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Wirtschaft im Nationalsozialismus

Die erforderliche Finanzierung der Anleihen und Mefo-Wechsel verstärkte den Expansionsdruck Deutschlands, um im Zuge des Krieges schließlich die Ressourcen der …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundzüge und Ziele
  2. 2. Arbeitsbeschaffung, Aufrüstung und Lenkung
  3. 3. Finanzierung und Mangel
  4. 4. Vierjahresplan und Expansion
  5. 5. Kriegswirtschaft, Zwangsarbeit und Zusammenbruch
  6. 6. Nachkrieg und Bewertung

Grundzüge und Ziele

Die Wirtschaft im Nationalsozialismus wurde von 1933 bis 1945 durch starke politische Eingriffe des NS-Regimes geprägt. Private Unternehmen blieben vielfach bestehen, wurden aber durch staatliche Vorgaben, Kartelle, Devisenstellen, Rohstofflenkung, Preisregulierung und Rüstungsaufträge in eine auf Krieg vorbereitete Wirtschaft eingebunden. Zentral waren Aufrüstung, Autarkie, also möglichst geringe Abhängigkeit vom Ausland, und die Vorbereitung einer Kriegswirtschaft.

Das Regime verband wirtschaftliche Ziele mit seiner Ideologie. Unter „Lebensraum“ verstand Hitler einen größeren, ständig erweiterbaren Herrschaftsraum, der Ernährung, Rohstoffe, Absatzmärkte und strategische Sicherheit sichern sollte. „Wehrwirtschaft“ meinte die Gestaltung der Volkswirtschaft im Frieden für den Krieg unter militärischen Gesichtspunkten. Wirtschaftspolitik war damit nicht auf allgemeinen Wohlstand ausgerichtet, sondern auf Aufrüstung, Expansion und Kontrolle.

Schon vor 1933 hatten Weltwirtschaftskrise, Deflation und Arbeitslosigkeit die Lage verschärft. Der Versailler Vertrag hatte Gebietsverluste gebracht, darunter 75 % der deutschen Eisenerzgewinnung, 26 % der Bleierzeugung und 7 % der Industrieunternehmen. Nach 1929 brachen Welthandel und Kredite ein. Die Arbeitslosigkeit erreichte 1932 etwa sechs Millionen gemeldete Arbeitslose. Ab 1932 begannen Regierungen vor Hitler mit Arbeitsbeschaffung und Steueranreizen; die Nationalsozialisten profitierten davon und bauten diese Politik nach 1933 aus.

Arbeitsbeschaffung, Aufrüstung und Lenkung

Das Regime konnte in den ersten Jahren einen schnellen Rückgang der Arbeitslosigkeit vorweisen: Ende 1934 lag sie bei 2,7 Millionen, 1936 bei 1,6 Millionen und 1937 unter einer Million. Dazu trugen staatliche Arbeitsprogramme, Wohnungsbau, Straßenbau und vor allem die Rüstung bei. Der Autobahnbau hatte große propagandistische Wirkung, beschäftigte 1936 bis zu 125.000 Menschen, war volkswirtschaftlich aber weniger wichtig als Rüstungsindustrien wie Flugzeug-, Schiffs- und Fahrzeugbau.

Die Rüstungskonjunktur war der wichtigste Faktor. Die allgemeine Wehrpflicht vom 16. März 1935 ließ die Truppenstärke von rund 100.000 auf etwa eine Million Soldaten bei Kriegsbeginn wachsen. Die Flugzeugindustrie stieg von knapp 4.000 Beschäftigten im Januar 1933 auf 54.000 zwei Jahre später und fast 240.000 im Frühjahr 1938. Bis 1939 gab der NS-Staat 62 Milliarden Reichsmark für Rüstung aus; der Anteil am Bruttosozialprodukt stieg von 1,5 % im Jahr 1933 auf 23 %.

Gleichzeitig wurden Arbeitnehmerrechte zerstört. Am 2. Mai 1933 wurden Gewerkschaften zerschlagen, Vermögen beschlagnahmt und Funktionäre verhaftet. Die Deutsche Arbeitsfront übernahm die Mitglieder und enteignete Gewerkschaftsvermögen. Das Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit vom 20. Januar 1934 erklärte Arbeitgeber zu „Betriebsführern“ und Arbeitnehmer zur „Gefolgschaft“. Ab 1936 verschob sich die Politik von Arbeitsbeschaffung zu Arbeitszuteilung und später Zwangsarbeit.

Die Wirtschaft wurde durch Kartelle, Zwangskartelle, Devisenstellen und Überwachungsstellen gelenkt. In der Landwirtschaft bündelte der Reichsnährstand Produktion und Verteilung. Zugleich gab es Reprivatisierungen, etwa der Vereinigten Stahlwerke 1936 sowie der Dresdner Bank und Commerzbank 1937. Großindustrie und Banken behielten beträchtliche Handlungsspielräume, profitierten aber stark von Rüstungsaufträgen und staatlichen Garantien.

Finanzierung und Mangel

Die NS-Wirtschaft beruhte auf einer unsoliden Finanzpolitik. Arbeitsbeschaffung und Aufrüstung wurden ab 1933 wesentlich durch Schulden und Geldschöpfung finanziert. Besonders wichtig waren Mefo-Wechsel: Über die Metallurgische Forschungsgesellschaft m.b.H., ein Scheinunternehmen hinter Siemens, Gutehoffnungshütte, Krupp und Rheinmetall, wurden von 1934 bis 1938 Rüstungsausgaben von 11,9 Milliarden Reichsmark gedeckt. Das entsprach 30 % der bis dahin getätigten Wehrmachtsausgaben und mehr als dem Tausendfachen des Eigenkapitals der Mefo von einer Million Reichsmark.

Finanzministerien und Reichsbank versuchten teilweise, Ausgaben zu begrenzen oder Steuern zu erhöhen, scheiterten aber häufig an Hitlers Priorität für Aufrüstung. Ab 1935 kamen Schatzanweisungen hinzu, ab 1938 weitere kurzfristige Finanzierungsformen. Nach dem „Anschluss“ Österreichs am 12. März 1938 wurden die Goldreserven der Österreichischen Nationalbank nach Berlin übertragen: 78,3 Tonnen Feingold im Wert von 467,7 Millionen Schilling sowie Devisen und Valuten im Wert von 60,2 Millionen Schilling. Der Begriff Raubgold bezeichnet später den Zugriff auf Goldreserven eroberter Länder und Bürger.

Die staatlich festgelegte Marktordnung, Preisbindung und Gewinnkontrolle verhinderten zunächst offene Inflation; der Verbraucherpreisindex stieg nur um durchschnittlich etwa ein Prozent pro Jahr. Diese Stabilität war jedoch politisch erzwungen. Die aufgestaute Inflation zeigte sich nach Kriegsende in der Währungsreform.

Rohstoffe blieben ein Dauerproblem. Trotz Autarkiepolitik war Deutschland 1939 bei wichtigen Stoffen stark vom Ausland abhängig: Eisenerz zu 75 %, Kupfer zu 70 %, Mineralöle zu 65 %, Kautschuk zu 85 bis 90 % und Nahrungsmittelfett zu 50 %. Clearing-Verträge sollten Devisen sparen, konnten aber die Abhängigkeit nicht beseitigen. In der Landwirtschaft sank die Nutzfläche von 1933 bis 1939 um etwa 800.000 Hektar, und seit 1933 gingen rund 500.000 Arbeitsplätze verloren. 1939 beanspruchte das Reich im Ernährungsbereich eine Selbstversorgungsfähigkeit von 83 %.

Vierjahresplan und Expansion

Der 1936 verkündete Vierjahresplan sollte Deutschland binnen vier Jahren kriegsbereit machen. Hitler fasste seine Ziele in zwei Forderungen zusammen: „1. Die deutsche Armee muss in vier Jahren einsatzfähig sein. 2. Die deutsche Wirtschaft muss in vier Jahren kriegsfähig sein.“ Nach außen wurde Autarkie betont, tatsächlich ging es um die Vorbereitung eines Eroberungskrieges. Hermann Göring wurde Beauftragter für den Vierjahresplan und baute eine eigene Bürokratie mit Sonderbeauftragten auf.

Ein Schwerpunkt war die Herstellung eigener Werkstoffe: Benzin aus Kohle, künstliche Faserstoffe, synthetischer Kautschuk Buna, eigene Ölquellen und Erzlager. Die I.G. Farben spielte dabei eine wichtige Rolle, weil sie Patente für Buna und Kohlehydrierung besaß. Die Rentabilität trat zurück. Als die Hüttenindustrie die Verhüttung minderwertiger heimischer Erze ablehnte, drohte Hitler der Privatwirtschaft. 1937 gründete Göring die Reichswerke Hermann Göring; private Erzfelder wurden enteignet.

Der „Anschluss“ Österreichs 1938 brachte Stahlproduktion, Agrarüberschüsse, Erdöl, Wasserkraft sowie Gold und Devisen. Die Sudetenkrise endete im Münchner Abkommen; danach wurden die Ressourcen des Sudetenlandes eingegliedert. Am 15. März 1939 besetzten deutsche Truppen Prag und errichteten das Protektorat Böhmen und Mähren. Devisen, Rohstoffe, Industrieanlagen und fertige Rüstungsgüter wurden für das Reich nutzbar gemacht.

Die Autarkie blieb dennoch unvollständig. Die Wirtschaft wurde ausgezehrt, sodass Raub, Besatzungsabgaben, Zwangsarbeit und die Nutzung eroberter Ressourcen immer stärker in die Finanzierung und Versorgung einbezogen wurden.

Kriegswirtschaft, Zwangsarbeit und Zusammenbruch

Nach Kriegsbeginn 1939 wurde rationiert; Lebensmittelkarten sollten Hungerproteste wie im Ersten Weltkrieg verhindern. Die Wirtschaftsorganisation blieb zunächst unübersichtlich: Göring, Georg Thomas, Fritz Todt, Wehrmachtstellen, NSDAP-Organisationen und Sonderstäbe konkurrierten. Nach dem Überfall auf Polen fehlten Fahrzeuge und Rohstoffe, und der Krieg gegen Großbritannien und Frankreich zeigte Planungsmängel. Der Angriff auf die Sowjetunion hatte auch wirtschaftliche Motive: Laut Görings „Grüner Mappe“ vom Juni 1941 sollten möglichst viele Lebensmittel und Mineralöl für Deutschland gewonnen werden. Die Planer kalkulierten den Hungertod von Millionen Menschen ein.

Zwangsarbeit wurde zu einem Kern der Kriegswirtschaft. Noch 1939 kamen 300.000 von 420.000 polnischen Kriegsgefangenen zum Arbeitseinsatz. Insgesamt waren über 2,8 Millionen polnische Zwangsarbeiter im Deutschen Reich im Einsatz. Später wurden Millionen Menschen aus der Sowjetunion, Frankreich, Italien und anderen besetzten Ländern herangezogen. Gegen Kriegsende arbeiteten über neun Millionen Zwangsarbeiter im Deutschen Reich, davon 7,6 Millionen Zivilisten; das entsprach einem Viertel der im Arbeitsprozess stehenden Bevölkerung. Einsatz und Behandlung folgten rassistischen Kriterien, wobei sowjetische Kriegsgefangene und jüdische KZ-Häftlinge besonders entrechtet waren.

Ab 1942 zentralisierte Albert Speer die Rüstung stärker. Ausschüsse, Ringe, Festpreisverträge, Standardisierung und Schichtarbeit steigerten die Produktion erheblich. Zwischen 1941 und 1944 vervielfachte sich etwa die Panzerproduktion; bei Flugzeugen stiegen die Zahlen ebenfalls stark. Gleichzeitig war die Produktion oft schlecht koordiniert, Ersatzteile fehlten, und neue Waffen konnten nicht immer eingesetzt werden.

Die Versorgung mit Öl und Treibstoff war besonders kritisch. 1939 reichten die Vorräte für Flugzeuge und Fahrzeuge nur für viereinhalb Monate; 1941 fehlten laut Berechnung monatlich 400.000 Tonnen Treibstoff. 1943 stammte rund ein Viertel des Mineralöls aus Importen, vor allem Rumänien, gut die Hälfte aus Kohleverflüssigung und 17 % aus deutschen und österreichischen Quellen. Der Verlust der rumänischen Ölfelder 1944, das Scheitern des Mineralölsicherungsplans und alliierte Angriffe auf Hydrier- und Raffinerieanlagen ließen die Treibstoffversorgung einbrechen. Nach Speer war der Krieg nach den Angriffen im Mai 1944 auf Benzinproduktion „produktionstechnisch verloren“.

Ab Ende 1944 legten alliierte Bombenangriffe vor allem Transport, Kohlezufuhr und Industrie lahm. Die täglich benötigten 22.000 Waggons Kohle konnten nicht mehr bewegt werden; Ende November 1944 sank die Munitionsproduktion um gut 30 %. Mit der militärischen Niederlage brach auch die NS-Wirtschaft zusammen.

Nachkrieg und Bewertung

Nach 1945 waren Nahrungsmangel, Wohnungsnot und Schwarzmarkt prägend. Während des Krieges hatte die Lebensmittelzuteilung für „Normalverbraucher“ bei 2.400 Kilokalorien pro Tag gelegen; in vielen Besatzungszonen sank sie nach 1945 zeitweise auf 1.150 Kilokalorien. Hilfsorganisationen wie UNRRA und CARE leisteten Unterstützung, der Marshallplan ab 1947 wurde ein umfassendes Aufbauprogramm aus US-Steuermitteln bis 1951.

Die Reichsmark war faktisch wertlos; Tauschhandel und „Zigarettenwährung“ prägten den Alltag. In Österreich wurde im Dezember 1945 wieder auf den Schilling umgestellt. In den westlichen Besatzungszonen kam im Juni 1948 die D-Mark, wobei 93,5 % des Reichsmarkvolumens entwertet wurden. Die Sowjetunion reagierte mit der Blockade Westberlins vom 24. Juni 1948 bis 12. Mai 1949 und führte in ihrer Zone ebenfalls eine neue Mark ein.

In den Nürnberger Prozessen und Folgeprozessen standen auch führende Wirtschaftsfunktionäre und Industrielle vor Gericht. Göring nahm sich vor der Vollstreckung seines Urteils das Leben, Robert Ley beging vor Prozessbeginn Selbstmord, Albert Speer wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt, Hjalmar Schacht wurde freigesprochen, Fritz Sauckel wurde hingerichtet. Spätere Verfahren betrafen unter anderem Milch, Flick, I.G. Farben und Krupp; die meisten ehemaligen Zwangsarbeiter erhielten nie Entschädigung.

Das abschließende Urteil des Artikels lautet nach Dietmar Petzina: Die nationalsozialistischen Planungsinstrumente wie Devisenbewirtschaftung, Rohstofflenkung, Investitionssteuerung, Preispolitik, Vierjahresplan, Neuer Finanzplan, Zentrale Planung und Planungsamt versagten insgesamt; die Reibungsverluste waren extrem hoch. Viele Mobilisierungs-, Munitions- und Erzeugungsschlachten erscheinen daher als chaotisch-improvisierte Reaktionen auf gescheiterte Planung.

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