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Wilhelm Groener
Nach wichtigen militärischen Funktionen im Ersten Weltkrieg war er ab dem 30. Oktober 1918 Erster Generalquartiermeister und damit faktischer Chef der …
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Bedeutung und politische Rolle
Karl Eduard Wilhelm Groener (22. November 1867 in Ludwigsburg; 3. Mai 1939 in Potsdam-Bornstedt) war ein württembergischer Generalleutnant und parteiloser deutscher Politiker. Bedeutung erlangte er vor allem am Ende des Ersten Weltkriegs und in der Weimarer Republik. Ab dem 30. Oktober 1918 war er Erster Generalquartiermeister und damit faktischer Chef der Obersten Heeresleitung (OHL). In dieser Stellung leitete er den Rückzug und die Demobilisierung, also die Auflösung und Rückführung des deutschen Heeres nach dem Waffenstillstand.
Während der Novemberrevolution vereinbarte Groener mit Friedrich Ebert, dem Vorsitzenden der Mehrheits-SPD und des Rats der Volksbeauftragten, den Ebert-Groener-Pakt. Das Heer unterstützte Eberts Regierung, während diese mit den bestehenden militärischen Führungsstrukturen zusammenarbeitete. In der Weimarer Republik gehörte Groener zu den Militärs, die das republikanische System als politische Realität anerkannten. Er war von 1920 bis 1923 Reichsverkehrsminister, von 1928 bis 1932 Reichswehrminister und ab 1931 zusätzlich Reichsminister des Innern. Als er 1932 härter gegen die nationalsozialistische SA und SS vorging, verlor er seine Ämter.
Militärische Laufbahn und Erster Weltkrieg
Groener trat nach dem Abitur am 22. November 1884 als Fahnenjunker in die Württembergische Armee ein und wurde am 9. September 1886 Leutnant. Nach Tätigkeiten als Bataillonsadjutant besuchte er von 1893 bis 1896 die Kriegsakademie in Berlin. 1897 wurde er zum Großen Generalstab kommandiert, 1898 zum Hauptmann und 1906 zum Major befördert. Er arbeitete in verschiedenen Generalstäben, führte zeitweise ein Bataillon und wurde 1912 Chef der Eisenbahn-Abteilung des Großen Generalstabs sowie Oberstleutnant.
Zu Beginn des Ersten Weltkriegs wurde Groener Chef des Feldeisenbahnwesens im Großen Hauptquartier. Er organisierte Truppentransporte und Nachschub und war für den Ausbau des Streckennetzes verantwortlich, besonders für strategisch wichtige Bahnlinien nach Belgien. Für diese Leistungen wurde er am 26. Juni 1915 außerplanmäßig zum Generalmajor befördert und erhielt am 11. September 1915 den Orden Pour le Mérite. Außerdem wurde er Ehrenbürger von Ludwigsburg und erhielt 1915 Ehrendoktorwürden der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin und der Technischen Hochschule Stuttgart.
Ende Mai 1916 wechselte Groener ins Kriegsernährungsamt. Nach seiner Beförderung zum Generalleutnant wurde er am 1. November 1916 Chef des Kriegsamtes im preußischen Kriegsministerium und stellvertretender Kriegsminister. Vor dem Reichstag vertrat er das Hilfsdienstgesetz, das den Arbeitseinsatz für die Kriegswirtschaft regelte. Seine Forderung vom Juli 1917, Unternehmensgewinne und Löhne staatlich zu lenken und gegen Kriegsgewinnlerei vorzugehen, führte zum Widerstand einflussreicher Gegner. Im August 1917 wurde er deshalb an die Front versetzt. Später führte er das XXV. Reserve-Korps und vorübergehend das I. Armee-Korps.
Als Generalstabschef der Heeresgruppe Eichhorn in Kiew hatte Groener großen Einfluss auf die deutsche Besatzungspolitik in der Ukraine. Dabei verbreitete er unter seinen Offizieren die antisemitische Verschwörungstheorie eines angeblichen „Jüdischen Bolschewismus“. Auch nach Beginn der deutschen Novemberrevolution behauptete er in einem Brief an seine Frau, Juden seien die Drahtzieher beider Revolutionen gewesen. Den Krieg gegen England verstand er als Kampf um die Vorherrschaft auf dem Weltmarkt.
Kriegsende, Revolution und Versailler Vertrag
Nach der Entlassung Erich Ludendorffs am 26. Oktober 1918 übernahm Groener als Erster Generalquartiermeister faktisch die Führung der OHL. Im November 1918 machte er Kaiser Wilhelm II. im Großen Hauptquartier im belgischen Spa deutlich, dass die Truppen nicht mehr hinter ihm standen und eine gewaltsame Unterdrückung der Revolution daher nicht möglich war. Am 9. November behauptete Groener gegenüber Reichskanzler Max von Baden wahrheitswidrig, der vollständige Thronverzicht des Kaisers stehe kurz bevor. Max von Baden gab daraufhin die Abdankung bekannt. Groener wollte durch dieses Vorgehen die Monarchie retten, doch noch am selben Tag wurde in Berlin die Republik ausgerufen.
Am 10. November 1918 sagte Groener Friedrich Ebert telefonisch zu, dass sich das Heer dessen Regierung unterstellen werde. Groener wollte damit eine von ihm befürchtete bolschewistische Revolution nach russischem Vorbild verhindern und zugleich möglichst viel von den alten preußischen Machtstrukturen bewahren. Ebert benötigte die Zusammenarbeit mit den bisherigen Eliten, um Verwaltung und Wirtschaft funktionsfähig zu halten und die Soldaten geordnet zu demobilisieren. Er konnte gegenüber dem Militär aber selbst gemäßigte Forderungen wie die Abschaffung des Grußzwangs außer Dienst und eine gleiche Verpflegung von Offizieren und einfachen Soldaten nicht durchsetzen.
Der Ebert-Groener-Pakt beruhte auch auf militärischer Notwendigkeit: Am 9. und 10. November verfügte die OHL nicht mehr über loyale Truppen, mit denen sie eine eigenständige Politik hätte durchsetzen können. Am 23. Juni 1919 sprach sich Groener für die Annahme des Versailler Friedensvertrags aus. Ihm war bewusst, dass die geschwächte Reichswehr bei einer Ablehnung eine Besetzung Deutschlands durch ausländische Truppen nicht verhindern konnte. Nach Paul von Hindenburgs Rücktritt übernahm Groener zwei Tage später die Leitung des Hauptquartiers in Kolberg.
Minister der Weimarer Republik
Am 30. September 1919 verließ Groener gegen Eberts Willen den Militärdienst. Vom 25. Juni 1920 bis zum 11. August 1923 leitete er als Parteiloser unter mehreren Reichskanzlern das Reichsverkehrsministerium. Seine wichtigste Aufgabe war die Wiederherstellung des durch den Krieg schwer beschädigten Eisenbahnverkehrs, den er als Grundlage einer funktionierenden Wirtschaft betrachtete. Außerdem förderte er den noch wenig entwickelten und durch den Versailler Vertrag eingeschränkten deutschen Luftverkehr.
Nach dem Verlust dieses Amtes blieb Groener mit den politischen Führungskreisen der Republik verbunden und beschäftigte sich publizistisch unter anderem mit Alfred von Schlieffen und Friedrich dem Großen. Infolge der Lohmann-Affäre wurde er am 28. Januar 1928 Reichswehrminister. Am 8. Oktober 1931 übernahm er zusätzlich kommissarisch das Reichsinnenministerium.
Die beiden Ämter brachten ihn in einen Konflikt. Als Reichswehrminister hatte er versucht, die nationalsozialistische SA und die ihr unterstellte SS für den Staat zu gewinnen und in einen überparteilichen Wehrsportverband einzugliedern. Als Innenminister musste er dagegen gegen deren verfassungsfeindliche Bestrebungen handeln. Nur allmählich schloss er sich der bereits seit 1930 erhobenen Forderung des preußischen Innenministers Carl Severing nach einem Verbot der SA an.
Nach der Reichspräsidentenwahl von 1932 und auf Drängen der Innenminister der Länder verbot Groener am 13. April 1932 SA und SS. Dies löste scharfe Proteste der politischen Rechten aus. Als er das Verbot am 10. Mai im Reichstag verteidigte, störten NSDAP-Abgeordnete seine Rede mit gezielt organisierten tumultartigen Protesten. Zugleich entzog ihm sein langjähriger Vertrauter Kurt von Schleicher die Unterstützung und setzte sich bei Reichspräsident Paul von Hindenburg für seine Entlassung ein. Schleicher drängte Groener am 12. Mai zum Rücktritt als Reichswehrminister. Nach dem Sturz von Reichskanzler Heinrich Brüning am 30. Mai 1932 verlor Groener auch das Innenministerium. Der neue Reichskanzler Franz von Papen ließ SA und SS sofort wieder zu.
Privatleben, Tod und Schriften
Groener war ein Sohn des späteren Zahlmeisters Karl Eduard Groener und dessen Frau Auguste, geborene Boleg. 1899 heiratete er Helene Geyer (1864–1926); aus dieser Ehe stammte die Tochter Dorothea Groener-Geyer (1900–1986). Im August 1930 heiratete er Ruth Naeher-Glück, mit der er den Sohn Ruthard Groener hatte. Dessen Geburt im Dezember 1930, kurz nach der Hochzeit, trug zu Groeners Ansehensverlust bei.
Nach seinem Ausscheiden aus der Regierung zog sich Groener ins Privatleben zurück. Er starb am 3. Mai 1939 an einer akuten Leberentzündung. Die nationalsozialistischen Behörden erlaubten zwar die Bekanntgabe seines Todes, verboten jedoch Kommentare. Ein Armeebefehl untersagte Offizieren der Wehrmacht sowie bestimmten verabschiedeten Offizieren die Teilnahme an der Trauerfeier. Nur Generaloberst Kurt von Hammerstein-Equord nahm in voller Uniform an der Beisetzung auf dem Südwestkirchhof Stahnsdorf teil. Das Grab besteht bis heute.
Groener veröffentlichte mehrere Schriften über Politik, Eisenbahnwesen und militärische Fragen des Ersten Weltkriegs, darunter „Politik und Kriegführung“ und „Der Weltkrieg und seine Probleme“ von 1920, „Die Eisenbahn als Faktor der Politik“ von 1921 sowie operative Studien über Alfred von Schlieffen und die Kriegführung. Seine Lebenserinnerungen erschienen 1957 nach seinem Tod.