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Vortragsbezeichnung

Sie bestimmen diverse Parameter der Musik näher und beziehen sich vorrangig auf Tempo, Lautstärke, Artikulation oder diverse Instrumental- bzw. Vokaltechniken, …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Bedeutung und Funktion
  2. 2. Lautstärke
  3. 3. Tempo und Charakter
  4. 4. Artikulation und Spielweise
  5. 5. Freie und assoziative Angaben

Bedeutung und Funktion

Vortragsbezeichnungen, auch Vortragsanweisungen, Vortragsangaben oder Ausdrucksbezeichnungen, sind Hinweise des Komponisten im Notentext zur Ausführung eines Musikstücks. Sie präzisieren vor allem Tempo, Lautstärke, Artikulation sowie Instrumental- und Vokaltechniken. Außerdem können sie den Charakter, emotionalen Gehalt oder die musikalische Haltung beschreiben.

Die Anweisungen stehen in der jeweiligen Notation. Bis ins 18. Jahrhundert und weitgehend bis heute sind italienische Begriffe üblich; seit dem 19. Jahrhundert werden zunehmend auch Deutsch, Französisch oder Englisch verwendet. Trotz solcher Angaben bleibt den Ausführenden meist ein Interpretationsspielraum. Auch ein Werktitel kann eine Vortragsangabe enthalten: „Wiener Walzer“ verweist neben Taktart und Tempo auf eine besondere Gewichtung der Taktschläge; „Rhapsodie“ oder „Toccata“ kann einen rhythmisch relativ freien Umgang mit Teilen des Werks nahelegen.

Lautstärke

Dynamik bezeichnet die Lautstärke. Die Angaben verwenden fast ausschließlich italienische Begriffe und Abkürzungen, besonders piano („leise“) und forte („stark, laut“).

Die Stufen reichen von piano pianissimo („so leise wie möglich“) über pianissimo („sehr leise“), piano („leise“), mezzopiano („halbleise“) und mezzoforte („halbstark“) zu forte („stark“), fortissimo („sehr stark“) und forte fortissimo („so stark wie möglich“).

Tempo und Charakter

Tempoangaben nennen nicht nur die Geschwindigkeit, sondern können auch eine gefühlsmäßige Eigenschaft ausdrücken. Häufige Angaben sind largo („breit“), lento („langsam“), adagio („gemächlich“), andante („schreitend“), Moderato („gemäßigt“), allegro („heiter“), vivace („lebhaft“), presto („schnell“) und prestissimo („äußerst schnell“).

Für Änderungen oder Schwankungen des Tempos stehen unter anderem accelerando („schneller werdend“), allargando („im Tempo verbreiternd“), perdendosi („sich verlierend“, langsamer werdend), Ritardando („verzögernd“, sofort langsamer werdend), rallentando („nachlassend“, allmählich langsamer werdend), morendo („sterbend“, langsamer werdend), rubato (stark variierendes Tempo), colla parte (der führenden Stimme im Tempo folgend), in tempo (ohne weitere Temposchwankungen) und a tempo (im ursprünglichen Zeitmaß).

Charakterangaben beschreiben die gewünschte Wirkung des Vortrags, oft zusammen mit dem Tempo: etwa mesto („traurig“), lugubre („trauernd“), capriccioso („launisch“), giocoso („lustig“), vivace („lebhaft, schnell“), grave („schwer, langsam“), dolce („sanft, süßlich“) und amabile („lieblich“).

Artikulation und Spielweise

Artikulation beschreibt, wie einzelne Töne verbunden, abgesetzt oder ausgehalten werden. Übliche italienische Angaben sind legato („gebunden“), portato („getragen“), staccato („gestoßen“) und tenuto („gehalten“).

Technische Angaben legen besondere Spiel- oder Vokaltechniken zur Erzeugung bestimmter Klangfarben und Effekte fest. Bei Streichinstrumenten bedeutet col legno, die Saiten mit dem Bogenholz zu streichen; col legno battuto verlangt, sie mit dem Bogenholz zu schlagen. Flageoletts sind Obertöne auf Streich- und Zupfinstrumenten: Die Saite wird nur leicht berührt, nicht ganz niedergedrückt. Flautando verlangt bei Streichern sehr wenig Bogengewicht, sodass die Saite in die Oktave überschlägt.

Glissando bedeutet, dass Sänger, Streicher oder Posaunist einen Ton stufenlos zum nächsten gleiten lässt; es wird durch eine Linie zwischen den Tönen notiert. Portamento ist ein Glissando erst ganz am Ende des ersten Tones. Con sordino fordert einen Dämpfer, senza sordino beziehungsweise bei Bläsern ouvert dessen Entfernung. Pizzicato verlangt bei Streichern das Zupfen der Saiten. Sotto voce steht für einen gedämpften Ton sowie äußerste Zurückhaltung in Dynamik und Ausdruck.

Für Klavier bedeuten Ped. das Drücken des rechten Pedals und una corda das Drücken des linken Pedals; tre corde hebt das bei una corda gedrückte linke Pedal wieder auf.

Freie und assoziative Angaben

Seit dem 19. Jahrhundert treten zunehmend freiere Anweisungen auf, die den Charakter eines Stücks beschreiben oder durch Assoziationen inspirieren sollen. Eine frühe Form ist italienisch alla …, kurz für alla maniera di, oder französisch à la manière de …: beides bedeutet „nach Art von …“.

Mozarts Angabe alla turca im letzten Satz der Klaviersonate Nr. 11 KV 330 verweist beispielsweise auf eine stilisierte Form türkischer Janitscharenmärsche. Besonders im 20. Jahrhundert wurden die Anweisungen für Interpreten teilweise immer komplexer und konnten literarischen oder kontemplativen Charakter annehmen.

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