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Wirtschaft Perus

Zwischen 2002 und 2013 wuchs die peruanische Wirtschaft durchschnittlich um 6,1 Prozent pro Jahr. Die Landwirtschaft ist den unregelmäßig auftretenden …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Grundzüge und Kennzahlen
  2. 2. Entwicklung und Unternehmensstruktur
  3. 3. Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei
  4. 4. Bergbau, Erdöl und Bauwirtschaft
  5. 5. Industrie und verarbeitende Branchen
  6. 6. Dienstleistungen, Handel, Tourismus und Finanzen

Grundzüge und Kennzahlen

Die Wirtschaft Perus ist stark durch Bodenschätze geprägt, besonders Kupfer, Zink, Gold und Silber. Diese Metalle werden weltweit gehandelt; ihre Preise und die Nachfrage auf dem Weltmarkt beeinflussen deshalb Perus Exporterlöse, seine Deviseneinnahmen und die Binnenkonjunktur. Daneben sind Agrarprodukte und deren Export wichtig. Die Landwirtschaft ist jedoch von den unregelmäßig auftretenden Klimaphänomenen El Niño und La Niña betroffen.

Für 2024 werden ein nominales Bruttoinlandsprodukt von 289,1 Milliarden US-Dollar und ein BIP nach Kaufkraftparität von 609,1 Milliarden US-Dollar genannt. Das BIP pro Kopf lag 2024 bei 8.485 US-Dollar nominal und 17.879 US-Dollar nach Kaufkraftparität. Das Wachstum betrug 2024 3,3 Prozent, die Arbeitslosenquote 4,9 Prozent. Die öffentlichen Schulden lagen 2024 bei 32,8 Prozent des BIP, die Staatseinnahmen bei 19,1 Prozent und die Staatsausgaben bei 22,7 Prozent des BIP; der Haushaltssaldo betrug −3,6 Prozent des BIP.

Die Wirtschaftsleistung verteilte sich 2017 auf Landwirtschaft mit 7,5 Prozent, Industrie mit 36,3 Prozent und Dienstleistungen mit 56,1 Prozent. Bei den Erwerbstätigen entfielen 2011 25,8 Prozent auf die Landwirtschaft, 17,4 Prozent auf die Industrie und 56,8 Prozent auf Dienstleistungen. Peru exportierte 2024 Waren im Wert von 83,3 Milliarden US-Dollar und importierte Waren im Wert von 67,1 Milliarden US-Dollar. Wichtige Exportgüter sind Gold, Zink, Erdöl und Erdölprodukte, Kaffee, Kartoffeln, Spargel, Textilien und Fischmehl. Wichtigster Exportpartner war 2023 China mit 34 Prozent, gefolgt von den USA mit 14 Prozent.

Entwicklung und Unternehmensstruktur

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts versuchten verschiedene Regierungen, Peru wirtschaftlich weiterzuentwickeln. Während der Militärdiktatur von 1968 bis 1980 führten Reformversuche, unprofessionelle Durchführung und Korruption zu schweren Problemen. Danach wechselten Verstaatlichungen und Privatisierungen, was den Aufbau einer funktionierenden Wirtschaft erschwerte. Anfang der 1980er Jahre wurden ausländische Investoren zugelassen, vor allem für den Abbau von Bodenschätzen. Zugleich wurden landwirtschaftliche Bewässerungsprojekte mit internationaler Hilfe umgesetzt.

Zu Beginn des Jahres 1990 erreichte die Inflation 7000 Prozent. Unter Präsident Alberto Fujimori wurden Hyperinflation bekämpft, Preise und Markt gegenüber ausländischen Investoren freigegeben und die Außenzölle von 100 Prozent auf 12 Prozent reduziert. Zwischen 1990 und 2010 verfünffachte sich das BIP pro Einwohner. 1994 lag das Wirtschaftswachstum bei über 12 Prozent. Nach 2000 gewann die peruanische Währung unter den Regierungen von Toledo und García gegenüber dem US-Dollar an Wert, bei niedriger Inflation. Peru galt 2017 als wirtschaftlich stabilstes Land Lateinamerikas mit dem geringsten Zahlungsausfallrisiko, vor Mexiko und Kolumbien.

Die Unternehmensstruktur ist stark kleinteilig. 96,5 Prozent der Unternehmen gehören zu den kleinen und sehr kleinen Unternehmen. Etwa 400.000 Kleinunternehmen wie Läden, Bäckereien und Restaurants erwirtschaften mehr als 20 Milliarden Soles, exportieren aber wenig. Rund 8,13 Millionen Arbeitnehmer arbeiten in kleinen Unternehmen, die 20,6 Prozent des BIP erzeugen. Große und mittlere Unternehmen nehmen zwar zahlenmäßig ab, erzeugen aber 97,8 Prozent der Exporte. Von den zehn umsatzstärksten Unternehmen Perus sind sechs in ausländischer Hand. Ein wichtiges Problem ist die geringe Produktivität: Ein chilenischer Arbeitnehmer ist doppelt so produktiv wie ein peruanischer, ein US-Arbeitnehmer fünfmal so produktiv.

Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Fischerei

Die Landwirtschaft hat zwar einen geringeren Anteil am BIP als früher, beschäftigt aber weiterhin viele Menschen. Im Artikel werden 33 Prozent aller Beschäftigten im Agrarsektor genannt. Etwa ein Viertel der Fläche Perus gilt als landwirtschaftliche Fläche, aber nur 2,5 Prozent werden als Ackerland genutzt. Wichtige Anbauprodukte sind Reis auf 350.000 Hektar, Kartoffeln auf 304.000 Hektar und Mais auf 350.000 Hektar. Etwa 90 Prozent der 2.200.000 landwirtschaftlichen Betriebe sind Familienbetriebe. Düngemittel werden wenig eingesetzt: 56,1 Prozent der Landwirte nutzen keinen Dünger, 32,7 Prozent nur wenig und 11,2 Prozent genügend.

Die Agrarexporte stiegen stark: von 580 Millionen US-Dollar im Jahr 2000 auf 6.100 Millionen US-Dollar 2017 und 14.760 Millionen US-Dollar 2025. Mengenmäßig wurden 2025 am meisten Avocados exportiert, nämlich 760.000 Tonnen; sie machten 23 Prozent aller ausgeführten Früchte aus. Wertmäßig sind Blaubeeren und Trauben besonders wichtig; bei beiden ist Peru weltweit der wichtigste Exporteur. Weitere bedeutende Produkte sind Kaffee und Kakao. Kaffee ist das wichtigste Exportprodukt der Agrarindustrie; 92 Prozent der Produktion werden exportiert. Kartoffeln stammen ursprünglich aus Peru, wo es zwischen 3.000 und 5.000 Sorten gibt. 2016 lag die Kartoffelproduktion bei 4,5 Millionen Tonnen.

Mehr als die Hälfte der Landfläche Perus ist bewaldet. Der Wald wird laut Artikel kaum gepflegt, sondern vor allem abgeholzt. Trotz Schutzgesetzen und Naturschutzgebieten im Amazonasgebiet kommt es immer wieder zu illegalem Holzeinschlag. Peru ist außerdem nach China die zweitgrößte Fischereination weltweit; die Pazifikküste gehört zu den fischreichsten Gebieten der Welt. Fischfang und Fischverarbeitung sind wichtige Exportzweige. 2017 wurden Fischereiprodukte im Wert von 2.533 Millionen US-Dollar exportiert. Fischmehl ist das wichtigste Produkt der Fischereiindustrie, und Peru ist weltweit größter Hersteller.

Bergbau, Erdöl und Bauwirtschaft

Der Bergbau ist einer der wichtigsten Bereiche der peruanischen Wirtschaft. Seit mehr als 2000 Jahren werden Gold, Silber und Kupfer abgebaut. Die Abbaugebiete liegen unter anderem in den Zentralanden, Cajamarca und Toquepala. 70 Prozent der Erzförderung werden von großen multinationalen Konzernen kontrolliert. Das größte Bergwerksunternehmen Perus ist Buenaventura, das Goldvorkommen ausbeutet und Anteile an Yanacocha sowie an der Kupfermine Cerro Verde hält.

Der Bergbau wuchs 2016 um 21,2 Prozent und hatte damit die höchste Wachstumsrate seit 25 Jahren. Er trägt 20 Prozent zu den Steuererlösen bei. Hauptexportprodukte sind Kupfer, Zink und Gold; metallische und nichtmetallische Bergbauprodukte erbringen 27.745 Millionen US-Dollar und haben einen Exportanteil von 61,8 Prozent. Peru war 2019 mit 2,46 Millionen Festmetertonnen nach Chile der weltweit zweitgrößte Produzent von Kupfer. Bei Gold ist Peru der wichtigste lateinamerikanische Produzent; 2017 wurden 151 Tonnen genannt. Bei Silber ist Peru größter Produzent weltweit mit 22,6 Prozent der Weltproduktion.

Der Rohstoffabbau wird wegen Umweltschäden kritisch gesehen. In La Oroya, einem der Orte mit besonders starker Umweltbelastung, wurde der Abbau 2009 eingestellt. Auch illegaler Goldbergbau ist ein großes Problem: Die Zahl der Beschäftigten in diesem Bereich stieg von etwa 10.000 im Jahr 2000 auf über 400.000 im Jahr 2022. Ohne staatliche Kontrolle werden jährlich bis zu 50 Tonnen Gold gefördert.

Erdöl wird im nördlichen Küstengebiet und im Amazonasbecken gefördert. 1977 wurde eine 900 Kilometer lange Pipeline vom Amazonasgebiet zur Hafenstadt Bayóvar gebaut. Erdöl ist für den Export weniger wichtig, aber für die Industrie bedeutend. Die Förderung von Erdgas und Rohöl im Amazonasgebiet führt seit Jahren zu Konflikten mit betroffenen indigenen Gemeinschaften. Die Bauwirtschaft gilt ebenfalls als wichtig; der Zementverbrauch dient als Konjunkturbarometer. Für 2017 wurde ein Wachstum von 3,6 Prozent erwartet, nachdem es zuvor mehrere Jahre negative Wachstumsraten gegeben hatte.

Industrie und verarbeitende Branchen

Die Industrie trug 2017 nur noch 13 Prozent zum Bruttoinlandsprodukt bei, den niedrigsten Anteil seit 50 Jahren. Sie beschäftigte 1,5 Millionen Menschen, erbrachte 18 Prozent der Steuereinnahmen und erhielt 23 Prozent der Unternehmenskredite. Etwa 800 kleine und mittlere Betriebe sind in diesem Sektor tätig, häufig Familienbetriebe.

Die Industrie konzentriert sich vor allem auf Küstenstädte wie Lima, Chimbote, Chiclayo und Trujillo. Wichtige Zweige sind Nahrungsmittel- und Getränkeherstellung, Zuckerrohrverarbeitung, Fischmehlproduktion, chemische Industrie sowie Verarbeitung und Aufbereitung von Erz. Die Stahlindustrie und die Textilindustrie stehen durch Importe aus China unter starkem Druck. Fertigerzeugnisse machten 2010 nur 22 Prozent der Exporte aus, im Wert von 5.359 Millionen US-Dollar.

Die Industrieproduktion ging in drei aufeinanderfolgenden Jahren zurück; dadurch gingen 150.000 Arbeitsplätze verloren, also −5,4 Prozent. Besonders betroffen waren die Textilindustrie mit −39,9 Prozent, die papier- und holzverarbeitende Industrie mit −20,1 Prozent, die Chemieindustrie mit −19,4 Prozent und die Fischereiindustrie mit −13,6 Prozent. Die Textilindustrie umfasst insgesamt 90.000 Unternehmen und erbringt 1,43 Prozent des Bruttosozialprodukts. 2016 exportierte sie Waren für 1.202 Millionen US-Dollar, vor allem in die Vereinigten Staaten. Wegen hoher Löhne von 450 US-Dollar im Monat stellt sie stärker auf modische Erzeugnisse und qualitativ gute Stoffe um.

Weitere Branchen sind die metallverarbeitende Industrie, die hauptsächlich im Norden Limas liegt und über 500 Firmen umfasst, sowie die pharmazeutische Industrie mit 17 Betrieben. In der Pharmaindustrie nahm die lokale Produktion ab, während Importe zunahmen; diese machen inzwischen zwei Drittel des Gesamtumsatzes von 2.293 Millionen US-Dollar aus.

Dienstleistungen, Handel, Tourismus und Finanzen

Der Dienstleistungssektor schafft die meisten Arbeitsplätze und ist einer der wichtigsten Leistungsträger der peruanischen Wirtschaft. 2018 wuchs er um 4,6 Prozent. Er erbringt 30 Prozent des peruanischen Bruttoinlandsprodukts und brachte 2016 jährlich 6.300 Millionen US-Dollar an Devisen ein; 2017 wurden 6.760 Millionen US-Dollar überschritten. 70 Prozent der Dienstleistungen sind für lateinamerikanische Kunden bestimmt.

Im Finanzbereich ist die BCP (Banco de Crédito) der Finanzholding Credicorp die größte peruanische Bank, gefolgt von BBVA Continental, Scotiabank, Interbank und Mibanco. Die Kreditrisiken der Banken beliefen sich 2017 insgesamt auf 236.351 Millionen Soles, davon 65 Prozent Unternehmenskredite. Die Rücklagen der Banken übersteigen das gesetzliche Minimum um 120 Prozent. Es werden bereits mehr Bankgeschäfte über das Internet getätigt (40 Prozent) als über Bankfilialen (35 Prozent). Peru besitzt außerdem die Wertpapierbörse Bolsa de Valores de Lima mit dem Leitindex S&P/BVL Peru General Index und den Staatsfonds Fondo de Estabilización Fiscal, der konjunkturelle Schwankungen abfedern soll.

Der Einzelhandel weist laut Artikel das größte Wachstum in Lateinamerika auf und liegt weltweit an neunter Stelle. 2017 wuchs der Umsatz um 4,4 Prozent, für 2018 wurden 6 Prozent erwartet. Die 78 Einkaufszentren setzten 2017 geschätzt Waren im Wert von 25.953 Millionen Soles um. Insgesamt gibt es 4.525 Geschäfte; der Einzelhandel beschäftigt 108.000 Menschen, davon 51,8 Prozent Frauen.

Der Tourismus ist ein wichtiger und stabiler Wirtschaftsbereich. Wichtige Ziele sind Machu Picchu, Wandergebiete bei Huaraz und Cusco, der Colca Canyon, Amazonien rund um Iquitos und der Titicacasee. In den 1980er Jahren stagnierte der Tourismus wegen bürgerkriegsähnlicher Zustände, danach erholte er sich. 2011 war er der drittgrößte Devisenbringer Perus. 2016 brachte der Tourismus 4.303 Millionen US-Dollar an Devisen ein; es kamen 4,6 Millionen Touristen, 3,9 Prozent mehr als 2015. 47 Prozent kamen aus Lateinamerika, hauptsächlich aus Chile.

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