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Forstwirtschaft

Die Forstwirtschaft ist ein zur Urproduktion gehörender Wirtschaftssektor, der das planmäßige wirtschaftliche Handeln des Menschen im Wald zum Ziel hat.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff, Ziele und Aufgaben
  2. 2. Nachhaltigkeit und Erzeugnisse
  3. 3. Waldstruktur, Wild und Schädlinge
  4. 4. Wirtschaftliche Bedeutung in Deutschland und Österreich
  5. 5. Ausbildung und Berufe
  6. 6. Forstwirtschaft weltweit und öffentliche Güter

Begriff, Ziele und Aufgaben

Forstwirtschaft ist ein zur Urproduktion gehörender Wirtschaftssektor. Sie bedeutet planmäßiges wirtschaftliches Handeln des Menschen im Wald. Zur Urproduktion zählen in der Volkswirtschaftslehre außerdem Bergbau, Fischerei und Landwirtschaft. Ein Betrieb der Forstwirtschaft heißt Forstbetrieb.

Ziel ist heute nicht nur die Rohstofferzeugung, vor allem von Holz. Der Wald soll zugleich Arten, Boden, Klima und Wasser schützen sowie als Schutz- und Erholungsraum dienen. In Deutschland müssen Waldbesitzer ihre Wälder nach Bundes- und Landeswaldgesetzen „ordnungsgemäß und nachhaltig“ bewirtschaften (§ 11 Bundeswaldgesetz). Deshalb müssen wirtschaftliche und ökologische Interessen ständig gegeneinander abgewogen werden. Zum Waldökosystem gehört auch Wild; Forstleute regulieren dessen Bestände durch Jagd und Hege, um Wildschäden zu vermeiden.

Waldwirtschaft kann auch rein entnehmende Nutzungen wie Brennholzsammeln oder Kahlschlag ohne Wiederaufforstung umfassen. Mit Forstwirtschaft sind meist nachhaltige Formen der Waldwirtschaft in kontrollierten Forsten gemeint. Holzverarbeitung gehört nach EU-Recht noch zur Forstwirtschaft, wenn sie zur „ersten Verarbeitungsstufe“ zählt; dies ist ein Rechtsbegriff nach Art. 38 Abs. 1 AEUV.

Nachhaltigkeit und Erzeugnisse

Der Grundsatz der forstlichen Massennachhaltigkeit entstand nach starken Waldzerstörungen in Mitteleuropa im Mittelalter: „Man entnehme dem Wald nicht mehr Holzmasse, als gleichzeitig nachwächst“. Spätere Generationen sollen mindestens vergleichbare, möglichst bessere Nutzungsmöglichkeiten erhalten. Hans Carl von Carlowitz prägte 1713 in Sylvicultura oeconomica den Begriff Nachhaltigkeit für die Forstwirtschaft. Im 19. Jahrhundert wurde die Nachhaltigkeit um ökologische, später auch soziale Aspekte erweitert. Seit Mitte der 1990er Jahre dienen Zertifizierungen wie FSC und PEFC als Nachweise nachhaltiger Bewirtschaftung.

Nach europäischer Definition ist nachhaltige Waldbewirtschaftung die Behandlung und Nutzung von Wäldern in einer Weise und einem Ausmaß, die biologische Vielfalt, Produktivität, Verjüngungsfähigkeit, Vitalität und die Fähigkeit des Waldes sichern, gegenwärtig und künftig ökologische, wirtschaftliche und soziale Funktionen auf lokaler, nationaler und globaler Ebene zu erfüllen, ohne anderen Ökosystemen zu schaden. Waldbauliche Tätigkeit umfasst dabei die zielgerichtete Planung, Entscheidung und Umsetzung bei Erneuerung, Pflege und Sanierung von Waldökosystemen. Auch nachhaltige Holznutzung bleibt jedoch ein Eingriff, weil sie Biomasse entzieht, die sonst zur Bodenbildung im Wald beitragen würde.

Wichtige Produkte des Nutzwaldes sind Nutzholz wie Bauholz, Edelholz, Laubholz, Nadelholz und Schnittholz. Zu den Nichtholzprodukten gehören Steinpilze, Heidelbeeren, Harze, Naturkautschuk, Palmöl und Wildbret. Naturkautschuk und Palmöl gelten damit ebenfalls als Forstprodukte. Naturwald bietet dagegen geringe bis keine Nutzungsmöglichkeiten; seine Nutzung ist teilweise verboten. Fehlende Wege, dichtes Unterholz und viel Totholz machen ihn schwer begehbar und die Jagd fast unmöglich.

Bei Sägeholz exportiert Kanada 11.337 Mio. Euro und erreicht 23,9 % Weltmarktanteil, Russland 5.121 Mio. Euro und 10,8 %, Schweden 4.519 Mio. Euro und 9,5 %, Deutschland 3.676 Mio. Euro und 7,7 %. Beim Schnittholz führt Russland mit 33.362 Tausend m³ vor Kanada mit 28.312, Schweden mit 12.633, Deutschland mit 9.546 und Finnland mit 8.970 Tausend m³.

Waldstruktur, Wild und Schädlinge

In Deutschland gibt es Körperschaftswald, Privatwald und Staatswald; zum Staatswald gehören Landeswald, Treuhandwald und Bundeswald. Treuhandwald stammt aus in der DDR enteignetem und in Volkseigentum überführtem Wald. Er wurde der Treuhandanstalt übergeben und soll durch die bundeseigene Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH (BVVG) privatisiert werden. Die Bundesgesetzgebung setzt mit dem Bundeswaldgesetz den Rahmen, während die Länder mit eigenen Landeswaldgesetzen die Strukturen gestalten. Staatswald ist meist in Forstämter und Reviere gegliedert; ein Revier umfasst 1.500 bis 3.000 Hektar und wird von Förstern (Dipl.-Forstingenieur) bewirtschaftet.

Nach der genannten Bundeswaldinventur verteilen sich in Deutschland insgesamt 11.075.799 Hektar Wald auf 409.340 Hektar Bundesstaatswald, 3.276.661 Hektar Landesstaatswald, 2.160.189 Hektar Körperschaftswald, 4.823.722 Hektar Privatwald und 405.887 Hektar Treuhandwald. Die Zahlen sind nicht die aktuellsten; die letzte erwähnte BWI ist von 2012.

Hohe Bestände pflanzenfressenden Schalenwilds können durch Verbiss die natürliche Verjüngung des Waldes verhindern. Selektiver Verbiss kann Mischbaumarten verdrängen und die Vielfalt der Baumarten senken. Ohne Schutz durch Zäune oder Einzelschutz sind auch gepflanzte Forstkulturen betroffen. Schälschäden können ältere Bestände über Jahrzehnte gefährden und wirtschaftlich entwerten. Dieser Wald-Wild-Konflikt wird beim gewünschten Umbau zu klimastabilen Mischwäldern als bedeutendes Problem angesehen. Laut Bundesamt für Naturschutz führen überhöhte Schalenwildbestände in weiten Teilen Deutschlands zu ökologisch und ökonomisch erheblichen Schäden und behindern den Umbau zu naturnahen Mischwäldern großflächig.

Dürre und Hitze wie in Europa 2018 können die massenhafte Vermehrung von Forstschädlingen begünstigen. In Wirtschaftswäldern werden etwa Cyhalothrin, Cypermethrin und Tebufenozid eingesetzt. Holzpolter werden zum Schutz der Holzernte gegen Borkenkäfer und andere Insekten oft mit Chlorpyrifos behandelt. Eine flächige Anwendung zum Schutz noch nicht befallener oder zur Rettung befallener Bäume ist in Deutschland nicht vorgesehen. Pestizide können aber etwa zum Schutz von Menschen vor dem Eichen-Prozessionsspinner verwendet werden.

Wirtschaftliche Bedeutung in Deutschland und Österreich

Mehr als 90 % des Umsatzes eines Forstbetriebs entsteht durch Holzverkauf. Daneben liefert der Wald Nichtholzprodukte und Leistungen wie Waldwegebau und die Sicherung von Wegen. Viele Leistungen werden üblicherweise nicht bezahlt, weil eine gesetzliche Grundlage oder ein Markt fehlt: CO₂-Speicherung und -sequestrierung, Tourismus und Naherholung, Klimaeinfluss und genetisches Material tropischer Regenwälder, Boden-, Luft- und Wasserschutz sowie Biodiversität.

Deutschland besitzt 11,4 Millionen Hektar Wald, das sind 32 % der Landesfläche. Dort wachsen rund 90 Milliarden junge und alte Bäume; der Holzvorrat beträgt insgesamt 3,7 Milliarden Festmeter. Rund 2 Millionen Waldbesitzer bewirtschaften die Wälder. Der Holzeinschlag lag 2015 bei 55,6 Millionen Erntefestmetern ohne Rinde: 42,0 Millionen Nadelholz und 13,6 Millionen Laubholz. Davon entfielen 44 % auf Privatwald, 20 % auf Körperschaftswald und 36 % auf Staatswald. 2018 betrug der Anteil von Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei an der Bruttowertschöpfung 0,7 %.

Im „Cluster Forst und Holz“, das auch nachgelagerte Holz-, Papier-, Druck- und Verlagsbranchen einschließt, arbeiteten 2016 rund 1,1 Millionen Menschen; der Umsatz betrug rund 182 Milliarden Euro. Die Bedeutung der Forst- und Holzwirtschaft wird wegen der statistischen Methode nach Ansicht einiger Forscher unterschätzt. Deutschland hat, gefolgt von Schweden, den höchsten Holzvorrat innerhalb der EU. Umstritten ist der tatsächliche jährliche Holzeinschlag: Udo Mantau berechnete für 2005 aus dem Holzverbrauch etwa 74 Millionen Festmeter, während das Statistische Bundesamt 56 Millionen Festmeter nannte. Als Erklärung gilt, dass ein Teil des Einschlags nicht offiziell erfasst wird.

In Österreich ist Forstwirtschaft für viele Betriebe und Landwirte ein wichtiger Faktor. 2009 wurden im Kleinwald 8,90 Mio. Efm, im Großwald 5,87 Mio. Efm und bei der ÖBf AG 1,96 Mio. Efm eingeschlagen. Der Import von Sägerundholz sank von rund 7 Millionen Festmetern 2004 auf 4 Millionen Festmeter 2013. Die Waldfläche wuchs von 3,7 Millionen Hektar 1965 auf 4 Millionen Hektar 2007; der Holzvorrat lag bei über 1100 Millionen Vorratsfestmetern. Das verfügbare Potenzial von bis zu 28,8 Millionen Erntefestmeter-Äquivalenten war bislang bei weitem nicht genutzt.

Ausbildung und Berufe

Moderne Forstbetriebe beschäftigen verschiedene Berufsgruppen; klassische forstliche Laufbahnen reichen von praktischer Waldarbeit bis zu Leitung und Verwaltung. Durch Bachelor- und Masterabschlüsse können Universitäts- und Fachhochschulstudium kombiniert werden.

Ein Universitätsabschluss eröffnet beispielsweise den gehobenen Forstdienst als Revierförster sowie Tätigkeiten im Naturschutz und in der Waldpädagogik. Mit Masterabschluss ist der Eintritt in den höheren Forstdienst möglich, der meist Leitungsaufgaben in Forstämtern oder Verwaltungen umfasst. In Deutschland wird Forstwissenschaft an den Universitäten Freiburg, Göttingen, der Technischen Universität München in Freising und der Technischen Universität Dresden in Tharandt gelehrt. In Österreich lehrt die Universität für Bodenkultur Wien Forstwirtschaft. Nach Universitätsstudium, zwei Jahren Berufspraxis und Staatsprüfung für den höheren Forstdienst darf man dort Forstwirt heißen und mehr als 3.600 Hektar Wald bewirtschaften. An der ETH Zürich ist im Master Umweltsystemwissenschaften die Vertiefung „Wald- und Landschaftsmanagement“ wählbar.

Nach einem Fachhochschulstudium und einjähriger Anwärterzeit kann die Laufbahnprüfung für den gehobenen Forstdienst abgelegt werden. Dazu gehören Leitung eines Forstreviers sowie fachliche oder verwaltungstechnische Arbeit. Studiengänge Forstwirtschaft gibt es unter anderem in Freising, Eberswalde, Göttingen, Rottenburg und Erfurt. In Österreich führt die fünfjährige Höhere Bundeslehranstalt für Forstwirtschaft in Bruck an der Mur zur Reife- und Diplomprüfung. Nach zwei Jahren Praxis und Staatsprüfung dürfen Absolventen 1.000 bis 3.600 Hektar verwalten.

Forsttechniker sind Fachkräfte des mittleren Forstmanagements. Der deutsche Forstwirt ist ein staatlich anerkannter Ausbildungsberuf und die moderne Bezeichnung für den früheren Waldarbeiter; er entspricht dem österreichischen und schweizerischen Forstwart. Forstwarte gibt es als Ausbildungsberuf nur in Österreich und der Schweiz. Der österreichische Forstfacharbeiter ähnelt dem deutschen Forstwirt; nach drei Jahren Praxis und Meisterprüfung wird er Forstwirtschaftsmeister. Die österreichische Berufsbezeichnung Forstwirt bezeichnet dagegen die universitäre Laufbahn mit Staatsprüfung und Bewirtschaftungsrecht für mehr als 3.600 Hektar.

Forstwirtschaft weltweit und öffentliche Güter

In Südasien bestanden bereits im 18. Jahrhundert Regelungen zur Waldnutzung. Mit der britischen Kolonialherrschaft wurden lokale Waldwirtschaften jedoch geschädigt. Nach privat organisiertem Holzeinschlag ab 1823 mit katastrophalen Folgen für Teakwälder gründete die britische Regierung 1864 unter Dietrich Brandis das Forest Department. Das Forstgesetz von 1878 teilte Wälder in „reserved“, „protected“ und „village forests“ ein, sicherte aber vor allem die exklusive Nutzung durch die Kolonialregierung. Europäische forstwirtschaftliche Prinzipien wurden oft ungeeignet übertragen, lokales Wissen ignoriert und die Nutzung durch die lokale Bevölkerung eingeschränkt. Auch nach der Unabhängigkeit wurde die zentralisierte industrielle Ausbeutung in Indien und Pakistan fortgeführt. Der indische Joint Management Forestry Act von 1998 bezog die lokale Bevölkerung ausdrücklich ein, stellte laut Artikel jedoch weiterhin vor allem privatwirtschaftliche Gewinne und Steuereinnahmen in den Vordergrund.

Wald wird wirtschaftlich als öffentliches Gut beschrieben: Bei seiner Nutzung besteht keine Rivalität, einzelne Wirtschaftssubjekte können nicht ausgeschlossen werden und die Nutzung ist unentgeltlich. Daraus kann die Gefahr einer Übernutzung entstehen, etwa durch Kahlschlag, Entwaldung für Holzwirtschaft, Landwirtschaft oder Bergbau sowie illegale Abholzung tropischer Regenwälder. Folgen können anthropogene Bodendegradation und Desertifikation sein. Nachhaltige Produktionsverfahren sollen solche Übernutzung verhindern, das gesamte Ökosystem schonen und die Ressource für nachfolgende Generationen erhalten.

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