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Tremolo

Tremolo (italienisch; von tremolare ‚beben', ‚zittern', aus lateinisch tremere) bezeichnet in der Musik die rasche periodische Änderung der Lautstärke …

Inhalt5 Abschnitte
  1. 1. Grundidee und Wirkung
  2. 2. Physikalische Grundlagen
  3. 3. Erzeugung durch Wiederholung
  4. 4. Instrumentengruppen
  5. 5. Notation

Grundidee und Wirkung

Tremolo bezeichnet in der Musik die rasche periodische Änderung der Lautstärke, also der Amplitude, eines Tons oder Akkordes. Es wird auch „Amplitudenvibrato“ genannt. Davon zu unterscheiden ist das Vibrato: Beim Vibrato verändert sich die Tonhöhe kontinuierlich, nicht in erster Linie die Lautstärke.

In der klassischen Gesangstechnik der europäischen Kunstmusik ist Tremolo als „Zittern der Stimme“ negativ bewertet. In der Instrumentalmusik gilt es dagegen als virtuose und klanglich wirkungsvolle Spieltechnik. Eine extreme Form ist ein rhythmischer Gater-Effekt, wie er zum Beispiel in Trance- und Techno-Musik vorkommt.

Physikalische Grundlagen

Physikalisch ist das Tremolo eine besondere Form der Amplitudenmodulation. Dabei wird die Amplitude eines Signals sinusförmig moduliert: Der Schalldruck oder eine entsprechende elektrische Größe schwankt mit der Tremolofrequenz zwischen einem Minimal- und einem Maximalwert. Die Hüllkurve bildet dabei eine tieffrequente sinusförmige Schwingung.

Typische Tremolofrequenzen liegen bei 5 bis 8 Hz. Langsamere Schwankungen werden eher als „Wimmern“ empfunden; höhere Tremolofrequenzen führen zu einer Rauhigkeit des Klangeindrucks.

Bei natürlichen Musikinstrumenten ist eine Amplitudenschwankung fast immer mit einer Frequenzschwankung verbunden. Meistens liegen beide Modulationen in Phase: Eine Frequenzerhöhung geht dann mit einem Anstieg der Amplitude einher. Die Stärke des Tremolos, der Amplitudenhub, wird in Prozent der Ausgangsamplitude angegeben. Der Frequenzhub eines Vibratos wird dagegen in Cent angegeben. Bei mechanischen Musikinstrumenten ist die Kurvenform des Vibratosignals selten sinusförmig; sie hängt von der Klangerzeugung und von der Resonanzkurve des Instruments ab.

Erzeugung durch Wiederholung

Bei Instrumenten, deren Töne nach dem Anschlag schnell abklingen, kann ein längerer Ton mit Amplitudenänderung oft nur durch schnelle Wiederholung nachgeahmt werden. Das betrifft besonders Klavier und Zupfinstrumente, aber auch Streichinstrumente.

Langsame Tonwiederholungen wirken vor allem rhythmisch und perkussiv. Wird ein Ton jedoch schnell genug wiederholt, entsteht zumindest die Illusion eines Tremolos. Im mittleren Frequenzbereich ist dafür mindestens etwa acht Impulse pro Sekunde nötig. Dann nimmt das menschliche Gehör die Töne im Idealfall nicht mehr als einzelne Impulse wahr, sondern als längeren Ton mit periodischen Lautstärkeänderungen, also als „tremoloartig“.

Als Tremolo gilt hier nicht nur die schnelle Wiederholung eines Einzeltons, sondern auch das rasche Alternieren zwischen zwei Tönen oder Mehrklängen. Im Unterschied zum Triller liegen diese Töne mindestens eine Terz auseinander.

Instrumentengruppen

Bei Aerophonen und Blasinstrumenten wird Tremolo je nach Instrument unterschiedlich erzeugt. Bei der Orgel geschieht es durch den Tremulant, eine Vorrichtung, die den Luftstrom periodisch verändert. Beim Akkordeon beruht das Tremolo auf dem Schwebungsphänomen.

Bei Blechblasinstrumenten entsteht Tremolo durch einen durchgehenden Luftstrom bei schnellem Wechsel zweier Ventilkombinationen, die denselben Ton erzeugen. Solche Griffe heißen Alternativ-, Hilfs- oder Spezialgriffe beziehungsweise False Fingerings. Dabei entstehen meist mikrotonale Abweichungen; deshalb wird die Technik bei Blasinstrumenten auch Bisbigliando oder Klangfarbentriller genannt. Bei schnellem Tremolo sind diese mikrotonalen Unterschiede nicht mehr hörbar.

Bei Holzblasinstrumenten funktioniert das Prinzip ähnlich: Der Luftstrom bleibt durchgehend, während zwei Klappenkombinationen rasch wechseln, die denselben Ton erzeugen. Bei der Klarinette ist dabei der Unterschied zwischen deutschem System und Böhmsystem der Applikatur zu beachten, bei Saxophon, Flöte, Oboe, Englischhorn, Heckelphon und Fagott nicht.

Bei Streichinstrumenten gibt es Bogentremolo und Fingertremolo. Beim Bogentremolo wechseln Abstrich und Aufstrich sehr schnell auf kurzer Strecke und auf derselben Tonhöhe. Beim Fingertremolo wechseln zwei Saiten auf dem Griffbrett schnell, während der Bogen spielt. Bei Tasteninstrumenten wie dem Klavier wird entweder dieselbe Taste mit zwei oder mehreren Fingern derselben Hand wiederholt, oder zwei Tasten im Abstand einer kleinen Terz oder mehr werden durch Unterarmrotation schnell gewechselt.

Bei Zupfinstrumenten wie Gitarre, Mandoline, Balalaika und Bouzouki wird derselbe Saitenton oder Akkord mit der Anschlagshand schnell wiederholt, etwa durch Fingerwechsel, alternierenden Anschlag mit Nagel- und Kuppenseite eines Fingers, Rasgueado bei Akkorden oder Auf- und Abschlag mit einem Plektrum. Für E-Gitarren gibt es entsprechende Effektgeräte. Bei Schlaginstrumenten wird dieselbe Anschlagstelle schnellstmöglich wiederholt; bei Snaredrum, Pauke oder Becken heißt das Wirbel.

Notation

Die schnelle Wiederholung eines einzelnen Tons oder Akkordes wird unabhängig vom Instrument durch schräge Balken über oder unter der zu wiederholenden Note angezeigt. Dadurch wird die Note faktisch verlängert. Wenn zwei Töne oder Akkordbestandteile tremolierend wechseln, stehen schräge Balken zwischen den alternierenden Noten; sie berühren die Notenhälse nicht. Die Anzahl der Balken bestimmt die Notenwerte der Ausführung und damit die Dichte des Tremolos.

Seltener wird ein Trillerzeichen für ein gewöhnliches Tremolo auf demselben Ton verwendet. Das kommt vor allem bei Perkussionsinstrumenten wie Pauke, Triangel oder Becken vor.

Bei Blasinstrumenten muss Tremolo klar von der Flatterzunge unterschieden werden. Tremolo wird mit den Händen und der Spielmechanik ausgeführt, die Flatterzunge dagegen mit der Zunge. Da Tremolo in notierter Musik für Blasinstrumente vergleichsweise neu ist, gibt es noch kein eigenes allgemein etabliertes Symbol. Das sonst übliche Zeichen mit drei kurzen Schrägstrichen ist bei Blasinstrumenten traditionell als Zeichen für Flatterzunge verbreitet. Deshalb muss bei gewünschtem Tremolo in der Notation verbal der Zusatz „tremolo“ ergänzt werden. Bei Saxofonen kann bei überschaubarer Notenmenge ein langsamer Tonwechsel mit abwechselnden Zeichen wie „o + o + o + o + o“ über den Noten angegeben werden; die konkrete Griffwahl bleibt dabei den Spielenden überlassen. Für Blechblasinstrumente mit Ventilen ist diese Notation nicht etabliert.

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