Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Wirtschaft Aserbaidschans
Die Wirtschaft Aserbaidschans ist mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 37,848 Milliarden US-Dollar (2016) die größte Volkswirtschaft im Südkaukasus.
Inhalt4 Abschnitte
Bedeutung und wirtschaftliches Profil
Aserbaidschan besitzt mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von 37,848 Milliarden US-Dollar (2016) die größte Volkswirtschaft im Südkaukasus. Das BIP misst den Wert aller innerhalb eines Landes produzierten Waren und Dienstleistungen. 2016 betrug das BIP pro Kopf 17.438 US-Dollar, das Wirtschaftswachstum lag bei −3,1 %. Für 2017 werden eine Inflationsrate von 10 % und eine Arbeitslosenquote von 6,05 % (11/2017) genannt. Die Währung ist der Manat (Azn).
Aserbaidschan war im globalen Wettbewerbsfähigkeitsindex des Weltwirtschaftsforums auf Platz 35 von 137 Staaten. Im Index für wirtschaftliche Freiheit belegte das Land 2017 Platz 68 von 180 Ländern.
Der Außenhandel belief sich 2016 auf Exporte von 8,5 Mrd. US-Dollar und Importe von 9,1 Mrd. US-Dollar. Zu den wichtigsten Exportpartnern gehörten Italien (17,1 %), die Türkei (12,4 %), Taiwan (8,7 %), Israel (7,3 %) und Deutschland (6,7 %). Die wichtigsten Importpartner waren Russland (19,2 %), die Türkei (13,9 %) und China (8,3 %). Die öffentliche Verschuldung betrug brutto 33,1 % des BIP (2016).
Unabhängigkeit, Transformation und Kennzahlen
Mit dem Zerfall der Sowjetunion brach im Südkaukasus der gemeinsame Wirtschaftsraum zusammen. Aserbaidschan verzeichnete deshalb in den 1990er Jahren starke wirtschaftliche Rückgänge. Zusätzlich belasteten innenpolitische Auseinandersetzungen und der Krieg um Bergkarabach mit Armenien die Entwicklung. Nach einem Bericht der UN-Generalversammlung wurden dabei über 6.000 industrielle und landwirtschaftliche Betriebe, 890 Siedlungen, 2.300 km Wasserrohrleitungen, 2.000 km Gaspipelines, 15.000 km Stromleitungen, 1.000.000 ha Ackerbaugebiete, 280.000 Hektar Wald und 1.200 km Bewässerungsanlagen zerstört.
Die marktwirtschaftliche Transformation kam bis 1994 wegen innenpolitischer Konflikte und des militärischen Konflikts um Bergkarabach nur langsam voran. Im Januar 1992 wurden ehemalige sowjetische Unionsbetriebe sowie Betriebe aus dem Erdöl- und Chemiebereich in staatliches Eigentum übernommen. Eine Marktöffnung gelang in den ersten Jahren der Unabhängigkeit nicht.
Unter der Heydər-Əliyev-Regierung stieg das BIP, besonders nach 1999, an. Das Wirtschaftswachstum lag 2000 etwa 4 % über dem Wert von 1999. Der Anteil des Öl- und Gassektors am BIP stieg 2001 auf rund 31 %, während der Anteil der Landwirtschaft auf 18 % sank. Die durchschnittliche Inflationsrate betrug 1,5 %.
Die BIP-Zeitreihe seit 1993 wird in US-Dollar nach Kaufkraftparität angegeben. Das BIP sank von 27,39 Mrd. (1993) auf 19,95 Mrd. (1995), stieg auf 30,37 Mrd. (2000), 61,26 Mrd. (2005), 123,32 Mrd. (2008), 143,91 Mrd. (2010), 161,65 Mrd. (2013) und 171,86 Mrd. (2015). Danach fiel es auf 168,66 Mrd. (2016) und stieg 2017 auf 171,81 Mrd. Das reale Wachstum betrug −27,4 % (1993), −13,0 % (1995), 6,2 % (2000), 28,0 % (2005), 34,5 % (2006), 25,5 % (2007), 10,6 % (2008), 9,4 % (2009), 4,6 % (2010), −1,6 % (2011), 2,1 % (2012), 5,9 % (2013), 2,7 % (2014), 0,6 % (2015), −3,1 % (2016) und 0,1 % (2017). Die Inflation reichte von 1.129,7 % (1993) und 411,8 % (1995) bis 1,8 % (2000); sie betrug 12,6 % (2016) und 13,0 % (2017). Die Staatsverschuldung lag bei 19 % des BIP (1995), 23 % (2000), 14 % (2005), 7 % (2008), 13 % (2010), 14 % (2014), 35 % (2015), 51 % (2016) und 55 % (2017). Für 1993 ist kein Wert angegeben.
Öl- und Gaswirtschaft sowie Zusammenarbeit mit der EU
Die Wirtschaft baut überwiegend auf der Erdöl- und Gasindustrie auf. 2017 wurden die gesicherten Erdölvorkommen auf 7,0 Milliarden Barrel und die Erdgasreserven auf 1,1 Billionen Kubikmeter geschätzt. Mineralölprodukte machten 2017 86,7 % der Exporte aus. Hauptinvestoren sind British Petroleum (BP) und die staatliche Ölgesellschaft SOCAR. Das größte Energieprojekt ist die etwa 26 Mrd. US-Dollar teure Erschließung des Shah-Deniz-Gasfelds, die 2018 fertiggestellt sein sollte.
1994 unterzeichneten SOCAR und ein Konsortium aus elf Firmen den „Vertrag des Jahrhunderts“. Er betraf die Erdöl- und Erdgasvorkommen sowie die Erkundung und Erschließung der Tiefseeöllagerstätten Azeri-Chirag-Guneshli (ACG). Bis 2024 sollten 64 Mrd. US-Dollar in die Energiebranche investiert werden.
Die Europäische Union unterstützte den Bau der Baku-Tiflis-Ceyhan-Pipeline, um ihre Energieabhängigkeit von Russland zu verringern. Am 18. November 1999 unterzeichneten Süleyman Demirel, Eduard Schewardnadse, Heydər Əliyev und Bill Clinton in Istanbul eine Absichtserklärung. Der Bau begann 2002.
Am 6. November 2006 vereinbarten José Manuel Barroso und İlham Əliyev Gaslieferungen nach Europa. Ziele waren die schrittweise Angleichung der aserbaidschanischen Energievorschriften an die Rechtsvorschriften der Gemeinschaft, stabilere und sicherere Energieversorgung und Transitsysteme, eine umfassende Steuerung der Energienachfrage sowie technische Zusammenarbeit und Fachwissensaustausch. Am 13. Januar 2011 unterzeichneten die Europäische Kommission und Aserbaidschan ein strategisches Gasabkommen. Damit sagte Aserbaidschan erstmals schriftlich Gaslieferungen an Europa zu.
Landwirtschaft und übrige Wirtschaftssektoren
Die Landwirtschaft ist der zweitstärkste Wirtschaftssektor. Ihre Umgestaltung und Modernisierung ist ein wichtiges Ziel der Entwicklungsstrategie bis 2020. Sie soll die Versorgung der Bevölkerung mit Nahrungsmitteln verbessern. Nach den statistischen Angaben versorgt sich Aserbaidschan selbst zu 90 % mit Fleisch, 80 % mit Eiern, 75 % mit Milchprodukten, 65 % mit Speiseöl und 50 % mit Butter. Wichtige Erzeugnisse sind Baumwolle, Wein, Seidenraupenzucht, Obst, Getreide, Gemüse, Reis, Tee, Tabak sowie Schaf- und Rinderzucht. Zu den bedeutendsten landwirtschaftlichen Exporten zählen Obst und Gemüse. Die Weltbank unterstützt die Weiterentwicklung der Landwirtschaft finanziell.
Die Maschinenbauindustrie ist unterentwickelt und konzentriert sich vor allem auf den Bedarf der Öl- und Gasindustrie. In diesen Bereich flossen nur wenige Investitionen. Die Regierung plante, die Herstellung von Landmaschinentechnik und Bohrausrüstungen zu steigern und bis 2019 einen Metallurgiekomplex für 1,2 Mrd. Euro zu errichten.
Der Bausektor trägt gut 20 % zum BIP bei. Im April 2016 wurde die Agentur MIDA zur Förderung des sozialen Wohnungsbaus gegründet. 2016 und 2017 litt die Bauindustrie wegen niedriger Ölpreise unter gekürzten staatlichen Investitionen, gesunkener Kaufkraft und der Krise im Bankensektor.
Aserbaidschan besitzt eine Wertpapierbörse, die als Börse Baku bezeichnet wird. Außerdem verfügt die Regierung über den Staatlichen Ölfonds von Aserbaidschan. Dieser erhält, verwaltet und investiert Überschüsse aus dem Export von Öl und Gas.