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Wilhelm Maurenbrecher
... Quelleninterpretation zu bearbeiten. Seine Geschichtsschreibung war vorrangig politische Geschichte, die nach seiner Auffassung auch die Vorrangige sein sollte.
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Person und akademischer Werdegang
Karl Peter Wilhelm Maurenbrecher (* 21. Dezember 1838 in Bonn; † 6. November 1892 in Leipzig) war ein deutscher Historiker und gehörte im 19. Jahrhundert zu den bedeutendsten Forschern auf dem Gebiet der Reformationsgeschichte.
Er studierte in Bonn, München und Berlin. Zu seinen Lehrern gehörten unter anderem Albrecht Ritschl, Heinrich von Sybel, Bernhard Windscheid, Leopold von Ranke und Siegfried Hirsch. 1861 promovierte er in Bonn bei Heinrich von Sybel, bei dem er sich 1862 auch habilitierte.
Maurenbrecher war Geschichtsprofessor in Dorpat (1867–1869), Königsberg (1869–1876), Bonn (1877–1884) und Leipzig (1884–1892). In Königsberg, Bonn und Leipzig leitete er zeitweise das historische Seminar. 1885 wurde er zum ordentlichen Mitglied der Königlich Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaften gewählt. Außerdem war er Mitglied der Societas Jablonoviana und erhielt den preußischen Roten Adlerorden IV. und III. Klasse.
Sein Forschungsschwerpunkt war die Geschichte der Reformation und der Glaubenskämpfe. Daneben beschäftigte er sich mit der Geschichte des Mittelalters und des 19. Jahrhunderts, besonders mit der Zeit seit den Befreiungskriegen. Maurenbrecher war ein uneingeschränkter Anhänger Otto von Bismarcks und befürwortete die Führungsrolle Preußens. 1879 gehörte der spätere Deutsche Kaiser Wilhelm II. zu seinen Bonner Studenten; Maurenbrecher beeinflusste dessen Geschichtsbild. Eine Berufung an die Berliner Friedrich-Wilhelms-Universität scheiterte ab 1889 am vehementen Widerstand Heinrich von Treitschkes.
Maurenbrecher wurde im Ehrengrab der Universität Leipzig in der V. Abteilung des Neuen Johannisfriedhofs beigesetzt.
Familie
Maurenbrecher war mit seiner Cousine Mary Maurenbrecher verheiratet. Das Paar hatte vier Söhne: den Altphilologen Berthold Maurenbrecher, den Schauspieler Wilhelm Maurenbrecher, den Intendanten Otto Maurenbrecher und den Theologen Max Maurenbrecher. Der Liedermacher Manfred Maurenbrecher war sein Urenkel.
Forschungsansatz und Reformationsgeschichte
Maurenbrecher wollte zunächst das Zeitalter Philipps II. von Spanien und damit die eigentliche Gegenreformation erforschen. Durch Studien in spanischen Archiven, besonders in Simancas, aber auch in Madrid und Wien, gelangte er zu einer erweiterten Sichtweise: Die Gegenreformation hatte Vorläufer in katholischen Reformbestrebungen.
Nach Maurenbrechers Auffassung besaßen die erasmianische, also humanistische, Reformation, die lutherische Reformation, die „katholische Reformation“ und die Gegenreformation trotz ihrer gegensätzlichen Zielrichtungen eine gemeinsame Wurzel: die Reformbedürftigkeit der spätmittelalterlichen Kirchenverfassung. Diese Sicht legte er besonders in seiner 1880 erschienenen Geschichte der katholischen Reformation dar. Sie stieß in einer Zeit des konfessionellen Gegensatzes auf Widerspruch. Katholischerseits kritisierten sie Alfons Bellesheim und Franz Dittrich, protestantischerseits August Ebrard und Hermann Baumgarten.
Umstritten war vor allem der Begriff „katholische Reformation“. Hermann Baumgarten, Ludwig von Pastor und später Hubert Jedin lehnten ihn ab, weil „Reformation“ ihrer Ansicht nach begrifflich durch die lutherische Bewegung geprägt sei. Sie schlugen stattdessen „katholische Restauration“ (Pastor) oder „katholische Reform“ (Jedin, zuvor bereits Baumgarten) vor. Der Begriff „Gegenreformation“ setzte sich schließlich mit Moriz Ritter durch.
Die Gegenreformation bezeichnet dabei das im Zuge des Konzils von Trient einsetzende schrittweise, teilweise auch gewaltsame Zurückdrängen des Protestantismus durch den Katholizismus in protestantischen und teilweise katholischen Territorien. Unbestritten blieb jedoch, dass die katholischen Reformbewegungen ihren Ursprung in früheren Reformbestrebungen hatten. Maurenbrecher betonte bei ihrer Ausbreitung besonders die spanische Tradition sowie die Bedeutung des Kaisertums unter Karl V. und Ferdinand I. und des spanischen Königtums unter Philipp II. Pastor erkannte zwar den Ursprung in Spanien an, hielt für die Ausbreitung jedoch eher italienische Kräfte, das Papsttum und die römisch-katholische Kirche, für entscheidend.
Methoden, Wirkung und Hauptwerke
Maurenbrechers historische Arbeitsweise war durch Leopold von Ranke und Heinrich von Sybel geprägt. Er bemühte sich, historische Gegenstände möglichst objektiv zu untersuchen, wobei „objektiv“ im Sinne der sogenannten preußischen Schule vor allem quellenkritische Prüfung und Quelleninterpretation bedeutete. Seine Geschichtsschreibung war überwiegend politische Geschichte, die er für die vorrangige Form der Geschichtsschreibung hielt.
Er wollte Luther, die Reformation und den Protestantismus ebenso wie Kurfürst Moritz von Sachsen nicht primär aus dogmatisch-theologischer Sicht beurteilen. Statt ein konfessionelles Ja oder Nein zu übernehmen oder politische, kirchliche und theologische Interessengruppen zu bedienen, suchte er historisch begründete Tatsachen. Damit trug er dazu bei, ein dogmatisch-theologisches Geschichtsbild zugunsten einer quellenbasierten historischen Sichtweise aufzulösen. In dieser Hinsicht stand er Leopold von Ranke näher als Heinrich von Sybel und Heinrich von Treitschke. Seine Ansätze waren seiner konfessionell geprägten Zeit voraus, wurden von Zeitgenossen jedoch – mit Ausnahmen wie Georg Voigt bei Moritz von Sachsen – wenig berücksichtigt; später geriet Maurenbrecher weitgehend in Vergessenheit.
Über die Zeit der eigentlichen Gegenreformation, insbesondere über Philipp II. von Spanien, veröffentlichte Maurenbrecher mehrere Aufsätze. Eine wichtige Quellengrundlage bildeten seine Abschriften aus dem Archiv von Simancas. Sein Schüler Walter Goetz nutzte sie für eine Edition im 5. Band der Beiträge zur Reichsgeschichte. Die Abschriften sind zu einem großen Teil erhalten und befinden sich in der Handschriftenabteilung der Universitätsbibliothek Leipzig; zu diesem Nachlass gibt es auch einen Kommentar. In Simancas traf Maurenbrecher mit Gustav Adolf Bergenroth zusammen.
Auch zur Geschichte des 19. Jahrhunderts arbeitete er, unter anderem zur Gründung des Deutschen Reiches, zur preußischen Kirchenpolitik und zum Kölner Kirchenstreit. Außerdem verfasste er quellenkritische Kommentare zu den Memoiren Theodor von Schöns, die unter anderem in der Allgemeinen Deutschen Biographie und in Die Grenzboten erschienen.
Zu seinen Hauptwerken gehören:
- Karl V. und die deutschen Protestanten 1245–1555 (1865)
- England im Reformationszeitalter (1866)
- Studien und Skizzen zur Geschichte der Reformationszeit (1874)
- Geschichte der katholischen Reformation. Band I (1880)
- Die preußische Kirchenpolitik und der Kölner Kirchenstreit (1881)
- Geschichte der deutschen Königswahlen (1889)
- Geschichte der Gründung des Deutschen Reiches 1859–1870 (1892)