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Vibraphon

Das Vibraphon oder Vibrafon, ein Metallophon (Schlaginstrument), ist eine Weiterentwicklung des Marimbaphons mit abgestimmten Metallplatten und einer …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Definition und Grundprinzip
  2. 2. Bauweise und Spieltechnik
  3. 3. Das Vibraphon im Jazz
  4. 4. Vibraphon in der klassischen Musik
  5. 5. Ausbildung und wichtige Jazzaufnahmen

Definition und Grundprinzip

Das Vibraphon oder Vibrafon ist ein Metallophon und damit ein Schlaginstrument. Es gilt als Weiterentwicklung des Marimbaphons. Sein Klang entsteht durch abgestimmte Metallplatten, die mit Schlägeln angeschlagen werden. Unter den Platten befinden sich gestimmte Resonanzröhren, die den Klang verstärken. Das charakteristische „Vibrato“ entsteht durch elektrisch angetriebene Scheiben über den Resonanzröhren: Sie öffnen und schließen die Röhren periodisch. Dadurch verändert sich nicht die Tonhöhe, sondern die Lautstärke. Fachlich handelt es sich deshalb eigentlich um ein Tremolo, also ein dynamisches Vibrato.

Die heute verbreitete Bauart entstand 1921 unter dem Namen „Vibraharp“. Ein Vorläufer mit beweglichen Röhren war 1916 in den USA von Hermann Winterhoff als „Steel Marimba“ patentiert worden. Die dünnen runden Kunststoff- oder Metallscheiben sitzen auf einer gemeinsamen Welle und werden von einem Elektromotor bewegt. Die Geschwindigkeit des Vibratos ist meist regelbar. In Partituren kann sie angegeben werden; Anweisungen wie „ohne Motor“ oder „ohne Vibrato“ schreiben das Abschalten vor.

Bauweise und Spieltechnik

Im Unterschied zur Marimba bestehen die Klangplatten aus einer harten Metalllegierung und nicht aus Holz. Wie bei anderen Stabspielen lagern sie im Bereich der Schwingungsknoten ihrer Grundresonanzfrequenz. Die Länge einer Platte ist umgekehrt proportional zur Quadratwurzel ihrer Grundresonanzfrequenz. Das Stimmen ist normalerweise nur im Werk nötig. Es erfolgt durch Beschleifen; durch Verringerung der Masse oder der Steifigkeit kann ein Ton höher oder tiefer gestimmt werden.

Üblicherweise umfasst der Tonumfang drei Oktaven von f bis f³. Das Instrument wird klingend im Violinschlüssel notiert. Die Schlägel besitzen einen Gummikopf, der je nach gewünschtem Klang aus blankem Gummi besteht oder mit Schnur beziehungsweise Garn umwickelt ist. Einige Instrumente haben unter den hohen Tönen aus optischen Gründen verlängerte Resonanzröhren. Diese sind im Inneren unterteilt, damit ihre akustisch richtige Länge erhalten bleibt.

Ein Pedal steuert einen Dämpfer und regelt ähnlich wie beim Klavier die Klangdauer. Das Vibraphon kann außerdem mit einem Streichbogen gespielt werden. Diese Arco-Technik wurde in der klassischen Musik entwickelt und vielfach verwendet. Beim Einsatz von zwei Bögen sind genau zwei Töne pro Spieler möglich. Klangplatten schwingen beim Streichen langsamer ein als Saiten und lassen sich dabei kaum in der Lautstärke verändern. Bogenspiel eignet sich deshalb nicht für hohe Tempi, sondern vor allem für atmosphärische, lang gehaltene Töne. Komponisten müssen zudem berücksichtigen, auf welcher Seite des Instruments die benötigten Töne liegen.

Das Vibraphon im Jazz

Das Vibraphon gehört zu den klassischen Jazzinstrumenten. Lionel Hampton machte 1930 die erste Aufnahme eines Vibraphons in einer Jazznummer. Während einer Aufnahme in den NBC-Studios in Los Angeles entdeckte Louis Armstrong das Instrument und bat Hampton, es zu spielen. Hampton machte das Vibraphon anschließend als Jazzinstrument populär. Red Norvo spielte es bereits zu dieser Zeit als Soloinstrument und nahm 1933 bei Victor Young erstmals auf dem Instrument auf. Norvo behandelte es eher pianistisch, während Hampton einen perkussiven, phrasierenden Stil entwickelte, der von den rhythmischen Riffs seiner Big Band getragen wurde.

Im Modern Jazz prägte Milt Jackson das Instrument entscheidend. Er entwickelte weiche Schlägel und verringerte die Drehgeschwindigkeit der Welle von 10 auf 3,3 Umdrehungen pro Sekunde. Dadurch erhielt das Vibraphon eine besonders ausdrucksstarke Klangwirkung. Das Modern Jazz Quartet, das Jackson gemeinsam mit dem Pianisten John Lewis leitete, trug wesentlich dazu bei, das Vibraphon als Soloinstrument anzuerkennen. Zu Jacksons Generation gehörten unter anderem Terry Gibbs, Teddy Charles, Victor Feldman, Manfred Burzlaff, Eddie Costa, Larry Bunker und Mike Mainieri. Später emanzipierte sich Bobby Hutcherson von Jacksons Klangideal und revolutionierte das Vibraphonspiel. Weitere bedeutende Vertreter waren Gary Burton, Tom van der Geld und der deutsche Musiker Wolfgang Lackerschmid, der unter anderem nachhaltig mit Chet Baker und Attila Zoller zusammenarbeitete.

Cal Tjader führte das Vibraphon in den Latin-Jazz ein. Julius Wechter integrierte es unter Martin Denny in die hawaiische Musik und prägte damit den Stil „Exotica“, der in den 1950er und 1960er Jahren populär war. In den 1960er Jahren wurde das Instrument außerdem in der Easy-Listening-Musik verwendet und dient bis heute besonders atmosphärischen Klangwirkungen. Seit Mitte der 1960er Jahre setzten Gunter Hampel und Karl Berger das Vibraphon im Free Jazz ein. Hampel erzeugte in verschiedenen Gruppen Klanggeflechte, indem er es mit Flöten und hoch gespielten Saxophonen verband.

Vibraphon in der klassischen Musik

Auch in der klassischen Musik wird das Vibraphon als Solo- und Ensembleinstrument eingesetzt. Das Repertoire umfasst Werke für Vibraphon allein, Konzerte mit Orchester oder Streichorchester sowie Kammermusik. Beispiele sind Pierre Boulez’ „Le Marteau sans maître“ (1955) für Altstimme und sechs Instrumente mit Vibraphon-Solo, Siegfried Finks „Concertino für Vibraphon und Streichorchester“ (1958/67/74), Darius Milhauds „Konzert für Marimbaphon, Vibraphon und Orchester op. 278“ (1947) und Morton Feldmans „Crippled Symmetry“ (1983) sowie „for Philipp Guston“ (1984), jeweils für Besetzungen mit Piano/Celesta, Flöte(n), Vibraphon und Glockenspiel.

Weitere im Artikel genannte Werke sind Edisson Denissows Konzert für Flöte, Vibraphon, Cembalo und Streicher (1993), Horst Lohses „Prélude“ (2005) für Bassklarinette und Vibraphon, Alan Chans „Floes“ (2004), Christopher Deanes „Mourning Dove Sonnet“ (1986), Luigi Morleos „Diritti: No Limit“ (2013), Fabians Müllers Konzert für Vibraphon und Orchester (2014), Jan Müller-Wielands Konzert für Vibraphon und Orchester (1994), Emmanuel Séjournés Konzert für Vibraphon und Streichorchester (1999) sowie Werke von Florian Poser und Karlheinz Stockhausen, darunter „Vibra-Elufa“ und „Strahlen“ (2002).

Ausbildung und wichtige Jazzaufnahmen

Das Vibraphon gehört im Bereich der „Mallets“ zu den Schlaginstrumenten. Es wird an Musikhochschulen, Konservatorien, Akademien und Berufsfachschulen für Musik im Rahmen eines Schlagwerkstudiums unterrichtet. Das Studium endet an den genannten Instituten mit einer staatlichen Abschlussprüfung als Bachelor oder Master. Spezielle Jazz-Ausbildungen bieten unter anderem das Jazz-Institut Berlin–Universität der Künste Berlin, die Hochschule für Musik Nürnberg, die Hochschule für Musik Basel und die Escola Superior de Música e Artes do Espectaculo in Porto an.

Als Referenz für die Entwicklung des Jazz-Vibraphons nennt der Artikel Aufnahmen aus Swing, Modern Jazz, Latin-Jazz und Free Jazz. Dazu gehören Lionel Hamptons Aufnahmen mit Oscar Peterson, Red Norvos „The Red Norvo Trios“, Milt Jacksons „Wizard of the Vibes“, Teddy Charles’ „New Directions“, Victor Feldmans „With Mallets a Fore Thought“, Eddie Costas „Guys and Dolls Like Vibes“, Bobby Hutchersons „Dialogue“, „Happenings“ und „Oblique“, Gary Burtons „Who Is Gary Burton“ sowie seine Zusammenarbeit mit Keith Jarrett. Ebenfalls genannt werden Cal Tjaders „Greatest Hits“, Karl Bergers „Transit“, Chet Bakers und Wolfgang Lackerschmids „Artists Favor“, Bobby Naughton und Leo Smiths „Divine Love“, die Anthologie „Jazzclub Vibraphone“, Kokotobs „Flying Heart“, Simon Moulliers „Isla“ sowie Anna-Karina Barthels und Carlotta Ribbes „Who Am I“.

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