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Wirtschaft Sierra Leones
Staatshaushalt, Einnahmen: US$ 562,0 Millionen Ausgaben: US$ 846,4 Millionen (2017) ; Staatsverschuldung, 63,9 % vom BIP △ (2017) ; Export, US$ 700,971 Millionen …
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Grundlagen und wirtschaftliche Lage
Sierra Leone zählt zu den am wenigsten entwickelten Ländern. Seine Wirtschaft beruht vor allem auf selbstversorgender Landwirtschaft, also dem Anbau von Nahrungsmitteln für den eigenen Bedarf. Bis zu 50 % der arbeitenden Bevölkerung sind in diesem Bereich tätig.
Nach dem Ende des Bürgerkriegs im Jahr 2002 befand sich die Wirtschaft im Wiederaufbau. 2012 und 2013 erreichte Sierra Leone mit jeweils mehr als 20 % eine der höchsten jährlichen Wachstumsraten weltweit. Durch die Ebolafieber-Epidemie brach die Wirtschaftsleistung 2015 jedoch um mehr als 20 % ein.
Das Bruttoinlandsprodukt, kurz BIP, misst den Gesamtwert der im Land erzeugten Waren und Dienstleistungen. Das reale BIP betrug 2020 4,132 Milliarden US-Dollar. Nach Kaufkraftparität, die unterschiedliche Preisniveaus berücksichtigt, lag es 2021 bei 13,597 Milliarden US-Dollar. Das BIP pro Kopf nach Kaufkraftparität betrug 2020 1600 US-Dollar. 2021 wuchs die Wirtschaft um 4,1 %.
2021 gab es 2,858 Millionen Erwerbstätige; die Arbeitslosenquote betrug 5,33 %. 2018 lebten 56,8 % der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Die Landeswährung ist der Leone. Die Inflationsrate, also der durchschnittliche Anstieg des Preisniveaus, lag 2016 bei 7,1 % und 2021 bei 11,8 %.
Der Staat nahm 2017 562,0 Millionen US-Dollar ein und gab 846,4 Millionen US-Dollar aus. Die Staatsverschuldung entsprach im selben Jahr 63,9 % des BIP.
Wirtschaftssektoren und Rohstoffe
Die Wirtschaftsleistung verteilte sich 2017 auf drei Sektoren:
- Landwirtschaft: 60,7 %
- Industrie: 6,5 %
- Dienstleistungen: 32,9 %
Der primäre Sektor umfasst die Gewinnung natürlicher Rohstoffe sowie die Landwirtschaft. Neben der Landwirtschaft ist besonders der Bergbau wirtschaftlich wichtig. Er ist der größte Devisenbringer des Landes, bringt also besonders viele Einnahmen in ausländischen Währungen. Zu den bedeutenden Exportgütern aus dem Rohstoffbereich gehören Titan, Diamanten, Aluminium und Bauholz.
Industrie und Dienstleistungen
Der sekundäre Sektor umfasst vor allem die industrielle Verarbeitung. Die Industrie Sierra Leones ist unterentwickelt und fast vollständig auf die Hauptstadt Freetown konzentriert. Produziert werden insbesondere Getränke, Kleidung und Schuhe.
Zum tertiären Sektor gehören Dienstleistungen wie Tourismus und Kapitalmarktgeschäfte. Der internationale Tourismus befindet sich noch im Aufbau. Vor dem Bürgerkrieg galt Sierra Leone als Geheimtipp und wurde besonders von Reisenden aus Frankreich besucht. In den vergangenen Jahren kamen jährlich nur wenig mehr als 5000 Touristen. Damit gehört Sierra Leone zu den am wenigsten besuchten Staaten der Erde.
Kapitalmarkt
Sierra Leone gründete 2009 eine eigene Wertpapierbörse, die Sierra Leone Stock Exchange. Eine Wertpapierbörse ist ein organisierter Markt, an dem beispielsweise Unternehmensanteile gehandelt werden. Der Kapitalmarkt des Landes ist sehr klein: 2022 führte die Börse lediglich drei Unternehmen.
Außenhandel
Sierra Leone importiert deutlich mehr Waren, als es exportiert. Für 2020 nennt die Übersicht Exporte im Wert von 700,971 Millionen US-Dollar f.o.b.; im Text wird der Wert mit 700,8 Millionen US-Dollar angegeben. F.o.b. bezeichnet den Warenwert bis zur Verladung im Ausfuhrhafen. Die Importe beliefen sich auf 1,418 Milliarden US-Dollar.
Die wichtigsten Exportgüter waren Titan, Bauholz, Diamanten, Aluminium und Kakaobohnen. Jeweils gut ein Viertel der Exporte ging nach Belgien und in die Volksrepublik China. Danach folgten Rumänien mit 9 %, die Vereinigten Arabischen Emirate mit 6 % und Deutschland mit 5 %.
Importiert wurden hauptsächlich Lebensmittel, Kunststoff, Medikamente und Fahrzeuge. Mit einem Anteil von 27 % war die Volksrepublik China der größte Importpartner. Weitere wichtige Herkunftsländer waren Indien mit 11 %, die Vereinigten Staaten mit 6 % sowie Ghana und die Türkei mit jeweils 5 %.
Sierra Leone ist unter anderem Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO) und der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS).