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Julfest
Das Julfest ist ein nordeuropäisches Fest, das je nach religiöser Zuordnung zwischen der Wintersonnenwende und Anfang Februar gefeiert wird.
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Bedeutung und zeitliche Einordnung
Das Julfest ist ein nordeuropäisches Fest. Je nach religiöser Zuordnung wird es zwischen der Wintersonnenwende und Anfang Februar gefeiert. In Schweden, Dänemark und Norwegen heißt Weihnachten bis heute jul, auf Island jól, in Finnland joulu und in Estland jõulud. Damit bezeichnet Jul heute vor allem das skandinavische Weihnachtsfest, während mit dem vorchristlichen Jul ein nur begrenzt überliefertes Fest gemeint ist.
Eine genaue Datierung dieses vorchristlichen Festes ist nicht möglich. Snorri Sturluson schrieb im 13. Jahrhundert, Håkon der Gute (um 920–960) habe das heidnische Jul mit dem christlichen Weihnachtsfest am 25. Dezember zusammengeführt. Nach Snorri hatte das frühere Jul drei Tage gedauert und begann in der „Mittwinternacht“. Unklar ist jedoch, ob damit die Mitte des Winters oder die längste Nacht des Jahres, also die Wintersonnenwende, gemeint war.
Quellenlage und vorchristliches Fest
Die Quellen zum vorchristlichen Julfest sind knapp und umstritten. Die meisten gotischen, altenglischen und altnordischen Belege stammen bereits aus christlicher Zeit und stehen meist in christlichem Zusammenhang. Deshalb lassen sich spätere Bräuche nicht sicher auf ein früheres heidnisches Fest zurückführen. Auch Sagas und Skaldendichtung sind literarische Texte und nur indirekt historische Quellen.
Snorri nennt für die vorchristlichen Nordleute drei Jahresfeste: eines im Herbst zur Begrüßung des Winters, eines im Mittwinter und eines im Sommer zur Begrüßung des Sommers. Manche Forschende setzen das Jul- oder Mittwinterfest auf den Vollmond des Monats nach der Wintersonnenwende; neuerdings wird auch der 15. Januar genannt. Andere ordnen es anhand von Monatsnamen und Kalendern zwischen Mitte November und Mitte Januar ein. Der altenglische Gelehrte Beda Venerabilis bezeichnete Dezember und Januar als giuli-Zeit. Forschende verbinden Jul außerdem mit Festen nach der herbstlichen Tierschlachtung und nach Abschluss der Drescharbeiten, also mit der Zeit von Mitte November bis Mitte Dezember. Historische Quellen berichten jedoch nicht von großen germanischen Opfern zu den Sonnenwenden.
Als frühe Hinweise gelten Berichte über ein Fest auf Thule nach der langen Winterdunkelheit sowie Bedas Erwähnung der módra nect, der „Nacht der Mütter“, um den 8. Januar. Thietmar von Merseburg berichtet von einer dänischen Kultfeier an Epiphanias. Die einzige Skaldendichtung vor 1100, die Jul nennt, ist das um 900 entstandene Haraldskvæði. Darin wird „Jultrinken“ erwähnt; Trinken war demnach ein wesentlicher Bestandteil. Außerdem nennt das Gedicht „Freys leikr“, Spiele des Gottes Freyr. Freyr-Riten zur Julzeit erscheinen auch in späteren Quellen.
Einige Überlieferungen schildern Opferhandlungen, etwa Gelübde mit der Hand auf einem Eber, der später Freyr geopfert wurde. Dieses Element gilt allenfalls als möglicherweise authentisch, obwohl die Überlieferung spät ist. Insgesamt lässt sich keine sichere Beschreibung eines vorchristlichen Julfestes gewinnen. Wahrscheinlich stand die soziale Zusammenkunft und die Stärkung der Gemeinschaft im Vordergrund; nach der Christianisierung blieb Jul in Norwegen örtlich als soziales Ereignis bestehen.
Christianisierung und mittelalterliche Bräuche
Håkon der Gute bestimmte gesetzlich, dass das jólahald gleichzeitig mit dem christlichen mælisøl gefeiert werden sollte, also am 25. Dezember. Daraus folgt nicht, dass Weihnachten auf ein Julfest gelegt wurde: Der Weihnachtstermin am 25. Dezember ist in Rom mindestens seit Beginn des 4. Jahrhunderts belegt und damit deutlich älter als die Christianisierung Skandinaviens. Plausibler ist, dass das Julfest auf den Weihnachtstag verschoben wurde.
Königsmacht und Kirche brachen zunächst nicht vollständig mit älteren Festformen. Später verbot Olav Tryggvason heidnische Bräuche, ließ aber zeremonielles Biertrinken zu Jul, Ostern, Mittsommer und im Herbst zu. Das Ältere Gulathings-Lov schrieb für die Julnacht vor, dass Bauer und Bäuerin Bier trinken und einen Segen sprechen sollten: „zum Wohle Christi und St. Marien für ein gutes Jahr und Frieden“ („signa til Krist þacca og Sancta Mariu til árs oc til friðar“). Til árs bezog sich auf Nahrung, Kornwachstum und Fischfang; friðr auf Zusammenhalt in Sippe und Hausstand, einschließlich Vieh, sowie auf Ernte und Vermehrung. Der Segenstext kann deshalb vorchristliche Bestandteile enthalten.
Aus dem Mittelalter und der Neuzeit sind zahlreiche Julbräuche belegt. Beim Julstroh wurde Stroh auf dem Boden von Häusern und Kirchen verteilt; teils schlief man darin und überließ das Bett unsichtbaren Gästen. Das Jultrinken und besondere Trinkgefäße sind überliefert. Julbrot war ein rundes, dickes Brot, das als so lang wie ein fünfjähriges Kind beschrieben wird und zu Weihnachten an Fremde verteilt wurde. Ein gedeckter Tisch mit Brot und Messer blieb in der Christnacht oder während der Julzeit für unsichtbare Gäste stehen. Jullicht und Julfeuer gehörten ebenfalls zu den Bräuchen.
Der Julbock, ein aus Stroh geflochtener Ziegenbock, soll vorchristlichen Ursprungs sein und wird möglicherweise mit den Ziegenböcken des Gottes Thor verbunden. Die im Christentum bekannten zwölf Rauhnächte zwischen dem 25. Dezember und Epiphanias werden teils als germanisches Erbe dargestellt; die Quellenlage erlaubt aber keine sichere Bestätigung solcher Deutungen.
Jul als skandinavisches Weihnachtsfest
In Skandinavien sind viele mittelalterliche Bräuche im Weihnachtsfest erhalten, das weiterhin jul heißt. Der Weihnachtsgruß lautet „God jul!“. Der Julbock steht meist unter dem Weihnachtsbaum und trägt die Geschenke.
Im Mittelpunkt des Weihnachtsabends steht das gemeinsame Essen. Anschließend folgt häufig der Julklapp: Ein Geschenk wird in viele Lagen Papier eingewickelt, wobei jede Lage mit dem Namen einer anwesenden Person beschriftet ist. Es wird in den Raum geworfen, während „Julklapp! Julklapp!“ gerufen wird. Danach werden die Schichten nacheinander ausgepackt und das Geschenk jeweils weitergereicht. Wichtig ist weniger der materielle Wert als ein kleiner Gegenstand oder ein Vers, der sich positiv oder negativ auf die beschenkte Person bezieht. Das Verschen muss vor dem Auspacken vorgelesen werden. Danach wird um den Weihnachtsbaum getanzt.
Am ersten Weihnachtstag besuchen viele Menschen die Kirche; in Landgemeinden säumen brennende Kerzen in Fenstern den Weg. Der Tag gilt als ruhig. Nachbarn und Bekannte besuchen einander, und Kinder spielen mit neuen Spielsachen oder wünschen von Haus zu Haus „God Jul“.
Neuere ideologische und religiöse Deutungen
In den 1930er und 1940er Jahren versuchten Nationalsozialisten, christliche Feste durch eine nationalsozialistische Deutung eines angeblich „altgermanischen“ Julfests zu ersetzen. Ihr Jahresfestkalender sollte christliche Feiertage verdrängen. Forschungseinrichtungen wie das SS-Ahnenerbe unter Heinrich Himmler sollten ein „arteigenes Brauchtum“ entwickeln. Himmler verschenkte Julleuchter aus der Porzellanmanufaktur Allach an SS-Mitglieder. Ab 1935 erschienen Dienstanweisungen, Schulungsunterlagen und Weihnachtsbücher zur Umgestaltung öffentlicher und privater Feiern. Der Christbaum sollte „Jultanne“ heißen, Frau Holle sollte Nikolaus und Christkind ersetzen, und christliche Zeichen wie Kreuz und Weihnachtsstern sollten durch Hakenkreuz oder Sonnenrad ersetzt werden. 1935 wurde das Julfest erstmals groß im Freien mit nationalsozialistischer Feuer- und Lichtsymbolik gefeiert. In Parteikreisen und in Rundfunksendungen von 1940 bis 1943 wurde Weihnachten von seinen christlichen Wurzeln gelöst.
Im nordisch-germanischen Neuheidentum, etwa Asatru, Firne Sitte und Urglaawe, zählt Jul zu den drei wichtigsten Jahresfesten. Es wird als rekonstruiertes Mittwinterfest gefeiert: zur Wintersonnenwende am 21. Dezember, am 25. Dezember oder beim ersten Vollmond nach den Rauhnächten, dem Julmond. Im Mittelpunkt stehen das Wiedererstarken der Sonne, länger werdende Tage und der Beginn eines neuen Jahres. Zum Julmond gehören rituelles Jultrinken, Gastfreundschaft, immergrüne Zweige als Schutzschmuck, Räucherungen, Julbock und Julklotz. Ein Julklotz soll zwölf Tage und Nächte brennen; außerdem werden brennende Sonnenräder von Anhöhen gerollt.
Auch in Wicca gehört Jul zu den acht Festen des Jahreskreises. Zur Wintersonnenwende wird dort die Wiedergeburt des geopferten Jahresgottes beziehungsweise der Tod des Stechpalmenkönigs und dessen Ablösung durch den Eichenkönig gefeiert. Bei einigen Studentenverbindungen und Turnvereinen heißen Weihnachtsfeiern ebenfalls Julfeiern, haben aber meist den Charakter einer gewöhnlichen Weihnachtsfeier.