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Halloween
Herleitung aus der Kirchengeschichte. Die Entstehungsgeschichte des Festtags Allerheiligen geht auf ein Fest aller heiligen Märtyrer zurück, das am 13. Mai …
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Begriff und Bedeutung
Halloween bezeichnet die Volksbräuche am Abend und in der Nacht vor Allerheiligen, also vom 31. Oktober auf den 1. November. Der Name geht auf das englische All Hallows’ Eve („Aller Heiligen Abend“) zurück. Halloween ist damit ursprünglich mit dem christlichen Hochfest Allerheiligen verbunden.
Das Brauchtum war zunächst vor allem im katholisch geprägten Irland verbreitet. Irische Einwanderer brachten es im 19. Jahrhundert in die Vereinigten Staaten und pflegten es dort zunächst als Erinnerung an ihre Heimat. Es wurde später von anderen Bevölkerungsgruppen übernommen und zu einem wichtigen Volksfest in den USA und Kanada. Seit den 1990er Jahren verbreiten sich US-amerikanische Formen auch in Teilen Kontinentaleuropas. In Deutschland gaben 2022 in einer YouGov-Befragung 18 % der Befragten an, dass Halloween für sie persönlich Bedeutung habe.
Religiöse und vorchristliche Bezüge
Vor kirchlichen Hochfesten wurde am Vorabend eine Messe, eine sogenannte Vigil, gefeiert. Die Verbindung zu Allerheiligen erklärt sich außerdem durch Allerseelen am 2. November. An diesem Tag gedenken Katholiken der Verstorbenen und der „Armen Seelen“ im Fegefeuer durch Gebete und Ablässe. Die Einführung von Allerseelen geht auf Abt Odilo von Cluny im Jahr 998 zurück.
Die Entstehung des Allerheiligenfestes reicht weiter zurück: Papst Bonifatius IV. weihte das Pantheon in Rom im Jahr 609 oder 610 der Jungfrau Maria und allen heiligen Märtyrern. Das entsprechende Fest wurde zunächst am 13. Mai gefeiert. Papst Gregor III. legte den Feiertag später für Rom auf den 1. November; Papst Gregor IV. übernahm diesen Termin in den römischen Generalkalender.
Eine andere Erklärung führt Halloween auf keltische oder vorchristliche Bräuche zurück. Sir James Frazer bezeichnete Halloween 1922 als „altes heidnisches Totenfest mit einer dünnen christlichen Hülle“ und stellte es als eines der zwei wichtigen keltischen Feste neben Beltane am 1. Mai dar. Nach der Encyclopædia Britannica gehörten zum Fest des Sommerendes unter anderem der Einzug des Viehs in die Ställe, die Rückkehr der Seelen zu ihren früheren Heimen, Freudenfeuer auf Hügeln, Verkleidungen zur Abwehr böser Geister und Wahrsagerei.
Ein möglicher Bezug zum keltischen Fest Samhain ist jedoch nicht eindeutig belegt. Ein Totengott namens Samhain ist historisch nicht nachweisbar. Frühere Forschungen vermuteten Hinweise auf das Fest im Kalender von Coligny aus dem 1. Jahrhundert n. Chr.; die Deutung des Kalenders und die Bedeutung des Namens sind unsicher. Spätere mittelalterliche Quellen stellen zwar einen Bezug zum Totenreich her, können aber bereits stark christlich beeinflusst sein.
Kontroverse um die Kontinuität
Umstritten ist vor allem die sogenannte Kontinuitätshypothese, nach der Halloween ohne Unterbrechung aus keltisch-heidnischen Riten hervorgegangen sein soll. Bernhard Maier hält eine direkte Kontinuität in Irland für unwahrscheinlich, weil sie quellenmäßig nirgends belegt sei. Er führt diese Vorstellung vor allem auf die keltische Renaissance seit dem 19. Jahrhundert zurück.
Der Folklorist Jack Santino nimmt dagegen eine Koexistenz christlicher und vorchristlicher Bräuche in Irland an. Ronald Hutton sieht keine Belege dafür, dass Samhain ein Totenfest gewesen sei. Er hält den Termin aber für eine Zeit, in der sich die keltische Bevölkerung gegen übernatürliche Kräfte wappnen musste. Die christlichen Feste Allerheiligen und Allerseelen könnten die ältere Bedeutung später überlagert haben.
Editha Hörandner deutet die häufig behaupteten keltischen Ursprünge als historische Projektion, die dem Fest nachträglich den Anschein besonderer Ursprünglichkeit verleihe. Ihrer Einschätzung zufolge hat die heutige Praxis von Halloween wenig oder gar nichts mit keltischen oder heidnischen Vorstellungen zu tun. Für die Forschung sei daher besonders interessant, wie moderne Vorstellungen von angeblich keltischen Traditionen entstehen und wie Halloween als Reimport aus den Vereinigten Staaten weiterverbreitet wird.
Bräuche und typische Symbole
Halloween verbindet Herbst-, Löse-, Heische- und Verkleidungsbräuche. Es weist dadurch Ähnlichkeiten mit regionalen Bräuchen zu Kirchweih, Erntedank, Martini, Allerheiligen, der Vorweihnachtszeit und Silvester auf. Im deutschsprachigen Raum vermischte es sich unter anderem mit dem Rübengeistern und dem Traulicht. Auch in traditionellen Kürbisanbaugebieten wie der Steiermark und dem Spreewald wurde Halloween schnell aufgenommen.
Der bekannteste nordamerikanische Brauch ist das Umherziehen von Kindern von Haus zu Haus. Mit „Süßes, sonst gibt’s Saures“, verkürzt „Süßes oder Saures“, beziehungsweise trick or treat („Streich oder Leckerbissen“), fordern sie Süßigkeiten. Andernfalls drohen sie mit Streichen. Verkleidungen, dekorierte Häuser und Süßigkeiten gehören ebenfalls zum verbreiteten Erscheinungsbild.
Ein wichtiges Symbol ist der Jack O’Lantern, eine ausgehöhlte und beleuchtete Kürbislaterne. Der irischen Sage nach war Jack Oldfield nach seinem Tod weder im Himmel noch in der Hölle willkommen. Der Teufel schenkte ihm eine Rübe und eine glühende Kohle, damit er durch die Dunkelheit wandern konnte. In den USA wurden wegen des großen Angebots statt Rüben Kürbisse verwendet. In diese schnitt man Fratzen, die böse Geister abschrecken und den Hof vor dem Haus beleuchten sollten.
Das Brauchtum hat regional unterschiedliche Ausprägungen. In Nordamerika ist es vielfach schauriger, während Halloween in Europa häufig einen fröhlicheren und weniger unheimlichen Charakter hat. Eine gewisse Ähnlichkeit besteht in den USA außerdem zum mexikanischen Brauchtum am Tag der Toten.
Unruhnacht, Verbreitung und gesellschaftlicher Kontext
Halloween besitzt auch den Charakter einer Unruhnacht. In den Ursprungsländern waren Streiche, Ruhestörungen und Belästigungen bereits in der frühen Neuzeit umstritten. Sie ähneln der mitteleuropäischen Walpurgisnacht und den Rauhnächten. Kirchliche Stellen in Großbritannien wandten sich wiederholt gegen Bonfires, also Halloween- beziehungsweise Funkenfeuer, sowie gegen Wahrsagerei. 1589 wurden in Stirling die Hallowmas-Feuer verboten. Ein Chronist aus Anglesey vermerkte 1741, dass die dortigen Bonfires zurückgingen. 1852 kritisierte Reverend John M. Wilson bestimmte schottische Bräuche als abergläubisch, heidnisch und unvereinbar mit christlicher Religion; für England beschrieb er überwiegend harmlosen Schabernack.
Die US-amerikanische Form verbreitete sich in Europa im Verlauf der 1990er Jahre. Der Ausfall der Karnevalssaison wegen des Zweiten Golfkriegs 1991 führte zu verstärkter Werbung der Karnevalsbranche für Halloween. Unternehmen griffen die wachsende Beliebtheit auf und boten unter anderem Kochbücher, Kostüme, Dekorationen und Süßigkeiten an. Trick or Treat wird inzwischen in vielen europäischen, asiatischen und südamerikanischen Ländern sowie in Mosambik, Simbabwe und Südafrika praktiziert, fast ausschließlich am 31. Oktober.
In Deutschland wird kritisiert, dass ältere Bräuche wie das Martinisingen am 10. beziehungsweise 11. November verdrängt werden könnten. Außerdem kommt es zu Vandalismus, etwa durch Häuserschmierereien oder Eierwürfe. Wenn ein Streich zur Sachbeschädigung wird, können Bußgelder, Schadensersatzforderungen oder strafrechtliche Folgen entstehen. In den USA wurden während der Mischief Night auch Brandstiftungen und Sachbeschädigungen berichtet. Im Satanismus gilt der Vorabend von Allerheiligen als einer der wichtigsten Feiertage.
Verhältnis zu anderen Festen und Kritik
In Deutschland wird Halloween häufig mit dem evangelischen Reformationstag am 31. Oktober verglichen. Dieser erinnert an den Anschlag von 95 Thesen an die Tür der Schlosskirche zu Wittenberg durch Martin Luther am Abend vor Allerheiligen 1517. Zum 500. Jahrestag war der 31. Oktober 2017 einmalig ein gesamtdeutscher gesetzlicher Feiertag. Ab 2018 behielten ihn die meisten norddeutschen Bundesländer; in den ostdeutschen Ländern bestand der Feiertagsstatus weitgehend bereits seit 1990.
Unter Protestanten gibt es unterschiedliche Auffassungen. Manche halten es für vereinbar, am selben Tag einen Reformationsgottesdienst und eine Halloweenfeier zu besuchen. Andere lehnen Halloween als unvereinbar mit dem authentischen, insbesondere evangelischen Glauben ab. Die Evangelische Kirche in Hessen und Nassau empfiehlt „Gelassenheit“ und hält den Besuch beider Veranstaltungen für legitim.
Allerheiligen ist in Deutschland in einigen Ländern mit katholischer Bevölkerungsmehrheit ein gesetzlicher Feiertag und als „stiller Tag“ geschützt. Öffentliche Unterhaltungsveranstaltungen, die dem ernsten Charakter des Tages widersprechen, können dann verboten sein. In Bayern dürfen Halloween-Partys bis 2 Uhr am 1. November dauern, in Rheinland-Pfalz bis 4 Uhr. In manchen Regionen werden Halloween, Allerheiligen und Allerseelen als dreitägiges Triduum Hallowtide vom 31. Oktober bis 2. November verbunden.
Evangelikale Christen in den USA lehnen Halloween teilweise scharf als okkult ab und befürchten einen Missbrauch durch satanistische Vereinigungen. Andere Christen befürworten einen ungezwungenen Umgang mit Spuk und dem Unheimlichen. Umstritten sind auch zeitweise errichtete „Hell Houses“, die Hölle, Himmel sowie Laster und Tugenden darstellen und gelegentlich mit kommerziellen Halloweenveranstaltungen verwechselt werden. 2024 warnte Francesco Bamonte, Vizepräsident der Internationalen Vereinigung der Exorzisten, vor der Kommerzialisierung und der Entleerung des Festes von seinem Glaubensinhalt.
Die krankhafte Angst vor Halloween heißt Samhainophobie. Als Dokumentarfilme zum Thema werden Halloween – Damals und heute (USA 2010, 60 Minuten) und Halloween – Mythos der Kelten (Frankreich/Irland 2025, 90 Minuten, Regie: David Ryan) genannt.