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Vorzeichenfunktion

Die Vorzeichenfunktion oder Signumfunktion (von lateinisch signum ‚Zeichen') ist in der Mathematik eine Funktion, die einer reellen oder komplexen Zahl ihr …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grunddefinition auf den reellen Zahlen
  2. 2. Wichtige Rechenregeln
  3. 3. Stetigkeit, Ableitung und Integral
  4. 4. Erweiterung auf komplexe Zahlen
  5. 5. Rechenregeln im Komplexen

Grunddefinition auf den reellen Zahlen

Die Vorzeichenfunktion, auch Signumfunktion genannt, ordnet einer reellen Zahl ihr Vorzeichen zu. Sie bildet die reellen Zahlen auf die Menge {−1, 0, 1} ab:

sgn(x) = { +1 für x > 0, 0 für x = 0, −1 für x < 0 }.

Positive Zahlen erhalten also den Wert +1, negative Zahlen den Wert −1 und die Zahl 0 den Wert 0. Die Funktion beschreibt damit ausschließlich, auf welcher Seite der 0 eine Zahl liegt, nicht ihre Größe.

Je nach Anwendung kann die Zuordnung für 0 abweichend festgelegt werden. Möglich sind beispielsweise sgn(0) = 1, sgn(0) = −1, sgn(+0) = +1 und sgn(−0) = −1, sgn(0) = ±1 oder sgn(0) = undefiniert. Da die Null eine Nullmenge bezüglich des Lebesgue-Maßes ist, spielt diese unterschiedliche Festlegung in praktischen Anwendungen oft keine Rolle. In der Gleitkommadarstellung wird dem Vorzeichen üblicherweise unabhängig davon ein eigenes Bit zugewiesen.

Falls sgn(0) = 1 gesetzt wird, besteht der Zusammenhang mit der Heaviside-Funktion Θ(x):

sgn(x) = 2Θ(x) − 1.

Wichtige Rechenregeln

Für reelle Zahlen gelten mehrere Regeln, die sich durch Fallunterscheidung überprüfen lassen:

  • Jede reelle Zahl lässt sich als x = |x| · sgn(x) schreiben. Umgekehrt gilt x · sgn(x) = |x|.
  • Die Signumfunktion ist ungerade, also sgn(−x) = −sgn(x) für alle x ∈ ℝ.
  • Ist k ∈ ℝ eine Konstante und f eine ungerade Funktion, gilt f(k · x) = f(sgn(k) · |k| · x) = sgn(k) · f(|k| · x).
  • Für x ≠ 0 verändert der Übergang zum Kehrwert das Vorzeichen nicht: sgn(x⁻¹) = (sgn(x))⁻¹ = sgn(x).
  • Die Funktion ist mit der Multiplikation verträglich: sgn(x) · sgn(y) = sgn(x · y) für alle x, y ∈ ℝ.
  • Sie ist idempotent. Das bedeutet, dass eine erneute Anwendung keinen neuen Wert erzeugt: sgn(sgn(x)) = sgn(x).

Aus der Verträglichkeit mit der Multiplikation und der Idempotenz folgt: In einem Produkt innerhalb der Signumfunktion kann ein Faktor xⱼ durch sein Vorzeichen sgn(xⱼ) ersetzt werden, ohne den Funktionswert zu ändern. Für beliebige reelle xᵢ und xⱼ gilt:

sgn(xⱼ · ∏ᵢ xᵢ) = sgn(sgn(xⱼ) · ∏ᵢ xᵢ).

Stetigkeit, Ableitung und Integral

Die Vorzeichenfunktion ist bei x = 0 nicht stetig. Deshalb ist sie dort auch nicht klassisch differenzierbar. An allen anderen Stellen x ≠ 0 ist sie konstant und somit differenzierbar; dort gilt sgn′(x) = 0.

Eine schwache Ableitung besitzt die Vorzeichenfunktion nicht. Im Sinne der Distributionen ist sie jedoch differenzierbar. Ihre Ableitung ist 2δ, wobei δ die Delta-Distribution bezeichnet.

Für alle reellen x gilt außerdem:

|x| = ∫₀ˣ sgn(t) dt.

Die Betragsfunktion entsteht also als Integral der Vorzeichenfunktion. Umgekehrt ist die Vorzeichenfunktion die schwache Ableitung der Betragsfunktion. Dabei bezeichnet |x| den Betrag einer reellen Zahl, also ihren nichtnegativen Abstand von 0.

Erweiterung auf komplexe Zahlen

Eine Erweiterung der Vorzeichenfunktion auf komplexe Zahlen wird seltener betrachtet. Für z ∈ ℂ ist sie definiert durch:

sgn(z) = { z/|z| für z ≠ 0, 0 für z = 0 }.

Für z ≠ 0 liegt der Funktionswert auf dem Einheitskreis und hat dasselbe Argument wie z. Schreibt man eine komplexe Zahl in Polarform als z = r eⁱφ mit r > 0, dann gilt:

sgn(r eⁱφ) = eⁱφ.

Die Funktion entfernt somit den Betrag und behält die Richtung beziehungsweise das Argument der komplexen Zahl bei.

Beispiel: Für z₁ = 2 + 2i ist |z₁| = 2√2. Daher gilt:

sgn(2 + 2i) = (2 + 2i)/(2√2) = (1 + i)/√2 = √2/2 + (√2/2)i.

Rechenregeln im Komplexen

Für komplexe Zahlen z und w gelten folgende Regeln:

  • Es gilt z = |z| · sgn(z), wobei |z| der Betrag von z ist.
  • Die komplexe Konjugation wird berücksichtigt durch sgn(z̄) = sgn(z)̄. Der Querstrich bezeichnet die komplexe Konjugation.
  • Die Funktion ist multiplikativ: sgn(z · w) = sgn(z) · sgn(w).
  • Für eine positive reelle Zahl λ gilt sgn(λ · z) = sgn(z); für eine negative reelle Zahl λ gilt sgn(λ · z) = −sgn(z).
  • Insbesondere gilt sgn(−z) = −sgn(z).
  • Für den Betrag des Funktionswertes gilt sgn(|z|) = |sgn(z)| = 1 für z ≠ 0 und 0 für z = 0.
  • Falls z ≠ 0 ist, gilt für den Kehrwert: sgn(z⁻¹) = sgn(z)⁻¹ = sgn(z)̄.

Damit überträgt die komplexe Vorzeichenfunktion die wichtigsten Eigenschaften der reellen Funktion auf die Richtung einer komplexen Zahl. Bei reellen positiven Zahlen liefert sie 1, bei reellen negativen Zahlen −1 und bei 0 den Wert 0.

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