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Wirtschaft Albaniens

Die Wirtschaft Albaniens (albanisch Ekonomia e Shqipërisë) gehört zu den am wenigsten entwickelten in Europa. Albanien befindet sich seit dem Sturz des …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick und Entwicklung
  2. 2. Von Planwirtschaft zu Marktwirtschaft
  3. 3. Aktuelle Lage und Probleme
  4. 4. Wirtschaftssektoren
  5. 5. Dienstleistungen, Handel und Finanzen
  6. 6. Staatshaushalt und große Unternehmen

Überblick und Entwicklung

Die Wirtschaft Albaniens gehört zu den am wenigsten entwickelten in Europa. Seit dem Sturz des Kommunismus 1990/91 befindet sich das Land im Übergang von einer sozialistischen Planwirtschaft zu einer offenen Marktwirtschaft. Das Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt nur bei etwa 40 Prozent des EU-Durchschnitts. Dennoch verbesserte sich die Lage seit dem Ende des bürgerkriegsähnlichen Lotterieaufstandes 1997 kontinuierlich.

2024 lag das BIP bei 27,3 Milliarden US-Dollar nominal beziehungsweise 59,2 Milliarden US-Dollar nach Kaufkraftparität. Das BIP pro Kopf betrug 10.013 US-Dollar nominal und 21.747 US-Dollar nach Kaufkraftparität. Das Wachstum lag 2024 bei 4,0 Prozent, die Inflation bei 2,2 Prozent und die Arbeitslosenquote bei 10,3 Prozent. Die öffentliche Verschuldung betrug 48,2 Prozent des BIP. Die Währung ist der Albanische Lek; am 28. Juni 2024 entsprachen 100,31 ALL einem Euro.

Wichtige Handelsorganisationen sind WTO und SMWK. Die Wirtschaftsstruktur zeigt ein deutliches Ungleichgewicht: 2024 kamen 15,5 Prozent des BIP aus der Landwirtschaft, 22,4 Prozent aus der Industrie und 48,9 Prozent aus Dienstleistungen. Gleichzeitig arbeiteten 2017 noch 41,4 Prozent der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft, 18,3 Prozent in der Industrie und 40,3 Prozent im Dienstleistungssektor.

Von Planwirtschaft zu Marktwirtschaft

Vor der kommunistischen Machtübernahme nach dem Zweiten Weltkrieg gab es in Albanien nur wenige Industriebetriebe. Infrastruktur, Verkehrswege und Elektrizitätsversorgung waren schwach entwickelt. Handwerk und Landwirtschaft dominierten, viele Bauern waren von Großgrundbesitzern abhängig.

Unter der Partei der Arbeit Albaniens und Enver Hoxha wurde die Wirtschaft als Zentralverwaltungswirtschaft mit Fünfjahresplänen von Tirana aus gesteuert. In etwa 45 Jahren entstanden Schwerindustrie, Bergwerke für Kohle, Chrom, Kupfer und Eisenerz, Fabriken, Erdölfelder, Straßen, Eisenbahnverbindungen und Wasserkraftwerke. Die Landwirtschaft blieb wichtig; unter anderem wurden neue Weinanbaugebiete, Oliven-, Zitronen- und Orangenplantagen sowie nutzbare Flächen durch Trockenlegung von Sümpfen geschaffen.

Nach dem Ende der Diktatur 1990/91 brachen industrielle Produktion, Bergbau und genossenschaftliche Landwirtschaft stark ein. Bis 1992 war das BIP seit 1989 um mehr als 50 Prozent gesunken. Die Regierung unter Sali Berisha begann 1992 Reformen: Liberalisierung der Preise, Haushaltskonsolidierung, Stützung der Währung, strenge Einkommenspolitik, Privatisierungen, Reform des Finanzsektors und ein rechtlicher Rahmen für Marktwirtschaft. Privatisiert wurden zuerst Landwirtschaft, staatliche Wohnungen und Kleinindustrie, später auch größere staatliche Unternehmen.

Ein schwerer Rückschlag war 1997 der Zusammenbruch großer Pyramidensysteme. Viele Menschen verloren ihr Kapital, und die Inflation stieg auf 32,1 Prozent. Später folgten wichtige Privatisierungen, etwa der Sparkassenbank 2004 an die österreichische Raiffeisen Bank, von ALBtelecom 2007, Albanian Airlines 1997 und der Ölraffinerie ARMO 2008.

Aktuelle Lage und Probleme

Zwischen 2000 und 2010 wuchs die albanische Wirtschaft stark. Auch in der Krise 2009 erreichte Albanien noch 3 Prozent Wachstum. Danach setzte die Regierung auf Deregulierung sowie eine neoliberale Wirtschafts- und Steuerpolitik, um Investitionen und Unternehmensgründungen zu erleichtern. Die Weltbank bezeichnete Albanien 2008 als „Top-Reformer“. Im Korruptionsranking von Transparency International verbesserte sich Albanien 2009 auf Platz 95 und 2010 auf Platz 87 von 180 Staaten.

Viele Investitionen flossen in private Bautätigkeit, während in der Landwirtschaft wenig investiert wurde. Der Internationale Währungsfonds warnte wegen stark gestiegener Staatsschulden. 2012 lagen diese bei fast 6 Milliarden US-Dollar und damit etwa beim Vierfachen von 2005. Die 2008 eingeführte Steuer-Flatrate von 10 Prozent für Einkommen und Unternehmensgewinne erfüllte die Erwartungen nicht vollständig, obwohl dadurch einige Betriebe aus der Schattenwirtschaft geholt wurden. Der Internationale Währungsfonds schätzte die Schattenwirtschaft auf 60 Prozent der Gesamtwirtschaft.

Investoren bewerten niedrige Arbeitskosten und die wirtschaftsliberale Politik positiv, kritisieren aber die geringe Effizienz von Verwaltung, Steuerbehörden und Infrastruktur, besonders bei der Elektrizität. Weitere Probleme sind Korruption, Kriminalität, mangelnde Rechtssicherheit, die Qualität der Berufsbildung und die Verfügbarkeit von Fachkräften. Nach dem Erdbeben im November 2019 und der COVID-19-Pandemie schrumpfte die Wirtschaft 2020 um 4 Prozent. Im ersten Halbjahr 2021 wuchs sie wieder um 6,9 Prozent, vor allem durch mehr Exporte und stärkeren Konsum. Der Tourismus überstieg zuletzt deutlich das Vorkrisenniveau. Gewerkschaften vertreten rund 20 Prozent der Angestellten, besonders im öffentlichen Bereich, haben aber wenig politischen Einfluss.

Wirtschaftssektoren

Die Landwirtschaft beschäftigt knapp die Hälfte der Erwerbstätigen, erwirtschaftet aber nur etwa 19 Prozent des BIP. Viele Betriebe sind sehr kleine Familienbetriebe und betreiben Subsistenzwirtschaft, also Produktion vor allem für den eigenen Bedarf. Wichtige Produkte sind Weizen, Mais, Kartoffeln, Gemüse, Früchte, Zuckerrüben, Trauben, Fleisch, Milchprodukte und Tabak. Albanien gilt als weltweit größter Exporteur von Salbei und als wichtiger Exporteur weiterer Heilpflanzen wie Rosmarin oder Gelber Enzian. Probleme sind geringe Produktivität, wenig Kapital, veraltete Methoden, schwache Bewässerung, schwieriger Marktzugang und stark zerstückelte Flächen. Die Fischerei wuchs zwischen 2006 und 2009 von 4.546 auf 4.877 Tonnen Fang, blieb aber strukturell schwach.

Bei Rohstoffen war Albanien früher ein wichtiger Chromproduzent, hat heute global aber geringe Bedeutung. Die Chromreserven werden mit 37,3 Millionen Tonnen angegeben; 2007 wurden rund 325.000 Tonnen gefördert. Weitere geförderte Rohstoffe sind Kupfer, Ferronickel, Kohle, Kalkstein, Lehm und Gips. Auch Goldvorkommen weckten ausländisches Interesse.

In der Industrie sind Bekleidung und Schuhe besonders wichtig; 2009 wurden Waren im Wert von 365 Millionen Euro exportiert. Weitere Industrieprodukte sind Maschinen und Ausrüstung, Holz- und Papierprodukte, chemische Erzeugnisse sowie Lederwaren. Die Textilindustrie litt stark unter der globalen Wirtschaftskrise ab 2007, weil wichtige Handelspartner Griechenland und Italien selbst wirtschaftliche Probleme hatten.

Die Energieversorgung basiert stark auf Wasserkraft. 2001 kamen 97,1 Prozent der produzierten Elektrizität aus Wasserkraftwerken. Dadurch ist Albanien stark von Niederschlägen abhängig. Der Verbrauch stieg von 5,511 Milliarden Kilowattstunden 2001 auf 9,31 Milliarden Kilowattstunden 2013. Die Eigenproduktion lag 2013 bei 6,99 Milliarden Kilowattstunden, zugleich mussten 2,32 Milliarden Kilowattstunden importiert werden. Wichtige Wasserkraftwerke liegen am Drin und am Mat. Die Trans-Adria-Pipeline soll Albanien Transitgebühren, Anschluss an das internationale Gasnetz und Vorteile für Industrie und Arbeitsmarkt bringen.

Dienstleistungen, Handel und Finanzen

Der Dienstleistungssektor ist gemessen am BIP der größte Wirtschaftsbereich. 2010 erwirtschaftete er 57,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und beschäftigte rund 310.000 Personen. Dazu gehören Handel, Verkehr und Logistik, Tourismus, Hotel- und Gaststättengewerbe, Nachrichtenübermittlung, Banken, Versicherungen, Immobilien und andere Dienstleistungen. Tourismus ist vor allem an der Küste wichtig, zum Beispiel in Velipoja, Shëngjin, Durrës, Vlora, Himara und Saranda; auch in den Albanischen Alpen wurde in Wandertourismus investiert.

Albanien ist ein typisches Importland mit einem großen Handelsbilanzdefizit, das laut Artikel in den Jahren bis 2013 sank. Exportiert werden unter anderem Mineralien, elektrische Energie, Kleidung, Chrom, Rohöl, Asphalt, Früchte, Tabak und Baumwolle. In die EU gehen vor allem Mineralien, elektrische Energie und Kleidung; ins nahe Ausland, besonders Kosovo, vor allem landwirtschaftliche Produkte. Importiert werden Nahrungsmittel, Maschinen, Chemikalien, Textilien, Kleidung und andere Verbrauchsgüter. 2024 lagen die Exporte bei 9,85 Milliarden US-Dollar und die Importe bei 11,7 Milliarden US-Dollar. Wichtige Exportpartner sind Italien, Griechenland und Deutschland; wichtige Importpartner Italien, China und die Türkei.

Die Zentralbank Banka e Shqipërisë bestimmt die Währungspolitik und soll vor allem Preisstabilität sichern. Der Albanische Lek wird relativ stabil zum Euro gehalten und wurde seit Einführung des Euro meist zwischen 120 und 140 Lek gehandelt. Euro und US-Dollar sind ebenfalls verbreitete Zahlungsmittel. Von 16 Banken im Land sind 14 in ausländischer Hand. Die Tirana Stock Exchange existiert nicht mehr; seit ihrer Schließung gibt es keine Kapitalmarktaktivitäten und keinen Handelsplatz im Land.

Staatshaushalt und große Unternehmen

Der Staatshaushalt 2014 sah Einnahmen von 367,704 Millionen ALL und Ausgaben von 456,404 Millionen ALL vor. Für staatliche Institutionen wie Präsident, Parlament, Ministerpräsident, Ministerien und andere Einrichtungen waren 256,126 Millionen ALL vorgesehen. Größere Einzelposten waren unter anderem das Ministerium für soziale Wohlfahrt und Jugend mit 72,820 Millionen ALL, das Ministerium für Bildung und Sport mit 40,111 Millionen ALL, das Ministerium für Verkehr und Infrastruktur mit 37,628 Millionen ALL und das Gesundheitsministerium mit 30,319 Millionen ALL.

Zu den größten Unternehmen nach Gewinn zählten 2017 vor allem Banken, Energie- und Bauunternehmen. An erster Stelle stand die Banka Kombëtare Tregtare mit 67,6 Millionen Euro Gewinn und 153,9 Millionen Euro Umsatz, gefolgt von Raiffeisen Bank Albania mit 35,9 Millionen Euro Gewinn. Weitere große Unternehmen waren der Energieversorger OSHEE, SPIECAPAG - Shqipëria, Tirana International Airport Mother Teresa, AlbChrome, Intesa Sanpaolo Bank Albania, SPIECAPAG - Transadriatica, Apex-AL und die GSA Group.

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