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Wicca-Jahreskreis
Der Wicca-Jahreskreis, auch Jahresrad genannt, bezeichnet das in der Wicca-Religion gebräuchliche System von acht jahreszeitlichen Festtagen, das den Zyklus …
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Grundidee und Aufbau
Der Wicca-Jahreskreis, auch Jahresrad genannt, ist ein in der Wicca-Religion verwendetes System aus acht jahreszeitlichen Festtagen. Er symbolisiert den Zyklus von Werden und Vergehen in der Natur. Das Jahresrad wird als achtspeichiges Wagenrad dargestellt und beschreibt den Wechsel der Jahreszeiten sowie den Jahreslauf.
Die acht Feste verbinden vier keltische Hoch- oder Feuerfeste mit vier Sonnenfesten. Diese Kombination ist in dieser Form in älteren heidnischen Kalendern nicht belegt, sondern wurde von der modernen Wicca-Religion aus verschiedenen Traditionen zusammengestellt. Natürliche Vorgänge gelten in Wicca und verwandten neopaganen Religionen als zyklisch. Der Jahreslauf wird dabei ebenso zyklisch verstanden wie die Entwicklung des Menschen von der Geburt bis zum Tod. Diese Vorstellungen werden mit dem Tod und der Wiedergeburt des Gottes sowie mit der Fruchtbarkeit der Göttin verbunden.
Der Jahreskreis beginnt nach keltischer Tradition mit Samhain, das als keltischer Neujahrsanfang und als erster Tag des Hexenjahres gilt. Die acht Hauptfeste heißen Sabbats. Sie werden teilweise nach festen Kalenderdaten, teilweise nach Sonnenständen oder anderen natürlichen beziehungsweise astrologischen Ereignissen bestimmt. Zusätzlich gibt es 13 Esbats, die zu Ehren der Göttin bei Vollmond, manchmal auch bei Schwarzmond, veranstaltet werden und als magische Arbeitstage gelten.
Feuerfeste und Sonnenfeste
Die vier Feuerfeste gelten als die „höheren“ Festtage und werden deshalb Große Sabbate genannt. Sie liegen jeweils zwischen zwei Sonnenfesten und heißen auch Kreuzviertel-Tage. Zu ihnen gehören Samhain, Imbolc, Beltane und Lughnasadh. Für ihre genaue zeitliche Bestimmung gibt es je nach Tradition unterschiedliche Verfahren: Teilweise werden die mit den Kalenden übereinstimmenden Daten verwendet, teilweise wird genau zwischen den solaren Festen gefeiert.
Die vier Sonnenfeste heißen Kleine Sabbate. Sie richten sich nach astronomischen Konstellationen des Sonnenstandes:
- Jul: Wintersonnenwende
- Ostara: Frühjahrstagundnachtgleiche
- Litha: Sommersonnenwende
- Mabon: Herbsttagundnachtgleiche
Historisch ist die Zuordnung dieser Feste zu Kelten und Germanen nur teilweise belegbar. Für eine rituelle Feier der Tagundnachtgleichen gibt es weder bei den Kelten noch bei den Germanen historische Belege. Auch die häufig angenommene Verbindung älterer Steinkreise oder des nordischen Radkreuzes mit dem heutigen Wicca-Jahreskreis ist umstritten oder ungeklärt. Eine Ausnahme bildet die Wintersonnenwende beziehungsweise Jul, deren Beziehung zu älteren Traditionen allerdings ebenfalls nicht in allen Einzelheiten gesichert ist.
Die acht Feste und ihre Bedeutung
Die wichtigsten Daten und Bedeutungen der Feste sind:
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Samhain wird in der Nacht auf den 1. November beziehungsweise am 31. Oktober und 1. November gefeiert. Es gilt als keltisches Neujahrsfest und Totengedenktag. Nach dem Hexenglauben stehen in dieser Nacht die Tore zur Anderswelt offen; Schutzfeuer sollen Geister bannen und eine Verbindung zu den Seelen der Verstorbenen ermöglichen. Häufig werden Ritualgegenstände geweiht und neue Hexen initiiert. Im Hexenglauben stirbt der gehörnte Gott, während die Göttin bereits seinen Samen in sich trägt.
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Jul wird meistens am 21. Dezember, allgemein vom 20. bis 25. Dezember, zur Wintersonnenwende gefeiert. Es steht für die Wiedergeburt des geopferten Jahresgottes und für den Wechsel vom Stechpalmenkönig, dem Gott des abnehmenden Jahres, zum Eichenkönig, dem Gott des zunehmenden Jahres. Feuer und Kerzen sollen die Rückkehr des Lichts herbeiführen. Der Yulestamm oder Julblock soll, wenn er brennend gehalten wird, das Haus während der Rauhnächte schützen.
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Imbolc wird am 1., seltener am 2. Februar gefeiert. Das Fest der Reinigung und des Lichts ist der Göttin Brigid gewidmet, die im Jahreszyklus als Jungfrau gilt. Feuer, Kerzen und Fackeln stehen für Reinigung, Sühne, Sonne, Inspiration und Initiation. Im katholischen Christentum wurde der Tag als Mariä Lichtmess übernommen.
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Ostara findet vom 20. bis 23. März zur Frühjahrstagundnachtgleiche statt. Die gleich lange Dauer von Tag und Nacht symbolisiert, dass das Licht die Dunkelheit überholt. Das Fest steht für Neuanfang, das Erwachen der Göttin und die Fruchtbarkeit der Erde. Frühjahrsputz, Frühlingsdiät und das Bemalen von Ostereiern werden damit verbunden. Ob Ostara beziehungsweise Eostre oder Austro eine historische germanische Göttin war, ist umstritten; ebenso ist die von Jacob Grimm erschlossene Bezeichnung Ostara nicht sicher authentisch.
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Beltane wird in der Nacht vom 30. April zum 1. Mai gefeiert und zählt zu den wichtigsten Festen. Beltane- oder Maifeuer symbolisieren die Fruchtbarkeit der Göttin und ihre Vereinigung mit dem Gehörnten. Sexualität gilt bei diesem Fest als etwas Natürliches. Auch der traditionelle deutsche Maibaum wird als Fruchtbarkeitssymbol beziehungsweise Phallussymbol gedeutet.
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Litha wird zur Sommersonnenwende gefeiert, in der Übersicht am 21. Juni, im Text auch mit dem Zeitraum 20. bis 26. Juni. Die Sonne steht dann an ihrem höchsten Punkt, und die Nacht ist die kürzeste des Jahres. Freudenfeuer, Tänze und das Springen über Feuer sollen Fruchtbarkeit, Reinigung, Gesundheit und Liebe fördern.
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Lughnasadh wird am 1., seltener am 2. August gefeiert. Ursprünglich richtete sich das Fest nach der ersten Reife und nicht nach einem exakt festen Datum. Es ist ein Fest der Fülle und des Überflusses, bei dem für die blühende Natur und das reife Korn gedankt und um eine reiche Ernte gebeten wird. Der Name bezieht sich auf den keltischen Lichtgott Lugh aus dem Göttergeschlecht der Túatha Dé Danann. Das Fest konnte außerdem zur Weihe menschlicher Bindungen dienen.
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Mabon wird vom 20. bis 23. September beziehungsweise in der Übersicht vom 21. bis 24. September zur Herbsttagundnachtgleiche gefeiert. Es beendet die bei Lughnasadh begonnene Ernte und gilt als zweites Haupt-Erntefest. Eine üppige Mahlzeit mit unter anderem Wild, Wein, Kuchen und Apfelspeisen drückt den Dank für die Ernte aus. Drei Früchte werden zu Ehren der Kornmutter über die Schulter geworfen. Die letzte Getreidegarbe bleibt zusammengebunden stehen oder wird nicht geschnitten. Mabon bedeutet außerdem Abschied vom Sommer, Vorbereitung auf den Winter und Rückblick auf das vergangene Jahr.
Entwicklung und historische Einordnung
Im Bricket Wood Coven von Gerald Gardner wurden zunächst nur die vier keltischen Hochfeste gefeiert: Halloween für Samhain, Candlemas für Imbolc, Beltane und Lammas für Lughnasadh. Beltane galt dabei als wichtigstes Fest. Gegen 1958 begann der Coven zusätzlich die vier solaren, eher dem germanischen Kontext zugerechneten Feste zu feiern. Gardner begrüßte diese Erweiterung, auch wegen seines Kontakts zu Ross Nichols, dem Gründer des Ancient Druid Order to found the Order of Bards, Ovates and Druids (OBOD).
In vielen neodruidisch orientierten neopaganen Religionen wurden daraufhin umgekehrt die vier Wicca-Hochfeste übernommen. So entstand in beiden Richtungen die heute verbreitete Verbindung aus acht Festen.
Die meisten Festnamen gehen auf historische keltische oder germanische Bezeichnungen zurück. Mabon und Litha sind jedoch Neuschöpfungen des Wicca-Autors Aidan Kelly aus den 1970er Jahren. Die alternativen Bezeichnungen der Albane, etwa Alban Eiler für Ostara und Alban Arthan für Jul, gehen auf Iolo Morganwg beziehungsweise Edward Williams zurück; seine angebliche Wiederentdeckung alter druidischer Traditionen wird heute meistens als Erfindung angesehen. Auch das Wort „Sabbat“ hat keinen eindeutig heidnischen Ursprung, sondern stammt aus dem jüdisch-christlichen Kontext und bedeutet dort „Ruhepause“. Andere Ableitungen, etwa von französisch „s'battre“ oder von der phrygischen Gottheit Sabazius, wurden vorgeschlagen.
Ausrichtung auf die Hemisphäre
Das typische Wicca-Jahresrad stammt von der Nordhalbkugel. Auf der Südhalbkugel werden die Feste deshalb meistens entsprechend den umgekehrten Jahreszeiten in umgekehrter Reihenfolge gefeiert. Jul fällt dort im Juni auf die Wintersonnenwende, Litha im Dezember auf die Sommersonnenwende. Manche Wicca auf der Südhalbkugel behalten jedoch die Festtermine der Nordhalbkugel bei.