinander und zur Gesamtwirtschaft einer Region oder eines Staates. „Struktur“ bedeutet dabei, eine Gesamtgröße in Teilgrößen aufzugliedern, die jeweils homogener als die Gesamtgröße sind. Die Volkswirtschaft wird also auf ihrer Entstehungsseite nach Branchen und Sektoren gegliedert.

Zur Wirtschaftsstruktur gehören auch die Verflechtungen innerhalb eines Sektors (intrasektoral) und zwischen verschiedenen Sektoren (intersektoral). Die internationale Wirtschaftsstruktur ist nach der klassischen Außenhandelstheorie das Ergebnis komparativer Vorteile. In Deutschland und den EU-Mitgliedstaaten prägen Agglomerationen und periphere Regionen die Struktur.

Drei-Sektoren-Modell

Colin Clark teilte die Wirtschaft 1940 in drei Sektoren ein:

  • Primärer Sektor: Landwirtschaft, Fischerei und Forstwirtschaft; mit abnehmenden Erträgen und bodenintensiv. Im weiteren Sinn wird heute auch der Bergbau zugerechnet.
  • Sekundärer Sektor: Industrie; mit zunehmenden Erträgen und kapitalintensiv.
  • Tertiärer Sektor: Dienstleistungen; zunächst als Residualsektor bezeichnet sowie arbeits-, personal- oder wissensintensiv.

Ein Sektor fasst Wirtschaftssubjekte aufgrund gemeinsamer Merkmale zusammen. Je nach vorherrschendem Sektor spricht man von Agrarstaat, Industriestaat oder Dienstleistungsgesellschaft.

Jean Fourastié verfeinerte 1949 die Drei-Sektoren-Hypothese. Technischer Fortschritt führe zur „Vergeistigung der Arbeit“, weil Arbeitsvorbereitung, Organisation und Planung in der Produktionstechnik wichtiger werden. Nach Walther G. Hoffmann dominiert zu Beginn der Industrialisierung die Konsumgüterindustrie, in fortgeschrittenen Phasen dagegen die Kapitalgüterindustrie. Clark nannte den Residualsektor 1957 „Dienstleistungsindustrie“ und rechnete auch Baugewerbe, Transport und Verkehr, Handel und Finanzierung, öffentliche Verwaltung sowie private Dienste dazu.

Die Einteilung ist sehr grob: Veränderungen innerhalb der Sektoren und der Einfluss der Staatsquote auf die Wirtschaftsstruktur werden nicht berücksichtigt.

Sektorale und räumliche Perspektive

Man unterscheidet zwischen sektoraler und räumlicher Wirtschaftsstruktur. Die sektorale und die regionale Strukturpolitik sind zusammen Teile der Wirtschaftspolitik.

Die sektorale Wirtschaftsstruktur beschreibt entweder die Anteile der Wirtschaftssektoren am Bruttoinlandsprodukt oder die Verteilung der Erwerbstätigen auf sie. Untersucht werden insbesondere die Anteile an der Bruttowertschöpfung, die sektorale Beschäftigungsstruktur und die sektorale Investitionsstruktur. Wachsen einzelne Sektoren unterschiedlich stark, verändert sich die Struktur: Industrialisierung stärkt die Industrie und lässt die Agrarproduktion sinken; Tertiarisierung stärkt die Dienstleistungsgesellschaft zulasten anderer Sektoren.

Die räumliche Wirtschaftsstruktur betrifft die Verteilung der Sektoren in einem geografisch abgegrenzten Wirtschaftsraum. Dieser kann ein Staatenbund wie die Russisch-Belarussische Union, ein Staatenverbund wie der Europäische Wirtschaftsraum, ein einzelner Staat, eine Region oder eine Gemeinde sein. Die EU-Regionalpolitik soll Strukturgefälle zwischen Regionen verringern und eine ausgewogene räumliche Entwicklung fördern; dafür gibt es unter anderem Kohäsionsfonds, Regionalfonds, Sozialfonds und Strukturfonds. In Deutschland verbessern Bund und Länder im Rahmen der Gemeinschaftsaufgabe nach Art. 91a GG die regionale Wirtschaftsstruktur. Auch Landesentwicklungsprogramme und kommunale Wirtschaftsförderung wirken darauf ein; letztere soll etwa Gemeindesteuern stabilisieren oder erhöhen.

Strukturwandel

Die Wirtschaftsstruktur verändert sich fortlaufend durch dynamische Wirtschaftsprozesse. Ein Strukturwandel liegt vor, wenn sie sich zwischen zwei Vergleichszeitpunkten verändert. Er ist die „nachhaltige, über-konjunkturelle Veränderung der volkswirtschaftlichen Bedeutung der Sektoren sowie die Zahl und Intensität ihrer Verknüpfungen“.

Sektoraler Strukturwandel entsteht durch unterschiedlich starkes Wachstum einzelner Wirtschaftszweige. Langfristig kann sich ein Agrarstaat durch Industrialisierung in einen Industriestaat und durch Tertiarisierung weiter in eine Dienstleistungsgesellschaft wandeln.

Regionaler Strukturwandel entsteht, wenn eine Region im Wettbewerb mit vergleichbaren Regionen schwächer wird. Die Schließung eines Großunternehmens oder eines Militärstandortes kann eine strukturelle Krise auslösen: betroffen sind Arbeitsmarkt, Wohnungsmarkt, Pro-Kopf-Einkommen, Subunternehmer und Zulieferer. Die Anpassung einer solchen Region wird kommunale Konversion genannt.

Industrieller Strukturwandel wird vor allem durch internationalen Wettbewerb geprägt, etwa durch Kostenvorteile, Qualitätsführerschaft, Technologieführerschaft, Know-how, gute Distributionsketten, Niedriglöhne in Niedriglohnländern oder Steuervorteile in Niedrigsteuerländern und Steueroasen. Seit Beginn der 1990er Jahre greifen Europäische Union, Bund und Länder stärker steuernd ein. Die Europäische Kommission unterstützt strukturschwache Regionen und will das europäische Wirtschaftsgefälle abbauen.

Wirtschaftliche Folgen und Abgrenzung

Die Wirtschaftsstruktur ist ein wichtiger Bestimmungsfaktor der Leistungsbilanz eines Staates. Zahlungsbilanzdefizite können bereits in einer ungünstigen Wirtschaftsstruktur angelegt sein. Strukturwandel kann strukturelle Arbeitslosigkeit verursachen und daraus können Strukturkrisen entstehen. Zu ihrer Korrektur sind staatliche Strukturanpassungsmaßnahmen erforderlich.

Querschnittstechnologien, Schrittmachertechnologien und Schlüsseltechnologien besitzen ein hohes innovatorisches Potential und wirken breit auf die Wirtschaftsstruktur.

Von der Produktionsstruktur ist die Wirtschaftsstruktur abzugrenzen: Die Produktionsstruktur erfasst nur die Struktur der Produktion, während die Wirtschaftsstruktur sämtliche ökonomischen Größen einbezieht.

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