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Wirtschaft der Volksrepublik China

Die Wirtschaft der Volksrepublik China gehört zu den größten Volkswirtschaften der Welt und spielt eine zentrale Rolle im internationalen Handel und in …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundzüge und Kennzahlen
  2. 2. Entwicklung und regionale Unterschiede
  3. 3. Industrie, Technologie und Leitbranchen
  4. 4. Energieversorgung und Energiewende
  5. 5. Finanzsystem und öffentliche Finanzen
  6. 6. Außenwirtschaft und aktuelle Herausforderungen

Grundzüge und Kennzahlen

China gehört zu den größten Volkswirtschaften der Welt und ist für den internationalen Handel sowie globale Wertschöpfungsketten zentral. 2024 lag es mit einem nominalen Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 18.748 Mrd. US-Dollar auf Weltrang 2; kaufkraftbereinigt (PPP) betrug das BIP 38.154 Mrd. US-Dollar. Das BIP je Einwohner lag bei 13.313 US-Dollar nominal beziehungsweise 27.092 US-Dollar nach Kaufkraftparität. Für 2025 schätzte der Internationale Währungsfonds das nominale BIP auf etwa 19,4 Bio. US-Dollar. China stellte damit rund 19 % des globalen nominalen BIP; kaufkraftbereinigt waren es etwa 19–20 %.

Das offizielle Wirtschaftssystem ist seit der Verfassungsänderung von 1993 als „sozialistische Marktwirtschaft“ in Artikel 15 der Verfassung verankert. Es verbindet Wettbewerb, private Unternehmen und marktgestützte Preisbildung mit einer starken staatlichen Steuerung. Staatsunternehmen bleiben besonders in Energie, Telekommunikation, Finanzwesen und Schwerindustrie wichtig. Deshalb wird das System wissenschaftlich häufig als staatsgeprägte oder staatsdominierte Marktwirtschaft bezeichnet. Staatliche, kollektive und private Unternehmen bestehen nebeneinander. Die Kommission zur Kontrolle und Verwaltung von Staatsvermögen beaufsichtigt die Staatsunternehmen. Der seit den 1990er Jahren stark gewachsene Privatsektor ist vor allem für Beschäftigung, Innovation und Exporte bedeutsam; seit Mitte der 2010er Jahre werden Staatsunternehmen wieder verstärkt als Mittel wirtschaftlicher Stabilisierung gefördert.

2024 entstanden 6,8 % des BIP in der Landwirtschaft, 36,5 % in der Industrie und 56,7 % im Dienstleistungssektor; im Text werden gerundet 7 %, 37 % und 57 % genannt. China wächst damit zu einer stärker konsum- und dienstleistungsorientierten Volkswirtschaft, besitzt aber weiterhin außergewöhnlich große industrielle Kapazitäten. Die Landwirtschaft beschäftigt noch deutlich mehr Menschen, als ihr BIP-Anteil vermuten lässt. 2016 entfielen 28,3 % der Erwerbstätigen auf die Landwirtschaft, 29,3 % auf die Industrie und 42,4 % auf Dienstleistungen. Insgesamt gab es 2024 rund 773,88 Mio. Erwerbstätige; die Arbeitslosenquote betrug 4,6 %. Das reale Wachstum lag bei 5,0 %, die Inflation bei 0,2 %. Der Gini-Index, ein Maß für die Einkommensungleichheit, betrug 2021 35,7.

Entwicklung und regionale Unterschiede

Nach der Gründung der Volksrepublik 1949 entstand eine zentral gelenkte Planwirtschaft nach sowjetischem Vorbild. Industrie und Landwirtschaft wurden verstaatlicht, die Produktion wurde staatlich vorgegeben. Der Große Sprung nach vorn (1958–1961) und die Kulturrevolution (1966–1976) verursachten schwere wirtschaftliche Verwerfungen und Produktivitätsverluste.

Unter Deng Xiaoping begann 1978 die Reform- und Öffnungspolitik. Die Landwirtschaft wurde entkollektiviert, private Unternehmen wurden zugelassen und Sonderwirtschaftszonen eingerichtet. In den 1990er Jahren verankerte China die sozialistische Marktwirtschaft offiziell und reformierte den Staatssektor. Der WTO-Beitritt 2001 beschleunigte die Einbindung in die Weltwirtschaft und leitete eine längere Phase hohen Wachstums ein. Seit den 2010er Jahren nimmt das Wachstum ab; Binnenkonsum, Dienstleistungen, Innovation und nachhaltige Entwicklung sollen wichtiger werden.

Die Entwicklung ist regional sehr ungleich. Küstenprovinzen wie Guangdong, Jiangsu und Zhejiang sowie die Metropolen Shanghai und Shenzhen weisen langfristig höhere Pro-Kopf-Einkommen und eine stärkere Industrialisierung als viele Binnen- und Westregionen auf. Seit den 2000er Jahren soll die Go-West-Strategie den westlichen und zentralen Landesteil fördern. Die Daten von 2022 zeigen große Unterschiede: Peking erreichte ein BIP je Einwohner von 190.313 Yuan und einen Dienstleistungsanteil von 83,9 %, Shanghai 179.907 Yuan und 74,1 %. Für Gansu wurden dagegen 44.968 Yuan je Einwohner ausgewiesen. Guangdong hatte mit 129.119 × 100 Mio. Yuan das höchste absolute regionale BIP der Tabelle, gefolgt von Jiangsu mit 122.876 × 100 Mio. Yuan. Landesweit betrug das BIP danach 1.210.207 × 100 Mio. Yuan beziehungsweise 85.698 Yuan je Einwohner. Die aufsummierten Provinzdaten weichen um weniger als 1 % von den separat veröffentlichten nationalen Angaben ab; möglicherweise handelt es sich um Rundungsfehler.

Industrie, Technologie und Leitbranchen

Die Industrie bleibt ein Hauptpfeiler der chinesischen Wirtschaft. China verfügt über Produktionskapazitäten in nahezu allen industriellen Wertschöpfungsketten. Das verarbeitende Gewerbe ist für Wertschöpfung, Beschäftigung und Exporte besonders wichtig. Zu den Schlüsselbranchen gehören Maschinen- und Anlagenbau, Elektronik und Informationstechnik, Fahrzeugbau, Stahl, Chemie, Bauwesen und Infrastruktur.

Der Maschinenbau stellt unter anderem Werkzeug- und Baumaschinen, Energieanlagen, Schienenfahrzeuge und industrielle Ausrüstungen her. Er profitierte von großen Infrastrukturinvestitionen im In- und Ausland. Zugleich soll China bei hochwertigen Industrieanlagen technologisch unabhängiger werden. In der Elektronik ist das Land einer der größten Produzenten von Unterhaltungselektronik, Computern und Telekommunikationsgeräten. Multinationale Konzerne produzieren dort, während chinesische Unternehmen bei Smartphones, Netzwerktechnik und Komponenten weltweit tätig sind. Die Textilindustrie trug wesentlich zum frühen Exportwachstum bei; seit den 1980er Jahren wurde China zum größten Textilproduzenten und -exporteur. Teile der arbeitsintensiven Produktion wanderten später in Länder mit niedrigeren Löhnen ab, während hochwertige und technische Textilien in China wichtiger wurden.

China ist der größte Automobilmarkt und einer der größten Kraftfahrzeugproduzenten weltweit. Seit den 2010er Jahren wächst besonders die Elektromobilität. China führt sowohl bei Elektroautos als auch bei Batterien und Komponenten; staatliche Förderprogramme, Industriepolitik und der Ausbau der Infrastruktur unterstützen diese Entwicklung.

China will sich von einem vorwiegend produzierenden Standort zu einer innovationsgetriebenen Volkswirtschaft entwickeln. Forschungsausgaben, Patentanmeldungen und Eigenentwicklungen nahmen deutlich zu. Halbleiter gelten als strategischer Schlüsselbereich: China ist ein sehr großer Absatzmarkt, bei Hochleistungs-Chips aber teilweise importabhängig. Eigene Kapazitäten werden daher besonders angesichts internationaler Handels- und Technologiebeschränkungen gefördert. Bei Künstlicher Intelligenz gehört China unter anderem bei Patenten und wissenschaftlichen Veröffentlichungen zur Spitzengruppe; Anwendungen umfassen Gesichtserkennung, autonomes Fahren und industrielle Automatisierung. Chinesische Telekommunikationsunternehmen sind führende Anbieter von 5G-Infrastruktur und Netzwerktechnik.

Das Programm „Made in China 2025“ fördert Robotik, Luft- und Raumfahrt, Elektromobilität, Informationstechnik und Biotechnologie. Es soll technologische Abhängigkeiten verringern und einheimische Innovation stärken, wurde international jedoch teilweise kritisch diskutiert.

Energieversorgung und Energiewende

Industrialisierung und steigender Lebensstandard ließen Chinas Energiebedarf stark wachsen. 1985 verbrauchte das Land etwa dreizehnmal so viel Energie wie 1957. Der Verbrauch je Einwohner lag dennoch bei ungefähr der Hälfte des internationalen Durchschnitts und bei etwa einem Zehntel des US-amerikanischen Wertes. China wurde 1990 Nettoimporteur von Energie, Ende 1993 auch von Rohöl und im Juli 2010 zum größten Energieverbraucher der Welt. Zwischen 2002 und 2008 verursachte die Herstellung von Exportgütern etwa 48 % der chinesischen CO₂-Emissionen. Im September 2016 ratifizierte China das Pariser Klimaabkommen, das die Erderwärmung möglichst auf 1,5 °C, auf jeden Fall aber auf unter 2 °C gegenüber vorindustriellen Werten begrenzen soll.

Kohle blieb 2023 mit 61 % des Gesamtenergieverbrauchs der wichtigste Energieträger, ihr relativer Anteil sinkt jedoch. Der Höchststand des Kohleverbrauchs wird je nach Statistik mit 2013 oder 2014 angegeben. Der Verbrauch sank 2014 um 2,9 % und 2015 um 3,6 %, obwohl die Wirtschaft um 7,3 % beziehungsweise 6,9 % wuchs. Einige Forschende bewerten diese Entkopplung als dauerhafte energiepolitische Wende. In den ersten vier Monaten 2015 sanken die CO₂-Emissionen um 5 %, während etwa 1000 Kohleminen geschlossen wurden.

Seit etwa 2006 baut China erneuerbare Energien stark aus. 2013 deckten Wasserkraft, Windkraft und Photovoltaik ungefähr 20,4 % des Strombedarfs. China installierte in diesem Jahr rund 57 GW erneuerbare Kapazität, gegenüber 39,7 GW Kohlekraft, darunter mehr als 12 GW Photovoltaik. 2016 waren 331,11 GW Wasserkraftleistung in Betrieb, davon 26,72 GW Pumpspeicher; sie erzeugten 1,18 Billionen kWh und stellten mehr als ein Viertel der weltweiten Wasserkraftkapazität. Der Drei-Schluchten-Damm ist das größte Wasserkraftwerk der Welt. Ende 2017 besaß China 188,2 GW Windkraftleistung, gegenüber 89,1 GW in den USA und 56,1 GW in Deutschland. Das Land ist außerdem Weltmarktführer bei Solarthermie und ein führender Hersteller von Solarzellen und Windkraftanlagen. Kernenergie ergänzt den Energiemix: Das erste Kernkraftwerk in Qinshan ist seit 1991 am Netz; 2013 lieferten Kernkraftwerke 110,7 TWh und damit 2,11 % der Stromerzeugung.

Finanzsystem und öffentliche Finanzen

Das chinesische Finanzsystem ist bankendominiert und stark staatlich geprägt. Es umfasst Banken, Kapitalmärkte, Versicherungen und zunehmend digitale Finanzdienste. Zu den mehrheitlich staatlichen Großbanken gehören die Industrial and Commercial Bank of China, China Construction Bank, Agricultural Bank of China und Bank of China. Hinzu kommen Regionalbanken, ländliche Kreditgenossenschaften und politische Entwicklungsbanken wie die China Development Bank. Der staatliche Einfluss auf die Kreditvergabe ist erheblich; Finanzströme folgen häufig industrie- und strukturpolitischen Zielen.

Die wichtigsten Wertpapierbörsen sind Shanghai, Shenzhen und Peking; Hongkong bietet eine international stark eingebundene Handelsplattform. Bedeutende Leitindizes sind der SSE Composite Index und der CSI 300. Für Waren und Termingeschäfte bestehen unter anderem Börsen in Zhengzhou, Shanghai und Dalian sowie die China Financial Futures Exchange.

Die People’s Bank of China steuert die Geldpolitik mit Leitzinsen, Mindestreservesätzen und gezielten Liquiditätsmaßnahmen. Neben Preisstabilität verfolgt sie auch Wachstum und Finanzstabilität. Der Renminbi (RMB beziehungsweise CNY) ist die offizielle Währung. Sein Wechselkurs ist verwaltet flexibel: Die Zentralbank beeinflusst die tägliche Schwankungsbreite. Seit 2016 gehört der Renminbi zum Korb der Sonderziehungsrechte des IWF.

Mehrere Staatsfonds verfolgen strategische, politische und wirtschaftliche Ziele, darunter China Investment Corporation, das Staatliche chinesische Devisenamt, der National Council for Social Security Fund und der China-Africa Development Fund. Als zentrale Risiken gelten die hohe Gesamtverschuldung, besonders von Unternehmen und im Immobiliensektor, sowie die engen Verbindungen zwischen Lokalregierungen und Finanzinstituten. Reformen seit den 2010er Jahren sollen Schattenbanken begrenzen, Transparenz erhöhen und systemische Risiken vermindern. 2024 betrugen die öffentlichen Schulden 88,3 % des BIP, die Staatseinnahmen 25,6 % und die Staatsausgaben 32,9 %; das Haushaltsdefizit lag bei 7,3 % des BIP.

Außenwirtschaft und aktuelle Herausforderungen

China ist eine der wichtigsten Handelsnationen. Es führt laut WTO beim Warenexport und steht beim Warenimport an zweiter Stelle. 2024 exportierte es Güter im Wert von 3.793 Mrd. US-Dollar und importierte Waren für 3.254 Mrd. US-Dollar; der Überschuss betrug 539 Mrd. US-Dollar. Exportiert werden vor allem Maschinen, Elektronik, Telekommunikationsgeräte, Textilien, Fahrzeuge und Chemieprodukte. Bedeutende Importe sind Rohstoffe, Halbleiter, Energieträger und hochwertige Vorprodukte. 2025 entfielen 17,6 % der Exporte auf ASEAN, 14,8 % auf die Europäische Union und 11,1 % auf die USA. Bei den Importen lagen ASEAN mit 15,1 %, die EU mit 10,4 % und Taiwan mit 8,9 % vorn.

China empfängt seit den 1990er Jahren umfangreiche ausländische Direktinvestitionen, also langfristige Investitionen von Unternehmen in einem anderen Land. Seit den 2000er Jahren investieren chinesische Unternehmen zugleich verstärkt im Ausland, besonders in Infrastruktur, Energie, Technologie und Rohstoffe. Die 2013 angekündigte Belt and Road Initiative soll Handels- und Transportverbindungen zwischen Asien, Europa, Afrika und weiteren Regionen ausbauen. China ist außerdem Mitglied des Regional Comprehensive Economic Partnership, eines der größten Freihandelsabkommen weltweit.

Seit den späten 2010er Jahren bestehen besonders mit den USA Konflikte über Zölle, Technologietransfer und Investitionsbeschränkungen. Die Einbindung in globale Lieferketten schafft Absatz- und Wachstumsmöglichkeiten, macht China aber auch gegenüber Handelsstörungen verwundbar.

Nach jahrzehntelang häufig zweistelligem Wachstum verlangsamte sich die Wirtschaft. Während der Corona-Pandemie sank die Wachstumsrate 2020 auf 2,2 %, den niedrigsten Wert seit 1980. Nach 8,5 % im Jahr 2021 folgten 3,0 % im Jahr 2022 und 5,2 % im Jahr 2023; für weitere Jahre wurden 4 bis 5 % erwartet. Mehr Binnenkonsum könnte nach Ansicht einiger Beobachter die Abhängigkeit von Exporten und großen Infrastrukturinvestitionen verringern. Langfristige Belastungen sind die Alterung der Bevölkerung, schwächeres Produktivitätswachstum, regionale Ungleichheiten sowie hohe Schulden von Staat und Unternehmen. Hinzu kommen die Immobilienkrise, sichtbar am Kollaps der Evergrande Group, und Schulden aus umfangreichen Infrastrukturprojekten.

Als neue Wachstumsschwerpunkte gelten Hochtechnologie, erneuerbare Energien und Elektromobilität. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur kamen 2023 mindestens 80 % der weltweit produzierten Solarpaneele aus China; ein Drittel der weltweiten Investitionen in grüne Technologien fand dort statt. Elektroautos und Akkumulatoren erreichten zusammen ein Exportvolumen von 139 Mrd. US-Dollar. Diese Erfolge stehen den strukturellen Finanz-, Immobilien-, Handels- und Demografieproblemen gegenüber.

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