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Beschneidung des Herrn
Am Fest der Beschneidung des Herrn (lateinisch Circumcisio Domini), auch Beschneidungsfest (lateinisch Festum circumcisionis) genannt, gedenken mehrere …
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Kern des Festes
Das Fest der Beschneidung des Herrn, lateinisch Circumcisio Domini, auch Beschneidungsfest oder lateinisch Festum circumcisionis genannt, erinnert in mehreren christlichen Konfessionen daran, dass Jesus acht Tage nach seiner Geburt beschnitten wurde. Es wird am 1. Januar gefeiert, dem Oktavtag von Weihnachten, also dem achten Tag nach dem Weihnachtsfest.
Der biblische Bezug steht im Lukasevangelium: Nach jüdischem Brauch, der in Gen 17,10–14 genannt wird, wurde Jesus am achten Lebenstag beschnitten. In Lk 2,21 liegt der Schwerpunkt zugleich darauf, dass ihm an diesem Tag der Name Jesus gegeben wurde.
Entwicklung und Bedeutung
In der frühen theologischen Auseinandersetzung mit den Doketisten spielte die Beschneidung eine wichtige Rolle. Die Doketisten bestritten die Inkarnation, also die wirkliche Menschwerdung Christi. Die Beschneidung galt dagegen als Argument dafür, dass Jesus Christus „wahrer Mensch und wahrer Gott“ ist.
Im Verlauf des 6. Jahrhunderts entstand in Spanien und Gallien ein Fest „Beschneidung und Namensgebung des Herrn“. Im 12./13. Jahrhundert wurde es auch von Rom übernommen. Bis heute gedenken unter anderem orthodoxe Kirchen, die syrisch-orthodoxe Kirche, die syro-malabarische Kirche, die anglikanische Kirche sowie einige altkatholische und evangelische Kirchen am 1. Januar der Beschneidung und Namensgebung Christi.
Römisch-katholische Ordnung
In der römisch-katholischen Kirche wurde das Fest bis zur Liturgiereform nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil gefeiert, zuletzt am 1. Januar 1969. Das Konzil beschloss in der Liturgiekonstitution Sacrosanctum Concilium am 4. Dezember 1963, das liturgische Jahr neu zu ordnen.
In der daraus entstandenen Grundordnung des Kirchenjahres und im neuen Römischen Generalkalender, der mit späteren Ergänzungen seit dem 1. Januar 1970 gilt, ist das Fest der Beschneidung des Herrn nicht mehr enthalten. Stattdessen wird am 1. Januar der Oktavtag von Weihnachten mit dem Hochfest der Gottesmutter Maria begangen. Das Tagesevangelium blieb Lukas 2,16–21, also der Abschnitt mit der Beschneidung Jesu.
Erhalten ist das Fest dort, wo die Liturgie nach dem Missale Romanum von 1962 gefeiert wird. Auch in lateinischen Eigenriten wie dem ambrosianischen und dem mozarabischen Ritus wird es weiterhin am 1. Januar begangen.
Debatte um Wiedereinführung
Der Theologe Jan-Heiner Tück warb 2018 dafür, das Fest in der römisch-katholischen Kirche wieder einzuführen. Er begründete dies mit der Erinnerung an die jüdische Identität Jesu und mit der Ökumene, also der Gemeinschaft und Annäherung christlicher Kirchen: Eine Wiedereinführung wäre eine Rückkehr zur Praxis anderer christlicher Kirchen, die das Fest beibehalten haben.
Der Theologe Manfred Hauke widersprach dieser Position. Er argumentierte, dass eine Wiedereinführung mit der Abschaffung des derzeit geltenden Hochfestes der Gottesmutter Maria verbunden wäre. Dadurch würde das marianische Gedenken im Weihnachtsfestkreis aufgehoben, das nach seiner Auffassung eng mit der Menschwerdung des Gottessohnes verknüpft ist.
Darstellung in der Kunst und Jahresbeginn
In der Ikonographie, also der Darstellung religiöser Themen in der Kunst, ist die Beschneidung Jesu eine häufige Szene in Leben-Jesu-Zyklen. Wegen der thematischen und formalen Nähe kann sie leicht mit der Darstellung des Herrn verwechselt werden, obwohl beide Szenen nicht identisch sind. Meist wird nur eines der beiden Ereignisse dargestellt.
Der heute übliche Jahresanfang am 1. Januar war im Mittelalter nur eine von mehreren Möglichkeiten, das Jahr beginnen zu lassen. Mediävisten, also Mittelalterforscher, bezeichnen diesen Jahresanfang als „Circumcisionsstil“.