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Wikipedia · einfach zusammengefasst · Stand

Johari-Fenster

Das Johari-Fenster ist ein Fenster bewusster und unbewusster Persönlichkeits- und Verhaltensmerkmale zwischen einem Selbst und anderen oder einer Gruppe.

Inhalt4 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Bedeutung
  2. 2. Arbeit mit Johari-Adjektiven
  3. 3. Die vier Felder
  4. 4. Ziele der Entwicklung

Grundidee und Bedeutung

Das Johari-Fenster ist ein Modell für bewusste und unbewusste Persönlichkeits- und Verhaltensmerkmale im Verhältnis zwischen einer Person und anderen Menschen oder einer Gruppe. Es macht insbesondere den „blinden Fleck“ im Selbstbild sichtbar: Eigenschaften und Verhaltensweisen, die andere wahrnehmen, ohne dass die betroffene Person sie selbst erkennt.

Entwickelt wurde das Modell 1955 von den amerikanischen Sozialpsychologen Joseph Luft und Harrington Ingham. Es wird seit den 1960er- und 1970er-Jahren besonders in der gruppendynamischen Arbeit verwendet. Dort veranschaulicht es die Unterschiede zwischen Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung und gehört zu den Standardmodellen und -verfahren der Gruppendynamik. Fachlich steht es unter anderem in Beziehung zur differentiellen und Persönlichkeitspsychologie, zu den Abwehrmechanismen, zur Sozialpsychologie und zur Gruppendynamik.

Die Darstellung und die Bezeichnungen der Felder können je nach Literatur abweichen. Die Größe der einzelnen Bereiche ist nicht festgelegt, sondern hängt von der jeweiligen persönlichen Beziehung ab. Eine Person verhält sich gegenüber verschiedenen Menschen unterschiedlich und kennt ihre eigene Persönlichkeit jeweils in unterschiedlichem Ausmaß.

Arbeit mit Johari-Adjektiven

Bei einem typischen Experiment erhalten die Teilnehmer eine Liste mit 56 Adjektiven. Jede Person wählt daraus fünf oder sechs Wörter aus, die ihrer Meinung nach die eigene Persönlichkeit beschreiben. Anschließend wählen die anderen Gruppenmitglieder aus derselben Liste jeweils fünf oder sechs Adjektive aus, die ihre Kollegen beschreiben. Die ausgewählten Begriffe werden danach in die Felder des Johari-Fensters eingeordnet.

Die Liste umfasst unter anderem folgende Eigenschaften: akzeptierend, aufmerksam, bescheiden, bestimmt, energievoll, entspannt, extravertiert, fähig, freundlich, geduldig, geschickt, genial, glücklich, großzügig, hilfsbereit, idealistisch, intelligent, introvertiert, kompetent, kühn, liebevoll, logisch, mächtig, mitfühlend, nachdenklich, nervös, organisiert, reaktionsschnell, reif, ruhig, scheu, schlau, selbstbewusst, selbstsicher, sentimental, spontan, still, stolz, tapfer, unabhängig, verlässlich, vernünftig, vertrauenswürdig, warmherzig, weise, witzig und würdevoll. Die Auswahl zeigt, welche Merkmale eine Person sich selbst zuschreibt und welche Merkmale andere bei ihr wahrnehmen.

Die vier Felder

Das Modell unterscheidet vier Bereiche:

Das öffentliche Feld umfasst alles, was eine Person von sich preisgibt und was sowohl ihr selbst als auch anderen bekannt ist. Dazu gehören äußere Merkmale wie Erscheinungsbild, Umgangsformen oder körperliche Reaktionen. Auch persönliche Eigenschaften, etwa Ehrgeiz oder Ängstlichkeit, sowie innere Haltungen und Einstellungen wie Religiosität, Moral und ethische Werte gehören dazu, sofern sie nach außen erkennbar hervortreten. Dieser Bereich ist im Vergleich zu den anderen Feldern meist eher klein.

Das geheime Feld enthält alles, was die betroffene Person selbst weiß, anderen aber nicht zugänglich macht oder bewusst vor ihnen verbirgt. Es umfasst somit bewusste persönliche Informationen, die nicht nach außen mitgeteilt werden.

Der blinde Fleck besteht aus dem, was eine Person aussendet und was von anderen wahrgenommen wird, ohne dass die Person sich dessen bewusst ist. Andere erkennen dabei Verhaltensweisen und Merkmale, die die betroffene Person bei sich selbst nicht wahrnimmt. Durch Feedback können solche Informationen aus dem blinden Fleck in das öffentliche Feld gelangen.

Das unbekannte Feld umfasst alles, was weder der betroffenen Person noch anderen bekannt ist. Es handelt sich um noch nicht enthülltes Terrain, das über die bereits wahrgenommenen und tatsächlich bekannten Merkmale hinausgeht. Da ein großer Teil der Persönlichkeit unbekannt beziehungsweise unbewusst ist, nimmt dieses Feld einen beträchtlichen Anteil am gesamten Fenster ein. Viele Faktoren, die eine Beziehung zwischen zwei Menschen bestimmen, liegen ebenfalls in diesem Bereich.

Ziele der Entwicklung

Nach Joseph Luft besteht ein Ziel des Lernens in der Gruppendynamik darin, den gemeinsamen Handlungsspielraum transparenter und weiter zu gestalten. Im Modell wird dies dadurch dargestellt, dass das öffentliche Feld im oberen linken Bereich größer wird, während die anderen drei Felder kleiner werden.

Dies kann auf zwei miteinander verbundenen Wegen geschehen:

Durch das Sich-Preisgeben, also durch das Mitteilen und Teilen persönlicher Geheimnisse mit anderen, verringert sich der Aufwand für die Geheimhaltung. Zugleich vergrößern sich die Freiheit und der Handlungsspielraum im öffentlichen Bereich.

Durch das Mitteilen von Beobachtungen erhalten Betroffene Feedback zu ihren blinden Flecken. Dadurch gewinnen sie Erkenntnisse über sich selbst und können ihren privaten und öffentlichen Handlungsspielraum bewusster wahrnehmen und ausfüllen.

Beide Wege ergänzen einander. Sie helfen dabei, Unbewusstes bewusst und dadurch handhabbar zu machen.

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