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White Trash
im Roman To Kill a Mockingbird von Harper Lee deutlich, in dem die Familie Ewell als Beispiel für eine als white trash geltende Familie gezeigt wird. Im …
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Begriff und Bedeutung
White Trash bedeutet wörtlich „weißer Abfall“ und sinngemäß etwa „weißer Abschaum“. Gemeint ist eine abwertende Bezeichnung für Mitglieder der weißen Unterschicht, besonders in den Appalachen, den Südstaaten und ländlichen Teilen der Vereinigten Staaten. Der Begriff entstand in den Südstaaten, wird heute aber in den gesamten USA verwendet.
Er gilt heute als verunglimpfendes Schimpfwort. Der Artikel beschreibt ihn als zugleich klassistisch und rassistisch diskriminierend: klassistisch, weil er Menschen wegen ihrer sozialen Lage abwertet, und rassistisch, weil er eine bestimmte Vorstellung von „weißer“ Identität und sozialem Abstieg mitprägt. Der Ausdruck bezeichnet daher nicht neutral eine soziale Gruppe, sondern transportiert immer auch Verachtung und stereotype Zuschreibungen.
Historische Entwicklung
Schon zu Beginn der britischen Besiedlung Nordamerikas gab es eine landlose Unterschicht. Dünkelhafte Puritaner, die das britische Klassensystem mitbrachten, bezeichneten solche Menschen teils als rubbish oder waste people, also als „Müll“. Für North Carolina wird genannt, dass es 1729 unter 36.000 Menschen nur 3.281 Landeigner gab.
Der Ausdruck White Trash ist etwa ab 1830 nachweisbar. Ursprünglich wurde er von afroamerikanischen Sklaven für Weiße verwendet, die wie sie auf den Feldern arbeiten mussten, aber in ihren Lebensumständen oft noch schlechter gestellt waren als die Sklaven selbst. Bis um 1900 wurde der Begriff ausschließlich in den Südstaaten verwendet.
Im 20. Jahrhundert verbreitete sich der Ausdruck auch außerhalb der Südstaaten. Dort wurde er auf ungelernte, gewerkschaftlich nicht organisierte Industriearbeiter der ersten Generation angewandt. Nach der Großen Depression in den 1930er Jahren bezeichnete man damit auch weiße Arbeitslose, Saison- und Gelegenheitsarbeiter sowie besonders verarmte Pächter, die ihr Land nicht verlassen wollten, um als Ungelernte in Fabriken zu arbeiten. Der Begriff markierte dabei eine soziale Grenz- oder Abstiegsposition zwischen weißen Mehrheitsgruppen und schwarzen Unterschichten.
Heutige Stereotype
Heute bezeichnet White Trash in den Vereinigten Staaten die weiße Unterschicht und Lebensumstände, die ihr zugeschrieben werden. Dazu gehören im Stereotyp desolate Familienverhältnisse, Alkoholprobleme, Wohnwagensiedlungen aus Mobile Homes, Tattoos und eine Ernährung mit ungesunden, stark zucker- oder fetthaltigen Lebensmitteln. Außerdem wird behauptet, diese Menschen hätten sich aufgegeben, ihr Gesundheitszustand sei miserabel und die Suizidrate steige.
Verwandte, aber nicht deckungsgleiche Begriffe sind Redneck und Hillbilly, ungefähr „Hinterwäldler“, sowie Trailer trash oder Latino Trash. Diese Begriffe überschneiden sich teilweise, bezeichnen aber nicht genau dasselbe.
Politische Bedeutung seit 2016
Im Präsidentschaftswahlkampf 2016 spielte der Begriff eine wichtige Rolle. Im August 2016 erschien J. D. Vances Buch Hillbilly Elegie: A Memoir of a Family and Culture in Crisis. Vance beschreibt darin ein verarmtes Arbeitermilieu schottisch-irischer Abstammung im Rust Belt, aus dem er selbst stammt. Dieses Milieu sei extrem patriotisch, lege großen Wert auf Loyalität und Ehre, und Armut erscheine dort als Familientradition: Die Vorfahren seien Tagelöhner in den Südstaaten, später Farmpächter, Bergarbeiter, ungebildete Fabrikarbeiter und Maschinisten und schließlich Arbeitslose gewesen.
Vance beschreibt, dass sich die Lebenslage verarmter Weißer nicht von der armer Schwarzer unterscheide; von armen Latinos unterscheide sie sich vor allem dadurch, dass diese mehr Optimismus hätten. Er schreibt: „[…] ich habe viele Sozialhilfeköniginnen gekannt; manche waren meine Nachbarn, und alle waren weiß.“ Ein Rezensent meinte, Donald Trump wirke auf diese „verlorenen Seelen“ wie ein Messias.
Hillary Clinton bezeichnete im Wahlkampf 2016 die „Hälfte“ der Trump-Unterstützer, die sie als vermeintliche Rassisten, Frauenfeinde und Homophobe verstand, als Deplorables, also „Bedauernswerte“. Diese Aussage wurde als Provokation gegenüber dem White Trash interpretiert. Ähnlich wurde eine Aussage Barack Obamas von 2008 verstanden, wonach sich manche Menschen an Schusswaffen, Religion oder Abneigung gegenüber Andersartigen klammerten. Clinton bedauerte ihre Aussage später.
Wissenschaftliche Deutungen
Dina Smith von der Drake University kritisiert die Verwendung der Metapher White Trash in akademischen und populären Diskursen. Ihrer Ansicht nach stellen solche Diskurse das Leben der arbeitenden weißen Klasse, besonders im Süden der USA, zur Schau und verzerren es. Die Menschen würden als technologisch und ideologisch rückständig sowie als überflüssig dargestellt. Smith sieht darin auch ein nostalgisches Bild der Südstaatengesellschaft, in dem Klassengrenzen klar erscheinen und die Dominanz gebildeter Mittelschichten stabilisiert wird.
Matt Wray und Anna Lee Newitz, die den Sammelband White Trash: Race and Class in America herausgegeben haben, wollen eine prekär gewordene weiße Identität mit liberalen Ideen wie Multikulturalismus und Diversität verbinden. Smith kritisiert jedoch, dass sie den Begriff ahistorisch verwendeten und sich auf seine heutige abwertende Bedeutung beschränkten. Dadurch werde die historische Bedeutungsverschiebung von Poor White zu White Trash und Natural born losers zu wenig beachtet.
Kritisiert wird auch eine Ästhetisierung des White-Trash-Lifestyles, etwa in nostalgischen White-Trash-Kochbüchern für die Mittelschicht. Nach Smith wird dabei Armut in Warenform verwandelt: Gezeigt würden nicht leere Kühlschränke, sondern massenkulturell geprägte Lebensmittel der 1950er Jahre mit vielen Konservierungsmitteln. Die Nostalgie schaffe soziale Distanz, aus der die betroffenen Gruppen ungefährlich erscheinen.
In der Debatte gibt es unterschiedliche Erklärungen für Wut, Fatalismus und Fremdenfeindlichkeit armer Weißer. Liberale Autoren erklären dies oft mit dem Verlust ihrer Stellung in der gesellschaftlichen „Hackordnung“. Andrea Köhler sieht Xenophobie armer Weißer darin begründet, dass ein früherer psychohygienischer Selbstschutz nicht mehr funktioniere: Früher hätten sie auf noch ärmere Afroamerikaner und Sozialprogramme herabschauen können, heute aber nicht mehr auf sozial aufsteigende Hispanos und andere Minderheiten. J. D. Vance erklärt die Wut und den Fatalismus dagegen nicht primär mit Rassismus. Er meint, arme Weiße verglichen ihre Lage eher mit der besseren Lage ihrer Eltern oder Großeltern, während andere weiße Amerikaner auf sie wie auf „Eingeborene“ herabblickten.
Darstellungen in Kultur
In Literatur, Musik und Film wird White Trash häufig als Thema sozialer Armut, Ausgrenzung und abwertender Fremdzuschreibung dargestellt. Shields McIlwaines The Southern Poor-White from Lubberland to Tobacco Road von 1939 war die erste umfangreiche Analyse von Darstellungen armer Weißer in der Literatur der Südstaaten. McIlwaine wollte zeigen, dass ihre Armut durch Klassenbeziehungen bedingt ist und dass sie sich selbst nicht als Trash sehen; sie werden von außen so codiert, auch wenn Armut später in die Selbstwahrnehmung eindringen kann.
Dorothy Allison thematisiert in Bastard Out of Carolina, einem Roman mit teils autobiographischen Zügen, das Leben in Greenville in South Carolina unter Bedingungen ländlicher Armut, klarer südstaatlicher Klassen- und Machtverhältnisse und der Verachtung durch weiße Mittelschichten.
Auch Musik und Film greifen das Thema auf. Steve Earle spielt in Copperhead Road darauf an, dass für den Vietnamkrieg zunächst „White Trash“ für die Armee rekrutiert worden sei. Weitere Beispiele sind Lieder oder Titel von Willy DeVille, NOFX, Crazy Town, Everlast, Eminem und Marilyn Manson. Filme wie Daddy and them – Durchgeknallt in Arkansas und das mehrfach preisgekrönte Drama Winter’s Bone beziehen sich ebenfalls auf das Thema.