Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand
Wasserknappheit
Wasserknappheit besteht, wenn nicht genügend Wasser verfügbar ist, um den Wasserbedarf der Bevölkerung zu decken. Auf allen Kontinenten sind Menschen von …
Inhalt6 Abschnitte
Grundlagen und globale Bedeutung
Wasserknappheit besteht, wenn nicht genügend Wasser verfügbar ist, um den Wasserbedarf der Bevölkerung zu decken. Sie betrifft Menschen auf allen Kontinenten. Etwa die Hälfte der Weltbevölkerung leidet mindestens einen Teil des Jahres unter schwerer Wasserknappheit. Drei Viertel der Weltbevölkerung leben in Staaten, die auf absehbare Zeit dauerhaft betroffen sind. Das Weltwirtschaftsforum erklärte Wasserknappheit und ihre Auswirkungen 2019 zur größten Gefahr des kommenden Jahrzehnts.
97 % des Wassers auf der Erde sind Salzwasser. Von den 3 % Süßwasser sind nur 0,014 % leicht zugänglich; der größte Anteil befindet sich beispielsweise in den polaren Eiskappen. Grundsätzlich wäre genug Wasser vorhanden, um den Bedarf der Menschheit zu decken. Dennoch wird eine globale Wasserkrise erwartet. Gründe sind die globale Erwärmung, die ungleiche Verteilung des Wassers und die stark steigende Nachfrage. Es wird erwartet, dass die globale Nachfrage die verfügbare Wassermenge innerhalb von 15 Jahren um 40 % übersteigt.
Ursachen sind unter anderem das Bevölkerungswachstum, ein steigender Lebensstandard, verändertes Konsumverhalten, die Ausweitung der Bewässerungsfeldwirtschaft, Dürren und Überschwemmungen, Abholzung, Wasserverschmutzung, verschwenderischer Verbrauch und ineffiziente Wasserbereitstellung. Wasserknappheit wird daher häufig durch menschliche Eingriffe in den Wasserkreislauf und durch politisches Missmanagement verstärkt.
2023 waren nach Schätzungen von UNICEF in Südasien 347 Millionen Menschen unter 18 Jahren einer hohen oder extrem hohen Wasserknappheit ausgesetzt. Auch in Mitteleuropa wird das Problem sichtbarer. Im Dürresommer 2022 meldeten mehr als 50 % der deutschen Kommunen Wasserknappheit; 16 % erließen Einschränkungen, etwa Verbote der Autowäsche oder der Bewässerung. In manchen Kommunen reichte das Wasser nicht mehr ausreichend für Haushalte und Feuerwehreinsätze. Die Industrie war mit 72 % der größte Verbraucher.
Verteilung, Verbrauch und Formen
Auf der Erde gibt es insgesamt etwa 14.000 Kubikkilometer einfach erreichbare Süßwasservorräte. Dazu zählen Oberflächenwasser in Flüssen und Seen sowie Grundwasser. Von diesem Angebot werden 5.000 Kubikkilometer von der Menschheit genutzt und wiederverwendet. Theoretisch könnte dies acht Milliarden Menschen oder sogar eine Weltbevölkerung von neun Milliarden versorgen. In einzelnen Regionen entsteht dennoch Knappheit, weil Wasser geografisch und saisonal ungleich verteilt ist, unterschiedlich stark verbraucht wird und häufig schlecht verwaltet wird.
Übernutzung entsteht besonders in der Landwirtschaft, vor allem durch Viehzucht, sowie in der Industrie. Menschen in Industrieländern verbrauchen ungefähr zehnmal so viel Wasser wie Menschen in Entwicklungsländern. Ein großer Teil ist indirekter Wasserverbrauch: Wasser wird zur Herstellung landwirtschaftlicher oder industrieller Konsumgüter eingesetzt. Durch globale Produktionsketten wird dadurch Wasser in Schwellen- und Entwicklungsländern verbraucht, obwohl die Güter oft in Industrieländern genutzt werden.
Man unterscheidet zwei Formen:
- Physische oder natürliche Wasserknappheit liegt vor, wenn der Wasserbedarf die natürlich vorhandenen Ressourcen einer Region übersteigt. Sie tritt häufig in ariden Regionen auf, kann aber auch durch Übernutzung für Wasserkraftwerke, Staudämme oder künstliche Bewässerung entstehen. Folgen sind unter anderem Umweltzerstörung und die Erschöpfung von Grundwasser.
- Ökonomische Wasserknappheit entsteht, wenn vorhandene Wasserressourcen wegen fehlender Infrastruktur, Technik oder Investitionen nicht zugänglich gemacht und verteilt werden können. Nach dem Entwicklungsprogramm der Vereinten Nationen ist schlechtes Wassermanagement häufiger die Ursache als das Fehlen natürlicher Ressourcen.
Etwa ein Viertel der Weltbevölkerung ist von ökonomischer Wasserknappheit betroffen. In betroffenen Regionen müssen Menschen oft weite Wege zu Wasserquellen zurücklegen, deren Wasser zusätzlich durch Haushaltsabwasser oder landwirtschaftliche Abflüsse verschmutzt sein kann. In Industrieländern liegt der Verbrauch bei 200–300 Litern pro Tag, in Entwicklungsländern bei etwa 10 Litern. Internationale Organisationen empfehlen mindestens 20 Liter pro Person und Tag, die innerhalb eines Kilometers vom Haushalt erreichbar sein sollen. Privatisierungen und Spekulation mit Wasser werden im Artikel als weitere Probleme genannt; in den USA beträgt der Marktanteil von Coca-Cola, Danone, Nestlé und PepsiCo zusammen über 70 %.
Messung, Menschenrecht und Wasserkrise
Hydrologen messen Wasserknappheit unter anderem über das Verhältnis der jährlich verfügbaren Wasserressourcen zur Bevölkerung. Der Falkenmark-Wasserstress-Indikator verwendet dafür die verfügbare Wassermenge pro Person und Jahr:
- Unter 1.700 m³ pro Person und Jahr spricht man von Wasserknappheit; zwischen 1.000 und 1.700 m³ können periodische oder räumlich begrenzte Engpässe auftreten.
- Unter 1.000 m³ herrscht Wassermangel.
- Unter 500 m³ liegt ein Wassernotstand vor.
Die FAO verwendet ebenfalls Grenzwerte. Unter 1.000 m³ pro Person und Jahr besteht demnach eine Bedrohung für sozioökonomische Entwicklung und Ökosysteme. Unter 2.000 m³ gilt die Lage als potenziell bedrohlich und kann besonders in Dürrejahren zu schwerwiegenden Engpässen führen. Diese Grenzwerte werden kritisiert, weil sie vor allem ökonomische und politische Folgen betrachten und andere Umweltwirkungen weniger berücksichtigen. Verlässliche Monitoring-Systeme und Datengrundlagen fehlen teilweise, da Staaten Daten freiwillig bereitstellen müssen. Technische und naturwissenschaftliche Messungen reichen außerdem nicht aus, weil Wasserknappheit häufig durch soziopolitische Konflikte geprägt ist.
Seit 2010 gilt Wasser als universelles Menschenrecht; die Anerkennung erfolgte durch die Generalversammlung der Vereinten Nationen. Wassersicherheit umfasst das Recht auf ausreichendes, sicheres, angemessenes, physisch zugängliches und erschwingliches Wasser für den persönlichen und privaten Verbrauch. Das Millenniums-Entwicklungsziel MDG 7 sollte den Anteil der Menschen ohne dauerhaft gesicherten Zugang zu hygienisch einwandfreiem Trinkwasser von 65 % auf 32 % halbieren. Auch die seit 2015 geltenden Ziele für nachhaltige Entwicklung streben eine universelle Trinkwasserversorgung an.
Eine Wasserkrise liegt vor, wenn die Wasserversorgung lokal oder regional dauerhaft nicht mehr aufrechterhalten werden kann. Besonders in ariden und semiariden Gebieten können natürliche Zyklen, ungeeignete Landnutzung, Bevölkerungsentwicklung sowie problematische politische und technische Maßnahmen einen krisenhaften Wassermangel verursachen. Die Vereinten Nationen und andere Weltorganisationen warnen vor einer globalen Wasserkrise. Die FAO erklärte dagegen 2003, es bestünden noch keine Wasserkrisen, es müssten aber Maßnahmen zu ihrer Verhinderung getroffen werden.
Umweltfolgen und Klimawandel
Wasserknappheit führt zu einer Unterdeckung der Nachfrage und zu wirtschaftlichem Wettbewerb um Wasserquantität und -qualität. Sie kann Auseinandersetzungen unter Verbrauchern, eine irreversible Abnahme des Grundwassers und weitere Umweltschäden auslösen. Übernutzung verursacht unter anderem Versalzung, Eutrophierung sowie den Verlust von Auen und Sumpfgebieten. Außerdem erschwert sie das Flussmanagement und die Erholung städtischer Flüsse.
In den vergangenen hundert Jahren sind mehr als die Hälfte der Sumpfgebiete und Moorlandschaften der Erde verschwunden oder zerstört worden. Sie sind Lebensräume vieler Arten, Anbaugebiete für Reis und andere Lebensmittel, natürliche Filter sowie ein Schutz vor Überschwemmungen und Stürmen. Auch der Aralsee verlor innerhalb von 30 Jahren mehr als 58.000 seiner ursprünglich 68.000 Quadratkilometer Fläche und versalzte zunehmend.
Eine weitere Folge ist Landabsenkung durch das Abpumpen von Grundwasser. Die Geological Survey der USA schätzte, dass mehr als 17.000 Quadratmeilen in 45 US-Bundesstaaten betroffen sind. In einigen Regionen, etwa Houston, sank das Land um mehr als neun Fuß.
Die globale Erwärmung verändert nach Einschätzung der Weltbank die Verfügbarkeit und Nutzung von Wasser. Dadurch nimmt Wasserknappheit zu, und Unsicherheiten in wasserintensiven Wirtschaftsbereichen wachsen. Das Abpumpen von Wasser aus Grundwasserleitern und fossilem Wasser erhöht die Wassermenge in der Hydrosphäre, die für Verdampfung und Transport zur Verfügung steht. Dadurch nehmen Wasserdampf und Wolkendecke zu; beide absorbieren große Mengen infraroter Strahlung. Die genauen klimatischen Prozesse und Folgen können bisher jedoch nicht zuverlässig abgeschätzt werden.
Durch den Gletscherschwund kann künftig Schmelzwasser ausbleiben. Große Flusssysteme in Mitteleuropa, die für die Wasserversorgung von Millionen Menschen wichtig sind, könnten dann stärker auf Regenwasser angewiesen sein.
Gerechtigkeit, Wassersicherheit und Lösungsansätze
Wasserknappheit trifft nicht alle Menschen gleich. Arme oder politisch schwache Bevölkerungsgruppen sind häufig besonders betroffen. Privatisierung und Machtinteressen können Konflikte und politische Destabilisierung verstärken. Als Beispiele werden wasserintensive Hotels, Schwimmbäder und Golfanlagen in ariden Gebieten sowie der Ausbau von Trinkwasserversorgung in wohlhabenden Stadtteilen zulasten peripherer und ärmerer Gebiete genannt. Die bewässerte Landwirtschaft ist ebenfalls entscheidend: In Teilen der Welt, etwa in den USA, wird knapp die Hälfte des gesamten Wasserverbrauchs für die landwirtschaftliche Bewässerung eingesetzt. Für ländliche Bevölkerungen kann Wasserknappheit deshalb unmittelbar die wichtigste Einnahmequelle und die Lebensgrundlage gefährden. Die Cochabamba Water Wars werden als Beispiel für soziale Konflikte genannt.
Wassersicherheit bedeutet die langfristige Verfügbarkeit und Qualität von Wasser für Gesundheit, Lebensunterhalt und Produktion. Sie setzt eine ökologische Verfügbarkeit aus Oberflächengewässern oder unterirdischen Vorkommen voraus. Auch wasserreiche Länder können daher ohne ausreichende Erschließung wasserunsicher sein. Zur Verbesserung dienen Regulierung, Forschung, Planung, Subventionen, Technologie und Koordination. Eine Untersuchung von etwa 39 Millionen Grundwasserbrunnen ergab, dass 6–20 % ein hohes Risiko haben, trocken zu laufen, wenn der Grundwasserspiegel um wenige Meter sinkt.
Mögliche Lösungen sind Kläranlagen, weniger Grundwasserübernutzung, grundlegende Abwasserbehandlung, Jauchegruben, kostengünstige Filterung und die Untersuchung von Abwasserwegen. Kläranlagen sind jedoch kapital- und wissensintensiv; die Begrenzung der Grundwasserentnahme kann außerdem die landwirtschaftliche Produktion und damit die Ernährungssituation beeinträchtigen. Industrieländer sollen Technologien teilen, darunter kostengünstige Abwasserbehandlung und Modelle für Wassertransport. Alle Staaten sollen Ökosysteme wie Sumpfgebiete und Auen schützen. Lokale Niedrigtechnologie kann ebenfalls helfen: In Dahab, Ägypten, destilliert ein AquaDania WaterStillar mit einem zwei Quadratmeter großen Solarkollektor täglich 40 bis 60 Liter Wasser. 60 % der weltweit dokumentierten Klimaanpassungsmaßnahmen sind wasserbezogen, darunter Wassermanagement in landwirtschaftlichen Betrieben, Wasserspeicherung, Bodenfeuchte, Erhaltung und Bewässerung.
Internationale Zusammenarbeit
Die Wahrscheinlichkeit eines Konflikts steigt, wenn Veränderungen in einem Wassereinzugsgebiet die Möglichkeiten der vorhandenen Institutionen übersteigen. Historisch gibt es jedoch häufiger Kooperationen als kriegerische Auseinandersetzungen. Entscheidend sind starke Institutionen, Gespräche, Inspektionen, Datenaustausch und gemeinsame Planung.
Die Indus-Fluss-Kommission und der Wasservertrag zwischen Indien und Pakistan bilden trotz der Feindseligkeiten zwischen beiden Staaten einen Rahmen zur Konfliktlösung. Das Mekong-Komitee funktioniert seit 1957, auch während des Vietnamkriegs. Konflikte können dagegen entstehen, wenn Institutionen fehlen, wie bei der Planung eines Staudamms in Ägypten. Eine globale Institution für das Management grenzüberschreitender Wassereinzugsgebiete gibt es bisher nicht; Zusammenschlüsse entstehen meist anlassbezogen.
Viele gelöste Konflikte beruhen auf einem Bedarfsansatz statt auf einem Rechteansatz. Bewässerte Flächen, Bevölkerungszahlen und technische Voraussetzungen bestimmen dabei den Bedarf. Beispiele sind das Wasserübereinkommen für den Jordan und die Aufteilung des Ganges nach dem Bewässerungsbedarf Bangladeschs. Eine regionale, bedarfsorientierte Lösung soll mindestens die grundlegenden Bedürfnisse aller Beteiligten erfüllen und verhindern, dass Abkommen nur als Nullsummenspiele betrachtet werden.
Das von der Strategic Foresight Group sowie den Regierungen der Schweiz und Schwedens entwickelte Blaue-Friedensnetzwerk verbindet nachhaltiges Wassermanagement mit Friedenskooperation. Die Herangehensweise wurde unter anderem im Nahen Osten und am Nil eingesetzt. Nichtregierungsorganisationen fördern den Zugang zu sauberem Wasser. In Deutschland erarbeitet das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit seit 2019 gemeinsam mit der Wasserwirtschaft und weiteren Akteuren im Nationalen Wasserdialog Strategien für die künftige Verteilung von Wasser an Industrie und Bevölkerung.
Lernvideos zu Wasserknappheit
5:36
Süßwasser - Vorkommen, Verteilung, Konflikt, Probleme (Klimawandel/Knappheit) & Nutzung - Geografie
Die Merkhilfe · 22.235 Aufrufe
6:42
Wassermangel - Wasserknappheit - Virtuelles Wasser sparen - Doku - Schlaumal
Schlaumal - Umwelt, Mensch und Tier · 126.302 Aufrufe
6:00
Rohstoff Wasser - Süßwasser Vorkommen, Verbrauch, Nutzung, Virtuelles Wasser & Wasserfußabdruck
Die Merkhilfe · 1.921 Aufrufe
6:23
Wassermanagement - Wassernutzung, Wassermangel, Wasserknappheit & Umweltkatastrophen - Rohstoffe
Die Merkhilfe · 1.038 Aufrufe