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Weltbild (Unternehmen)

Die Weltbild D2C Group war in sechs Ländern aktiv und besaß 13 Marken; sie betrieb 20 Onlineshops und im DACH-Raum zeitweise 420 Filialen. Nach einer ersten …

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Überblick
  2. 2. Struktur und Sortiment
  3. 3. Entstehung und Wachstum
  4. 4. Krisen und Insolvenz
  5. 5. Wichtige Media-Marken
  6. 6. Non-Media-Marken

Überblick

Die Weltbild D2C Group GmbH war ein deutsches Handelsunternehmen mit Sitz in Augsburg. Es vertrieb Medienprodukte und Non-Media-Produkte über Onlineshops, Social Commerce, Kataloge und Filialen. Außerdem stellte es seine Vertriebsplattform auch Unternehmen der eigenen Gruppe und externen Kooperationspartnern zur Verfügung. Das Unternehmen war als Multi-Channel-Händler organisiert, also als Händler, der mehrere Vertriebswege gleichzeitig nutzt.

Weltbild war in sechs Ländern aktiv, besaß 13 Marken, betrieb 20 Onlineshops und im DACH-Raum zeitweise 420 Filialen. 2023 hatte das Unternehmen 1500 Mitarbeiter; 2021 lag der Umsatz bei 488 Mio. Euro. Nach einer ersten Insolvenz 2014 stieg die Droege Group ein. Im Juni 2024 meldete Weltbild erneut Insolvenz an und stellte Ende August 2024 den Geschäftsbetrieb vollständig ein.

Struktur und Sortiment

Ende 2020 fasste der Konzernabschluss der Muttergesellschaft Weltbild D2C Group die Jahresabschlüsse von insgesamt elf Unternehmen zusammen. Im August 2023 steuerte die Gruppe 13 Marken: Weltbild, Bücher.de, Jokers, teNeues, Avus, Tolino, D2C digital, Gärtner Pötschke, D2C Recommerce, Orbisana, tausendkind, Paul Valentine und Groundies. Die Gruppe gehörte zur Droege Group, einem Beteiligungs- und Beratungsunternehmen mit Sitz in Düsseldorf.

Zu den Media-Produkten gehörten Bücher, E-Books, Hörbücher, antiquarische Bücher, CDs und DVDs. Non-Media-Produkte sind Waren außerhalb des klassischen Medienbereichs. Bei Weltbild umfassten sie zum Beispiel Produkte für Wohnen, Küche und Haushalt, Uhren und Schmuck, Gartenpflanzen und Sämereien, Angebote für Wellness und Gesundheit, Schuhe, ein Sortiment für Kinder, E-Learning und Re-commerce. Re-commerce bedeutet, dass gebrauchte oder zurückgesendete Waren geprüft, aufbereitet und erneut verkauft werden.

Entstehung und Wachstum

Weltbild entstand aus dem Winfried-Werk, das 1948 in Augsburg als katholischer Verlag gegründet wurde. Besonders vertrieben wurde die Zeitschrift Mann in der Zeit, die 1968 in Weltbild umbenannt wurde. Ab 1972 begann über die Weltbild-Bücherdienst GmbH der Versand von Büchern. Von 1975 bis 2014 waren wichtige Eigentümer der Verband der Diözesen Deutschlands mit 24,2 %, das Erzbistum München und Freising mit 13,2 % und das Bistum Augsburg mit 11,7 %; weitere Anteile hielten zehn deutsche Diözesen beziehungsweise Erzdiözesen und das Militärbischofsamt.

1975 übernahm Carel Halff die Geschäftsführung des Winfried-Werkes, das damals einen Jahresumsatz von 600.000 DM hatte. 1987 wurden Winfried-Werk und Weltbild-Bücherdienst zur Weltbild Verlag GmbH zusammengeschlossen. Seit den 1980er Jahren kaufte und integrierte Weltbild weitere Verlage, darunter Pattloch, Battenberg, Schneekluth und Johann Michael Sailer, und gründete auch eigene Verlage wie den Augustus Verlag und den Naturbuch Verlag. Die Weltbild-Gruppe entwickelte sich zur größten deutschen Versandbuchhandlung ohne Kauf- oder Clubpflichten.

1994 wurde Weltbild mit der Marke Weltbildplus im stationären Buchhandel aktiv, in Kooperation mit Hugendubel. 2006 legten Hugendubel und Weltbild ihre Filialgeschäfte in der Holding DBH Buch Handels GmbH zusammen, die zum Marktführer in Deutschland wurde. 2014 gab es rund 420 Filialen in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Zum 1. Januar 1999 startete außerdem die Verlagsgruppe Droemer Weltbild, an der Weltbild und Holtzbrinck jeweils 50 % hielten. Nach der Jahrtausendwende expandierte Weltbild nach Polen, in die Niederlande und nach Russland. 2005 erreichte die Weltbild-Gruppe unter Carel Halff einen Umsatz von 1,4 Mrd. Euro und hatte im Juni 2006 4500 Beschäftigte.

Krisen und Insolvenz

Nach der Weltfinanzkrise 2007–2008 kam es zu einer Nachfrageschwäche. Die katholischen Eigentümer wollten sich vom Unternehmen trennen. Zusätzlich störten sie Medien mit esoterischen beziehungsweise vermeintlich pornografischen Inhalten. Ein Verkauf scheiterte 2009 am aus Sicht der Eigentümer zu niedrigen Verkaufspreis. 2011 wurde Weltbild erneut kritisiert, weil erotische beziehungsweise pornografische Literatur verkauft werde. Weltbild gab den Anteil entsprechender Erlöse mit 0,017 % des Gesamtumsatzes der Verlagsgruppe an und erklärte, Pornografie sei nicht im Angebot. Ungeklärte Zukunftsperspektiven und eine seit 2011 schlechter werdende Ertragslage führten schließlich zur Insolvenz im Januar 2014.

Im Sommer 2014 stieg die Droege Group als neuer Mehrheitseigentümer ein. 67 defizitäre Filialen wurden an die Lesensart Rüdiger Wenk GmbH abgegeben, die später selbst Insolvenz anmeldete. Nach der Stabilisierung von Weltbild erwarb Droege 2017 auch die restlichen Anteile. Danach baute die Gruppe das Online-Geschäft aus, unter anderem durch den Kauf und die Einbindung passender Unternehmen. Ende 2021 kündigte die Verlagsgruppe Investitionen in ein neues Logistikzentrum in Augsburg an; im Juni 2022 zog der Hauptsitz in den Augsburger Süden um.

Am 10. Juni 2024 stellte Weltbild erneut einen Insolvenzantrag. Mehrere Tochtergesellschaften folgten. Am 14. August 2024 teilte das Unternehmen mit, dass kein Investor gefunden worden sei und die laufenden Kosten nicht mehr gedeckt werden könnten. Die letzten 14 Filialen wurden mit Räumungsverkäufen bis zum 31. August 2024 endgültig geschlossen. Die 440 verbliebenen Mitarbeiter sollten im September die Kündigung erhalten. Auch die Schweizer Weltbild Verlag GmbH beantragte am 21. August 2024 die Konkurseröffnung; 24 bis zuletzt rentable Schweizer Filialen wurden sofort geschlossen, weil der Support durch das Mutterhaus nicht mehr gesichert war. Kunden wurden aufgefordert, bei Weltbild gekaufte E-Books und Hörbuch-Downloads extern zu sichern. Die Domain des Onlinegeschäftes einschließlich Kundendaten und E-Book-Sparte wurde nach Zustimmung der Kartellbehörden von Thalia Bücher übernommen.

Wichtige Media-Marken

Neben der Kernmarke Weltbild gehörten mehrere Media-Marken zur Gruppe. Buecher.de entstand aus dem Internet-Buchhändler Booxtra, den Weltbild 1999 mitgründete. Booxtra übernahm 2001 die Domain buecher.de; zwischen 2007 und 2014 wurde Weltbild durch Anteilskäufe Alleineigentümer der Marke.

Jokers startete 1999 als Schnäppchen-Katalog für Bücher. Ab 2000 verkaufte Jokers auch über das Internet, ab 2001 kamen Filialen hinzu. 2022 war der Rückzug aus dem Filialgeschäft abgeschlossen; verbliebene Buchhandlungen wurden in Weltbild umbenannt. Seit der zweiten Jahreshälfte 2022 ist Jokers eine Marke von buecher.de.

TeNeues war ein 1931 in Krefeld gegründetes Druck- und Verlagshaus. Vor der Übernahme durch Weltbild bestand das Programm vor allem aus Bildbänden sowie Corporate-Publishing-Produkten für Unternehmen und Marken. Weltbild übernahm den teNeues Verlag zum 1. Oktober 2020. Zur Avus-Gruppe kam Weltbild 2005, nachdem das Bundeskartellamt die Mehrheitseigentümerschaft genehmigt hatte. Bei Tolino gehörte Weltbild zu den fünf Gründern der Tolino-Allianz, die im März 2013 einen E-Book-Reader als Alternative zu Amazons Kindle vorstellte; 2021 lag die Beteiligungsquote bei 16,67 %.

Non-Media-Marken

Die Non-Media-Marken zeigten, dass Weltbild sich über den klassischen Buch- und Medienhandel hinaus entwickelte. Tausendkind ging 2010 als Online-Versender für Produkte rund um Familie und Kind an den Markt. 2020 übernahm die Droege Group das Unternehmen und gliederte es in die Weltbild D2C Group ein.

Gärtner Pötschke wurde 1912 im thüringischen Mörsdorf gegründet und handelte mit Gartenpflanzen und Sämereien. Nach Stationen in Arnstadt und Kaarst blieb das Unternehmen über drei Generationen in Familienhand, bis es 2019 an die Droege Group ging und der Weltbild D2C Group zugeordnet wurde. Orbisana wurde 2019 als Marke für Gesundheits- und Wellness-Produkte eingeführt. 2023 übernahm Orbisana die Vidi GmbH, einen Versand- und Einzelhändler für Medizin-, Hygiene- und Drogerieartikel sowie Medizintechnik.

D2C Recommerce ging aus der pb ReCommerce GmbH hervor, die Kundenrücksendungen bei Onlinehändlern kaufte, prüfte, überholte und weiterverkaufte. Seit Ende 2021 gehörte das Unternehmen mehrheitlich zur Droege Group und wurde in D2C Recommerce GmbH umfirmiert. 2023 erwarb Weltbild außerdem Paul Valentine, einen 2015 gegründeten Onlinehändler für selbst gestaltete Uhren und Schmuck, sowie EOD mit der Barfußschuhmarke Groundies.

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