Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Jesuskind
Als Jesuskind oder Jesusknabe, auch Christuskind, wird eine Darstellung Jesu Christi bezeichnet, die ihn bis zum Alter von etwa zwölf Jahren abbildet (im …
Inhalt6 Abschnitte
Begriff und Bedeutung
Als Jesuskind, Jesusknabe oder Christuskind bezeichnet man eine Darstellung Jesu Christi bis zum Alter von etwa zwölf Jahren. Die Altersgrenze hängt damit zusammen, dass Jungen im Judentum mit dreizehn Jahren religionsmündig und als Erwachsene betrachtet werden.
Das Jesuskind gehört seit dem 3. Jahrhundert zu den beliebten Motiven der christlichen Kunst. Es erscheint besonders in Darstellungen der Geburt Christi, der Heiligen Familie sowie gemeinsam mit seiner Mutter Maria als Madonna mit dem Kind. Sowohl in der Westkirche als auch in der Ostkirche entwickelten sich dafür zahlreiche Bildtypen.
Biblische Grundlagen
Die Evangelien nach Lukas und Matthäus berichten vor allem über die Geburt Jesu und seine letzten Lebensjahre. Aus seiner Kindheit werden nur wenige Ereignisse überliefert.
Das Lukasevangelium erzählt von der Darstellung Jesu im Jerusalemer Tempel 40 Tage nach seiner Geburt (Lk 2,22–24) und von seinem Tempelbesuch als Zwölfjähriger (Lk 2,41–52). Das Matthäusevangelium berichtet von der Flucht nach Ägypten (Mt 2,13–23). Weil die Evangelien über die Zeit dazwischen kaum etwas erzählen, wird Jesus als Heranwachsender in der Kunst nur selten gezeigt.
Motive und Symbole in der Kunst
Häufig liegt das Jesuskind in einer Krippe. Weitere Bildmotive sind die Beschneidung Jesu, seine Darstellung im Tempel, die Anbetung der Könige und die Flucht nach Ägypten. Manche Darstellungen seiner Kindheit orientieren sich an apokryphen Schriften, also religiösen Texten, die nicht zum biblischen Kanon gehören.
Seit dem 14. Jahrhundert wird das Kind außerdem mit Attributen dargestellt, die es als Gott und Erlöser kennzeichnen. Dazu gehören Heiligenschein, Krone, Weltkugel, Zepter, Herz, Lamm, Hirtenstab, Weintrauben, Kreuz, Ysopstab und Lanze.
Ein weiteres Symbol ist der Stieglitz oder Distelfink. Seine roten Kopffedern stehen für das vergossene Blut Christi und weisen damit auf den späteren Opfertod Jesu hin. Ein bekanntes Beispiel ist die „Madonna mit dem Stieglitz“ von Raffael Santi.
Legenden und außerbiblische Erzählungen
Apokryphe Schriften erzählen ausführlicher von der Kindheit Jesu und schreiben ihm bereits in dieser Zeit Wunder zu. Dazu zählen das Kindheitsevangelium nach Thomas aus dem 2. Jahrhundert, das arabische Kindheitsevangelium aus dem 6. Jahrhundert und das Pseudo-Matthäus-Evangelium aus dem 8./9. Jahrhundert.
Seit dem Mittelalter entstanden weitere Legenden über das wundertätige Jesuskind. Sie wurden Bestandteil der Volksfrömmigkeit, also der religiösen Vorstellungen und Bräuche der Bevölkerung. Solche Überlieferungen verbinden das Jesuskind unter anderem mit Christophorus, dem Mystiker Hermann Joseph (* 1150) und Antonius von Padua (1195–1231).
Das Jesuskind von Atocha soll während der Reconquista gegen die Mauren gefangenen Spaniern geholfen haben. Es wird besonders in Mexiko verehrt. In der kubanischen Santeria wird es mit Ellegua synkretisiert, also mit einer Gestalt einer anderen religiösen Tradition verbunden.
Bedeutende Darstellungen und Wallfahrtsbilder
Das Sarner Jesuskind ist eine 50 cm hohe Holzfigur aus dem 14. Jahrhundert im Benediktinerinnenkloster St. Andreas in Sarnen. Es zieht das rechte Bein an, stützt darauf eine Weltkugel und zeigt mit der linken Hand auf sein Herz. Seit der spätmittelalterlichen Mystik macht die Figur das Kloster zu einem vielbesuchten Wallfahrtsort.
Das Santo Bambino ist eine 60 cm hohe Figur in Santa Maria in Aracoeli in Rom. Der Legende nach schnitzte sie ein Franziskaner im 15. Jahrhundert aus dem Holz eines Olivenbaums aus dem Garten Getsemani.
Das Wettinger Jesuskind ist eine Altartafel in der Kreuzgangskapelle des Klosters Wettingen, die möglicherweise um 1450 für das Kloster entstand. Sie überstand den Klosterbrand vom 11. April 1507, dem Weißen Sonntag, der Überlieferung zufolge auf wundersame Weise. Die Flammen hinterließen mehrere Glutlöcher; das herzförmige Loch im Zentrum symbolisiert zugleich das Herz des Erlösers.
Das Jesuskind von Cebu ist eine Holzfigur aus dem 16. Jahrhundert. Ferdinand Magellan schenkte sie am 14. April 1521 Hara Amihan, der Frau des Herrschers Raja Humabon, nachdem sich das Herrscherpaar und viele Untertanen hatten taufen lassen. Magellan starb am 27. April 1521 in einer Schlacht auf Mactan. 44 Jahre später fand man die Figur nach der Eroberung der Insel durch Miguel López de Legazpi und der Zerstörung des Dorfes von Raja Tupas trotz des Feuers fast unversehrt. Am Fundort entstand mit der Basilica del Santo Niño die erste Kirche der Philippinen. Bis 2002 war das Jesuskind Schutzpatron von Cebu.
Das Prager Jesulein ist eine 47 cm hohe Wachsfigur aus dem 17. Jahrhundert in der Kirche Maria vom Siege auf der Prager Kleinseite. Polyxena von Lobkowicz schenkte sie 1628 nach dem Tod ihres Mannes Adalbert von Lobkowicz dem Kloster der Unbeschuhten Karmeliten. Im Barock entstanden neben dieser Wallfahrt weitere Wallfahrten zu vergleichbaren Jesuskind-Darstellungen.
Das Filzmooser Kindl ist eine 45 cm hohe, aus Holz geschnitzte und farbig gefasste, aber bekleidete Statue aus dem 15. Jahrhundert. Sie steht als Gnadenbild in der Pfarr- und Wallfahrtskirche Filzmoos. Das Kind hält eine Weltkugel und ein Glöckchen und erhebt die drei ersten Finger seiner rechten Hand zum Segen.
Kirchen unter dem Schutz des Christkinds
Ein Patrozinium bezeichnet die Widmung einer Kirche an einen Heiligen oder ein heiliges Glaubensmotiv. Das Christkind-Patrozinium tragen unter anderem die Jesuskind-Kathedrale in Aleppo, Bambin Gesù in Rom, die Basilica del Santo Niño in Cebu City auf den Philippinen, die Ermitá de Santo Niño in Gaucín und die Iglesia Parroquial del Santo Niño de Mabini auf den Philippinen.