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Wirtschaft Kasachstans

Die Wirtschaft Kasachstans ist gemessen am Bruttoinlandsprodukt die größte Volkswirtschaft Zentralasiens und weltweit an 53. Stelle und Mitglied der …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und zentrale Kennzahlen
  2. 2. Wirtschaftspolitik und Entwicklungsziele
  3. 3. Landwirtschaft, Bergbau und Industrie
  4. 4. Energie, Banken und Kapitalmarkt
  5. 5. Währung und Außenhandel
  6. 6. Bedeutende Unternehmen

Überblick und zentrale Kennzahlen

Kasachstan besitzt gemessen am Bruttoinlandsprodukt (BIP), also am Gesamtwert der im Land erzeugten Waren und Dienstleistungen, die größte Volkswirtschaft Zentralasiens. 2021 stand das Land nominal weltweit an 53. Stelle. Nach dem starken wirtschaftlichen Einbruch infolge der Unabhängigkeit von der Sowjetunion setzte seit der Jahrtausendwende ein deutlicher Aufwärtstrend ein. Besonders wichtig sind Bergbau sowie die Förderung von Erdöl und Erdgas.

Das nominale BIP betrug 2021 rund 197 Milliarden US-Dollar, nach Kaufkraftparität 543 Milliarden US-Dollar. Das angegebene BIP pro Kopf lag 2021 sowohl nominal als auch nach Kaufkraftparität bei 10.306 US-Dollar. Die Wirtschaftsleistung entwickelte sich jedoch nicht gleichmäßig: Das nominale BIP stieg von 220,3 Milliarden US-Dollar 2013 auf 221,4 Milliarden 2014, sank bis 2016 auf 137,3 Milliarden und erreichte 2023 schließlich 261,8 Milliarden US-Dollar. Die reale Veränderung gegenüber dem Vorjahr lag 2020 bei −2,6 Prozent, danach bei +4,1 Prozent 2021, +3,2 Prozent 2022 und +5,1 Prozent 2023.

Je nach Bezugsjahr nennt der Artikel unterschiedliche Sektoranteile. Für 2013 entfielen 52,6 Prozent des BIP auf Dienstleistungen, 29,6 Prozent auf Industrie, 5,9 Prozent auf Bauwirtschaft, 4,5 Prozent auf Landwirtschaft und 7,4 Prozent auf sonstige Leistungen. Die Übersicht für 2021 nennt dagegen 56,95 Prozent Dienstleistungen, 37,9 Prozent Industrie und 5,2 Prozent Landwirtschaft.

Die Arbeitslosenquote blieb relativ stabil: Sie sank von 5,25 Prozent 2013 auf 4,72 Prozent 2023. Im November 2015 gab es 8,48 Millionen Erwerbstätige und 448.900 Arbeitslose. Für 2017 werden ein Wirtschaftswachstum von 3,3 Prozent, eine Inflation von 7,3 Prozent, öffentliche Schulden von 37,5 Prozent des BIP und ein Haushaltssaldo von −2,4 Prozent des BIP angegeben.

Wirtschaftspolitik und Entwicklungsziele

Kasachstan ist in mehrere internationale Wirtschaftsordnungen eingebunden. 2011 gründete es mit Russland und Belarus eine Zollunion. Aus ihr ging die Eurasische Wirtschaftsunion hervor, die offiziell am 1. Januar 2015 gegründet wurde. Im Dezember 2015 trat Kasachstan nach fast 20-jährigen Verhandlungen als 162. Mitglied der Welthandelsorganisation (WTO) bei. Der vereinbarte Importzoll sollte binnen fünf Jahren auf 6,1 Prozent und für Agrargüter auf 7,6 Prozent sinken. Nach Aussage des damaligen Präsidenten Nursultan Nasarbajew verliefen bereits ungefähr 90 Prozent des Handels mit WTO-Staaten.

Die im Dezember 2012 vorgestellte Strategie „Kasachstan 2050“ verfolgt das Ziel, Kasachstan in die Gruppe der 30 am stärksten entwickelten Staaten zu führen. Kernpunkte sind geringe Neuverschuldung, eine Neuausrichtung der Energieversorgung sowie die Modernisierung und Diversifizierung der Wirtschaft. Diversifizierung bedeutet hier, die Wirtschaft breiter aufzustellen und ihre Abhängigkeit vom Rohstoffabbau zu verringern. Ausgebaut werden sollen besonders die verarbeitende Industrie, die Landwirtschaft und das Transportwesen; zugleich ist eine Umstrukturierung des Energiesektors vorgesehen. Kleine und mittlere Unternehmen sowie strukturschwache Regionen sollen besonders gefördert werden.

Am 9. Oktober 2014 unterzeichneten Kasachstan und die Europäische Union ein erweitertes Partnerschafts- und Kooperationsabkommen. Es betrifft unter anderem Handel und Wirtschaft, nachhaltige Entwicklung, Rechtsstaatlichkeit, Finanzen, Wissenschaft, Technik und Energie. Beim Weltwirtschaftsforum 2016 warb Ministerpräsident Kärim Mässimow außerdem für ausländische Investitionen und stellte den niedrigen Ölpreis als Anlass für wirtschaftliche Reformen dar.

Landwirtschaft, Bergbau und Industrie

Die Landwirtschaft beschäftigt beinahe ein Fünftel der arbeitenden Bevölkerung; fast drei Viertel der Landesfläche sind landwirtschaftlich nutzbar. Kasachstan gehört zu den größten Exporteuren von Weizen und Mehl. 2011 wurde mit 22,7 Millionen Tonnen eine Rekordernte an Weizen erzielt, 2013 waren es 13,9 Millionen Tonnen. Die Produktion konzentriert sich vor allem auf Aqmola, Nordkasachstan und Qostanai. In Türkistan wird außerdem Baumwolle angebaut; 2012 betrug die Produktion rund 131.000 Tonnen.

Erdöl ist die wichtigste Einnahmequelle des Staates. Über KazMunayGas kontrolliert der Staat den Sektor. Die Förderung hat sich seit 2000 mehr als verdoppelt und erreichte 2013 mit 81,8 Millionen Tonnen ein nationales Maximum. Rund 70 Prozent der Reserven liegen im Westen des Landes. Karatschaganak und Tengiz liefern zusammen etwa 40 Prozent des Erdöls. Das 2000 entdeckte Feld Kaschagan gilt als größtes Erdölvorkommen außerhalb des Nahen Ostens und gemessen an den Reserven als fünftgrößtes Feld der Erde. Seine Entwicklung hatte bereits etwa 43 Milliarden US-Dollar gekostet; der Förderbeginn wurde mehrfach verschoben und war für 2016 vorgesehen. Die Erdgasförderung stieg von 11,5 Milliarden Kubikmetern 2000 auf 43,4 Milliarden Kubikmeter 2014.

Kasachstan besitzt zwölf Prozent der weltweiten Uranreserven und ist seit 2009 der größte Uranproduzent. 2013 förderte es 22.451 Tonnen und stellte damit rund 38 Prozent der Weltproduktion. Kazatomprom betreibt alle 17 Minen, davon zwölf gemeinsam mit internationalen Partnern. Das Land förderte 2013 außerdem 493.000 Tonnen Kupfer und lag damit weltweit auf Rang zwölf. Bei Gold werden für 2011 rund 36,6 Tonnen Förderung, 2.200 Tonnen Reserven und knapp 9.200 Tonnen Ressourcen genannt.

Kasachstan ist nach Südafrika der wichtigste Chromitproduzent; der Artikel nennt eine Jahresförderung von 4.000 Tonnen und Reserven von 230.000 Tonnen. Die Kohleproduktion beträgt mehr als 120 Millionen Tonnen pro Jahr, womit das Land weltweit Rang acht belegt. Rund vier Prozent der globalen Kohlereserven lagern dort. Die Eisenerzförderung stieg von 16 Millionen Tonnen 2000 auf mehr als 50 Millionen Tonnen 2010. Hinzu kommen unter anderem Bauxit, Asbest, Blei, Bismut, Mangan, Silber, Titan und Wolfram.

Die Industrieproduktion erreichte 2013 nach einem Anstieg um 2,5 Prozent einen Wert von 117,2 Milliarden US-Dollar. Davon entfielen knapp 70 Milliarden auf Rohstoffförderung und 38,5 Milliarden auf die verarbeitende Industrie. Bedeutende Bereiche waren Metallurgie mit 11,5 Milliarden, Nahrungsmittelproduktion mit 6,4 Milliarden, Maschinenbau mit 5,6 Milliarden sowie Koks- und Erdölprodukte mit 5,2 Milliarden US-Dollar. Die Rohstahlproduktion sank 2013 auf 3,275 Millionen Tonnen. Das Werk Temirtau von ArcelorMittal war das größte Stahlwerk Zentralasiens.

Energie, Banken und Kapitalmarkt

2013 erzeugte Kasachstan 92,6 Terawattstunden Strom und damit 45 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor. Fossile Brennstoffe lieferten 89 Prozent, Wasserkraft zehn Prozent und erneuerbare Energien ein Prozent. Industrie und Landwirtschaft verbrauchten zusammen 75 Prozent des Stroms, Privathaushalte elf Prozent und das Transportwesen zwei Prozent. Die starke Kohleabhängigkeit zeigt sich darin, dass 76 Prozent der Elektrizität mit Kohle erzeugt wurden. Das größte Kraftwerk ist Ekibastus. Das Gebiet Pawlodar stellte rund 44 Prozent der gesamten Stromproduktion. Wasserkraftwerke liegen unter anderem an der Öskemen- und Schülbi-Talsperre sowie am Buchtarma-Stausee. Das Kernkraftwerk Aqtau wurde im April 1999 stillgelegt; im Mai 2014 vereinbarten Kazatomprom und Rosatom den Bau eines Kernkraftwerks mit WWER-Reaktoren nahe Kurtschatow. Die staatliche KEGOC kontrolliert das Stromnetz und übernimmt die interregionale und internationale Übertragung.

Das kasachische Bankensystem gilt als das am höchsten entwickelte Zentralasiens. Die Kasachische Nationalbank steuert die Geld- und Kreditpolitik, reguliert die Währung und beaufsichtigt die Kreditinstitute. Bei den Geschäftsbanken hatte die Kazkommertsbank einen Marktanteil von 24 Prozent; weitere wichtige Institute waren unter anderem Eurasian Bank, Halyk Bank und Temirbank.

Die Finanzkrise von 2008 führte zu einer schweren Bankenkrise. Banken hatten kurzfristige, günstige Kredite in Europa aufgenommen und im Inland längerfristige Kredite zu höheren Zinsen vergeben. Im September 2008 beliefen sich ihre ausländischen Kreditschulden auf zwölf Milliarden US-Dollar. Der Staatsfonds Samruk-Kazyna musste rund zehn Milliarden US-Dollar für die Rettung und Verstaatlichung von Alliance Bank, BTA Bank und Temirbank einsetzen. Als Wertpapierbörsen und Handelsplätze bestehen die Kasachische Börse, deren Leitindex der KASE Index ist, und die Astana International Exchange.

Währung und Außenhandel

Der Kasachische Tenge (KZT beziehungsweise ₸) wurde am 15. November 1993 als Nationalwährung eingeführt. Die Inflation sank nach sehr hohen Werten in den Jahren nach der Unabhängigkeit langfristig: von 18,8 Prozent 2007 auf 4,8 Prozent 2013. Im September 2013 beschloss die Nationalbank, den Wechselkurs an Euro, US-Dollar und russischen Rubel zu binden. Wegen des Wertverlustes des Rubels wertete sie den Tenge im Februar 2014 gegenüber dem US-Dollar um 19 Prozent ab. Der durchschnittliche Kurs für einen Euro stieg von 202,09 Tenge 2013 auf 378,63 Tenge 2016; im Februar 2016 wurde mit 398,45 Tenge ein damaliger Höchststand erreicht. In der Übersicht wird außerdem der Kurs 100 KZT = 0,206 EUR genannt.

Kasachstans Außenhandel ist von Rohstoffexporten und einem deutlichen Exportüberschuss geprägt. Für 2013 nennt die Übersicht Exporte von 84,7 Milliarden US-Dollar, Importe von 48,8 Milliarden und damit eine positive Außenhandelsbilanz von 35,9 Milliarden US-Dollar. Im Text werden leicht abweichend ein gesamtes Exportvolumen von 82,5 Milliarden und Importe von 48,9 Milliarden US-Dollar angegeben. Der Außenhandelsumsatz betrug 131,4 Milliarden US-Dollar. Gegenüber dem Vorjahr sanken die Ausfuhren um 4,5 Prozent, während die Einfuhren um 5,3 Prozent zunahmen.

Von den Exporten entfielen 65,8 Milliarden US-Dollar auf mineralische Produkte einschließlich Erdöl und Erdgas, 7,7 Milliarden auf Metalle und Metallerzeugnisse, 3,4 Milliarden auf chemische Erzeugnisse und 2,7 Milliarden auf Nahrungsmittel und Agrarprodukte. Wichtigste Ziele waren Italien mit 16,5 Milliarden, China mit 14,4 Milliarden, die Niederlande mit 9,9 Milliarden, Russland mit 5,9 Milliarden und Frankreich mit 5,5 Milliarden US-Dollar. Bei Deutschland widersprechen sich die Angaben: Die kasachische Statistik meldete 0,428 Milliarden US-Dollar, das Statistische Bundesamt dagegen deutsche Einfuhren aus Kasachstan von 4,3 Milliarden Euro.

Importiert wurden vor allem Maschinen und Anlagen im Wert von 18,9 Milliarden US-Dollar, chemische Erzeugnisse für 6,4 Milliarden, mineralische Produkte für 6,1 Milliarden sowie Nahrungsmittel und Agrarprodukte für 4,6 Milliarden. Russland war mit Lieferungen von 18,0 Milliarden US-Dollar und beinahe 40 Prozent der Einfuhren der wichtigste Lieferant. Es folgten China mit 8,4 Milliarden, Deutschland mit 2,5 Milliarden, die Ukraine mit 2,3 Milliarden und die Vereinigten Staaten mit 2,1 Milliarden US-Dollar.

Bedeutende Unternehmen

Die größten Unternehmen spiegeln die zentrale Rolle von Staatsbeteiligungen, Erdöl, Erdgas, Rohstoffen und Finanzdienstleistungen wider. Nach dem Umsatz des Geschäftsjahres 2023 stand der Mischkonzern Samruk-Kazyna mit 15.495 Milliarden Tenge an erster Stelle. Es folgten Tengizchevroil mit 8.877 Milliarden und die North Caspian Operating Company mit 4.948 Milliarden Tenge, beide aus der Öl- und Gasbranche.

Zu den weiteren zehn größten Unternehmen gehörten die Halyk Bank mit 2.109 Milliarden Tenge, das Finanzunternehmen kaspi.kz mit 1.953 Milliarden, Karachaganak Petroleum Operating mit 1.784 Milliarden sowie die Rohstoffunternehmen Kazzinc mit 1.668 Milliarden, Kazakhmys mit 1.331 Milliarden und Kazchrome mit 1.068 Milliarden Tenge. Der Mischkonzern Bajterek erzielte 1.185 Milliarden Tenge Umsatz.

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