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Weltbevölkerung

Bevölkerungsdichte und Verstädterung ; Südamerika, 024 ; Russland, 008 ; Kanada, 004 ; Australien, 003.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Begriff und heutige Größe
  2. 2. Historische Entwicklung und Wachstum
  3. 3. Räumliche Verteilung
  4. 4. Prognosen und Einflussfaktoren
  5. 5. Alter, Geschlecht, Dichte und Verstädterung
  6. 6. Alle jemals geborenen Menschen und Weltbevölkerungstag

Begriff und heutige Größe

Weltbevölkerung oder Erdbevölkerung bezeichnet die Zahl der Menschen, die auf der Erde leben, zu einem bestimmten Zeitpunkt gelebt haben oder nach Hochrechnungen leben werden. Demografie und Bevölkerungsgeographie erforschen ihren Stand, ihre historische Entwicklung, räumliche Verteilung und Dynamik und erstellen Prognosen.

Im August 2026 lebten rund 8,4 Milliarden Menschen auf der Erde. Nach dem Weltbevölkerungsbericht des UN-Bevölkerungsfonds wurde die Marke von 8 Milliarden am 15. November 2022 überschritten. Dieses Datum ist symbolisch, da die Schätzung um bis zu ±5 % unsicher ist. Für 2025 wird ein Zuwachs von rund 86 Millionen Menschen erwartet. Indien und die Volksrepublik China sind mit jeweils etwa 1,4 Milliarden Einwohnern die bevölkerungsreichsten Länder.

Historische Entwicklung und Wachstum

Homo sapiens ist nach dem Aussterben von Homo floresiensis vor 60.000 Jahren und des Neandertalers vor rund 40.000 Jahren die einzige überlebende Art der Gattung Homo. Die geringe Vielfalt der mitochondrialen DNA wird als Hinweis auf einen möglichen genetischen Flaschenhals vor etwa 70.000 bis 80.000 Jahren gedeutet: Damals könnten nur etwa 1.000 bis 10.000 Homo-sapiens-Individuen, überwiegend in Afrika, gelebt haben. Vor rund 50.000 Jahren begann die Ausbreitung aus Afrika auf die anderen Kontinente. Am Ende der letzten Kaltzeit vor 10.000 Jahren lebten weltweit etwa 5 bis 10 Millionen Menschen.

Für die Zeit vor 2.000 Jahren reichen Schätzungen von 170 bis 400 Millionen; die UNO nimmt 300 Millionen an. Vor 1.000 Jahren werden 250 bis 350 Millionen geschätzt, die UNO nennt 310 Millionen. Im Hochmittelalter wuchs die Bevölkerung wieder, im Spätmittelalter führten Pest, Pocken und andere Seuchen zu Einbrüchen. Vor 500 Jahren lebten schätzungsweise 425 bis 540 Millionen Menschen; die UNO geht von 500 Millionen aus. Im 16. Jahrhundert soll die indigene Bevölkerung Amerikas durch eingeschleppte Seuchen von etwa 50 auf 5 Millionen zurückgegangen sein.

Nach 1700 beschleunigte sich das Wachstum stark. Die erste Milliarde wurde um 1804 erreicht, die zweite 1927. Danach verkürzten sich die Abstände: 3 Milliarden 1960, 4 Milliarden 1974, 5 Milliarden 1987, 6 Milliarden 1999, 7 Milliarden 2011 und 8 Milliarden 2022. Im 20. Jahrhundert verdreieinhalbfachte sich die Weltbevölkerung etwa. Das jährliche Wachstum lag Mitte des 20. Jahrhunderts zeitweise über 2 % und wird deshalb als Bevölkerungsexplosion bezeichnet. Seit Ende der 1960er Jahre fiel die jährliche Wachstumsrate von 2,1 % auf 1,09 % im Zeitraum 2015–2020; die absolute Zunahme stagniert seit Ende der 1980er Jahre bei etwa 80 Millionen jährlich. Das meiste Wachstum findet in Entwicklungs- sowie wenig entwickelten und ärmeren Staaten statt, während die Bevölkerung in einigen höher entwickelten Ländern, besonders in den meisten ehemaligen Ostblock-Staaten, abnimmt.

Räumliche Verteilung

Die UN-Tabelle weist für 2022 insgesamt 7,942 Milliarden Menschen aus, für 2030 8,512 und für 2050 9,687 Milliarden. Die größten Regionen sind Ost- und Südostasien mit 2,342 Milliarden Menschen (29,49 % der Weltbevölkerung) und Zentral- und Südasien mit 2,075 Milliarden (26,13 %). Für 2050 wird für Zentral- und Südasien ein Anstieg auf 2,575 Milliarden bzw. 26,58 % erwartet, für Ost- und Südostasien dagegen ein Rückgang des Anteils auf 23,92 % bei 2,317 Milliarden.

Besonders stark wächst Subsahara-Afrika: von 1,152 Milliarden beziehungsweise 14,51 % im Jahr 2022 auf 2,094 Milliarden beziehungsweise 21,62 % im Jahr 2050. Europa, Vereinigte Staaten und Kanada zusammen bleiben zahlenmäßig ungefähr bei 1,1 Milliarden, ihr Anteil sinkt jedoch von 14,10 % auf 11,61 %. Lateinamerika und die Karibik wachsen von 0,658 auf 0,749 Milliarden, Australien/Neuseeland von 0,031 auf 0,038 Milliarden.

Nach Angaben für 2022 lebten 59,4 % der Weltbevölkerung in Asien, 17,8 % in Afrika, 12,9 % in Amerika, 9,3 % in Europa und 0,6 % in Australien und Ozeanien. Historisch lebten zur Zeitenwende etwa 69 % der Weltbevölkerung in Asien, 18 % in Europa, 10 % in Afrika und 3 % in Amerika und dem Rest der Welt; dies blieb bis 1800 weitgehend konstant. Europas Anteil erreichte um 1900 24 % und fiel danach. Der Anteil Amerikas stieg seit 1800 und erreichte 1975 15 %.

2022 lebten in den 20 bevölkerungsreichsten Staaten zusammen 5,346 Milliarden Menschen, rund zwei Drittel der damaligen Weltbevölkerung von 7,963 Milliarden. Nach China und Indien folgen die Vereinigten Staaten mit 333 Millionen, Indonesien mit 276 Millionen, Pakistan mit 236 Millionen und Nigeria mit 219 Millionen. China, Indien, die EU und die USA vereinen fast die Hälfte der Weltbevölkerung.

Prognosen und Einflussfaktoren

Prognosen zur Weltbevölkerung wurden in der Vergangenheit häufig zu hoch angesetzt; als wichtiger Grund gelten Fehlprognosen für die Volksrepublik China, deren Wachstum stärker als erwartet sank. Die UN-Prognosen wurden wiederholt verändert: 1975 erwartete die UNO für 2100 noch 12,3 Milliarden Menschen, 2010 und 2019 jeweils 10,9 Milliarden. Im Juli 2024 ging die UN von einem Höchststand von 10,3 Milliarden Anfang der 2080er Jahre aus. Für 2100 werden 10,2 Milliarden genannt. Eine auf UN-Daten beruhende Quelle von 2024 erwartet den Höhepunkt 2086 bei etwa 10,4 Milliarden und danach einen gleichmäßigen Rückgang. Earth for all hielt 2023 bereits 2046 mit 8,6 Milliarden für möglich. Das IHME der University of Washington prognostizierte 2020 für 2100 8,8 Milliarden.

Entscheidende Einflussgrößen sind die Fertilitätsrate, also die durchschnittliche Kinderzahl je Frau, die Lebenserwartung, Kindersterblichkeit und Wanderungsbewegungen. Bildungsniveau von Frauen und Zugang zu Verhütungsmitteln gelten als besonders wichtig. 2015 nahm man an, dass die weltweite Kinderzahl von 2,5 auf 2 Kinder je Frau bis 2100 sinkt und damit unter das Ersatzniveau von 2,1 fällt. Bei einem um ein halbes Kind höheren Wert ergäben sich 16,6 Milliarden Menschen im Jahr 2100, bei einem um ein halbes Kind niedrigeren Wert 7,3 Milliarden.

Sebastian von Hoerner schlug 1975 ein hyperbolisches Wachstumsmodell vor, das für 2025 eine unendliche Bevölkerung ergab. Das beobachtete hyperbolische Wachstum bis in die 1970er Jahre wurde mit einer positiven Rückkopplung erklärt: Technischer Fortschritt erhöht die Tragfähigkeit des Landes, dies ermöglicht Bevölkerungswachstum; mehr Menschen bedeuten mehr mögliche Erfinder und beschleunigen wiederum den Fortschritt. Der Übergang zu langsameren Raten hängt mit dem demographischen Übergang zusammen. Sergej Kapiza beschrieb das Wachstum von 67.000 v. Chr. bis 1965 mit N = (C/τ) arccot((T₀ − T)/τ), wobei C = (1,86 ± 0,01)·10¹¹, T₀ = 2007 ± 1 und τ = 42 ± 1 sind.

Alter, Geschlecht, Dichte und Verstädterung

Die Zahl der unter 15-Jährigen beträgt rund 2 Milliarden. Sie stieg von 1,127 Milliarden im Jahr 1960 auf einen ersten Höchststand von 1,86 Milliarden in den Jahren 2000 bis 2003, sank kurz leicht und erreichte 2020 2,01 Milliarden. Ihr Anteil an der Weltbevölkerung fiel nach einem Höchstwert von 38 % im Jahr 1966 auf 25 % im Jahr 2022. Das Durchschnittsalter lag 2004 laut WHO bei 27,6 Jahren und soll nach UN-Angaben 2050 bei 38,1 Jahren liegen. Der Anteil der über 60-Jährigen soll bis 2050 von gut 10 % auf knapp 22 % steigen, der Anteil der Kinder bis 15 Jahre von knapp 30 % auf knapp 20 % sinken. Bevölkerungspyramiden zeigen dabei eine steigende Lebenserwartung und ab Mitte des 21. Jahrhunderts eine Bienenstockform.

Bei der Geburt kommen auf 1 weibliches Kind 1,05 männliche Kinder. In der Gesamtbevölkerung lag das Verhältnis 2018 jedoch bei 1,01 Männern zu 1 Frau, vor allem wegen der geringeren Lebenserwartung von Männern. In der westlichen Welt besteht daher meist ein leichter Frauenüberschuss. Hohe Männerüberschüsse werden für China im Zusammenhang mit Abtreibungen weiblicher Embryonen infolge der Ein-Kind-Politik und für Staaten der arabischen Halbinsel infolge vieler männlicher Gastarbeiter genannt.

Die durchschnittliche Bevölkerungsdichte der Erde beträgt etwa 54 Einwohner je km² Landfläche ohne Antarktis, ist aber sehr ungleich verteilt. 2015 lagen Indien bei 400, Deutschland bei 230 und China bei 144 Einwohnern je km²; die Mongolei hatte etwa 2. Monaco weist rund 19.000, Singapur fast 8.000 und Vatikanstadt 1.900 Einwohner je km² auf; Bangladesch ist mit etwa 1.100 Einwohnern je km² der dichteste Flächenstaat. 2007 lebten erstmals mehr Menschen in Städten als auf dem Land. Der Anteil der Stadtbevölkerung soll bis 2030 über 60 % und 2050 rund 70 % erreichen; 1950 betrug er 30 %. Die Stadtbevölkerung würde damit von gut 3 Milliarden 2005 auf gut 6 Milliarden 2050 wachsen.

Alle jemals geborenen Menschen und Weltbevölkerungstag

Von den 2011 lebenden 7 Milliarden Menschen waren mehr als 6 % der damals rund 110 Milliarden jemals geborenen modernen Menschen; über 100 Milliarden waren bereits gestorben. Eine Hochrechnung des Population Reference Bureaus von 2002 nennt rund 106 Milliarden. Sie beginnt mit zwei Menschen im Jahr 50.000 v. Chr. Eine andere Hochrechnung der Universität Hawaii von 1999 beginnt vor einer Million Jahren ebenfalls mit zwei Personen und kommt auf etwa 96 Milliarden. Andere Arten der Gattung Homo sind nicht enthalten. Die frühen Menschen tragen trotz der langen Zeitspanne nur wenig zur Gesamtzahl bei: Mehr als die Hälfte aller jemals geborenen modernen Menschen entfällt auf die letzten 2.000 Jahre.

Der Internationale Weltbevölkerungstag ist der 11. Juli. Er erinnert daran, dass die Weltbevölkerung nach UN-Berechnungen am 11. Juli 1987 die Marke von 5 Milliarden überschritt; das UN-Entwicklungsprogramm erklärte ihn 1989 zum jährlichen Aktionstag. Nach UN-Berechnungen wurde der sechsmilliardste Mensch am 12. Oktober 1999 geboren, der siebenmilliardste am 31. Oktober 2011; am 15. November 2022 wurde die Schwelle von 8 Milliarden erreicht.

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