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Kasachstan
Auf Englisch erscheinen The Kazakhstan Monitor und The Almaty Herald, auf Deutsch erscheint die Deutsche Allgemeine Zeitung. Im Jahr 2023 nutzten 92,9 …
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Staat, Raum und Natur
Kasachstan ist ein Staat in Zentralasien und zu einem kleinen Teil in Osteuropa. Mit 2.724.900 km² ist es der neuntgrößte Staat der Erde und der größte Binnenstaat. Es grenzt an Russland, China, Kirgisistan, Usbekistan und Turkmenistan sowie über das Kaspische Meer an Aserbaidschan. Die 7.644 km lange Grenze zu Russland ist die zweitlängste Landgrenze zwischen zwei Staaten. Hauptstadt ist Astana; die größte Stadt und das wichtigste wirtschaftliche und kulturelle Zentrum ist Almaty.
Das Land wird vor allem durch Ebenen, Steppen und Wüsten geprägt. Im Westen liegen die Kaspische Senke und die Karagije-Senke, mit 132 m unter dem Meeresspiegel der tiefste Punkt des Landes. Im Zentrum befindet sich die Kasachische Schwelle, im Osten der Altai und im Südosten der Tian Shan. Der Khan Tengri ist mit 7.010 m der höchste Berg Kasachstans. Etwa 44 % der Landesfläche sind Wüste. Das ausgeprägt kontinentale Klima bringt kalte Winter mit bis zu −40 °C und heiße Sommer mit über +40 °C.
Kasachstan besitzt etwa 48.000 Seen. Das Kaspische Meer ist mit rund 371.000 km² der größte, der stark geschrumpfte Aralsee der zweitgrößte. Der 18.428 km² große Balchaschsee besteht zur Hälfte aus Süß- und zur Hälfte aus Salzwasser. Bedeutende Flüsse sind Irtysch, Syrdarja, Ural und Ili. Im Landesinneren gibt es viele abflusslose Steppenflüsse, die im Sommer austrocknen.
Die zahlreichen Naturzonen ermöglichen eine artenreiche Tier- und Pflanzenwelt, die unter anderem in 16 Nationalparks und Naturschutzgebieten geschützt wird. Zu den charakteristischen oder bedrohten Tieren gehören Saiga-Antilopen, Kropfgazellen, Bucharahirsche, Kaspische Robben und Schneeleoparden. Kasachstan ist außerordentlich rohstoffreich: Es besitzt große Erdöl- und Erdgasfelder am Kaspischen Meer sowie bedeutende Vorkommen von Kohle, Uran, Eisen, Kupfer, Gold, Chrom, Vanadium und weiteren Metallen.
Bevölkerung, Sprachen und Bildung
Am 1. Januar 2025 hatte Kasachstan 20.286.084 Einwohner; die Bevölkerungsdichte beträgt nur 7 Einwohner je km². Nach einem Rückgang in den 1990er-Jahren wächst die Bevölkerung seit 2002 wieder kontinuierlich. 2022 lag die statistische Kinderzahl bei 3,1 je Frau und die Lebenserwartung bei 74,4 Jahren. 2023 waren 29,6 % der Bevölkerung jünger als 15 Jahre und 8,2 % älter als 64 Jahre. Am dichtesten besiedelt sind der Süden um Almaty, Schymkent und Taras sowie Teile des Nordens.
Kasachstan ist multiethnisch. Laut Zensus 2021 waren 70,4 % Kasachen, 15,5 % Russen, 3,2 % Usbeken, 2,0 % Ukrainer, 1,5 % Uiguren, 1,2 % Deutsche und 1,1 % Tataren. An anderer Stelle nennt der Artikel für die russische Minderheit widersprüchlich knapp 24 %. Der ethnische Wandel seit 1991 entstand vor allem durch die Auswanderung vieler Russen und Kasachstandeutscher, höhere Geburtenraten turksprachiger Gruppen und die Einwanderung ethnischer Kasachen. Der kasachische Bevölkerungsanteil stieg von 43,1 % im Jahr 1991 auf 70,4 % im Jahr 2021, während der russische Anteil von 37,3 % auf 15,5 % sank.
Kasachisch, eine Turksprache, ist Staatssprache; Russisch besitzt in Behörden, Verwaltung, Bildung und Wissenschaft praktisch einen gleichberechtigten Status und dient weiterhin häufig als gemeinsame Verkehrssprache. Der Staat fördert den Gebrauch des Kasachischen. Zugleich betont er offiziell den multiethnischen Charakter des Landes, während Kritiker von einer Zurückdrängung des Russischen und einer Politik der „Kasachisierung“ sprechen.
Kasachisch wurde zunächst arabisch, ab 1929 lateinisch und seit den 1940er-Jahren kyrillisch geschrieben. Die geplante erneute Umstellung auf ein lateinisches Alphabet verlief schleppend; das Zieldatum wurde von 2025 auf 2031 verschoben. Die 2021 vorgestellte Fassung umfasst 31 Buchstaben.
Das nationale Bildungssystem reicht von der kostenlosen Vorschule über Unter-, Haupt- und Oberstufe bis zur Hochschule. Unterricht findet regional in sieben Sprachen statt. 2015 konnten über 99 % der Erwachsenen lesen und schreiben. Im PISA-Ranking 2015 belegte Kasachstan unter 72 Ländern Platz 42 in Mathematik, 43 in Naturwissenschaften und 51 im Lesen.
Geschichtliche Entwicklung
Auf dem Gebiet Kasachstans bestanden im Altertum und Frühmittelalter verschiedene Reiche, darunter jene der Kangly, Kirgisen, Kimek, Naimanen, Kyptschaken und Oghusen. Im 13. Jahrhundert eroberten die Mongolen Dschingis Khans das Gebiet. Teile gehörten anschließend zur Goldenen Horde, zur Orda-Horde und zum Tschagatai-Khanat.
Im 15. Jahrhundert gründeten Janibek Khan und Kerei Khan das Kasachische Khanat. Unter Burunduk Khan und Kasym Khan entwickelte es sich im frühen 16. Jahrhundert zu einem großen Steppenreich. Seit dem frühen 18. Jahrhundert wurde es wiederholt vom Dsungarischen Khanat angegriffen. Um einer Eingliederung durch China zu entgehen, unterstellten sich die kasachischen Gebiete ab Mitte des 18. Jahrhunderts schrittweise dem Russischen Kaiserreich. Im 19. Jahrhundert wurden die Horden aufgelöst und das Gebiet dem Generalgouvernement Turkestan unterstellt.
Nach Revolution und Bürgerkrieg setzte sich 1919 die Sowjetmacht durch. 1920 entstand eine autonome Sowjetrepublik, die 1925 in Kasachische Autonome Sowjetrepublik umbenannt wurde. 1936 wurde sie als Kasachische SSR eine Unionsrepublik der Sowjetunion. Die Zwangskollektivierung, Enteignung und erzwungene Sesshaftmachung der Nomaden führten 1928 bis 1933 zu einer Hungerkatastrophe. Die Angaben schwanken zwischen etwa 1,3 und 1,7 Millionen Toten; nach manchen Schätzungen starben bis zu 42 % der Bevölkerung.
Die Sowjetzeit brachte Industrialisierung, Eisenbahnbau und intensive Landwirtschaft, aber auch Deportationen zahlreicher Bevölkerungsgruppen. Kasachstan diente zudem als Standort für den Weltraumbahnhof Baikonur und für Kernwaffentests. Auf dem Testgelände Semipalatinsk fanden von 1949 bis 1989 insgesamt 470 Tests statt, davon 124 oberirdisch.
Kasachstan erklärte am 16. Dezember 1991 als letzte Sowjetrepublik seine Unabhängigkeit. Die Wirtschaft schrumpfte zunächst um etwa 40 %. Ab der Jahrtausendwende sorgten vor allem Rohstoffexporte für einen starken Aufschwung. Nursultan Nasarbajew regierte von 1991 bis 2019 autoritär. Sein Nachfolger Kassim-Schomart Tokajew entmachtete nach den gewaltsam niedergeschlagenen Protesten von 2022 den Nasarbajew-Familienclan teilweise und leitete begrenzte Reformen ein. Die Hauptstadt hieß ab 1998 Astana, von 2019 bis 2022 Nur-Sultan und seit dem 17. September 2022 wieder Astana.
Politik, Außenbeziehungen und Menschenrechte
Kasachstan ist nach der Verfassung eine präsidentielle Republik. Seit der Verfassungsänderung von 2022 ist das Präsidentenamt auf eine siebenjährige Amtszeit begrenzt. Laut Artikel besteht seit dem 1. Juli 2026 mit dem Kurultai ein Einkammerparlament; zugleich weist der Ausgangstext darauf hin, dass Angaben wegen einer neuen Verfassung möglicherweise unvollständig sind. Staatspräsident ist Qassym-Schomart Toqajew, Regierungschef Olschas Bektenow.
Trotz formaler Institutionen gilt das Land als autoritär regiert. Der Demokratieindex 2024 bewertet es mit 3,08 von 10 Punkten als „autoritäres Regime“, Freedom in the World 2024 mit 23 von 100 Punkten als „unfrei“. Oppositionelle Kandidaturen und Parteien treffen auf hohe rechtliche Hürden. Korruption und politische Eingriffe in die Justiz sind verbreitet.
Die Menschenrechtslage gilt als angespannt. Berichtet wird über Folter und Misshandlungen in Haft, Verletzungen von Verfahrensregeln sowie Einschränkungen der Religions-, Versammlungs-, Meinungs- und Pressefreiheit. Die Rangliste der Pressefreiheit 2026 führt Kasachstan mit 34,4 von 100 Punkten auf Rang 149 von 180 und bewertet die Lage als sehr ernst. Die Todesstrafe wurde Anfang 2021 endgültig abgeschafft. Frauen sind trotz hoher Bildungs- und Erwerbsquote in Führungspositionen wenig vertreten und verdienen deutlich weniger. Homosexualität ist seit 1998 legal, gesellschaftlich jedoch weitgehend tabuisiert; LGBT-Aktivisten werden bedrängt. Unabhängige Gewerkschaften und ihre Vorsitzenden sind staatlichem und juristischem Druck ausgesetzt.
Außenpolitisch pflegt Kasachstan enge Beziehungen zu Russland und China, arbeitet aber auch mit den USA und der Europäischen Union zusammen. Es gehört unter anderem der UNO, der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit, der Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit, der Organisation der Turkstaaten, der OSZE und seit dem 30. November 2015 der Welthandelsorganisation an. Seit dem russischen Überfall auf die Ukraine 2022 distanziert sich Kasachstan vorsichtig von Russland, bleibt jedoch dessen Verbündeter. Russland pachtet den Weltraumbahnhof Baikonur bis 2050 für jährlich 115 Millionen US-Dollar.
Wirtschaft und Infrastruktur
Kasachstan ist die größte Volkswirtschaft und das reichste Land Zentralasiens. Das kaufkraftbereinigte Bruttoinlandsprodukt pro Kopf betrug 2024 geschätzt 41.752 US-Dollar; das reale Wirtschaftswachstum lag bei 4,8 %. Die Währung ist der Tenge. Der Staat besitzt weiterhin großen Einfluss auf die Wirtschaft, obwohl viele Unternehmen privatisiert wurden. Der wirtschaftliche Aufstieg beruht besonders auf Erdöl, Erdgas und Bergbau, kommt aber laut Artikel vor allem einer kleinen Elite zugute.
Erdöl- und Erdgasförderung sowie Ölprodukte bilden die wirtschaftliche Grundlage. Kasachstan ist außerdem der weltweit größte Uranexporteur; Steinkohle blieb auch 2021 der wichtigste Energieträger. Seit 2003 versucht die Regierung, die Rohstoffabhängigkeit durch stärkere Verarbeitung im Land zu senken. Wichtige Industriezweige sind Metallurgie, Chemie, Maschinenbau, Textilien und Lebensmittelproduktion. Rund 75 % der Fläche sind landwirtschaftlich nutzbar. Kasachstan deckt seinen Getreidebedarf selbst und exportiert jährlich etwa vier bis fünf Millionen Tonnen. Im Süden werden Früchte angebaut; in Steppe und Wüste sind Schaf-, Ziegen-, Rinder- und Pferdehaltung wichtig. Die Wasserentnahme für die Landwirtschaft trägt zur ökologischen Katastrophe am Aralsee bei.
Der Außenhandel ist stark auf Rohstoffe und wenige Partner ausgerichtet. 2024 gingen 22,9 % der Ausfuhren nach Italien, 18,3 % nach China und 11,7 % nach Russland. Bei den Einfuhren führten Russland mit 30,5 % und China mit 25,3 %. Kasachstan ist Gründungsmitglied der Eurasischen Wirtschaftsunion.
Das Eisenbahnnetz umfasst 13.700 km in russischer Breitspur von 1.520 mm, davon waren 2022 rund 4.237,5 km elektrifiziert. Das Land ist ein wichtiges Transitgebiet zwischen China und Europa. Das Straßennetz umfasst etwa 141.000 km, ist außerhalb der Ballungsräume aber vielfach schlecht ausgebaut. Bedeutende Flughäfen liegen in Astana, Almaty und Qaraghandy. Häfen befinden sich in Atyrau und Aqtau am Kaspischen Meer; wichtige Wasserstraßen sind Irtysch und Ural.
Religion, Kultur und Sport
Mehr als 70 % der Bevölkerung sind Muslime, überwiegend Sunniten; etwa 26 % werden als Christen angegeben, wobei ein anderer Abschnitt 17 % nennt. Die genaue Zuordnung ist schwierig, weil Religions- und ethnische Zugehörigkeit häufig gleichgesetzt werden. Größte christliche Gruppe sind russisch-orthodoxe Christen; außerdem gibt es katholische, protestantische und weitere orthodoxe Gemeinschaften. Kleine jüdische und buddhistische Gemeinden bestehen ebenfalls. Viele Kasachen leben säkular und verbinden islamische mit älteren Traditionen. Die staatlich garantierte Religionsfreiheit wird in der Praxis restriktiv gehandhabt.
Die traditionelle kasachische Musik verbindet Einflüsse verschiedener Kulturen; seit der Unabhängigkeit gewannen Pop, Rap und Q-Pop an Bedeutung. Die staatliche Filmgesellschaft Kasachfilm wurde 1934 gegründet. In den 1980er-Jahren löste sich die „Neue kasachische Welle“ vom sowjetischen Propagandafilm und erzielte internationale Festivalerfolge. Die Medien stehen weitgehend unter staatlicher Kontrolle und werden zensiert; 2023 nutzten 92,9 % der Bevölkerung das Internet.
Zum UNESCO-Welterbe gehören Tamgaly, das Mausoleum von Hodscha Ahmad Yasawi und Sary Arka. Als Weltdokumentenerbe sind unter anderem Handschriften von Chodscha Ahmed Yasavi, Dokumente der Anti-Atom-Bewegung „Nevada Semipalatinsk“ und das Archiv über die Veränderungen des Aralsees von 1965 bis 1990 anerkannt.
Fußball und Eishockey sind besonders beliebt, ebenso Boxen, Ringen, Judo und Gewichtheben. Kasachstan gehört im Boxen zur Weltspitze: Von 1993 bis 2016 gewann es 22 olympische und 34 Weltmeisterschaftsmedaillen. Seit der Unabhängigkeit errangen kasachische Sportler bis zum 12. August 2016 insgesamt 69 olympische Medaillen, darunter 16 Goldmedaillen. Der Fußballverband gehört trotz der überwiegend asiatischen Lage des Landes zur UEFA. Astana und Almaty richteten 2011 die Winter-Asienspiele aus.
Typische Speisen sind Beschbarmaq aus gekochtem Hammel- oder Pferdefleisch mit dünnen Teigfladen, Plow und Schaschlik. Im Sommer wird häufig Kumys getrunken.