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Warren Buffett

Warren Edward Buffett [ˈbʌfᵻt] (* 30. August 1930 in Omaha, Nebraska) ist ein US-amerikanischer Investor, Unternehmer und Philanthrop.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Lebensweg
  2. 2. Aufbau von Berkshire Hathaway
  3. 3. Anlagegrundsätze
  4. 4. Derivate und Widersprüche
  5. 5. Vermögen, Lebensweise und Wohltätigkeit
  6. 6. Öffentliche Rolle und Kontroversen

Bedeutung und Lebensweg

Warren Edward Buffett (* 30. August 1930 in Omaha, Nebraska) ist ein US-amerikanischer Investor, Unternehmer und Philanthrop. Er gilt als einer der erfolgreichsten Investoren der Welt und wurde als „Orakel von Omaha“ bekannt. Sein Vermögen beruht fast vollständig auf seiner Beteiligung am Konzern Berkshire Hathaway. Buffett leitete das Unternehmen von 1970 bis 2025; am 1. Januar 2026 übernahm Greg Abel die Position des CEO.

Buffett interessierte sich schon als Kind für Geschäfte und Geldanlagen. Er verkaufte unter anderem Kaugummi, Coca-Cola und Zeitschriften, trug Zeitungen aus und betrieb mit einem Freund gebrauchte Flipperautomaten. Seine ersten Aktien kaufte er 1942 mit elf Jahren. Mit 14 Jahren erwarb er für 1.200 US-Dollar eine 16 Hektar große Farm, die er verpachtete.

Er studierte zunächst an der Wharton Business School und schloss anschließend mit 19 Jahren an der University of Nebraska als Bachelor of Science in Business Administration ab. An der Columbia Business School lernte er bei Benjamin Graham, einem Begründer der Fundamentalanalyse und des Value Investing, und erwarb 1951 einen Master of Science in Wirtschaftswissenschaften. Graham prägte Buffetts Verständnis davon, dass Aktien anhand des wirtschaftlichen Wertes des dahinterstehenden Unternehmens beurteilt werden sollen.

1954 begann Buffett für Graham zu arbeiten. Nach dessen Rückzug gründete er am 1. Mai 1956 in Omaha die Buffett Partnership. Buffett zahlte symbolisch 100 US-Dollar ein; sieben Verwandte und Bekannte steuerten weitere 105.000 US-Dollar bei. Der Investmentpool erzielte von 1956 bis 1969 durchschnittlich 29,5 Prozent pro Jahr. Aus 10.000 US-Dollar der Anfangsinvestoren wurden nach Abzug von Buffetts Erfolgsanteil 150.000 US-Dollar; eine gleichzeitige Anlage im Dow-Jones-Index wäre nur auf etwas mehr als 15.000 US-Dollar gestiegen.

Aufbau von Berkshire Hathaway

1962 wurde Buffett Millionär und führte seine Partnerschaften zusammen. Im selben Jahr begann er, Aktien der damaligen Textilfabrik Berkshire Hathaway zu kaufen. 1965 übernahm er die Kontrolle über das Unternehmen. Später bezeichnete er den Einstieg in das Textilgeschäft als sein schlechtestes Geschäft. Er wandelte Berkshire jedoch schrittweise in einen breit aufgestellten Beteiligungskonzern um und verlagerte den Schwerpunkt auf Versicherungen. Die letzte Textilmühle wurde 1985 verkauft. Charlie Munger, den Buffett 1959 kennengelernt hatte, wurde 1978 stellvertretender Vorsitzender und blieb bis zu seinem Tod 2023 Buffetts wichtigster Geschäftspartner.

Berkshire erwarb Aktienpakete und vollständige Unternehmen. Zu den wichtigen Beteiligungen gehörten unter anderem die Washington Post, See’s Candies, Coca-Cola, American Express und Gillette. Vollständig übernommen wurden beispielsweise 1983 der Möbelhändler Nebraska Furniture Mart, 2003 Clayton Homes und Ende 2009 die Eisenbahngesellschaft Burlington Northern Santa Fe. Heute gehören Berkshire mehr als 60 Eigengesellschaften aus unterschiedlichen Branchen. Besonders wichtig sind das Erst- und Rückversicherungsgeschäft mit GEICO, General Re, der Berkshire Hathaway Reinsurance Group und der Berkshire Hathaway Primary Group.

Während der Weltfinanzkrise 2007–2008 nutzte Berkshire seine hohen Bargeldbestände, um in sechs Transaktionen rund 26 Milliarden US-Dollar in Mars Incorporated, Goldman Sachs, Swiss Re, Dow Chemical, General Electric und später die Bank of America zu investieren. Die Anlagen erfolgten als Darlehen oder Kapitalbeteiligungen zu günstigen Bedingungen. Bis 2013 wurde ihr Gewinn vor Steuern auf rund 10 Milliarden US-Dollar beziehungsweise fast 40 Prozent geschätzt.

Bei Goldman Sachs stellte Berkshire im September 2008 fünf Milliarden US-Dollar bereit und erhielt 50.000 Vorzugsaktien mit einer garantierten Dividende von zehn Prozent sowie Bezugsrechte für 43,5 Millionen Stammaktien. Goldman kaufte die Vorzugsaktien 2011 mit einem Aufschlag von 500 Millionen US-Dollar zurück; Berkshire erhielt zusätzlich Stammaktien im Wert von 2,1 Milliarden US-Dollar. Solche Geschäfte begründeten Buffetts Ruf als wichtiger Bankenretter.

Berkshire erzielte über Jahrzehnte Anlageergebnisse von ungefähr 20 Prozent. Buffetts Vermögen wird zu 99 Prozent durch seine Beteiligung an dem Unternehmen repräsentiert.

Anlagegrundsätze

Buffett vertritt das Value Investing: Anleger sollen ein Wertpapier nicht nach kurzfristigen Kursbewegungen, sondern nach dem inneren Wert des Unternehmens beurteilen. Der innere Wert ist eine Schätzung des tatsächlichen wirtschaftlichen Wertes. Benjamin Graham ermittelte ihn vor allem anhand quantitativer Größen wie Liquidationswert, Kurs-Gewinn-Verhältnis, Kurs-Buchwert-Verhältnis, Verschuldungsgrad, bisheriger Ertragskraft und Dividendenrendite.

Das zentrale Prinzip ist die „Sicherheitsmarge“. Eine Aktie soll nur gekauft werden, wenn ihr Börsenpreis deutlich unter dem ermittelten inneren Wert liegt. Diese Differenz schützt gegen Fehleinschätzungen und ungünstige Entwicklungen. Buffett ergänzte Grahams Ansatz unter dem Einfluss von Philip Fisher und Charlie Munger um qualitative Merkmale: die Qualität und Zukunftsaussichten des Geschäfts sowie Fähigkeiten und Integrität des Managements. Er war deshalb bereit, für ein hervorragendes Unternehmen und dessen wirtschaftlichen „Goodwill“ mehr als den Buchwert zu zahlen. Dennoch hielt er am Grundsatz fest, nur zu einem sehr attraktiven Preis zu kaufen.

Buffett fasste vier Anforderungen an ein lohnendes Investment zusammen: Er muss das Geschäft verstehen; das Unternehmen braucht gute langfristige Aussichten, bewiesene Ertragskraft, hohe Erträge auf das eingesetzte Kapital und keine oder nur geringe Schulden; es muss von kompetenten und ehrlichen Personen geleitet werden; und es muss sehr attraktiv bewertet sein.

Anleger sollen sich als langfristige Teilhaber eines Unternehmens verstehen, nicht als Spekulanten. Marktschwankungen können sie ignorieren, wenn der Kauf sorgfältig geprüft wurde und eine Sicherheitsmarge bietet. Im Idealfall sollen Aktien „für immer“ gehalten werden. Buffett investierte bevorzugt in einfache, für ihn verständliche Geschäftsmodelle und mied lange Zeit techniklastige Unternehmen. Gleichzeitig konzentrierte er Kapital auf wenige überzeugende Beteiligungen, statt es sehr breit zu streuen. Beispiele für diesen Ansatz waren Käufe von American Express nach dem Salatöl-Skandal von 1964 und GEICO während dessen Existenzkrise 1976: Buffett hielt die Probleme für überwindbar und die Kerngeschäfte für gesund.

Risiko bedeutet für Buffett nicht die Schwankung eines Aktienkurses, sondern die Möglichkeit eines dauerhaften Kapitalverlustes. Er warnt daher vor Verschuldung. Dennoch nutzte Berkshire indirekt Fremdkapital durch den „Float“ der Versicherungen: Das sind bereits eingenommene Versicherungsprämien, die erst später für Schäden ausgezahlt werden müssen und bis dahin investiert werden können. 2011 betrug dieser Float knapp 71 Milliarden US-Dollar. Eine Untersuchung von 2018 bezifferte Buffetts Leverage, also den Einsatz zusätzlicher fremder Mittel zur Verstärkung der Rendite, auf 1,4 bis 1,7. Die finanzökonomische Forschung erklärt seinen Erfolg als konsequente Umsetzung eines faktorbasierten Portfolios mit Leverage und vor allem durch die Auswahl der Beteiligungen, weniger durch seinen Einfluss auf deren Management.

Derivate und Widersprüche

Buffett kritisierte Derivate, also Finanzverträge, deren Wert von anderen Vermögenswerten oder Kennzahlen abhängt, als schwer kontrollierbar. 2003 bezeichnete er sie als „Financial Weapons of Mass Destruction“, also finanzielle Massenvernichtungswaffen. Nach der Übernahme des Rückversicherers General Re wollte er dessen Derivategeschäfte beenden, setzte dies nach eigener späterer Einschätzung aber nicht entschieden genug durch. Bis 2005 entstanden dabei Verluste von mehr als 400 Millionen US-Dollar.

Trotz seiner Kritik verkaufte Buffett 2008 selbst langfristige Verkaufsoptionen auf die Indizes S&P 500, FTSE 100, Euro-Stoxx 50 und Nikkei 225. Die Laufzeiten betrugen zehn bis 20 Jahre. Berkshire erhielt sofort Prämien von fünf Milliarden US-Dollar und wettete darauf, dass die Aktienkurse langfristig steigen würden. Bei dauerhaft niedrigen oder fallenden Kursen hätten Zahlungen von bis zu 37 Milliarden US-Dollar entstehen können. Der Vorgang zeigt, dass Buffett Derivate nicht grundsätzlich ausschloss, obwohl er ihre möglichen Gefahren für das Finanzsystem scharf kritisierte.

Vermögen, Lebensweise und Wohltätigkeit

Nach der Forbes-Liste betrug Buffetts Vermögen 2025 rund 147 Milliarden US-Dollar; damit belegte er Platz 10 unter den reichsten Menschen der Welt. Weil es fast vollständig aus Berkshire-Aktien besteht, schwankt der Betrag stark. 2008 löste Buffett Bill Gates zeitweise als reichsten Menschen der Welt ab. Als Leiter von Berkshire bezog er ein Jahresgehalt von 100.000 US-Dollar.

Trotz seines Reichtums ist Buffett für einen vergleichsweise genügsamen Lebensstil bekannt. Er lebt weiterhin in dem Haus in Omaha, das er 1958 für 31.500 US-Dollar kaufte. Er ist ein leidenschaftlicher Bridge-Spieler. Buffett war ab 1952 mit Susan Thompson verheiratet; obwohl beide seit 1977 getrennt lebten, blieb die Ehe bis zu ihrem Tod 2004 bestehen. Später heiratete er Astrid Menks. Er hat drei Kinder. Eine 2012 festgestellte Prostatakrebserkrankung wurde noch im selben Jahr erfolgreich behandelt.

Buffett gilt aufgrund seiner tatsächlich geleisteten Spenden als einer der bedeutendsten Philanthropen. Bis Sommer 2022 hatte er ungefähr 48 Milliarden US-Dollar gespendet, die höchste im Artikel genannte, jemals von einer Person aufgebrachte Spendensumme. 1964 gründete er die spätere Susan Thompson Buffett Foundation. 2006 kündigte er an, 85 Prozent seines Vermögens schrittweise an fünf Stiftungen zu übertragen, vor allem an die Bill & Melinda Gates Foundation sowie an die Stiftung seiner früheren Frau und drei Stiftungen seiner Kinder.

2010 initiierte er mit Bill und Melinda Gates den Giving Pledge. Die Beteiligten verpflichten sich, mehr als die Hälfte ihres Vermögens für wohltätige Zwecke zu spenden; bis 2023 hatten sich mehr als 230 Menschen angeschlossen. Buffett versprach, zu Lebzeiten und nach seinem Tod mehr als 99 Prozent seines Vermögens abzugeben. Seitdem spendete er jährlich etwa vier Prozent seiner Berkshire-Anteile und hatte bis 2022 mehr als die Hälfte der 2006 noch gehaltenen Anteile abgegeben. Von 2000 bis 2022 versteigerte er außerdem fast jährlich ein Mittagessen zugunsten der Glide Foundation, die Armut und Obdachlosigkeit bekämpft. Das höchste Gebot betrug 2022 rund 19 Millionen US-Dollar.

Öffentliche Rolle und Kontroversen

Buffetts jährliche Aktionärsbriefe erläutern die Entwicklung von Berkshire, seine Anlagegrundsätze und frühere Entscheidungen. Auch die Hauptversammlungen, die zuletzt mehr als 37.000 Menschen besuchten, trugen zu seiner öffentlichen Bekanntheit bei. Er erhielt die Presidential Medal of Freedom, die höchste zivile Auszeichnung der USA, wurde 1992 in die American Academy of Arts and Sciences gewählt und gehört seit 2009 der American Philosophical Society an.

Kontroversen betrafen besonders die Berkshire-Tochter Clayton Homes. Die Katastrophenhilfsbehörde FEMA verklagte das Unternehmen 2011, nachdem in Wohncontainern für Opfer des Hurrikans Katrina erhöhte Mengen Formaldehyd gemessen worden waren. Der Stoff kann Atemwegserkrankungen bei Kindern hervorrufen und gilt in den USA als krebserregend. Entsprechende Container gelangten später über die Clinton Foundation nach Haiti.

2015 warfen Medien und das Center for Public Integrity Clayton Homes und verbundenen Kreditbanken unter anderem falsche Versprechen, Zusatzgebühren, nachträglich geänderte Vertragsbedingungen sowie überhöhte Zinsen vor. Außerdem wurde berichtet, Angehörige von Minderheiten hätten höhere Zinsen und Gebühren zahlen müssen. Clayton Homes bestritt die Vorwürfe; das Center for Public Integrity hielt an seiner Darstellung fest. Vier demokratische Kongressabgeordnete forderten daraufhin eine Untersuchung.

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