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Friedemann Schulz von Thun

Das Vier-Seiten-Modell oder Kommunikationsquadrat beruht auf der ... Während der Sender mit „vier Schnäbeln“ spricht, hört der Empfänger mit „vier Ohren“.

Inhalt6 Abschnitte
  1. 1. Person und Bedeutung
  2. 2. Lebensweg und wissenschaftlicher Hintergrund
  3. 3. Kommunikationsquadrat
  4. 4. Kommunikationsstile und Entwicklung
  5. 5. Inneres Team
  6. 6. Auszeichnungen und Werke

Person und Bedeutung

Friedemann Schulz von Thun (* 6. August 1944 in Soltau) ist ein deutscher Kommunikationspsychologe, Professor für Psychologie und Gründer des Schulz von Thun-Instituts für Kommunikation in Hamburg. Wichtig ist er vor allem wegen seiner Modelle zur zwischenmenschlichen Kommunikation, besonders des Kommunikationsquadrats und des Modells vom „Inneren Team“.

Seine Arbeit erklärt, warum Gespräche oft anders verstanden werden, als sie gemeint waren. Sie hilft dabei, Missverständnisse, Konflikte und innere Unklarheit besser zu erkennen. Seine bekannteste Buchreihe ist Miteinander reden; der erste Band erschien 1981, der zweite 1989 und der dritte Ende 1998.

Lebensweg und wissenschaftlicher Hintergrund

Schulz von Thun besuchte die Gelehrtenschule des Johanneums in Hamburg. Von 1967 bis 1971 studierte er Psychologie mit Philosophie und Pädagogik in Hamburg. Danach arbeitete er als Diplom-Psychologe als Assistent bei Reinhard Tausch. 1973 wurde er mit der Dissertation Verständlichkeit bei der Wissens- und Informationsvermittlung zum Dr. phil. promoviert. 1975 habilitierte er sich an der Universität Hamburg durch eine kumulative Habilitation.

Im selben Jahr wurde er Professor für Schulpsychologie an der Universität Hamburg und war dort bis 2009 tätig. Ab 1971 hielt er Trainingskurse für Lehrer und Führungskräfte. Diese Kurse waren anfangs von Verhaltenstraining und angewandter Gruppendynamik geprägt. Ihr Ziel war die „innere Demokratisierung“, also das Erlernen eines partnerschaftlichen Miteinanders.

Seine Kommunikationslehre entwickelte sich aus mehreren psychologischen Richtungen. Dazu gehörten Alfred Adlers Individualpsychologie, Ruth Cohns Themenzentrierte Interaktion sowie individualpsychologische, humanistische und systemische Ansätze. Aus dieser Verbindung und aus seinen Kurserfahrungen entstand in den 1970er Jahren das Kommunikationsquadrat, das er 1981 im Buch Miteinander reden, Störungen und Klärungen vorstellte.

Kommunikationsquadrat

Das Vier-Seiten-Modell oder Kommunikationsquadrat ist Schulz von Thuns bekanntestes Modell. Es geht davon aus, dass jede Äußerung vier Seiten hat. Eine Äußerung ist also nicht nur eine Sachinformation, sondern kann gleichzeitig etwas über die sprechende Person, die Beziehung und eine gewünschte Wirkung ausdrücken.

Die vier Seiten sind:

  • Sachseite: Der Sender informiert über Sachinhalt, also über Daten und Fakten.
  • Selbstoffenbarung: Der Sender gibt durch seine Nachricht etwas von sich selbst zu erkennen.
  • Beziehungsseite: Der Sender zeigt, wie er zum Empfänger steht und was er von ihm hält.
  • Appellseite: Der Sender zeigt, was er beim Empfänger erreichen möchte.

Im Modell spricht der Sender mit „vier Schnäbeln“, während der Empfänger mit „vier Ohren“ hört. Das bedeutet: Eine Nachricht kann auf vier verschiedene Arten gesendet und verstanden werden. Probleme entstehen, wenn das, was der Sender ausdrücken oder bewirken will, nicht dem entspricht, was der Empfänger versteht. Dadurch werden zwischenmenschliche Kontakte spannend, aber auch störanfällig. In der Praxis ist der Empfänger zugleich auch wieder Sender, weil Kommunikation meistens wechselseitig verläuft.

Das Modell lässt sich mit Einschränkungen auch auf allgemeine Kommunikationsvorgänge in der Gesellschaft übertragen, zum Beispiel auf sachlich betonte Kommunikation zwischen Behörden oder Institutionen.

Kommunikationsstile und Entwicklung

Im zweiten Band von Miteinander reden, der 1989 erschien, beschäftigte sich Schulz von Thun mit der Verschiedenheit von Menschen in Gesprächen und Beziehungen. Miteinander Reden 2 erreichte inzwischen die 42. Auflage (Stand: März 2026). Die zentrale Erkenntnis lautet: Menschen unterscheiden sich darin, wie sie mit anderen reden und Kontakt gestalten. Was eine Person dringend zur Erweiterung ihrer sozialen Kompetenz braucht, kann eine andere Person bereits zu stark ausgeprägt haben.

Schulz von Thun beschreibt acht Kommunikationsstile, also typische Arten der Kontakt- und Beziehungsgestaltung:

  • der bedürftig-abhängige Stil
  • der helfende Stil
  • der selbst-lose Stil
  • der aggressiv-entwertende Stil
  • der sich beweisende Stil
  • der bestimmende-kontrollierende Stil
  • der sich distanzierende Stil
  • der mitteilungsfreudig-dramatisierende Stil

Jeder dieser Stile hat eigene kommunikative Merkmale, Stärken und eine „Entwicklungsrichtung“. Damit ist gemeint, was eine Person ergänzend lernen oder ausgleichen sollte. Außerdem kann jeder Stil anfällig für zwischenmenschliche Verstrickungen sein, die Schulz von Thun als „Teufelskreis“ beschreibt.

Inneres Team

Im dritten Band von Miteinander reden, erschienen Ende 1998, beschreibt Schulz von Thun das Modell des „Inneren Teams“. Es beruht auf der Beobachtung, dass Menschen oft mehrere innere Stimmen oder Anteile in sich erleben, bevor, während und nachdem sie sprechen. Diese inneren Anteile nennt er „Stimmen“ oder „Mitglieder des Inneren Teams“.

Das Modell stützt sich auf psychologische Erkenntnisse zur Ich-Struktur und zu interagierenden Persönlichkeitsanteilen, unter anderem von Margaret Paul und Erika J. Chopich. Gemeint ist: Eine Person ist innerlich nicht immer eindeutig, sondern kann verschiedene Gedanken, Gefühle und Bedürfnisse gleichzeitig haben.

Als Beispiel nennt Schulz von Thun eine fleißige Studentin. Ein wenig engagierter Kommilitone möchte sich ihre Mitschrift ausborgen. Sie will nicht Nein sagen und schwankt zwischen Ärger, etwa „Er nutzt dich aus“, und Kollegialität, etwa „Man muss sich gegenseitig helfen“. Dadurch entsteht ein innerer Zwiespalt.

Wichtig ist nach diesem Modell, jedes innere Teammitglied zu würdigen, weil „innere Pluralität“ menschlich und wertvoll ist. Ob eine Person ihr Inneres Team gut nutzen kann, hängt davon ab, wie die inneren Diskussionen ablaufen, wie das „innere Betriebsklima“ ist und ob es eine gute Gesprächsleitung gibt. Wenn das gelingt, kann das Innere Team hilfreich sein. Wenn nicht, kann es wie ein dauerhaft zerstrittener Haufen wirken und auch die Kommunikation nach außen belasten.

Auszeichnungen und Werke

Schulz von Thun erhielt mehrere Ehrungen und Auszeichnungen. Dazu gehören 2001 der Integrationspreis der Stiftung Apfelbaum, 2012 der Ehrendoktor (Dr. oec. h. c.) der Universität St. Gallen und 2021 der Preis „Gegen Vergessen – Für Demokratie“.

Zu seinen Veröffentlichungen gehören unter anderem Verständlichkeit (1974), Kommunikation und Verhaltenstraining (1976), Miteinander reden – Psychologie der zwischenmenschlichen Kommunikation (1981), Miteinander reden 1 – Störungen und Klärungen, Miteinander reden 2. Stile, Werte und Persönlichkeitsentwicklung, Miteinander reden 3 – Das „innere Team“ und situationsgerechte Kommunikation sowie mehrere gemeinsame oder herausgegebene Werke zur Klärungshilfe, Führungskräftekommunikation, interkulturellen Kommunikation und Gesprächskultur. Spätere Veröffentlichungen sind unter anderem Kommunikation als Lebenskunst (2014), Die Kunst des Miteinander-Redens (2020) und Erfülltes Leben. Ein kleines Modell für eine große Idee (2021).

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