Zum Inhalt springen
L

Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Vollkosten

Vollkosten setzen sich in der betriebswirtschaftlichen Kostenrechnung aus den Einzelkosten und den Gemeinkosten zusammen.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Begriff und Bedeutung
  2. 2. Möglichkeiten der Ermittlung
  3. 3. Zusammensetzung und Verrechnung
  4. 4. Vollkosten in der Rechtsprechung

Begriff und Bedeutung

Vollkosten sind in der betriebswirtschaftlichen Kostenrechnung die Gesamtheit aller in einem Unternehmen entstandenen Kosten. Sie bestehen aus Einzelkosten und Gemeinkosten und können unabhängig davon anfallen, wie eng die Kosten mit der Produktion oder dem Betriebszweck verbunden sind.

Sie bilden eine wichtige Kalkulationsgrundlage. Eine Kalkulation auf Vollkostenbasis soll neben den Aufwendungen auch einen Gewinnaufschlag berücksichtigen und dadurch die Existenz des Herstellers sichern. Vollkostendeckung liegt vor, wenn der Kostendeckungsgrad der Erlöse 100 % beträgt.

Möglichkeiten der Ermittlung

Vollkosten können nach zwei Gesichtspunkten ermittelt werden:

  • Nach der Zuordnung zum Kostenträger: Einzelkosten lassen sich einem Kostenträger, also etwa einem bestimmten Produkt, direkt zuordnen. Gemeinkosten können dagegen nur indirekt mithilfe von Verteilungsschlüsseln umgelegt werden. Unmittelbar verbrauchte Rohstoffe sind beispielsweise Einzelkosten; Gehälter der Verwaltung gehören zu den Gemeinkosten.

  • Nach der Beschäftigungsabhängigkeit: Variable Kosten fallen bei der produktionsbedingten Auslastung an. Fixkosten sind der Rest der sogenannten Bereitschaftskosten, die unabhängig von der Beschäftigung anfallen. Fertigungslöhne der Arbeiter können variable Kosten sein, Versicherungsprämien für Betriebsversicherungen zählen zu den Fixkosten.

Zusammensetzung und Verrechnung

Vollkosten (V) setzen sich aus fixen Kosten (K_f) und variablen Kosten (K_v) zusammen:

V = K_f + K_v

Eine andere Einteilung unterscheidet Einzelkosten (K_e) und Gemeinkosten (K_g):

V = K_e + K_g

Daraus folgt:

K_f + K_v = K_e + K_g

In der Vollkostenrechnung werden zunächst die Kostenarten erfasst. Über die Kostenstellenrechnung werden sie anschließend schließlich auf den Kostenträger verrechnet. Die Berücksichtigung aller Kosten, insbesondere der fixen und variablen Kosten, soll langfristig Informations- und Anreizprobleme sowie daraus entstehende falsche Investitionsentscheidungen vermeiden.

Vollkosten in der Rechtsprechung

Die Rechtsprechung beurteilt die Anrechnung von Vollkosten unterschiedlich. Das Reichsgericht ging bei der Ermittlung eines angemessenen Preises zumindest in Kriegszeiten von den Vollkosten und einem Gewinnzuschlag aus.

Der Bundesgerichtshof lehnt bei der Ermittlung des Verletzergewinns dagegen das vollständige Vollkostenmodell ab. Angerechnet werden dürfen sämtliche Einzelkosten sowie nur solche Gemeinkosten, die variabel sind und einen unmittelbaren Bezug zur erbrachten Leistung haben. Fixkosten, die als reine Bereitschaftskosten ohnehin angefallen wären, dürfen nicht angerechnet werden. Diese Rechtsprechung wurde möglich, nachdem sich in der Betriebswirtschaftslehre die Teilkostenrechnung durchgesetzt hatte.

Lernvideos zu Vollkosten

Weiterlesen

Einzelkosten Einzelkosten (auch direkte oder spezifische Kosten; englisch direct costs) sind in der Betriebswirtschaftslehre eine Kostenart, die einem Bezugsobjekt … Gemeinkosten Gemeinkosten (auch: indirekte Kosten; englisch overhead) sind in der Betriebswirtschaftslehre eine Kostenart, die einem Bezugsobjekt nicht direkt … Kalkulation Dies wird mit Hilfe einer Break-even-Analyse berechnet. Auch können durch Produktkalkulation mögliche Rationalisierungeffekte (Kosteneinsparungen) in … Wirtschaftsethik Als zentrale Werte gelten dabei Humanität, Solidarität und Verantwortung. Die Rechtfertigung wirtschaftsethischer Normen kann sich aus den Folgen … Produktion Produktionstechnik · Unter Fertigung versteht man die Herstellung und Montage von zählbaren festen Teilen mit geometrisch bestimmter Gestalt (so genannte … Kostenträger Als Kostenträger werden in der Kosten- und Leistungsrechnung die in einem Unternehmen hergestellten Produkte oder Dienstleistungen bezeichnet. Rohstoff Energierohstoffe dienen der Erzeugung von Energie. Zu ihnen gehören fossile Rohstoffe wie Kohle, Erdöl und Erdgas, Luft, Wasser und Sonne als Grundlagen … Arbeitsentgelt Das Arbeitsentgelt ist die Gegenleistung des Arbeitgebers aus einem Arbeitsvertrag für die vom Arbeitnehmer erbrachten Arbeitsleistungen. Beschäftigung (Kostenrechnung) Beschäftigung (oder Kapazitätsauslastung, Ausbringung, Ausbringungsmenge; englisch capacity utilization) ist in der Kosten- und Erlösrechnung von Unternehmen … Kosten Kosten (englisch cost) sind in der Wirtschaft die monetären Belastungen, die einer Wirtschaftseinheit gemäß einer geeigneten Kalkulation durch die Nutzung … Variable Kosten Fixe und variable Kosten. Kosten, die – anders als die variablen Kosten – von der Ausbringungsmenge unabhängig sind, nennt man Fixkosten. Im Gegensatz zu … Fixkosten Produktfixe Kosten sind Kosten, die für ein bestimmtes Produkt anfallen und dabei unabhängig von der Ausbringungsmenge sind. · Produktgruppenfixe Kosten sind …