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Wirtschaftsphilosophie
Die Wirtschaftsphilosophie befasst sich mit den theoretischen, anthropologischen, ethischen, praxisbezogenen und politischen Grundlagen und -fragen der …
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Grundidee und Gegenstand
Wirtschaftsphilosophie ist ein Bereich der angewandten Philosophie. Sie untersucht die theoretischen, anthropologischen, ethischen, praxisbezogenen und politischen Grundlagen der Wirtschaft und der Wirtschaftswissenschaften. Mit Wirtschaft ist die Gesamtheit aller Handlungen und Systeme gemeint, durch die Sachgüter, Dienstleistungen und Zahlungsmittel geschaffen, angesammelt oder getauscht werden, um Bedürfnisse zu decken und die menschliche Existenz zu sichern.
Wichtig ist die Wirtschaftsphilosophie, weil sie wirtschaftliches Handeln nicht nur beschreibt, sondern kritisch befragt: Welche Begriffe, Modelle und Theorien verwenden die Wirtschaftswissenschaften? Welche Annahmen über Menschen, Gesellschaft und Politik stecken darin? Und nach welchen ethischen Maßstäben soll wirtschaftliches oder wirtschaftspolitisches Handeln beurteilt werden?
Zentrale Denkweisen
In der Wirtschaftsphilosophie stehen zwei Formen des philosophischen Nachdenkens besonders im Vordergrund.
Erstens reflektiert sie sprachlich-analytisch und wissenschaftstheoretisch die Voraussetzungen ökonomischer Begriffsbildung, Modelle und Theorien. Das bedeutet: Sie fragt, wie wirtschaftswissenschaftliche Begriffe entstehen, wie Modelle aufgebaut sind und welche Annahmen in ökonomischen Theorien enthalten sind.
Zweitens untersucht sie wirtschaftliches und wirtschaftspolitisches Handeln analytisch und ethisch. Dabei geht es um die Frage, was in der Wirtschaft verantwortliches, gerechtes oder begründbares Handeln ist. Deshalb gelten Wirtschafts- und Unternehmensethik als Teildisziplinen der Wirtschaftsphilosophie.
Einordnung als Fachgebiet
Wirtschaftsphilosophie verbindet theoretische und praktische Aspekte wirtschaftlichen Handelns. Theoretisch fragt sie nach Erkenntnis, Begriffen, Modellen und wissenschaftlichen Grundlagen. Praktisch fragt sie nach Handeln, Verantwortung, Politik und Ethik.
Je nach Blickwinkel kann Wirtschaftsphilosophie als Teildisziplin der Sozialphilosophie oder der Wirtschaftswissenschaften verstanden werden. Außerdem ist sie ein interdisziplinäres Themenfeld, also ein Bereich, in dem Wirtschaftswissenschaftler und Philosophen gemeinsam arbeiten können.
Als Begründer der Wirtschaftsphilosophie in Deutschland gilt Fritz Berolzheimer (1869–1920). Sein fünfbändiges Werk „System der Rechts- und Wirtschaftsphilosophie“ erschien in München 1904–1907. Im zweiten Band, „Die Kulturstufen der Rechts- und Wirtschaftsphilosophie“, beschreibt Berolzheimer die Wirtschaftsphilosophie als philosophische Betrachtung der „menschlichen Wirtschaft“.
Wichtige Themenfelder
Zu den Themen der Wirtschaftsphilosophie gehören die Theorie ökonomischer Erkenntnisse, die Unterscheidung zwischen positiver und normativer Ökonomik sowie die Analyse wirtschaftswissenschaftlicher Begriffe und Argumentationen. Positive Ökonomik beschreibt wirtschaftliche Zusammenhänge, normative Ökonomik fragt danach, wie Wirtschaft sein soll oder welche Ziele verfolgt werden sollen.
Weitere wichtige Bereiche sind Definitionen und Modelle in den Wirtschaftswissenschaften, Wirtschaftsethik, Unternehmensethik sowie Umweltethik und wirtschaftliches Handeln. Auch Menschenbilder in der Wirtschaft werden untersucht, also Vorstellungen davon, wie Menschen handeln, entscheiden und wirtschaftlich motiviert sind.
Die Wirtschaftsphilosophie befasst sich außerdem mit kritischen Sprachanalysen der Wirtschafts- und Unternehmenskommunikation, mit dem Verhältnis von Ökonomie und Ökologie, mit Globalisierung, Regionalität und Identität, mit Wirtschaftssystemen und Unternehmen, mit menschlicher Individualität und mit dem Arbeitsbegriff. Weitere Themen sind Wohlstand und ein gutes Leben, Kultur, Gesellschaft, Wirtschaft und menschliches Glück, die Ökonomisierung des Lebens sowie das Verhältnis von Politik und Wirtschaft.
Studienangebote
Im Artikel werden mehrere Hochschulen genannt, an denen wirtschaftsphilosophische oder verwandte Studiengänge angeboten werden. Dazu gehören die Hochschule für Gesellschaftsgestaltung in Koblenz mit Studiengängen wie „Ökonomie – Nachhaltigkeit – Transformation“, „Ökonomie – Nachhaltigkeit – Gesellschaftsgestaltung“ und „Ökonomie – Verantwortung – Institutionsgestaltung“ sowie die Universität Bayreuth mit „Philosophy & Economics“.
Weitere Beispiele sind die Universität Bern mit „Political, Legal, and Economic Philosophy“, die Ruhr-Universität Bochum mit „Ethics - Economics, Law and Politics“, die Frankfurt School of Finance & Management mit „Management, Philosophy & Economics“ und die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel mit „Praktische Philosophie der Wirtschaft und Umwelt“.
Genannt werden außerdem die Universität Mannheim mit „Kultur und Wirtschaft“ mit dem Kernfach Philosophie, die Ludwig-Maximilians-Universität München mit „Philosophie, Politik, Wirtschaft“, die Universität des Saarlandes in Saarbrücken mit „Economics, Finance and Philosophy“ sowie die Universität Witten/Herdecke mit „Philosophy, Politics and Economics“.